„Lost in Random“ im Test“: EA Original für Fans von Tim Burton

Ich habe vor etwas mehr als einer Woche erstmals hier im Blog über „Lost in Random“ berichtet. Das Spiel ist ein EA Original des schwedischen Entwicklers Zoink Games. Unter dem Banner der EA Originals bündelt der Publisher Electronic Arts Spiele mit kleineren Budgets, die dafür etwas experimenteller ausfallen dürfen. Ein Paradebeispiel wäre etwa „It Takes Two“, das ich euch unbedingt ans Herz legen möchte. Doch zurück zu „Lost in Random“, das ich für euch einmal getestet habe. Es handelt sich hier um ein Einzelspieler-Action-Adventure, das euch in eine düstere Welt entführt, die mich an Stop-Motion-Filme wie „Coraline“ erinnert hat.

Erhältlich ist „Lost in Random“ für Microsoft Windows, die PS4 und PS5, die Xbox One, die Xbox Series X|S sowie die Nintendo Switch. Mit 29,99 Euro ist man da auch günstiger unterwegs als bei einem Triple-A-Titel. Kurz zur Story: Die Geschichte von „Lost in Random“ dreht sich um die Schwestern Even und Odd, welche in einer düsteren Märchenwelt leben. Sie sind einer bösen Königin und ihrem Würfelspiel hilflos ausgeliefert sind. Die Schwestern werden getrennt und der Spieler schlüpft in die Rolle von Even, um die von der Königin entführte Schwester zu befreien. In Arenen, die an Brettspiele erinnern, tritt man dabei gegen die Handlanger der Königin an. Dabei mischen sich Echtzeit-Action und taktisches Gameplay.

Ich denke, wenn ihr euch den obigen Trailer anseht, werden auch ihr unweigerlich an Stop-Motion-Filme wie „The Nightmare Before Christmas“ denken. Zufall sein kann das nicht, denn selbst der Soundtrack von Komponist Blake Robinson klingt, als könnte er auch aus Danny Elfmans Feder stammen. Die Hommage geht so weit, dass auch die bewusst leicht abgehackten der Animationen an die Ästhetik von Stop-Motion-Filmen erinnern. Dieses sehr eigenwillige Art-Design ist Geschmackssache, ich habe es aber in dieser Form bisher nicht in einem Videospiel gesehen.

An der Xbox Series X macht „Lost in Random“ aus meiner Sicht dann auch technisch einiges her. Die Grafik ist zwar nicht knackscharf, da setzt man auch einiges an Post-Processing ein, um seinen speziellen Look zu erzielen, aber stellenweise hat man wirklich das Gefühl, auf einen Stop-Motion-Film zu blicken. Was das Gameplay betrifft, solltet ihr euch jedoch nicht täuschen lassen: Auch wenn man sich vielleicht auf den ersten Blick an „Psychonauts 2“ erinnert fühlt, ist „Lost in Random“ kein Plattformer. Vielmehr spielt sich „Lost in Random“ wie ein Adventure.

Hauptsächlich löst man also mehr oder minder knifflige Rätsel und versorgt skurrile Charaktere durch Fetch-Quests mit Gegenständen. Allerdings gibt es auch Kämpfe, bei denen dann etwas Action-Advnenture- bzw. RPG-Flair aufkommt. So kann man das Kampfsystem vielleicht ganz grob mit „Ni No Kuni 2: Revenant Kingdom“ vergleichen. Auch hier spielt man in Echtzeit und duelliert sich mit unterschiedlichen Monstern. Doch in den Gefechten könnt ihr Karten einsetzen, die ihr auch bei einem Händler erwerben könnt.

Unbeschränkt geht das nicht: Zuerst attackiert ihr vielmehr die Gegner und schwächt sie, woraufhin wiederum eurer treuer Weggefährte, ein Würfel, gestärkt wird. Ab einem gewissen Punkt kann es dann losgehen und ihr dürft aus eurem Repertoire Karten zücken – maximal 15 Stück könnt ihr mitführen. Die Karten haben unterschiedliche Kosten und lösen unterschiedliche Effekte aus. Hier kommt dann eben die Taktik ins Spiel. So könnt ihr unterschiedliche Angriffe und Karten zu Kombos verketten.

Die Kämpfe sind dabei kurzweilig und machen insbesondere am Anfang mächtig Laune. Mit der Zeit, insbesondere wenn ihr eure bevorzugte Karten-Kombination fest verankert habt, stellt sich aber doch eine gewisse Monotonie ein. So laufen die Kämpfe eben mit zunehmenden Spielstunden sehr routiniert ab: Mit der Schleuder Gegner schwächen und den Würfel aufladen, auf eine hohe Zahl hoffen, Karten spielen – und von vorne. Ich empfehle euch daher „Lost in Random“ in kleineren Dosen zu zocken, dann fällt dieser Rhythmus nicht so arg ins Gewicht.

Denn die Spielwelt ist wirklich großartig und hat mich schwer begeistert. Lediglich etwas mehr Abwechslungsreichtum wäre schön gewesen: Even bewegt sich durch sechs Spielwelten, passend zu allen Seiten eines Würfels. Alle sind gleichermaßen schräg und düster, es hätte aber eben gerne auch mal durch etwas mehr Farbe Abwechslung ins Spiel kommen dürfen. Auch in einem „The Nightmare Before Christmas“ gab es schließlich nicht nur die Halloween-, sondern auch die Weihnachtswelt.

Aber das ist vielleicht die Konsequenz eines überschaubaren Budgets. Rund 12 Stunden kann man wohl ca. in „Lost in Random“ investieren, bis man den Abspann zu sehen bekommt. Wie lange das dauert, hängt aber auch davon ab, ob ihr euch Nebenaufgaben hingebt oder streng der linearen Hauptgeschichte folgt. Mir selbst hat „Lost in Random“ jedenfalls, vor allem wegen des innovativen Art-Designs, richtig gut gefallen.

Wer also nach Ansicht der Screenshots und Trailer ebenfalls von der Optik gefesselt ist, solle sich den Titel einmal genauer ansehen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist direkt zum Launch sehr fair. Dieses neue EA Original mag nicht ganz an ein Must-Have wie „It Takes Two“ heranreichen, zeigt aber, dass die Marke von EA erneut für Indie-Spiele von hoher Qualität steht.

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Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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4 Kommentare

  1. Was für ein Blödsinn…

  2. Sehr schöne Beschreibung, danke André!

    Die Art des Spiels spricht mich eigentlich sehr an. Allerdings ist das genau jene Art von Titeln, die früher oder später im Gamepass auftaucht. Ich halte mich noch ein wenig zurück …

    • André Westphal says:

      Wenn wäre das sicher via EA Play. Ich würde aber dennoch den Kauf empfehlen, wenn du willst, dass es mehr solche Spiele gibt: Die EA Originals lohnen sich ja meistens und so kann man EA immerhin zeigen, dass sie da auf der richtigen Spur sind. 30 Euro ist das Game auch echt wert.

      • Da hast du grundsätzlich recht. Aber gerade wegen dem GP ist meine “Pile of Shame” zu jeder Zeit so hoch, dass ich den Kauf dieses Spiels direkt als Spende verbuchen müsste. So wenig Zeit … 🙁

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