Mein Ersteindruck vom ZTE Blade V10, dem selbsternannten Selfie-Smartphone

Gut zweieinhalb Jahre ist es nun schon her, dass ich ausgiebiger mit einem ZTE-Smartphone hantieren durfte. Damals war es das Axon 7, welches mich noch recht lange begleitet hat und auch meine Frau konnte sich einfach nicht von dem Gerät lösen. Doch jetzt hat uns das Unternehmen doch mal wieder zwei neue Smartphones zukommen lassen: das Axon 10 Pro und das Blade V10, beide wurden Ende Februar dieses Jahres vorgestellt.

Caschy hat sich dabei dem potenten Axon 10 Pro angenommen, ich habe mich einem Test des selbsternannten “Selfie-Smartphones” gewidmet, dem ZTE Blade V10. Jenes ist seit dem 5. April dieses Jahres für einen UVP von 299 Euro in Europa zu bekommen, parallel dazu soll auch noch das preisgünstigere ZTE Blade V10 Vita erscheinen, welches sich vor allem für die jüngere Generation eignen soll – was auch immer das am Ende für die Hardware heißen mag.

Spezifikationen des ZTE Blade V10:

  • Abmessungen: 157,8 x 75,2 x 7,8 mm
  • Gewicht: 156 Gramm
  • SoC: MediaTek Helio P70 Octa-Core (4 x 2,1 GHz + 4 x 2,0 GHz)
  • Display: 6,3 Zoll FHD+ Display mit Wassertropfen-Notch (2.280 x 1.080 Pixel, 19:9, 400 PPI)
  • Speicher: 4 GB RAM, 64 GB interner Flash-Speicher (per microSD um bis zu 256 GB erweiterbar)
  • Betriebssystem: Android 9.0 Pie (mit angepasster MiFavor 9.0-Oberfläche)
  • Akku: 3.200 mAh, Standby laut Hersteller bis zu 26 Tagen, Sprechdauer laut Hersteller bis zu 20 Stunden
  • Netze/Anschlüsse: 2G (850/900/1800/1900 MHz), 3G (859/900/2100 MHz), 4G (B1/B3/B5/B7/B8/B20), SAR Kopf 0,369 W/kg, USB Typ-C, Wifi 802.11 b/g/n/ac (2,? GHz), Bluetooth 4.2, kein NFC, Hybridslot für zwei Nano-SIM-Karten, 3,5 mm Klinkenanschluss
  • Sensoren: Kompass, GPS, Beschleunigung, Näherung, Umgebungslicht, Gyroskop, Fingerabdruck in der Rückseite
  • Hauptkamera: 16 MP AF + 5 MP FF, Video bis zu 1.080P, Blitz
  • Frontkamera: 32 MP FF, AI-Dual-Kamera, AI-Selfie
  • Farbvarianten: Schwarz, Grün
  • UVP: 299,99 Euro

Die Key-Specs des Blade V10 kennt ihr nun, doch wie schlägt es sich im Test? Das Gerät fasst sich trotz seiner Kunststoffrückseite außerordentlich gut an, was wohl an dem “mehrlagigen Porzellan-Stapelverfahren” liegen wird, wie ZTE dies nennt. Dies soll ein keramikartiges Anfassgefühl erzeugen. Für mich fühlt sich das dann doch eher wie Kunststoff an, warm und mit etwas Grip, was normalerweise bei Keramikrückseiten eher nicht der Fall ist. Dennoch fühlt sich das gut an, denn das Gerät flutscht nicht so schnell aus der Hand und auch die leicht abgerundeten Kanten lassen sich dabei gut umfassen.

Das 6,3 Zoll große FHD+ Display wird lediglich durch eine Aussparung in Wassertropfenform unterbrochen, die unter anderem die 32 MP-Frontkamera beherbergt, die das Blade V10 zum “Selfie-Smartphone” machen soll. Bei direkter Sonneneinstrahlung ist mir persönlich die maximale Helligkeit des Geräts zu gering, als dass sich Inhalte noch problemlos erkennen ließen. Am unteren Geräterand ist leider ein unschönes Kinn zu sehen, was das sonst doch recht ansehnliche Äußere der Vorderseite etwas stört. Auf der Rückseite findet ihr die 16 MP AI-Dual-Kamera, unterhalb befindet sich der Fingerabdruckleser, der in meinem Test sehr schnell und zuverlässig gearbeitet hat. Der Powerbutton ist farblich hervorgehoben, was mir persönlich wie auch schon beim Pixel 3a und 3a XL sehr gut gefällt.

