Jaybird Run und Freedom 2 ausprobiert

Der US-Hersteller Jaybird, seit 2016 eine Tochter von Logitech, hat sich auf Bluetooth-Kopfhörer für Sportler spezialisiert. Vor einigen Wochen habe ich mit dem PR-Team des Herstellers in Hamburg am St. Pauli X-Mass Run teilgenommen. Dadurch hat sich mir die Chance eröffnet, für euch einmal die noch recht frischen Jaybird Run sowie die Freedom 2 sowohl beim Lauf selbst als auch im Nachhinein zu testen. Da ich selbst privat großer Fan der Jabra Elite Sport bin, hat mich der Vergleich zu den ebenfalls komplett kabellosen Jaybird Run natürlich sehr interessiert.

Aktuell kosten die Jaybird Run im Handel ca. 195 Euro. Sie sind also etwas günstiger als die sonst von mir genutzten Jabra Elite Sport, welche in der aktuellsten Variante mit ca. 225 Euro zu Buche schlagen. Allerdings fehlt den Jaybird Run auch der Pulsmesser des Konkurrenzmodells. In diesem Bericht werde ich übrigens vorwiegend die Run fokussieren, zu den Freedom 2 gegen Ende aber auch nochmal einen kleinen Abschnitt mit einem Vergleich nachreichen.

Ausstattung und Lieferumfang

Ausstattung und Lieferumfang der Jaybird Run ähneln dem der Jabra Elite Sports: Jeweils vier Earwings und vier Aufsätze für die Kopfhörer liegen im Lieferumfang bei. Hier heißt es etwas experimentieren, denn je nachdem wie euer Ohr bzw. euer Gehörgang geformt ist, werdet ihr mit einer anderen Kombination den besten Sitz erreichen. Ich selbst habe mit den größten Wings und den mittleren, runden, nicht so sehr nach vorne gebogenen Tips das beste Ergebnis erzielt.

Außerdem liegen neben den Earbuds selbst auch noch eine Tasche, eine Ladeschale, ein passendes USB-Kabel einige Faltblätter und eine Kurzanleitung bei. Die Kopplung mit einem Smartphone ist denkbar einfach, denn es muss keine bestimmte Tastenkombi gedrückt werden. Man nimmt die Jaybird Run einfach aus der Schale, kann sie am Smartphone in den Bluetooth-Einstellungen suchen und schon kann es losgehen. Kritikpunkt: Das USB-Kabel ist extrem kurz und sorgt dafür, dass der Anschluss an meinen USB-Hub immer durch ein anderes Kabel gelöst wurde.

Die Ladeschale funktioniert auch wie eine Powerbank für die Kopfhörer. Sie hält also auch ohne Anschluss an die Steckdose ca. zwei extra Aufladungen für die Jaybird Run parat. Die Kopfhörer an sich sollen mit einer Ladung etwa vier Stunden Laufzeit ermöglichen. Damit liegen die Jaybird Run etwas hinter der Revision der Jabra Elite Sport, die auf viereinhalb Stunden kommen.

An den Ohrstöpseln selbst findet sich rechts und links jeweils ein Knopf. Das gefällt mir persönlich in der Bedienung weniger. Um abermals den Vergleich zu den Jabra Elite Sport zu ziehen: Jene bieten jeweils dedizierte, einzelne Tasten für z. B. das Regeln der Lautstärke oder etwa das Anschalten des Hearthrough-Modus. Da die Jaybird Run insgesamt nur zwei Buttons bieten, eben einen links und einen rechts, sind die Knöpfe im wahrsten Sinne des Wortes doppelt und dreifach belegt.

So aktiviert der linke Button entweder bei kurzem Druck Siri / den Google Assistant. Dreisekündiger Druck schaltet die Jaybird Run aus. Letztere Funktion klappt genau so auch mit dem rechten Earbud. Jener kann aber über einfachen Druck auch die Wiedergabe pausieren oder einen Anruf beenden. Doppeltes Drücken überspringt Songs bzw. lehnt Anrufe ab. Drückt ihr die Taste am rechten Bud wiederum sechs Sekunden, könnt ihr den Earbud aus dem ausgeschalteten Zustand erwecken und zum Pairing auffordern.

