Jaybird Run XT: Gelungene Evolution der Run

Am 1. Februar dieses Jahres stellte Jaybird sein neuestes Kopfhörer-Modell vor, das auf den Namen Jaybird Run XT hört. Wer die News rund um Jaybird verfolgt, wird bereits am Namen feststellen, dass es sich hierbei nicht um ganz neue Kopfhörer handelt, denn die XT sind eine überarbeitete Version der Jaybird Run, die André bereits für euch auf Herz und Nieren testete.

Lieferumfang und Verarbeitung

Jaybird packt eine Menge Zubehör in die Kiste. Neben dem Ladecase, das die Kopfhörer inklusive ein Paar Tips und Wings beinhaltet, gibt es ein microUSB-Kabel (leider kein USB-C), eine Schnellstart-Anleitung und je drei weitere Paare Tips und Wings. Genug Zubehör also, um die Buds an eure Ohren anzupassen. Da es sich bei den Run XT um komplett kabellose Modelle handelt, ist die Passform besonders wichtig.

Sitzen die Dinger nicht richtig, werden sie bei ruckartigen Bewegungen oder beim Sport ziemlich schnell das Ohr verlassen. Das will ja keiner. Ich hatte Glück und musste nichts anpassen, die bereits vorhandenen Wings und Tips passen zu meinem Ohr. Verarbeitungstechnisch gibt es bei den Kopfhörern wenig zu bemängeln, sollte auch nicht, da die Run XT eine IPX7 Zertifizierung haben und somit schweißbeständig und wasserdicht sind. Alle Teile sind sauber zusammengesetzt, die verarbeiteten Materialien fassen sich auch keineswegs billig an.

Ein kleiner Punkt stört mich jedoch: Jeder Earbud hat einen Button, der verschiedene Aktionen auslöst (dazu später mehr). Diese Buttons drücken sich meiner Meinung nach zu schwer, da beim Druck der Earbud zu sehr ins Ohr gedrückt wird und die Wahrscheinlichkeit besteht, dass dieser danach aus dem Ohr fällt. Außerdem ist das auch nicht unbedingt angenehm im Ohr, wenn ihr auf den Knopf drückt. Hier gefällt mir die Tipp- bzw. Klopf-Lösung der AirPods besser.

Das Ladecase hat übrigens drei verschiedene LEDs je eins links und rechts um die Ladung eurer Earbuds zu signalisieren und eine LED am Knopf, der den Zustand des Ladecases symbolisiert. Ganz praktisch, da man so direkt sieht, wie der Status ist.

Inbetriebnahme, die App und Erfahrungen mit den Run XT

Die Inbetriebnahme der Jaybird Run XT ist schnell erklärt. Buds aus dem Ladecase nehmen, mit den richtigen Wings und Tips ausstatten (je nach Person und Ohr kann das mal länger dauern) und die Bluetooth-Einstellungen eures Smartphones besuchen. Dort sollten die Kopfhörer direkt auftauchen, denn nach dem Rausnehmen sind diese direkt im Pairing-Modus. Das sollte es eigentlich schon sein. Nun könnt ihr die Dinger benutzen und nach Herzenslust Musik hören. Ihr wahres Potential entfalten Jaybird Kopfhörer aber immer erst in Kombination mit der Jaybird-App.

?Jaybird MySound
?Jaybird MySound
Entwickler: Jaybird LLC.
Preis: Kostenlos
Jaybird MySound
Jaybird MySound
Entwickler: Logitech Europe S.A.
Preis: Kostenlos

Warum ist das so? Standardmäßig haben die Run XT ein relativ ausbalanciertes Sound-Profil, das aber sicher nicht jeden Geschmack trifft. Je nach Gusto will man mal mehr, mal weniger Bass und genau das könnt ihr mit der App realisieren.

