Filmemacher sagen 23,976 fps den Kampf an

Wer selbst Videos aufnimmt oder gerne mal über die Technik der Filmindustrie recherchiert, der ist sicherlich schon darauf gestoßen, dass Inhalte als Standard mit 24 Bildern pro Sekunde aufgenommen werden. Allerdings sind es nicht immer exakt 24,00 fps. Tatsächlich kommt es häufiger vor, dass der Content vielmehr mit 23,976 fps vorliegt. Das sorgt für einen technischen Rattenschwanz, der einigen Filmemachern nun zu lang geworden ist. Die Initiative NoMore2398 setzt sich für die Abschaffung dieser bruchstückhaften Bildraten ein.

Die Website sieht auf den ersten Blick nicht nach viel aus, federführend steckt aber unter anderem JD Vandenberg dahinter, welcher bei Walt Disney Animation die Post Production leitet. Dabei stammen die 23,976 fps aus den frühen 1950er-Jahren. Ursprünglich nutzte man sie als Notlösung, als vom Schwarz-Weiß- auf das Farbfernsehen umgestellt wurde. Durch das minimale Verringern der Framerate konnte man genügend Bandbreite herausschlagen, um Probleme mit dem Audiosignal zu umgehen.

Heute sollte das keine Rolle mehr spielen, doch immer noch hält sich nicht nur 23,976 fps – auch 29,97 fps (NTSC) sind gängig. Das führt in manchen Fällen für die Darstellung am TV zu einem umständlichen Prozess, bei dem Inhalte mit exakt 24 fps erst auf 23,976 fps verlangsamt und dann wieder auf 29,97 fps beschleunigt werden, um sie darzustellen. Davon haben die Filmemacher hinter NoMore2398 die Schnauze voll und fordern einen Zeitplan, in dem Hardware mit 23,976 fps abgeschafft werden solle, um sich auf exakte 24, 30 oder auch 60 fps zu besinnen.

Das würde die Produktionskosten und die technische Komplexität hinter den Kulissen senken. Etwa bieten auch Streaming-Anbieter einige Inhalte mit exakt 24 fps an, andere liegen bei 23,976 fps. Das muss dann euer TV bzw. eure Streaming-Lösung auch korrekt anpassen, was fast alle Geräte aktuell nicht korrekt für beide Framerates beherrschen – Ausnahme wäre der Apple TV 4K und das auch erst seit kurzem. Damit man aber nun Einheitlichkeit erreicht, müssten Kreative, Hersteller von Displays und Kameras und auch diejenigen die z. B. im Mastering arbeiten, alle an einem Strang ziehen. Ob es dazu kommen wird? Wünschenswert wäre es.

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24 Kommentare

  1. srslyUnique says:

    Der gute Mann heißt übrigens JD Vandenberg.

  2. Das wünsche ich mir seit vielen vielen Jahren!

    Vor allem da es auch 2021 und mit neustem Media Player Frame matching sehr selten funktioniert, wenn überhaupt.

    Ist echt ein Relikt aus der Steinzeit und braucht heute niemand mehr. Natürlich braucht man erst mal paar Filme/Serien um sich daran dann zu gewöhnen.

  3. Darf ich fragen, was es mit dem Teilsatz „Ausnahme wäre der Apple TV 4K“ auf sich hat? Was kann er da besser als andere Geräte? Und seit wann? Irgendwie scheine ich was verpasst zu haben.
    By the way: Tolle Entwicklung mit den Framerates!

    • Der AppleTV kann die Framerate automatisch anpassen.

    • André Westphal says:

      Klickst auf den Link – der Apple TV 4K beherrscht das korrekte Switching – auch bei 24,00 fps und 23,976 fps. Das kann aktuell, meine ich, kein anderer Mediaplayer.

      • TierParkToni says:

        NVIDIA SHIELD + KODI, und das bereits seit 2014/2015, mehr sag ich nicht – das wurde bereits x-mal getestet und immer wieder bestätigt…
        Meistens haben jedoch eher die Fernseher das Problem, da damit verbunden die ganzen „Digitalbildaubereiterspielereienzaubertricks“ nicht mehr sauber funktionieren

        • André Westphal says:

          Das ist aber keine Werkslösung bzw. nichts für den durchschnittlichen Anwender, der Netflix und Co. nutzt. Die Shield kann es halt als Standard auch nicht bzw. nicht bei den gängigen Streaming-Apps.