Die offizielle App Jaybird MySound

Nutzt ihr die offiziele App von Jaybird, „Jaybird MySound“, könnt ihr zudem auch noch den Klang der Kopfhörer anpassen. Die Jaybird Run sind im Übrigen recht quasselfreudig und quengeln nach dem Anschalten sofort mit einer Frauenstimme herum, dass sie doch bitte via Bluetooth verbunden werden möchten. Ihr könnt die Stimme in den App-Einstellungen aber auch deaktivieren. Das war beispielsweise mein erster Schritt. Sonst erinnert euch die ansonsten nutzlose Ansage auch, wenn ihr die Kopfhörer verbunden habt oder kündigt das Ausschalten an.

In der App für Jaybird MySound könnt ihr Außerdem die Button-Belegung ebenfalls auf eine alternative Konfiguration abändern. Dann fällt der Google Assistant bzw. Siri heraus, aber ihr habt die Lautstärkeregelung mit + / – auf den einzelnen Tasten. Das fand ich sehr praktisch, da ich den Google Assistant ohnehin privat nie nutze.

In der App könnt ihr euch des Weiteren Playlisten anderer Nutzer ansehen oder checken, ob auf euren Earbuds die neueste Firmware werkelt. Zum Testzeitpunkt war dies offiziell die Version 1.1.0, welche im Falle meines Musters bereits vorinstalliert gewesen ist. Das Ansehen und Hochladen eigener Playlisten geht aber übrigens nur, wenn ihr euch mit einem Konto einloggt – finde ich etwas nervig, da auf diese Weise letzten Endes wieder Daten abgegriffen werden.

Toll ist wiederum, dass eure Button- und Equalizer-Einstellungen auf den Kopfhörern an sich gespeichert werden. Habt ihr also in der App herumgewerkelt und verbindet die Kopfhörer beispielsweise zu einem späteren Zeitpunkt mit einem anderen Smartphone, dann bleibt eure angepasste Button-Belegung bzw. die gesetzte Klangeinstellung erhalten.

Meine Praxiserfahrungen

Die Jaybird Run sitzen im Bezug auf die Wings etwas anders als die Jabra Elite Sport, da das Dahinterklemmen anders funktioniert. Daher musste ich mit den Jaybird Run anfangs deutlich mehr Herumfummeln. Letzten Endes ist das aber so eine Gewohnheitssache und dürfte euch nicht so ergehen, wenn ihr nicht wie ich von einer anderen True-Wireless-Lösung kommt. Nach ein wenig Gebastel und Gefluche saßen die Jaybird Run dann endlich perfekt. Und siehe da: Sie tragen sich sowohl beim Joggen als auch beim Einkaufen oder anderen Tätigkeiten sehr bequem.

Auch sitzen die Earbuds fest, aber drücken dabei nicht. Das Risiko, dass die Stöpsel beim Laufen herausfallen könnten, schätze ich mit der richtigen Auswahl an Wings und Tips als praktisch nicht vorhanden ein. Einige Kollegen haben nun davon berichtet, dass bei ihnen die Bluetooth-Verbindung manchmal Probleme gemacht habe. Das soll dazu führen, dass der linke Bud manchmal kurz ausfallen und sich dann wieder neu verbinden kann. Im Testzeitraum konnte ich das trotz mehrerer Runs und Spaziergänge kein einziges mal beobachten. Da könnte aber auch viel von der „Verstrahlung“ eurer Umgebung abhängen.

Was ich bei den Jaybird Run leider vermisse, ist der Pulsmesser. Da habe ich mich sehr an die Auswertungen bei den Jabra Elite Sport gewöhnt. Stattdessen hat Jaybird bei den Run den Fokus auf den Klang gelegt, was mir die PR auch auf Nachfrage bestätigt hat. Nun klingen für meine Ohren aber auch die Jabra Elite Sport bereits ziemlich gut. Können die Jaybird Run hier tatsächlich nochmal eine Schippe rauflegen?