Störend an der Rückseite (oder eher deren Material) empfinde ich die Tatsache, dass sie Fingerabdrücke regelrecht anzieht. So muss im Grunde schon wieder eine Schutzhülle her, die das an sich noch einigermaßen schmale Gerät dann doch wieder unnötig dick macht.

Die ZTE-Oberfläche MiFavor 9.0 empfinde ich durchaus mal als eine wirklich übersichtlich angepasste UI, denn viel hat sich gegenüber Stock-Android hier nicht geändert. Ein, zwei ZTE-Dienste sind vorinstalliert, mit denen lässt sich aber gut leben. In den Einstellungen findet ihr dann aber doch noch ein paar weitere Änderungen, so zum Beispiel die KI-gestützte Akku-Optimierung. Wie auch bei vielen anderen Systemen soll diese dafür sorgen, dass ihr möglichst lange mit dem Akku haushalten könnt und Apps im Idle-Zustand nicht unnötig Ressourcen verschwenden, die anderswo vielleicht viel eher gebraucht würden. Das klappt soweit auch alles ganz gut, hab ich aber dennoch deaktiviert.

Denn sobald ich jenes Feature aktiviert lasse, fahren einige Apps (so auch Google Fotos) eine Art Slow-Mo-Modus, der das Scrollen zur Qual macht und so sicherlich auch nicht gedacht war. Aktive Apps auszubremsen ist dumm, inaktive Apps dürfen wegen mir gerne gelähmt im Hintergrund liegen. Mit deaktivierter Akku-Optimierung läuft das ganze System aber dann doch wieder deutlich runder, vielleicht hilft da ja dann doch irgendwann ein Firmwareupdate. Vier Gigabyte Arbeitsspeicher gehören heute schon zur Normalität, eher finden sich ja oftmals schon sechs, acht oder noch mehr GB in den Geräten.

Da wundert es wenig, dass das ZTE Blade V10 im Gegensatz zum Axon 10 Pro mit seinen 6 GB Arbeitsspeicher und dem schnellen Snapdragon 855 als SoC schon dezent “abstinkt”, wenn es um die Performance geht. Im Alltag beim Bedienen des Systems fühlt sich das alles noch gut verträglich an, das Scrollen dürfte vielleicht gerne etwas flüssiger funktionieren. Doch auf aktuelle Games ist das Blade V10 einfach nicht ausgelegt. Versteht mich nicht falsch: der MTK Helio P70 als SoC und die vier GB RAM reichen für Pokémon GO und Co. allemal aus, um diese problemlos spielen zu können. Aufwendigere Titel haben auf dem Gerät dann aber nichts zu suchen. Hierfür reicht die Leistung dann einfach nicht aus, was auch die Benchmarks bestätigen können:

Der Sound des Blade V10 geht soweit klar, insofern wir vom Telefonieren sprechen. Hier versteht man sein Gegenüber und vice versa sehr klar, Nebengeräusche werden gut unterdrückt. Zum Musikhören sind die Lautsprecher des Geräts dann aber meiner Meinung nach weniger gut geeignet, hier empfiehlt sich ein per Bluetooth verbundener Lautsprecher oder Kopfhörer. “Blechern” beschreibt den Klang der Musik recht passend, wenn man diese hier ohne zusätzliche Lösungen hört.

Doch kommen wir mal zu dem Punkt, den ZTE beim Blade V10 ganz heftig bewirbt: die Kamera. Oder besser: die Frontkamera. Diese nimmt Fotos nämlich mit 32 Megapixeln auf und soll dank zusätzlicher KI-Unterstützung und einer f/2.0-Blende für besonders gute Selfies sorgen. Tatsächlich hat sich ZTE wirklich Mühe gegeben, gerade der Kamerasoftware reichlich Spielereien mitzugeben, dank derer ihr euer Selfie vielfältig optimieren/anpassen könnt. Diese Funktionen sind (Gott sei Dank) von Haus aus erst einmal allesamt deaktiviert, müssen also von euch gefunden und aktiviert werden. Dann könnt ihr euer Gesicht schmaler, die Augen größer und die Haut sanfter denn je erscheinen lassen – ganz wie man es vom asiatischen Smartphonemarkt mittlerweile gewohnt ist. Als Europäer schreckt man dabei aber oft zurück, weil das eben alles auch viel zu künstlich aussieht, wie ihr vielen der Selfies im Zip-Archiv auch sehen könnt.