Öffnet ihr die App, landet ihr inital direkt im Haupt-Bildschirm, bei dem ihr den Sound der Kopfhörer anpassen könnt. Dabei habt ihr die Auswahl zwischen verschiedenen Presets, die auch von Sportlern zur Verfügung gestellt werden, könnt auf Community-Presets zurückgreifen oder euer eigenes Soundprofil per Kurve basteln. Habt ihr das einmal durch, wird euer gewünschtes Profil direkt in die Kopfhörer geschrieben.

Egal mit welchem Gerät ihr die Run XT demnächst verbindet, der Sound bleibt so, wie ihr euch das wünscht. Sollte sich euer Geschmack mal ändern oder das Profil passt nicht so recht zur Musikrichtung, dann stellt ihr die Soundkurve einfach um. Je nachdem wie unterschiedlich die Stile sind, die ihr hört, kann das schon mal schwieriger sein, ein universelles Profil für alle Musikrichtungen zu finden. Flexibilität kann also Fluch und Segen zugleich sein.

Im zweiten Tab könnt ihr vordefinierte Playlisten anhören und der Tab Profil gibt euch die Möglichkeit, ein Jaybird Profil anzulegen. Muss man aber nicht.

Ganz rechts findet sich noch ein interessanter Reiter, der euch mehr Informationen zu den verbundenen Kopfhörern bietet. So könnt ihr hier eurer Kopfhörer suchen, die Sprache der Sprachansagen einstellen, die Bedienelemente anpassen, den Kundendienst anrufen, nach Hilfe suchen und vieles mehr.

Wo wir gerade bei Bedienelementen sind. Die Knöpfe der Buds können anders belegt werden. Standardmäßig startet man am linken Bud Siri und rechts kann man die Wiedergabe pausieren oder wieder aufnehmen oder Anrufe annehmen bzw. beenden. Eine zweite Belegung lässt euch das ganze zu lauter bzw. leiser ändern. Frei belegen kann man die Knöpfe leider nicht, was ich persönlich schade finde.

Bis auf die Tatsache, dass die Knöpfe sich nicht wirklich gut bedienen lassen, kann ich mich was den Tragekomfort angeht, nicht wirklich beschweren. Ich war anfangs skeptisch, wie die komplett kabellosen Dinger in meinen Ohren halten sollen, da die nicht halb so filigran aussehen, wie die AirPods (mit denen ich übrigens nie Probleme hatte). Dennoch ist der Sitz gut und auch nach längeren Runs (bis zu 2h) konnte ich nicht zu der Erkenntnis kommen, dass die Run XT drücken oder es irgendwie unangenehm im Ohr wurde. Daumen hoch dafür!

Zum Thema Akkulaufzeit: 4 Stunden sollen mit einer Ladung drin sein. Ich habe die Dinger mehrmals bis auf null Prozent herunter gehört und bin bisher immer bei knapp 5 Stunden gelandet. Kommt natürlich immer auf die Lautstärke an, aber ich denke mit durchschnittlich 67% Lautstärke ist das schon ordentlich. Wenn die Buds wirklich mal leer sind, könnt ihr mit dem Case nochmals zusätzliche 8 Stunden Musikgenuss auf die Run XT bannen.

Der Klang

Wer meinen letzten Test zu Jaybird Kopfhörern gelesen hat, der wird festgestellt haben, dass ich von den Tarah wirklich hart enttäuscht war. Keine Ahnung warum die so gar nicht überzeugen konnten. Blechern, Piepsig, fast kreischig und gar nicht auf gewohntem Niveau. Die Run XT machen das wieder gut, denn Jaybird liefert hier das ab, was man für den Preis erwarten kann: tollen, anpassbaren Sound. Aber nehmen wir das ganze doch mal auseinander. Notiz: Ich habe für den Test hauptsächlich das Signature-Profil genutzt.

