Mein Ersteindruck vom Huawei Mate 20 Lite

Die Gerüchteküche war sich – zumindest bis zum Bekanntwerden eines etwas früh veröffentlichten Testberichts aus Polen – nicht immer ganz einig, ob Huawei für seine kommende Mate-Serie nun wirklich nur ein „normales“ und ein Pro-Modell veröffentlichen will oder ob da nicht vielleicht doch ein etwas abgespeckteres, kleines Modell mit dem Zusatz „Lite“ in der Mache ist.

Nun ja, die Katze ist aus dem Sack: natürlich wird es nicht nur das Huawei Mate 20 und Mate 20 Pro, sondern natürlich auch das Mate 20 Lite geben und eben jenes habe ich in den letzten Wochen mal ein wenig testen dürfen und möchte euch nun an dieser Stelle meine Eindrücke vom Gerät mitteilen. Und das steckt im Huawei Mate 20 Lite:

Betriebssystem Android 8.1 Oreo mit EMUI 8.2-Überzug
Konnektivität NFC, Bluetooth 4.2, WLAN 802.11 a/b/g/n/ac (2,4 und 5 GHz), USB Typ-C, Dual-Nano-SIM, 3,5mm Klinkenanschluss
Display LCD 6,3-Zoll FullView (19,5:9 / 2.340 x 1.080 / 409 ppi)
Prozessor HUAWEI Kirin 710 (4x Cortex 2,2 GHz (A73), 4x 1,7 GHz (A53))
Arbeitsspeicher 4 GB
Speicher 64 GB (per microSD im zweiten SIM-Slot erweiterbar auf bis zu 256 GB)
Größe 158,3 mm x 75,3 mm x 7,6 mm
Netze 4G (B1/B3/B7/B8/B20), 3G (B1/B2/B4/B5/B8), 2G (B2/B3/B5/B8)
Akku 3.750 mAh (laut Hersteller bis zu 500 Std. im Standby und bis zu 23 Std. Sprechzeit)
Hauptkamera 20 + 2 MP, f/1,8-Blende, Videostabilisierung per EIS, Super Slow-Mo mit 480 fps
Frontkamera 24 + 2 MP, f/2,0-Blende
Sonstiges Gewicht 172 g; Sensoren: Fingerabdruck, Umgebungslicht, Näherung, Beschleunigung, Gyroskop, Kompass, Hall; Farbvarianten: Sapphire Blue, Black und Platinum Gold
Preis 399 Euro, verfügbar ab 7. September 2018

Verarbeitung und Haptik

Das Huawei Mate 20 Lite ist für ein Gerät mit einem 6,3-Zoll Display tatsächlich erstaunlich leicht. Das große Display bietet am oberen Rand die mittlerweile typische Einkerbung (Notch) und am unteren Bildschirmrand ein schmales Kinn. Von letzterem mag man nun persönlich halten, was man will. Mich stört das Kinn nicht wirklich, ich kann aber verstehen, dass heutige Käufer gerne auch diesen Raum des Displays mit Bildinformationen gefüllt sehen möchten, statt den schwarzen Balken.

Das Gerät liegt angenehm in der Hand, was auch seiner schmalen Form zu verdanken ist. Das Gehäuse eignet sich, wie leider inzwischen auch so üblich, für Fingerabdrücke und andere Schmierereien, die man allerdings beim schwarzen (mir vorliegenden) Modell erst dann wirklich zu sehen bekommt, wenn die Rückseite kräftiger beleuchtet wird. Wie bereits erwähnt, liegt das Mate 20 Lite gut in der Hand und ist meiner Meinung nach daher durchaus auch ein Kandidat für „bräuchte ich nicht zwingend eine Hülle drum“. Hier muss man dann natürlich für sich entscheiden, wie störend die Abdrücke und die Tatsache, dass so ein Gerät bei einem Sturz auch schnell mal kaputt gehen kann, dann am Ende sind.

Der Powerbutton und die Lautstärkewippe an der rechten Gehäuseseite haben einen sehr guten Druckpunkt und sitzen sehr stabil im Gehäuse. Was vielleicht den einen oder anderen freuen dürfte, der aufgrund von Kamerahügeln auf der Rückseite von Smartphones notgedrungen schnell zum Case greift: die beiden rückseitig in der oberen Mitte angebrachten Linsen des Mate 20 Lite sorgen dafür, dass das Gerät wenig bis gar nicht wackelnd auf dem Tisch liegt und so problemlos bedient werden kann.

