Project Ara: Googles modulares Smartphone wird weniger modular, verzögert sich erneut

artikel_araProject Ara, seit 2013 macht Google uns mit dem modularen Smartphone den Mund wässrig, außer Prototypen und theoretischer Funktionsweise gab es bisher allerdings nicht viel zu sehen. Nun verzögert sich Project Ara erneut, wie Google auf einer ATAP-Session im Rahmen der I/O bekannt gab. Aber nicht nur das, Project Ara wird auch weniger modular als bisher geplant. Denn so richtig praxistauglich war das bisher angedachte modulare Design nicht wirklich. Anstatt alle Komponenten des Smartphones tauschbar zu machen, wird die neue Version, welche übrigens 2017 für den Nutzer verfügbar sein soll, eher auf Zusatzmodule setzen.

Denn anders als ursprünglich geplant, wird das Grundgerüst eines Project Ara-Smartphones nicht nur das Display, sondern auch Prozessor, GPU, Sensoren, Akku, und Antennen bereitstellen. Das nimmt natürlich ein wenig die Upgrade-Möglichkeiten, denn mal eben den Prozessor auf den neusten Stand bringen oder ein Display mit höherer Auflösung einsetzen, ist nicht vorgesehen.

Module werden sich dann mit Kameras, Audio, zusätzlichen Displays und anderen Sonderfunktionen beschäftigen. Das klingt schon sehr ernüchternd, da es im Prinzip nichts anderes als ein LG G5 ist, das sich ja ebenfalls mit Modulen erweitern lässt. Hat mich nicht wirklich überzeugt und ich setzte meine Hoffnung auf Project Ara. Nun ja.

Noch 2016 wird es eine neue Developer Edition geben, die Endkunden sollen dann 2017 in den Genuss der bis dahin weniger modularen Smartphones von Google kommen. Ich bin gespannt, ob sich damit neue Märkte erschließen lassen. Die Gesamtpakete werden technisch immer kompromissloser, warum sollte man sich da dann noch zusätzliche Module holen, um ein Smartphone aufzumotzen?

projectara_2016

Die neue Project Ara-Webseite erklärt zudem, dass es sechs Slots geben wird, die mit Modulen befüllt werden können. Greybus wird die Verbindung genannt, die auch einen Hot-Swap der Module ermöglichen wird. Wie sieht es mit Eurer Begeisterung für Project Ara aus? Bleibt die bis 2017 und weniger modular noch so bestehen wie sie 2013 aufkeimte?

(via Ars Technica)

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17 Kommentare

  1. Bitte noch mal Korrektur lesen.

  2. Nächstes Jahr kommt die Meldung, dass man nur noch die SD-Karte wechseln kann….

  3. Also zusammengefasst, das Projekt ist gestorben und der Name wird missbraucht.
    Alles, was das Gerät interessant gemacht hat, ist weg.
    Bleibt noch das G5 und das Fairphone.
    Fairphone 2 ist ja schon modular, nur nicht upgrade tauglich. Dann mal sehen, was in ein paar Jahren das Fairphone 3 können wird bzw. andere Hersteller raus bringen.

  4. unabhängig von der Korrektur. Ich finde es in dieser Form auch super und besser gelöst als bei LG. es wird davon abhängen wie teuer das wird. 600€ für das smartphone und nochmal 100€ pro modul wird zu viel sein.
    Anwendung wäre bspw. verschiedene Kameramodule (schwarzweiss, Weitwinkel, Nahaufnahme) die man gleichzeit dranmachen kann, wenn man einen trip macht. dann wechseln auf verschiedene Sensoren wie beim Microsoft band 2 wenn man sportlich unterwegs ist. also ein paar Szenarien kann ich mir vorstellen. und in 3-5 jahren wird es wohl zum teil normal sein. Am Anfang wird der hoche preis abschrecken sein, für das smartphone und die module.

  5. Ehrlich gesagt ist mir ein kompaktes und wasserdichtes Gesamtpaket (wie beim Galaxy S7) lieber. Speichererweiterung durch microSD-Karte ist natürlich Pflicht.

  6. Wolfgang Denda says:

    Alleine wegen des nötigen Bussystems und zuverlässiger Kontaktierung wird das ganze nie aus dem experimentellen Stadium herauskommen oder über das herausgehen, was LG (für jedes Modul ein anderes Flipcover?) gerade gezeigt hat. Typisches „tolle Idee, aber leider“.

    In vorhandenen Paketen ist alles drin – wer tauscht nach 1,5 Jahren nur die Kamera aus, auf Kosten der möglichen Gesamtleistung (Schnelligkeit, Stabilität, Kompaktheit, Wasserfestigkeit)? Bei einem Modulpreis, der dann wohl den Restwert eines typischen Androiden um das doppelte übersteigt.

