„We Europeans“: Umfrage will herausfinden, was ihr euch für Europa wünscht

Ein wenig Augenwischerei, kurz bevor man Artikel 13 durchwinkt und damit die Grundlagen für eine Zensur-Infrastruktur sowie das Ende des freien Internets in der Europäischen Union besiegelt? Oder handelt es sich um eine tolle Maßnahme, um herauszufinden, welche Themen Europäern am Herzen liegen? Diese Fragen stellt man sich, wenn man an der neuen Umfrage „We Europeans“ teilnimmt.

Allerdings sei erwähnt, dass die Umfrage nicht direkt durch EU-Behörden gesteuert bzw. erhoben wird. Trotzdem dürfte sie in Brüssel vielleicht als willkommene Ablenkung empfunden werden. Zumindest wirkt der Zeitpunkt etwas unglücklich in einer Zeit, in der die EU scharf in der Kritik steht bei allen, die sich für Technik und Medien interessieren.

Für sich genommen, ist die Aktion aber eine interessante Sache: An der Umfrage haben bereits über 1,5 Mio. Europäer teilgenommen. Allerdings bezieht sie sich nur auf die EU, denn auch wenn die Sprecher und Befürworter der EU manchmal den Eindruck erwecken nur die Europäische Union stünde für Europa, ist das natürlich so einfach auch wieder nicht – wie man auch am aktuellen Brexit-Debakel erkennt.

Oben seht ihr die bisherigen Top 10 Vorschläge, welche die Deutschen für die EU auserkoren haben. Wenig überraschend dreht sich viel um den Klima- und Umweltschutz. Da sollte man aber auch im Kopf behalten, dass dies durch die aktuelle mediale Präsenz des Themas stark beeinflusst wird. Vor zwei Jahren etwa, hätte eine solche Umfrage vermutlich das Thema Migration stärker nach oben gespült, weil sich der öffentliche Diskurs vorwiegend darum drehte.

Falls ihr selbst an der Umfrage teilnehmen wollt oder einfach mal einen Überblick über die brennenden Themen in Deutschland und anderen EU-Staaten wünscht, dann erreicht ihr sie unter diesem Link. Hinter der ganzen Sache stecken Civico Europa und Make.org. Es handelt sich laut den Organisatoren um eine demokratische, parteiunabhängige Bürgerkampagne. Ob die Ergebnisse am Ende einen Einfluss haben, steht in den Sternen. Ein gewisses Meinungsbild spiegeln sie aber wider und das ist natürlich durchaus eine spannende Sache.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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9 Kommentare

  1. Sparbrötchen says:

    Auf der verlinkten Seite steht:
    Entdecken Sie hier die 10 in Deutschland am meisten unterstützten Vorschläge.
    Man sollte unnötige Plastikverpackungen in Supermärkten abschaffen.
    Man sollte europaweit dafür sorgen, dass öffentliche Verkehrsmittel bezahlbar sind.
    Man sollte mehr in Bildung und Kinder, und somit sinnvoll in die Zukunft investieren.
    Man sollte die Großkonzerne Apple, Google etc. einheitlich und angemessen besteuern.
    Man sollte Lebensmittelreste der Supermärkte verschenken.
    Man sollte Kindern eine gesunde Ernährung zeigen und beibringen, wo die Lebensmittel herkommen. Sie sollen ihre Werte kennen (Fleisch etc.).
    Man sollte soziale Berufe besser finanzieren und fördern.
    Man sollte wieder bezahlbaren Wohnraum schaffen.
    Man sollte mehr Produkte aus der eigenen Region im Discounter anbieten.
    Man sollte Frauenhäuser und andere soziale Projekte zum Schutz von Menschen fördern und nicht abbauen.

    Ein Großteil bedarf überhaupt keiner europäischen Lösung, sondern kann direkt im eigenen Land gelöst werden. Das sind nur allgemeine Forderungen an die Politik, nicht an Europa.

  2. Was ist den mit der Lautstärke Begrenzung in Handys und mp3 Player wo ist das?

  3. Diese Umfrage ist ein gutes Beispiel dafür wie man Fragen gezielt stellt um eine bestimmte Antwort zu erhalten. Das bei jeder Frage die meisten mit den Grünen Daumen geantwortet haben ist ein Beleg dafür.

    So sollte eine Abstimmung nicht funktionieren.

  4. Die Umfrage erreicht ohnehin nur die sogenannten „Netz-Affinen“, also die, die ständig im Internet zu Hause sind. Ich wage zu bezweifeln, daß sich die Mehrheit der Menschen in diesem Land für die hier genannten Vorschläge auch nur ansatzweise interessiert. Ganz einfach, weil sie ein wirkliches Leben haben, mit ganz anderen Sorgen, mit anderen Freizeitaktivitäten, einer Familie usw. Die beantworten keine Umfragen. Wozu auch?