In einigen Bereichen kann ich das tatsächlich bejahen. Es kommt aber sehr darauf an, was für Musik ihr hört. Die Jaybird Run sind im Bassbereich eine Ecke kräftiger als die Jabra Elite Sport, was beatlastiger Musik zugutekommt. Bei den Mitten und Höhen würde ich aber behaupten, dass die Jabra Elite Sport auf dem gleichen Level spielen. Mit dem Equalizer der App Jaybird MySound konnte ich den Klang noch etwas ausbalancieren, so dass meine aktuell übliche Jogging-Musik wie Cruyff in the bedroom, Airiel, Angus & Julia Stone, Radwimps, Glasz, Graveyard Club und Sneaker Pimps eine Spur kräftiger erschallte als an den Jabra Elite Sport.

Für Audiophile sind die Jaybird Run natürlich dennoch nichts – aber ich möchte eben auch mal denjenigen erleben, der mit fetten AKG- oder Sennheiser-Kopfhörern zum Laufen aufbricht. Die Jaybird Run sind laut dem Hersteller im Übrigen auch resistent gegen Schweiß und Wasser. Dies ist bei derartigen Sport-Kopfhörern aber auch Pflicht. Ich selbst bin dabei ehrlich: Wer einmal beim Sport Kopfhörer komplett ohne Kabel getragen hat, wird meiner Ansicht nach nicht mehr zurückgehen. Der Komfortgewinn beim Joggen oder anderem Sport ist einfach zu erheblich. Und da reihen sich such die Jaybird Run wunderbar ein.

Da war doch noch was: die Jaybird Freedom 2

Jaybird hat mir neben den Run auch noch die Freedom 2 zum Testen zur Verfügung gestellt. Auch jene sind Ende 2017 auf den Markt gekommen. Im Gegensatz zu den Run wird bei den Freedom 2 allerdings noch zur Verbindung der beiden Ohrstöpsel ein Kabel verwendet. Im Lieferumfang sind neben den Kopfhörern an sich noch ein Clip für das Kabel, insgesamt vier verschiedene Aufsatz-Paare und eine sehr kleine Ladestation vorhanden. Jene wird per Micro-USB an die Steckdose gehängt. Die Kabelfernbedienung klinkt man dort ein und dann beginnt der Ladevorgang. Alternativ kann das kleine Anhängsel sogar unterwegs als eine Art Zusatz-Akku dienen und die Laufzeit um bis zu vier Stunden verlängern. Klasse Idee, die ich sehr begrüße. Ohne den Zusatzakku beträgt die Akkulaufzeit regulär ebenfalls vier Stunden.

Ansonsten gibt es den gleichen Fehler wie bei den Run: Das beiliegende USB-Kabel ist wieder viel zu kurz. Gut, aber da könnte es sicherlich schlimmere Mankos geben. Auch die Freedom 2 lassen sich, ähnlich wie die Jaybird Run, über die App Jaybird MySound im Klang nachträglich anpassen. Jaybird hat gegenüber der ersten Generation der Freedom zudem das Kabelsystem verändert. Hinter den Namen Secure Fit und Speedfit verbergen sich aber im Grunde nur die erwähnten Anpassungsarten der Earwings, die Möglichkeit die Kabel über einen Clip zu befestigen und mit einer Art Schiebesystem die Kabellänge zu verstellen.

Ich persönlich finde dennoch, dass die Jaybird Run beim Sport besser im Ohr sitzen. So hatte ich schon mit den Panasonic Wings RP-BTS50 beim Laufen das Problem, dass das rückseitige Kabel gefühlt manchmal den den Ohrstöpseln zog. Bei den Freedom 2 ist dieses Problem schon stark reduziert und mit etwas Geschick bzw. dem Clip gut zu umgehen. Allerdings fehlt eben doch die absolute Bewegungsfreiheit, welche die Run bieten. Deswegen würde ich eine True-Wireless-Lösung beim Sport einfach stets bevorzugen.