Damit ihr nachvollziehen könnt, was ich hier so von mir gebe, schreibe ich den Track und die Zeit dazu. Fangen wir mit Bohemian Rhapsody an. Sollte (fast) jeder kennen und wissen, dass es da am Anfang ruhig zu geht. Ab 0:49 setzt der Bass ein und dort merkt man schon, dass in den Tiefen ordentlich was los geht. Doch nicht nur in den Tiefen können die Run XT überzeugen. Auch die Mitten sind stehts transparent und kräftig. Die Höhen kommen gut durch, ohne quietschig zu sein oder bis ins Mark zu gehen. Gerade im Opern-Teil ab 3:03 hört man die Differenzierung der unterschiedlichen Lagen ziemlich gut. Viele Details in der Mehrstimmigkeit, kein Sound-Matsch.

Kommen wir zu etwas Neuerem: dem Theme von Game of Thrones. Massig, schwer und monumental muss es sein. Das können die Run XT sehr gut transportieren, auch wenn man natürlich differenzieren muss. Ein großer Over-Ear macht hier einen deutlich besseren Job, was allein an der Größe der Treiber liegt. Für In-Ear ist das aber ganz großes Kino, was Jaybird mit den 6 Millimeter großen Treibern anstellt. Exemplarisch auch Dragonstone aus dem Season 7 Soundtrack von GoT. Ab 0:40 muss jedem Musik-Liebhaber der Schauer über den Rücken laufen, wenn man bedenkt, wie Djawadi das Bild dieser Festung musikalisch transportieren kann. Auch da knicken die Jaybird Kopfhörer nicht ein.

Ich könnte das jetzt exemplarisch an viel mehr Titeln festmachen, aber das würde den Rahmen des Tests sprengen. Ich hoffe ihr könnt nachvollziehen, was ich meine. Je nach Sound-Profil wird das Ergebnis nach Stilrichtung auch anders ausfallen. Wählt deshalb mit Bedacht. Ein höhenlastiges Profil, was eher für gedämpfte Musik gedacht ist, wird bei schreiendem 80s-Rock eventuell nicht wirklich günstig für das Trommelfell sein 🙂

Fazit zu den Jaybird Run XT

Jaybird hat mit den Run XT wieder einen guten Job gemacht. Läufer werden mit diesen Kopfhörern keinen Fehler machen. Gute Verarbeitung, sehr guter Sound und ein kabelloses, IPX7-zertifiziertes Erlebnis erwartet jeden Käufer. Obendrein mit einer hohen Anpassbarkeit im Bereich Klang. Am Ende steht und fällt das Ganze wie immer nicht nur beim Preis, sondern auch mit der Passung von Kopfhörer zu Ohr. Jedes Ohren-Paar ist verschieden und damit auch die subjektive Erfahrung.

Wer gerade auf der Suche nach einem In-Ear für den Sport ist, kann meiner Meinung nach bedenkenlos zu den Run XT greifen. 179 Euro müsst ihr dafür jedoch über den Ladentisch wandern lassen.

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Oliver Posselt

Hauptberuflich im SAP-Geschäft tätig und treibt gerne Menschen an. Behauptet von sich den Spagat zwischen Familie, Arbeit und dem Interesse für Gadgets und Co. zu meistern. Hat ein Faible für Technik im Allgemeinen. Auch zu finden bei Twitter, Instagram, XING und Linkedin, oder via Mail. PayPal-Kaffeespende an den Autor

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4 Kommentare

  1. Vielen Dank für die immer wieder umfangreichen True Wireless-Tests. Ich fände es sehr interessant, wenn auch getestet würde, wie es mit der Ton-Bild-Synchronität aussieht, wenn man die Kopfhörer auch mal zum Anschauen eines Films verwendet. Ich nutze meine True Wireless-Kopfhörer beispielsweise beim Laufen. Dabei möchte ich im Freien Hörbuch oder Musik hören und wenn ich bei schlechtem Wetter im Haus auf dem Laufband bin, verbinde ich die Kopfhörer mit meinem Surface und sehe beim Laufen einen Film an. Dabei haben die verschiedensten Hersteller große Probleme mit der Synchronität, was sogar die bekannten Markenhersteller wie Bose betrifft.

  2. Ist der Hauptempfänger links oder rechts? Wichtig für Uhren mit Musikfunktionen wie z.B. Garmin.

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