  5. Undertaker says:

    Devide et impera!
    Altbewärtes Prinzip. Lass die Leute sich für völlig unwichtige Themen engagieren und sich gegenseitig beschäftigen, dann können die wirklich relevanten Themen heimlich, still und leise durchgewinkt werden.
    Abschaffung des Bargelds; Sozialisierung von Verlusten und Kosten der Großkonzerne, wärend die Gewinne weiter privatisiert werden; Abschaffung der Chancengleichheit bei Bildung und Arbeit (Nebelkerze hier ist „m/w/d“); gewollte Altersarmut usw. DAS wären die wichtigen Themen.
    Aber das Stimmenvieh soll halt gefälligst das Maul halten, die zugestandenen Brotkrumen feiern und fleißig immer höhere Steuern zahlen.
    Heutzutage 25 bis 40 % Steuern und im Mittelalter wurden bei Aufständen Fürsten geköpft weil sie den Zehnten (also 10%) forderten.
    Solche Abstimmungen sind leider faktisch völlig wertlos und reine Zeitverschwendung!

    • Die Deutschen neigen dazu, praktisch zu denken. Wenn sie Plastiktüten im Supermarkt abschaffen, retten sie irgendwen in irgendwo. Wer denkt da schon an die eigene Rente? Mit 19?

      Und so stimmen sie halt weiter online ab. Und reichen Petitionen ein. Und verzweifeln dann mit 30, weil es eh nix bringt und der Kindergartenplatz wichtiger ist als die Abholzung des Regenwaldes.

      • Undertaker says:

        Das Problem mit dem Plastikmüll ist durchaus relevant, da leider sehr viel Müll aus Europa nach Asien (aktuell Malaysia) exportiert wird und dort einfach in die Landschaft geschmissen wird, in die Flüsse gelang (und damit ins Meer) oder einfach auf wilden Müllkippen verbrannt wird.
        Trotzdem ist es natürlich ziemlich kurzsichtig zu glauben, dass ein Verbot/Verzicht auf Plastikverpackungen in Deutschland die Welt retten wird. Hier könnten nur globale Strategien helfen – die es aber nie geben wird.
        Wichtiger wäre es daher in der 1. Welt effiziente Recyclingverfahren zu entwickeln und auch in die 3. Welt zu exportieren (und zwar preiswert!). Aber die Interessen von Großkonzernen, Kapital-Investmentgesellschaften und Aktionären sind dem absolut entgegengesetzt. Da werden lieber Giftstoffe, Waffen und Abfälle exportiert und dafür auch noch vom Steuerzahler bezahlte Subventionen abgegriffen.
        Lassen wir daher doch einfach dem Fahrad-fahrenden Öko-Aktivisten seinen Glauben an die Rettung der Welt durch persönliche Askese und Diskussionen im Schein einer Problemkerze. Mag er an so vielen Online-Abstimmungen und Petitionen teilnehmen, wie er will, dann ist er zumindest beschäftigt und kommt nicht auf noch beklopptere Ideen.

  6. „Wenig überraschend dreht sich viel um den Klima- und Umweltschutz.“
    Nur nicht um wichtige Themen (die aber niemand wirklich hören will)
    – viel weniger Fleisch
    – viel weniger Flugreisen
    – weniger u. kleinere Autos, weniger Fahrten

  7. Die Umfrage ist nur ein Ablenkungsmanöver, kurz bevor man Artikel 13 einführen will. Die Themen die man aufgelistet sieht, sind bestimmt nicht unwichtig, momentan gibt es aber viel wichtigere Themen, die von der Presse gezielt totgeschwiegen werden, damit ja keiner was dagegen sagt. Artikel 13 ist in den offiziellen Medien kaum präsent, eigentlich müssten alle dagegen Sturm laufen, tun sie aber nicht, weil gerade die offiziellen Medien dafür sind. Komisch das kaum jemanden noch die Massenimigration interessiert, die ist nach wie vor im vollen Gange, sie ist nur nicht mehr in den Medien präsent. Das Thema war vor 1-2 Jahren mit das bewegendste überhaupt, jetzt interessiert es keinen mehr? Artikel 13 ist mit das schlimmste was jeden Internetnutzer passieren wird, „unsere“ Regierung wird auf jeden Fall zustimmen. Jeder sollte sich ganz gut überlegen wem er seine Stimme zur Europawahl gibt!

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