Klanglich sind wiederum die Freedom 2 den Run überlegen: Ich habe die beiden Modelle extra mit den gleichen Songs sozusagen im Sekundentakt immer wieder gewechselt, um möglichst direkt die Höreindrücke vergleichen zu können. Beide Male diente mein Xiaomi Mi Mix 2 als Zuspieler. Die Freedom 2 bieten etwas differenzierte Höhen und Mitten, so dass der Sound insgesamt ausgewogener und natürlicher wirkt. Davon profitiert vor allem Musik, die ich persönlich gerne höre: also etwa Indie-Rock, Singer / Songwriter oder allgemein akustischere Klänge. Hier bieten die Freedom 2 den Songs mehr Raum zum Atmen.

Ich rate euch aber zum Abschluss zu etwas Vorsicht mit der Ladestation / dem Zusatzakku. Er sitzt zwar sicher an der Kabelfernbedienung mit drei Buttons, aber solltet ihr jenen beim Joggen verlieren, könnt ihr die Freedom 2 danach nicht mehr aufladen. Das wäre extrem ärgerlich. Und ich glaube kaum, dass ihr bei einem Run bemerken würdet, wenn der leichte Clip von dannen segelte. Zumal die Ladestation / Powerbank natürlich die Balance der Freedom 2 verändert. Mich störte das Ding beim Joggen jedenfalls durchaus. Beim Einkaufen könnte man das Ding angeklemmt lassen. Wobei generell die Frage ist, ob man im Alltag unbedingt die vier Stunden zusätzliche Laufzeit braucht.

Telefonieren könnt ihr im Übrigen sowohl mit den Jaybird Run als auch den Freedom 2 ebenfalls. Hat im Test sogar verhältnismäßig gut funktioniert – verständlich war ich laut meinen Gesprächspartnern jedenfalls. Die Freedom 2 hinterließen hier wohl laut der anderen Seite einen noch etwas besseren Eindruck als die Run.

Fazit

Die Jaybird Run sind nach meinem Eindruck wirklich gelungene True-Wireless-Kopfhörer, die vor allem beim Klang überzeugen. Auch der Tragekomfort ist sehr gut. Wenn ich die Run mit meinen eigenen Jabra Elite Sport vergleiche, sehe ich die Jabra beim Tragekomfort leicht vorne und auch der Pulsmesser ist ein Bonus, den ich bei den Run vermisse. Dafür sind die Run aber auch etwas günstiger und können beim Sound eine Schippe rauflegen. Solltet ihr vor dem Kauf stehen, dann entscheidet also danach, was euch wichtiger ist.

Auch die Jaybird Freedom 2 gefallen mir gut: Ich persönlich würde zwar beim Sport keine Kopfhörer mehr mit irgendeiner Art von Kabel nutzen, aber da bin ich wohl nun einfach zu verwöhnt. Klanglich spielen die Freedom 2 trotz geringeren Preises sogar über den Run. Gegenüber der ersten Generation hat Jaybird zudem die Anpassungsmöglichkeiten des Kabels verbessert. Das führt in Verbindung mit dem beiliegenden Clip dazu, dass die Freedom 2 mit etwas Übung super sitzen und beim nächsten Run ein guter Begleiter sind.

Meine ganz persönliche Meinung? Ich würde die leichten Abstriche beim Klang in Kauf nehmen und eher zu den Run greifen – auch trotz des Aufpreises von ca. 90 Euro. Aber ich jogge auch dreimal die Woche je 10 km und bei Gelegenheitsläufern mögen die Präferenzen anders ausfallen. Falls ihr aber vielleicht plant sogar deutlich mehr mit neuen Kopfhörern sportlich unterwegs zu sein, würde ich euch ebenfalls zu den Run raten.

Sollen die Kopfhörer jedoch auch vermehrt im Alltag zum Einsatz kommen und der Preisunterschied ist euch zu deftig, liegt ihr mit den Freedom 2 auch alles andere als falsch – es ist eure Wahl.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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Ein Kommentar

  1. Deliberation says:

    Gibt es eigentlich keine Bluetooth-In-Ear, die einen hervorragenden Sound im Sinne RHA T20 o.ä. haben?

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