Ansonsten leistet die Frontkamera aber eine durchaus gute Arbeit, was die Schärfe und Farben der Selfies, aber auch den Bokeh-Effekt bei Porträtaufnahmen angeht. Selfie-Smartphone stimmt also schon irgendwie. Und die Hauptkamera? Nun, die nimmt mit 16 + 5 Megapixeln auf, setzt auf eine f/1.8-Blende und KI-Unterstützung zur Erkennung von 300 unterschiedlichen Szenen, damit die Einstellungen der Kamera für jedes Motiv möglichst passend voreingestellt sind. Das klappt nach meinem Empfinden auch ziemlich gut, wie die Bilder im Zip-Archiv veranschaulichen.

Leider sorgt die KI hier und da für eine etwas überzogene Farbdarstellung. Unschärfe, Fokussierung und Co. werden aber ausgesprochen schnell berechnet, womit das Fotografieren mit dem Blade V10 unterwegs dann auch Spaß machen kann. Dank der Dual-Kamera sind natürlich auch wieder Funktionen wie der Porträtmodus, aber auch das Aufnehmen monochromer Fotos möglich. Wer will, pickt eine Farbe aus dem Spektrum heraus, die dann in der monochromen Darstellung als einzige eingeblendet wird – das sorgt dann hier und da für interessante Fotos. Alles in allem gefallen mir die Kameras des Blade V10 schon sehr gut, auch wenn ich bei der Werbung für die Frontkamera weniger an Effekte und Filter gedacht hatte.

Für den Akku mit seinen 3.200 mAh Kapazität hatte ich eigentlich auch wieder den Akkutest des PCMark angeworfen, als auch den von Geekbench 4. Leider wurden beide noch während des Tests regelmäßig beendet, sodass ihr wohl oder übel mit meinen persönlichen Eindrücken hierzu vorliebnehmen müsst. Das Gerät wurde von mir während der vergangenen Tage für diverse Aktivitäten genutzt: viel Pokémon GO, YouTube, Musik hören, Fotografieren, diesmal weniger Messenger als in sonstigen Tests – dafür hab ich mehr damit telefoniert. Gerade wenn wieder ein Tag für mein Lieblings-AR-Spiel draufgegangen ist, musste ich in Richtung Abend das eine oder andere Mal zwischenladen, hier verbraucht der SoC anscheinend beim Spielen dann doch ganz gut.

Ansonsten kann ich mit dem Akku aber gut und gerne über zwei, nötigenfalls sogar in den dritten Tag hinein, auskommen. Das überrascht mich dann doch ein wenig, hier hatte ich mit weniger Ausdauer gerechnet. Ohne weitere Nutzung (WLAN und BT aktiv) kann ich das Gerät dann auch über die gesamte Woche daheim liegen lassen, bis es wieder an den Strom muss. Wenn sämtliche Verbindungen bis auf 3G deaktiviert sind, kann ich mir auch durchaus vorstellen auf die vom Hersteller kommunizierte Standby-Zeit von bis zu 26 Tagen zu kommen.

Für 299 Euro erhält man mit dem ZTE Blade V10 ein gutes und schickes Smartphone mit guter Kamera und besserer Frontkamera. Der Rest der Hardware lässt sich in der Einstiegs- bis Mittelklasse einsortieren. Die Ausdauer des Akkus ist in meinen Augen ein großer Pluspunkt, die nicht wirklich gut abgestimmten “KI-Optimierungen” sind mir dann aber ein Dorn im Auge und könnten auch gern zugunsten der Leistung gestrichen werden. Aber der Markt für Geräte bis zu 300 Euro ist riesig und meiner Meinung nach findet sich da heutzutage schon reichlich andere Hardware mit mehr Leistung fürs Geld, siehe zum Beispiel das Huawei Mate 20 Lite aus dem Vorjahr oder auch das Honor Play, das Moto G7 Plus oder auch das Moto Z3 Play, wenn wir mal bei Android-Phones bleiben wollen, denen die Politik nicht das Dasein und die Updates schwer macht.

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Benjamin Mamerow

Nordlicht, Ehemann und Vater, hauptberuflich mit der Marine verbündet. Außerdem zu finden auf Twitter. PayPal-Kaffeespende an den Autor. Mail: benjamin@caschys.blog

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