Microsoft distanziert sich vom Gesichtserkennungs-Start-up AnyVision

Microsoft hatte über seinen Risikfonds M12 in das israelische Start-up AnyVision investiert. Letztere beschäftigen sich mit Gesichtserkennung, einem Bereich, der aktuell höchst umstritten ist. Beispielsweise geht Google sogar gegen das höchst kontroverse Unternehmen Clearview AI vor, das Techniken zur Gesichtserkennung zur Überwachung bereitstellt. Das Missbrauchspotential durch Behörden und andere Organisationen ist enorm. Deswegen will Microsoft mit der ganzen Thematik weniger am Hut haben.

So haben die Redmonder bestätigt, dass sie ihre Anteile an AnyVision verkaufen werden. Zudem werde man nicht mehr kleinere Investments in Unternehmen stecken, die mit derlei umstrittenen Technologien hantieren. Bisher lautete das Credo des Unternehmens, dass man sich durchaus genauer mit Gesichtserkennung beschäftigen werde, um die Entwicklung in konstruktive Bahnen zu lenken. Offenbar wird man da nun zurückhaltender, was Partnerschaften betrifft.

Bürgerrechtler argumentieren, dass die Verwendung von Gesichtserkennung durch Polizei und staatliche Behörden ein zu hohes Fehler- und Missbrauchspotential berge und zu einem Überwachungsstaat führe. Deswegen sahen viele Menschen es kritisch, als Microsoft 74 Mio. US-Dollar in AnyVision pumpte. Die Kritik verschärfte sich, nachdem Vorwürfe aufgetaucht waren, dass die Technik von AnyVision angeblich von Israel genutzt wurde, um Palästinenser zu überwachen.

Microsoft nahm die Vorwürfe ernst und untersuchte sie gemeinsam mit einer Kanzlei. Man erkannte zwar keine Bestrebungen in Richtung der Massenüberwachung, die Techniken von AnyVision wurden aber an Grenzübergängen verwendet. Für Microsoft war die ganze Kontroverse sicher ein Gesichtsverlust und deswegen hat man eben nun die Schnauze voll und will vorsichtiger mit seinen Investitionen sein.

AnyVision hat die ganze Angelegenheit bisher nicht öffentlich kommentiert. Microsoft hat auch noch keinen Zeitplan dazu genannt, wann die Anteile an einen anderen Investor gehen sollten und wer das sein könnte. Microsoft entwickelt Gesichtserkennung im Übrigen dennoch weiter – für die Verwendung im kommerziellen Bereich und im öffentlichen Sektor. Allerdings lehnte man in der Vergangenheit schon den Verkauf an Staaten ab, die als undemokratisch gelten. Intern soll sich also an der Forschung an der Technik nichts ändern – mit Partnerschaften will man aber vorsichtiger sein.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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10 Kommentare

  1. Sowas wird früher oder später kommen… also unseren Alltag beherrschen… machen wir uns nichts vor…

  2. Google und Microsoft wollen sich nur den Kuchen selber sichern, deshalb versuchen sie jetzt, den ganzen innovativen kleinen Unternehmen regulatorische und wirtschaftliche Steine in den Weg zu legen.

    • Und hoffentloch mit Erfolg. Was ist innovativ and Massenüberwachung? Und vor allem toll?

      • Naja ich glaube er will darauf hinaus, dass es nicht etwa nicht stattfinden wird, sondern eben den großen Spielern überlassen bleiben wird.

        de.wikipedia.org/wiki/Regulatory_capture

        Die Innovation bezieht sich da dann bloß auf die Möglichkeit in einem weniger stark regulierten Markt überlegene Leistungen anzubieten (verglichen mit „den großen“).

        Ich finde beides schlecht, also fällt mir schwer, da jetzt Partei zu ergreifen. 😀

        Müsste man halt wissen ob die Verzerrung hin zu den Großen der Privatsphäre mittelfristig hilft oder ob sich diesbezüglich gar nichts ändert und nur die Unternehmen den Markt gegen Konkurrenz von unten absichern.

  3. Amis sind BLÖD

    Sich aufregen das in einem Staat andere Verfolgwerden die weit weit weit weg von ihrem Land sind aber sich nicht aufregen wenn MS Brillen für das US Militär herstellt? Sich nicht aufregen das die eigene Kinder Waffen ohne große Probleme kaufen können und Millionen illegal Waffen besitzen in der USA. Verrüchtes, dummes Land. Aber was sag ich auch in D gibt es zigtausende illegale Waffen, immer wieder passiert auch hier was selbst mit legalen…

    Frag mit wieviele Kills so eine Cam mit Gesichtserkennung am Tag verursacht… ok in Israelischer Hand vermutlich so 1-2, wissen wir das die ganze Mordbrigaden unterhalten ganz offiziell.

  4. Der Zauberlehrling says:

    In den 90er wurde aufgeregt, dass der Staat die Bevölkerung überwacht hat. als NSA-Affäre rauskam, haben einige zeitlang darüber aufgeregt, danach ging es weiter. Jetzt regt man sich über diesen auf. Solange solche Dinge das Leben vereinfachen / bequem machen, werden die halt kommen. Solange die Vorteile der Nachteile überwiegen, werden solche Dinge in der Gesellschaft integrieren, da können viele Leute sich beschweren es wird sich nicht ändern.
    Ich bin überzeugt, dass ein ähnliches Modell wie in China gibt, auch in Europa etablieren wird, halt unter andere Bedingung (das Leben vereinfachen, Kriminalität bekämpfen etc.).

  5. Gesichtserkennung, fingerabdrücke oder DNA-Identifikation sind Werkzeuge. wie ein Hammer. mit dem Hammer kann man ein haus bauen oder jemanden dem Schädel einschlagen. eine technik ist also per se weder gut noch schlecht . Es kommt auf die anwendung an. In so fern halte ich nichts von solchen aussagen wie „Gesichtserkennung“ sei generell eine Technologie die fragwürdig sei“-entwickelt wird sie eh. Es geht um gesellschaftliche Kontrolle über deren Anwendung. Ich hätte kein Problem damit z. B-. den Zugang zu einem Gebäude oder einem Geldautomaten per Gesichtserkennung abzusichern, wenn die methode zuverlässig und fälschungssicher ist. Ob und wasz. B. über die Personen gespeichert wird, die ein Gebäude betreten ist unabhängig vom verwendeten Token, also PIN, Fingerabdruck oder Gesicht. Und Schlüssel sind auch registriert , und dann kann ein Pförtner den Ausweis verlangen und protokollieren wann wer kommt und geht. Die DDR war auch ein überwachungsstaat ganz ohne elektronisch erfaßte fingerabdrücke oder Gesichter.

    • Nicht jedes Werkzeug ist so neutral wie ein Hammer … und selbst ein Hammer ist Kontextabhängig kein neutrales Werkzeug. Wenn du jemandem die SSD austauschst und einen Hammer dabei hast kommt der ja auch ins Grübeln.

      Im 1. Weltkrieg mag Senfgas noch ein einfaches Werkzeug gewesen sein, heute ist es durch die Chemiewaffenkonvention praktisch verboten.

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