Software, Performance und Ausdauer

Auf dem Mate 20 Lite kommt derzeit noch Android 8.1 Oreo zum Einsatz, garniert mit Huaweis eigener Oberfläche EMUI in Version 8.2. Meins ist es nicht, ich neige hier ähnlich wie Caschy auch immer schnell dazu, zum Rootless Launcher zu greifen, weil man sich aber auch einfach daran gewöhnt hat und mir die Aufmachung einfach besser gefällt.  Dass das Gerät in Zukunft mindestens auch noch mit Android 9.0 Pie versorgt wird, dafür verwette ich meinen Allerwertesten.

Die vorinstallierten Apps dürften meiner Meinung nach auch gern vom Gerät fernbleiben. Dies sind vor allem Games wie „Asphalt Nitro“, „Dragon Mania“ oder auch „Puzzle Pets“. Sicherlich, der eine oder ander wird die Apps dann auch nutzen und sich darüber freuen. Der Großteil der Nutzer installiert sich seine Wunschapps aber dann doch lieber selbst bei entsprechender Gelegenheit und deinstalliert Bloatware umgehend (was hier ohne weitere möglich ist).

Im Betrieb wuppt das Mate 20 Lite jede Aufgabe ohne Probleme oder Ruckler. Auch bei zwei nebeneinander laufenden Apps, kommt der neue Kirin 710-SoC noch nicht ins Schwitzen. Das macht das Mate 20 Lite in meinen Augen zu einem hervorragenden Mittelklassegerät, das auch noch edel aussieht und über ein Dual-Lens-Setup verfügt. Aber dazu später mehr.

Wo das Gerät dann doch ein wenig zu Kämpfen beginnt, das sind grafisch aufwendige Spiele, die auf reichlich Effekte und moderne Grafik setzen, wie der aktuellste Titel von Modern Combat oder auch Dead Trigger 2. Dabei ist das Mate 20 Lite keineswegs Gaming-untauglich, es ist nur einfach eher das Business-Phone mit netten Extras. Pokémon GO oder auch Solgard laufen natürlich problemlos auf dem Gerät, keine Frage. Wie gesagt: wer es dann bombastischer mag, der wird mit dem Mate 20 Lite nicht zwingend glücklich.

Nervig ist, dass noch immer viele Push-Benachrichtigungen, die auf anderen Geräten ohne Murren sofort eingeblendet werden, von Huaweis Software regelrecht verschlungen werden. Das Problem ist bekannt und noch immer wundert es mich, dass selbst nach einigen Jahren kaum Besserung dahingehend zu finden ist. Ja, ich habe mit dem P9 NOCH weniger Benachrichtigungen empfangen als jetzt beim Mate 20 Lite, dennoch kann es doch einfach nicht so schwer sein, seinen Fans da endlich mal entgegenzukommen und sich dem Problem wirklich wohlwollend anzunehmen? Naja.

Auch Benchmark-Ergebnisse habe ich für euch, wobei ich anmerken muss, dass sich das Gerät aufgrund eines Fehlers schlichtweg geweigert hat, andere Benchmark-Apps als den 3DMark zu installieren. Fehler 501 ließ sich leider bisher nicht beheben, warum ich derzeit nicht mehr als die Ergebnisse des Tests „Slingshot Extreme“ vorzuweisen habe:

Auch wenn ich auf diese Werte im Alltag nicht viel lege, so spiegeln sie dennoch meine Erlebnisse mit dem Gerät gut wider. Für wahre Power ist der Kirin 710 einfach nicht ausgelegt, das war aber auch im Vorfeld klar. Dennoch leistet er für die meisten Szenarien eine hervorragende Arbeit und hat ja auch noch weitere Features an Bord, wie beispielsweise die hauseigene AI, zu der ich gleich noch kommen werde.

Wenn man die ganze im Hintergrund laufende Software betrachtet, einen nebenher werkelnden KI-Chip und das große Display, dann muss doch der Akku dementsprechend auch schnell am Ende sein, möchte man meinen. Denkste. Denn mit seinen 3.750 mAh hält der Akku des Mate 20 Lite erstaunlich lange durch. Mein Einsatzszenario ist sicherlich längst bekannt, das hat sich auch hier nicht wirklich geändert: über den ganzen Tag verteilt Social Media-Apps, Messenger-Benachrichtigungen im Minutentakt, Pokémon GO, Fotos für den Test anfertigen, Videos schauen, Musik streamen.

