Neon: Künstliche Intelligenz der nächsten Generation?

Wir haben hier ja bereits über Neon gebloggt: Gehört zu Star Labs, welche wiederum zu Samsung gehören. Was treibt man aber nun genau? Bei Neon trompetete man im Vorlauf zur CES 2020 noch etwas von künstlichen Menschen. Am Ende geht es aber in erster Linie um visuell ausgefeilte Avatare für künstliche Intelligenz. Ich habe mal beim Messestand vorbeigeschaut.

Dort agierte man mit viel Pathos, zeigte aber im Grunde wenig: Auf mehreren großen Screens hampelten die digitalen Avatare herum – allerdings noch keine interaktionsfähigen bzw. überhaupt repräsentativen Modelle. So soll Neon ja später komplett digitale Avatare generieren – man sah aber noch Modelle / Schauspieler, die als Vorlagen herhielten. Ein Sprecher des Unternehmens plauderte vor Ort und versprach, dass – wie bei einem echten Menschen – jede Geste individuell sein werde.

Plattes Beispiel: Lächelt ein Neon-Avatar euch zu, kann er das je nach Situation und „Stimmung“ mal machen und dabei die Zähne zeigen, ein anderes Mal nur den Anflug eines Grinsens mit geschlossenem Mund präsentieren. Alle Frames sollen in Echtzeit generiert werden und keine vorgefertigten Animationen abspielen, sondern individuell ausfallen – eben so, wie auch bei einem Menschen.

Nun ist natürlich die Frage, wie gut das Ganze am Ende aussehen wird – denn die Demos von der CES 2020 dürften nicht unbedingt das darstellen, was man tatsächlich am Ende zu sehen bekommt. Vielleicht sind die Resultate tatsächlich vergleichbar – vielleicht aber auch nicht. Da heißt es abwarten.

Aktuell klingt Neon deswegen für mich extrem interessant. Geplant ist auch, dass sich quasi unendlich viele, verschiedene Avatare generieren ließen. Jeder könnte anders aussehen und sich je nach Anwendungsgebiet anders verhalten und artikulieren – sowohl verbal als auch in Gestik und Mimik. Derzeit hat Neon aber vor allem ein Ziel: Man will Partner aus dem B2B-Bereich gewinnen, also Geschäftskunden, die Geld in Neon pumpen bzw. das kommende Produkt nutzen wollen.

Die Vorteile von Neon liegen auf der Hand, wie ein Sprecher klarmachte: Neon könnte in vielen Fällen Kundenberater oder Mitarbeiter in Service und Information ersetzen. So kann ein Mensch nicht unendlich lange beraten und Informationen preisgeben – irgendwann soll eben der nächste Kunde an die Reihe kommen, die Pause naht oder etwas anderes steht an. Die Neon-Avatare hingegen hätten unendlich viel Zeit, um sich mit Kunden ausführlich und individuell zu beschäftigen.

Ich bin gespannt, was aus Neon so wird. Man hat große Pläne, bleibt aber eben noch sehr vage. Insofern teile ich Caschys Skepsis, ob sich die Ideen in naher Zukunft wirklich umsetzen lassen oder noch eine sehr, sehr lange Wartezeit droht.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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8 Kommentare

  1. Dazu fällt mir nur ein:
    In den nächsten beiden Jahrzehnten sollen nach einer Studie der OECD mindestens 800 Millionen Jobs weltweit wegfallen.
    Kassiererinnen, Paketausträger, Taxifahrer werden ebenso verschwinden, wie Auskunft, einfache Sachberarbeiter in Behörden, Bankangestellte, Sekretärinnen. Später folgen dann Schauspieler, Ärzte, Krankenpfleger …

    Ein Leben in Freizeit und Luxus dürfte das für uns werden … oder doch nicht?

    • Grindelbald says:

      Müsste es tatsächlich – wenn man ein System fände (bzw. finden wollen würde), das das gesparte Geld sinvoll verteilt.

      Stattdessen wird bei der Automatisierung eines Jobs einer deutlich reicher (der Unternehmer) und ein anderer deutlich ärmer (der Entlassene).

    • Na dann hat man ja jetzt noch bis zu 2 Jahrzehnte lang Zeit, um sich für einen richtigen Job umzuorientieren.

  2. Die sollten besser erstmal schauen das die aktuelle Generation richtig funktioniert.

  3. Vorteil: Man kann Mitarbeiter ersetzen… toll! Ich freu mich schon drauf wenn Avatare Blogger ersetzen – Pressemitteilungen wiederkauen dürfte ja so schwer nicht sein!

    • Niemand hindert dich ein Abo für eine Zeitschrift abzuschließen und in dieser ordentlich Kritik abzulassen, falls dir was nicht gefällt. Weils dich gekostet hat. Aber das machste einfach nicht.

  4. Naja, wenn die dann genauso holprig funktionieren wie es momentan noch Alexa, Bixby, Cortana, Siri oder der Google Assistent machen, ist damit auch niemandem geholfen.
    Da wäre es mir lieber, wenn man erstmal die „Smartheit“ der Assistenten verbessert und diese sicher und intelligent mit dem Nutzer interagieren können.
    Mir bringt es wenig einen Avatar anzuschauen der dauernd mit den armen fuchtelt und sagt, „sorry, aber das habe ich nicht verstanden“ oder „das weiß ich nicht“, wesentlich mehr als eine Routine starten oder einen Internetbeitrag vorlesen können die meist auch noch nicht.

  5. Harry Plotter says:

    Fast wie die Portraits in Harry Potter.

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