    Dann wären da noch die Kosten für den Endverbraucher – wieviele Leute, bitte, kaufen wenigstens das reparaturfreundlich modular aufgebaute Fairphone II?

  7. Sebastian says:

    Überzeugt mich auch nicht so wirklich, schade eigentlich.

    @Sascha: Lies dir deinen Artikel bitte nochmal durch, in einigen Sätzen sind einige Formulierungen doppelt drin. 🙂

  8. @An Dy: My good sir, you won the Internet today.

    Vielen Dank 🙂 habe herzlich gelacht.

  9. Sascha Ostermaier says:

    Puh. Danke. Peinlich. An 2 Stellen wurde ich fündig. War es das hoffentlich?

  10. Ohne CPU und Akku und Display-Hot Swap ist mein Interesse an Ara quasi gänzlich verschwunden… Es ist ohne Probleme möglich eine CPU und einen Akku in einen Hot Swap modus zu integrieren, dazu ist halt im Rahmen der Co-Prozessor der heutzutage für die Überwachung des Smartphonebesitzers und die Schrittzähler / Fitness Funktionen zuständig ist eben kurzzeitig für Android zuständig… – Mit Akku-Puffer kann man auch Akku-Hotswap ermöglichen, dann gibt es halt einen 60 Sekunden Timer bis der neue geladene Akku drin sein muss…

    Verstehen könnte ich die Schritte von Google nur so – sie wollen kein attraktiveres Smartphone als alle anderen Hersteller bringen, entweder sie wollen den Herstellern Spielraum lassen oder sie befürchten wirklich irgendwelche Patentstreit-Klagen wenn sie es anders realisieren…

  11. Mithrandir says:

    @Test123: Naja, warum sollte das Fairphone 2 nicht upgrade-tauglich sein? In der Theorie könnte man schon bessere Komponenten einbauen, wenn es sie gäbe. Aber ich glaube, das entspricht nicht der Philosophie des FP 2.

  12. Mithrandir says:

    @Konstatin: Warum muss man unbedingt die CPU hotswappen können? 5 Minuten ohne Smartphone wird wohl gehen. Der Nutzen wäre ggü. dem zusätzlichen Aufwand (Kernel-Anpassungen, etc.) wohl eher gering.

    Die Frage ist, wie groß der Massenmarkt für so ein modulares Smartphone wäre. Denn ein Design-Highlight isses ja nun nicht wirklich.

  13. Wolfgang Denda says:

    @Mithrandir
    > (Kernel-Anpassungen, etc.)

    Die Software zum Betrieb neuer Module ist der nächste Pferdefuss. Wie bekommt man die ins Smartphone und eingebunden, wer liefert die, und welcher Hersteller ist bei Problemen zuständig? Ist ja nicht wie beim Mac, mit Planung und Entwurf aus einer Hand.

  14. Wird seine Gründe haben, ein Embedded System ist halt doch etwas anderes als ein PC.

  15. Stefan Scheller says:

    Ich sage mal so. Wer beruflich in der elekteobranche unterwegs ist, hätte das ganze projekt, so wie ich, von anfang an in frage stellen müssen. Es gibt da diverse punkte die mir von anfang an ins auge gestochen sind. Die module sind ja alle unterschiedlich gros und es gibt keine festen positionen für die module. Wie hätte das jemals mit den kontakten bzw. Insbesondere der kommunikation untereinander funktionieren sollen? Beispiel CPU sockel im PC. Wie viele neue sockel gab es da in den letzten jahren. 2 oder 3 bekommen wir da glaub zusammen. Und alle haben sie unterschiedliche anzahlen an kontakten layouts, elektrische belegung.

    Ich stande dem projekt von anfang an sehr skeptisch gegenüber. Wie man sieht nicht umsonst.

  16. Puzzelphone aus Finnland ist sehr weit! Schaut bitte mal!

  17. Mithrandir says:

    @Wolfgang: Für den End-User wird es definitiv aufwändig, da er sich bei Problemen möglicherweise an mehrere Ansprechpartner wenden muss. Auf der anderen Seite haben PC-Selbstbauer genau dasselbe Problem – hält auch keinen ab. 😉
    Ansonsten – Firmware-Upgrades sind ja kein Problem, siehe jedes moderne PC-OS. Aber in einer Sandbox-Umgebung wie Android könnte das spannend werden, ja.

    @Stefan: Sei nicht so pessimistisch. 😉 Ich bin Software-Entwickler. Für solche Problemstellungen bauen wir Proxy-Klassen: Die Implementierung wird hinter einer Fassade versteckt. Stell‘ dir das wie einen aktiven Adapter für den CPU-Sockel in deinem PC vor. So könnte das bei Ara auch funktionieren. Und zur Kommunikation kennt die E-Branche ja auch I2C und TWI. 🙂