Fitbit: EU winkt den Google-Deal durch

Es ist schon eine Weile her, da gab Google bekannt, dass man Fitbit kaufen wird. Doch auch die EU hatte auf diesen Deal natürlich ein großes Auge, denn man befürchtete, dass Google vor allem an (Gesundheits-)Daten interessiert sei. Und so zog sich das Ganze. Bis heute. Die EU hat die Übernahme von Fitbit durch Google mehr als ein Jahr nach der Ankündigung genehmigt.

Die für Wettbewerbspolitik zuständige Exekutiv-Vizepräsidentin der Kommission Margrethe Vestager erklärte dazu: „Wir können die geplante Übernahme von Fitbit durch Google genehmigen, da die Verpflichtungen gewährleisten, dass der Markt für tragbare Geräte und die im Entstehen begriffene Branche der digitalen Gesundheit offen und wettbewerbsbestimmt bleiben. Durch die Verpflichtungen wird festgelegt, wie Google die erhobenen Daten für Werbezwecke nutzen kann, wie die Interoperabilität zwischen konkurrierenden tragbaren Geräten und Android-Smartphones gewährleistet wird und wie die Nutzer Gesundheits- und Fitnessdaten auch in Zukunft weitergeben können, wenn sie sich dafür entscheiden.

Folgende Verpflichtungen gibt es, sie gelten 10 Jahre:

Verpflichtungen im Bereich Werbung:

  • Google wird die Gesundheits- und Wellness-Daten der Nutzer, die über am Handgelenk getragene Geräte und andere Geräte von Fitbit erfasst werden, im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) nicht für Google-Werbung, einschließlich Suchmaschinenwerbung, Display-Werbung und Vermittlung von Suchmaschinenwerbung, verwenden. Dies gilt auch für Daten, die über Sensoren (einschließlich GPS) erhoben werden, sowie für manuell eingegebene Daten.
  • Google wird die relevanten Nutzerdaten von Fitbit auf technischem Wege von den anderen Daten getrennt halten. Konkret werden die Daten in einem „Datensilo“ gespeichert, das von allen anderen Google-Daten, die für Werbezwecke verwendet werden, getrennt ist.
  • Google wird sicherstellen, dass den Nutzern im EWR effektiv die Wahl gegeben wird, ob sie die Nutzung der in ihrem Google- bzw. Fitbit-Account gespeicherten Gesundheits- und Wellnessdaten durch andere Google-Dienste (wie Google Search, Google Maps, Google Assistant und YouTube) erlauben wollen oder nicht.

Verpflichtungen im Bereich des Zugangs zur Web-Programmierschnittstelle:

  • Über die Web-API von Fitbit wird Google dafür sorgen, dass die Gesundheits- und Fitness-Daten der Nutzer weiterhin in Softwareanwendungen einfließen können; dabei wird Google die Einwilligung der Nutzer einholen und keine Gebühren für den Zugang erheben.

Verpflichtungen im Bereich der Android-Programmierschnittstellen:

  • Google wird Android-Originalgeräteherstellern (OEM) weiterhin kostenlose Lizenzen für diese öffentlichen Programmierschnittstellen erteilen, die alle derzeitigen Kernfunktionen umfassen, welche am Handgelenk getragene Geräte mit Blick auf ihre Interoperabilität mit einem Android-Smartphone benötigen. Zu diesen Kernfunktionen zählen unter anderem die Bluetooth-Verbindung zu einem Android-Smartphone sowie der Zugang zur Kamera oder zum GPS des Smartphones. Um die Zukunftssicherheit dieser Verpflichtung zu gewährleisten, erstreckt sie sich auch auf etwaige Verbesserungen und relevante Aktualisierungen dieser Funktionen.
  • Google kann die Verpflichtung bezüglich der Android-Programmierschnittstelle nicht umgehen, indem es die Schnittstellen mit den für die Interoperabilität erforderlichen Kernfunktionen außerhalb des Android Open Source Project (AOSP) dupliziert, weil Google den Verpflichtungen zufolge die von diesen Schnittstellen gebotenen Kernfunktionen, einschließlich etwaiger Verbesserungen, auch künftig in Open-Source-Code bereitstellen muss. Alle Verbesserungen der Funktionen dieser Schnittstellen hinsichtlich der Kernfunktionen müssen (auch wenn sie Fitbit über eine private Programmierschnittstelle zur Verfügung gestellt wurden) auch im AOSP entwickelt und den Wettbewerbern von Fitbit in Open-Source-Code angeboten werden.
  • Um sicherzustellen, dass OEM von tragbaren Geräten auch Zugang zu künftigen Funktionen haben, wird Google den OEM Zugang zu allen Android-Programmierschnittstellen gewähren, die es den Entwicklern von Android-Smartphone-Apps zur Verfügung stellen wird, einschließlich derjenigen Schnittstellen, die zu Google Mobile Services (GMS), einer Sammlung proprietärer Google-Apps, die nicht Teil des Android Open Source Project ist, gehören.
  • Google wird die Verpflichtung bezüglich der Android-Programmierschnittstelle ferner nicht dadurch umgehen, dass es das Erlebnis der Nutzer von am Handgelenk getragenen Geräten Dritter durch die Anzeige von Warnhinweisen, Fehlermeldungen oder Genehmigungsanfragen in diskriminierender Weise beeinträchtigt oder OEM von am Handgelenk getragenen Geräten diskriminierende Bedingungen für den Zugang ihrer Begleit-App zum Google Play Store auferlegt.

Die EU-Genehmigung ist ein sehr großer Schritt für Google, um den Deal abzuschließen und die Technologie von Fitbit komplett zu nutzen. Google braucht jedoch meines Wissens noch die Zustimmung in den USA.

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Hallo, ich bin Carsten! Ich bin gelernter IT-Systemelektroniker und habe das Blog 2005 gegründet. Seit 2008 ist es Beruf(ung). Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Fan und Vater eines Sohnes. Auch zu finden bei Twitter, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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4 Kommentare

  1. Scheint für mich als Laien eine gute Lösung zu sein, Schön dass man in der EU regulierend eingreift, da können wir echt glücklich sein. Scheinen wohl auch durchaus technisch versierte Beamte in der Kommission arbeiten. Was andere Entscheidungen (Art.17) umso trauriger macht.

    Disclaimer: Ich weiß aus dem Stegreif nicht, welches EU-Organ hier für welche Entscheidungen zuständig war

  2. Dann baut man mit dem zugekauften Know-How halt eine Pixel Watch um an die Daten zu kommen. Samsung hat schon den Auftrag, einen SoC dafür zu liefern.
    https://english.etnews.com/20200804200001

    • @Kalle „Pixel Watch um an die Daten zu kommen“

      Die Daten von Fit werden doch ebenfalls nicht für Werbung verwendet, WIMRE.

      Viel wichtiger wäre mir allerdings gewesen, dass Fitbit zur freien Einsicht in meine eigenen Altdaten gezwungen wird. Also erhobene Daten aus vor-Abo Zeiten, die jetzt nur noch *mit* Abo angezeigt werden. Leider nicht der Gegenstand dieses Verfahrens, vielleicht erledigt das auch der neue Besitzer bevor der Brand Fitbit plattgemacht wird.

      Finde das extrem seltsam, wie sich die meisten Nutzer nicht am Fehlverhalten von Fitbit stören – aber in deren Forum verschwinden manche Postings dazu auch schnell.

  3. Und gleichzeitig möchte man gerne die Marktmacht von Google, Facebook und Co schwächen……
    Wie heuchlerisch diese EU-Kasper doch sind.

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