Wenn ich wirklich sämtliche soeben genannter Aktivitäten am Tag vollzogen habe, dann landete das Mate 20 Lite am Abend mit knapp 40 Prozent Restakku am Kabel. Für mich ist das ein enorm guter Wert, weil mich das Gerät am Folgetag bei wenig Benutzung auch noch gut bis in den Feierabend begleiten kann.

Die Kamera

Huawei hat gerade mit der Kamera des P20 Pro bewiesen, dass sie noch immer mehr als genug Ahnung davon haben, wie man Hard- und Software konstruiert, die wirklich wahnsinnig gute Fotos aufnehmen kann. Und auch das Mate 10 Pro wusste schon ordentlich zu überzeugen. Wie verhält es sich also mit dem Mate 20 Lite? Wurde die Kamera noch einmal aufgepeppt, zumal die Rückseite schon sehr an das eben erwähnte Mate 10 Pro erinnert?

Auf dem Papier haben wir insgesamt vier Kameras im Gerät verarbeitet, zwei auf der Vorher-, zwei auf der Rückseite. Die Hauptkamera setzt dabei auf eine Kombination aus 20 + 2 Megapixeln, vorne arbeiten die Sensoren mit 24 + 2 Megapixeln. Natürlich lässt sich auch wieder eine künstliche Intelligenz hinzu schalten, die bei Aufnahmen vor allem erkennen soll, was für eine Art Objekt/Landschaft man gerade knipsen möchte und dafür dann die Einstellungen der Kamera vermeintlich optimal justiert.

Das funktioniert in den meisten Fällen auch ganz gut, nur hier und da war die „Intelligenz“ bei einer Mauer als Motiv dann der festen Überzeugung, dass es sich hier um eine Pflanze handeln würde. Egal aus welcher Perspektive – die Mauer blieb eine Pflanze in den Augen des Mate 20 Lite. Grund dafür war ein Büschel Moos, das sich auf der rechten Seite der Mauer festgekrallt hatte.

Alle der von mir während meines Tests mit dem Mate 20 Lite erstellten Fotos könnt ihr hier als Zip-Datei herunterladen. Natürlich ohne die Komprimierung, die die Bilder hier im Blog sonst immer bekommen.

Nun knipse ich mit einem Smartphone in den seltensten Fällen in einem anderen Modus als dem Automatik-Modus. Natürlich bietet die Kamera-App des Mate 20 Lite wieder einmal diverse Modi und Spielereien wie den Beauty-Filter für Selfies. Den habe ich allerdings, wie so oft, direkt wieder deaktiviert, auch wenn das Glattpudern hier nicht ganz so dramatisch endet wie bei den Kollegen von Xiaomi und Co. Doch vorrangig möchte ich eben die Kamera-App öffnen, den Auslöser antippen und mich über ein möglichst gelungenes Foto freuen. Die Software soll ruhig Unruhe im Bild und zu schwache Farben ausgleichen, für alles andere würde ich ja auch den Manuellen Modus verwenden.

Die Resultate gefallen mir in erster Linie sehr gut, auch wenn ich hier natürlich keine Qualität wie beim P20 Pro erreichen kann. Doch das habe ich ehrlich gesagt bei einem „Lite“ auch gar nicht erwartet, geschweige denn vorausgesetzt. Die Bildschärfe ist klasse, der Auslöser braucht nur den Hauch einer Sekunde zum Fokussieren und Aufnehmen und dank aktivierter AI (ja, die kann man natürlich auch über den dedizierten Button in der App deaktivieren) wurden oftmals auch die vermeintlich besten Einstellungen für das jeweilige Motiv vorgenommen.

Oftmals. Denn leider fielen mir bei der Kamera auch ein paar Macken auf. Porträt-Selfies leiden sehr oft darunter, dass die Kamera die Person im Vordergrund nicht vernünftig fokussiert. Regelmäßig war der Hintergrund besser zu erkennen als die Person vor der Linse. Auch ein Antippen des Motivs sorgte nur selten für Besserung. Hier muss Huawei definitiv noch nacharbeiten. Ein anderes Problem betrifft die Farbgebung, die die Software des Mate 20 Lite nachträglich über das Bild legt. Wo ich mich bei einigen Aufnahmen durchaus über ein wenig mehr Farbe freue, knallen die Farben in anderen Bildern dann teilweise so sehr, dass es schon sehr stark künstlich wirkt. Das ist schade, denn nicht jedes Foto soll zwingend besonders kräftig strahlen. Nun könnte ich über die teilweise zu ambitionierte AI ja hinwegsehen, wenn sie mir denn wie auch beim P20 Pro bei Nachtaufnahmen derart unter die Arme greifen würde, dass da auf dem Mate 20 Lite auch so hammermäßige Aufnahmen entstehen würden… ist leider nicht der Fall. Der überragende Nachtmodus des P20 Pro bleibt zumindest dem kleinen Mate leider verwehrt. Wie es bei den größeren Modellen dann aussehen wird, bleibt abzuwarten.

