Pearl: Familien-App für Smartphones erlaubte jedem das Tracking von Personen

Inwiefern spezielle Smartphones für Senioren mit Tracking-Funktion sinnvoll sind, dürft ihr für euch selber entscheiden. Die Geräte als solche sind sicherlich für viele passend, es nützt nur nichts, wenn die dazugehörige Software haarsträubende Sicherheitslücken beherbergt.

Anfang des Jahres schrieb uns unser langjähriger Leser Heiko und berichtete, dass er für den Betrieb in der Familie ein Senioren-Handy bei Pearl gekauft habe. Das Gerät, welches Pearl da beispielsweise anbietet, ist das simvalley Mobile „Komforthandy mit Garantruf Premium, XL-Farbdisplay, GPS-Tracking & App„.

Für jenes gibt es Apps für Android und iOS. In dieser App lassen sich Familiengruppen gründen. Man kann den Inhaber des Smartphones in der Gruppe orten, man kann Alarme einstellen, wenn der Senior (oder vielleicht das Kind) festgelegte Bereiche verlassen und ein Live-Tracking der Person ist möglich. Jeder mit der App kann in die Gruppe, man braucht nur einen speziellen Einladungscode.

Nun kommen wir zum entscheidenden Punkt: Dieser „spezielle“ Einladungscode ist in der Vergangenheit eine fortlaufende Nummer gewesen. Die App erlaubt das Nutzen mehrerer Nummern und so konnte man mit der App in jede Gruppe, indem man fortlaufende Nummern ausprobierte. Hier konnte man dann alles sehen, was in der App hinterlegt war. Notfallkontakte, die Sperrbereiche, Profilbilder, den Ort – eben alles.

Wir haben in Hinblick auf die Einfachheit der Ausnutzung der Sicherheitslücke nicht über diesen Fall berichtet, denn wirklich jeder konnte die von Pearl genutzte App des chinesischen „Shenzhen Uoshon Communication Technology Co.,Ltd.“ namens Wefam Pearl nutzen und so die erklärte Gruppenfunktion nutzen. Wir haben die Presseabteilung von Pearl informiert, die in dieser Folge wohl ihren chinesischen App-Entwickler ansprachen. Der hat nun am Ende der letzten Woche die App mit „verbesserter Sicherheit“ aktualisiert. Offenbar eine eingekaufte White-Label-App.

Statt fortlaufender Nummern gibt es nun einen zufälligen Code. Dieser hatte im Test unseres Lesers Heiko dann immerhin 8 Stellen, von denen die ersten 4 aber in diversen Durchläufen immer die gleiche Buchstabenfolge aufwiesen. Hier könnte man sicherlich einen Bot ansetzen. Vielleicht hätte man eher eine Abfrage einbauen müssen, ob eine Person in die Gruppe darf. (Update: Pearl informierte mich, dass der Code komplexer werden wird)

Solltet ihr also jemanden kennen, der diese App nutzt, dann informiert diesen, dass er diese aktualisiert. Und erstellt vielleicht eure Gruppe neu. Oder noch besser: Verzichtet auf so etwas. Das wirkt auf mich irgendwie nur wenig vertrauenerweckend mit dieser App da.

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caschy

Hallo, ich bin Carsten! Ich bin gelernter IT-Systemelektroniker und habe das Blog 2005 gegründet. Seit 2008 ist es Beruf(ung). Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Fan und Vater eines Sohnes. Auch zu finden bei LinkedIn, Twitter, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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10 Kommentare

  1. >>Solltet ihr also jemanden kennen, der diese App nutzt<<
    Schwierig wenn man den Namen nicht kennt.
    Handelt sich bestimmt aber um diese APP: Wefam Pearl

  2. Matthias Krause says:

    mehr fällt mir dazu nicht ein. Vielleicht noch
    Ne fortlaufende Nummer ‍♂️

  3. Fritz Mukula says:

    Verstehe nicht wieso man nicht direkt die Standortfreigabe von Google Maps für solche Zwecke nutzt. Wieso muss ich mir irgendeine Extra-App installieren, wenn es mit Boardmitteln ebenfalls funktioniert? Vielleicht nicht im selben Umfang, aber der Hauptzweck ist damit erfüllt. In der Zeit vor den Smartphones hatte man solche Möglichkeiten gar nicht und dennoch hat das Leben funktioniert.

    • Anscheinend hast du den Sinn und Zweck von „Senioren-Smartphones“ nicht so ganz verstanden.
      Da geht es um mehr als nur mal eben den Standort einer Person abzufragen.

      • Und auch wenn man nur den Standort will, muss für ‚Standortfreigabe von Google Maps‘ ja Google Maps auf dem Gerät sein, das Gerät also ein ‚richtiges‘ Smartphone sein. Und das klappt bei den meisten Senioren halt nicht.
        Wobei dieses Simvalley eigentlich durch fehlende Ladeschale aber unnötige Spielereien auch schon für den vorgesehenen Zweck (für Senioren) rausfällt…

        • Peter Brülls says:

          Naja, meine Mutter ist definitiv Senior mit deutlich über 80 und die benutzt ein iPhone. Und so wie ich das mitkriege ich bei ihrer Bekanntschaft Smartphone normal und alle quasseln über WhatsApp und schicken sich Dinge.

  4. Mir erschließt sich nicht der Sinn des Tarckings von Personen..egal ob Senior oder Kind.
    Das kommt meines Erachten einer totalen Bevormundung gleich.

    • Peter Brülls says:

      Um ihn zu finden. Es muss nur halt bekannt und transparent und auf Gegenseitigkeit beruhen. Meine Mutter juckt es just genau gar nicht, dass ich sie tracken kann. Fand sie auch Samstag ganz gut, als sie zur falschen Bahnhofseite rauspazierte und wir sie suchen mussten.

      Beim eigenen Kind wiederum habe ich da kein gesteigertes Interesse daran, denn das kommt erst mal lange nicht in solche Situationen und muss generell lernen, damit umzugehen.

      Dass ist ja auch der Unterschied: Beide Gruppen haben eine größere Hilflosigkeit als 15 – 75, aber bei Kindern wird das halt abgebaut und immer bessern, bei Senioren eben nicht.

    • Kann es sein, dass du in deiner Familie bisher noch keine Erfahrung mit Demenz oder auch nur altersbedingter temporärer Orientierungslosigkeit hast?

  5. Google Maps und Google „Vertrauenswürdige Kontakte“ bieten ähnliche Funktionen mit einzeln autorisierbaren Personen und im Gegensatz zu diversen Eltern-Apps auch vollkommen transparent für alle Nutzer.

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