Ansonsten gibt es aber nichts zu bemängeln. Die Qualität der Fotos liegt meinem Empfinden nach noch einmal eine Schippe über der des Mate 10 Pro, aber das ist nur meine Meinung.

Eine Art Fazit

Huawei macht mit dem Mate 20 Lite im Grunde alles richtig. Dank reichlich Performance durch den Kirin 710 eignet sich das Gerät nicht nur als Business-Phone, sondern auch als guter Begleiter für den täglichen Einsatz im Mittelklasse-Bereich. Für knapp 400 Euro bekommt der Käufer ein schickes Gerät mit sehr guter Kamera, flotter Software (wenn auch mit EMUI-Überzug) und ordentlich Ausdauer. Die Software der Kamera muss noch das eine oder andere Update erfahren, damit ein paar Fehler ausgebügelt werden, wie beispielsweise der schlechten Fokussierung bei Porträt-Selfies. Und auch die noch immer heftig blockierten Push-Nachrichten diverser Apps sind ein Manko, das irgendwann einmal ausradiert gehört. Dennoch bin ich der Meinung, dass das kleine Mate 20 schon sehr gut zeigen kann, wo der Weg mit dem Mate 20 und dem Mate 20 Pro noch hingehen kann. Ich könnte mir das Mate 20 Lite zumindest als gutes (Android-)Alltags-Smartphone für mein Szenario vorstellen.

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Benjamin Mamerow

Nordlicht, Ehemann und Vater, hauptberuflich mit der Marine verbündet. Außerdem zu finden auf Twitter und Google+. PayPal-Kaffeespende an den Autor. Mail: benjamin@caschys.blog

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8 Kommentare

  1. Hmm 400€?

  2. Sehr tolles Telefon und nicht zu vergessen mit NFC JUHUUUUUUU. Hätte mir noch Android One darauf gewünscht dann wäre das ein sehr cooles Handy

  3. Klingenanschluss und NFC Was will man mehr ? Hat das Handy eine Benachtichtigungs LED ?

  4. Schone den Leser, fasse Dich kurz!

  5. Habe selbst das Mate 20 Lite heute testen dürfen und wenn man die Bilder in voller Auflösung statt im Miniformat ansieht, dann sieht man eigentlich wie schlecht die Fotos weichgezeichnet werden und ganze Details verschwinden oder Artefakte angezeigt werden.
    Im direkten Vergleich mit dem Samsung S8 bietet die Kamera des Samsung deutlich höhere Details und Fotoqualität als das Huawei und da das Samsung schon ein Jahr auf dem Buckel hat und die Geräte sehr schnell an Wert verlieren bekommt man es auch schon um die Rund 400 Euro.
    Megapixel (Huawei 20 MPx vs. Samsung 12 MPx) sind eben doch nicht alles.
    Huawei sieht vom Design zwar schick aus und läuft auch flüssig bei der Bedienung, aber wenn dann würde ich lieber auf ein „älteres“ Highend Phone setzen (egal wechen Herstellers), anstatt auf „neue“ Mittelklasse.

    • Topmodell vom Vorjahr kaufen, so mach ich das auch immer. Ist preislich dann auf der Höhe eines Mittelklasse-Smartphones, leistungsmäßig aber wahrscheinlich besser. Letztes Jahr das S7 edge gekauft als das S8 rauskam, immer noch damit zufrieden.

  6. Michael Lang says:

    Da ich davon ausgehe, dass auch dieses Huawei-Smartphone hardwareseitig RAW-Bilder aufnehmen kann, würde ich mir einen Vergleich der RAW-Bilder wünschen, auch wenn die eingebaute Kamerasoftware dieses Format eventuell nicht beherrscht, denn eine Kamera-App kann ich durch eine andere, die RAW beherrscht, ersetzen – die Hardware aber nicht. Deshalb wäre ein solcher Vergleich im Rahmen einer grundsätzlichen Bewertung der Hardware u. U. sinnvoller, als der Vergleich von intern bearbeiteten Bilder, die schon mit dem nächsten Update der Firmware ganz anders ausschauen könnten.

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