  4. Die meisten Streaminggeräte könne ja überhaupt kein Framerateswitching oder wie bspw. die FireTV-Sticks nur in der eigenen App. Da hilft es auch wenig, wenn nun ein Format entfallen soll. Bleiben noch genug bei denen es ruckelt.

    • Nicht wirklich, ohne 23,976 bleiben nur noch 24p, 25p und 60p. Und zu 99,98% ist es eh überall 24p.

      • Ähm, nein: Konzertmaterial ist meist 60Hz und TV-Material ebenso meist 50 oder 60Hz. Von den 99,98% ist man gaaaanz weit entfernt.

  5. Bei Videospielen können es nicht genug FPS sein und die Auflösungen steigen ins Unermessliche, aber im Kino hängt man mit dieser Notlösung aus 1950 mit diesem mageren Zeug fest. Ich hab mal einen Kinofilm in HFR geschaut, also High Frame Rate (59.940 fps). Das war natürlich erstmal ungewohnt, aber letzten Endes deutlich besser. Kann ich nicht nachvollziehen warum man da nicht endlich mal aufstockt und sich von dem geruckele und geschmiere verabschiedet.

    • Ein Foto ist auch realistischer, als ein Gemälde. Trotzdem wirken Bilder an der Wand gravierend anders und für die meisten Menschen angenehmer, als riesige Fotoaufnahmen.

      Und bei Filmen ist das auch so. Ich finde persönlich 24p Material grundsätzlich angenehmer zu schauen. 60p oder mehr finde ich ok bei Liveaufnahmen, also wenn Dinge auch gerade passieren.

      Bei Filmen brauche ich das aber nicht, da fehlt mir dann irgendwas. So wie ein Foto von der Mona Lisa nicht wiedergeben kann, was man empfindet, wenn man das Bild wirklich sieht.

      Kunst lebt davon, dass sie sich von der Realität unterscheidet, wenn auch subtil.

      • 24 fps sind natürlicher, da gibts keinen Zweifel. Wenn ich meinen Kopf schnell bewege, ist ja auch nichts mehr detailliert. Ich hatte mich aber recht schnell daran gewöhnt und der nächste Film kam mir vor, als hätte er nur 12 fps. 😀 Aber dann dürfte man auch kein 4K oder noch mehr gucken, weil das auch nicht wirklich natürlich ist.

        Vielleicht kommt es auch drauf an, welche Art Kameraführung verwendet wird. Ob sich nur Objekte bei fester Kamera bewegen, oder ob sich die Kamera selbst bewegt und wie schnell, oder Kamera und Objekt.
        Möglicherweise wäre eine Art variable frame rate am besten. Als Negativbeispiel kommt mir immer der Kameraflug der fliegen Berge aus Avatar in den Sinn. Das ist echt schlimm anzusehen.

        Ja na klar fehlt dir bei Filmen etwas, nämlich 36 Frames. 😀 Späßle

      • Ich finde, man kann einem Film ruhig ansehen, dass es ein Film ist, das muss gar nicht so aussehen, als stünde ich direkt daneben. Im Gegenteil, im Grunde wirkt sich das eher negativ auf das Filmerlebnis aus. Deshalb bin ich auch in der Tat kein ausgeprägter Fan von 4K oder noch höheren Auflösungen. Sicher, mein nächster TV wird es dann wohl auch haben, das veranlasst mich jetzt aber keineswegs zu einer Neuanschaffung.

    • Ich find HFR im Filmen einfach nur schrecklich. Aber ja, mal schauen ob man es noch merken würde, wenn man sich daran gewohnt hat.

    • Seitdem YT 60FPS abspielen lässt, finde ich 30fps-Videos und weniger echt schrecklich. Als wenn alles ruckelt. Extrem störend bei 3D-Filmen

    • Zum Glück hat sich HFR nicht durchgesetzt.
      Das hat Gründe.

  6. Die Legacy-FPS Sachen können weg, lieber n die Zukunft filmen….

  7. Wir haben schon HDMI 2.1 mit 4K@120Hz und Video-Inhalte bleiben bei lächerlichen 24 Hz. Zumindest 60 Hz wäre schon angemessen.

  8. In dem Zusammenhang könnte man doch gerade den Schritt auf 120 oder noch mehr Frames pro Sekunde nehmen, im Gaming Bereich ist dies bereits mit vielen Vorteilen verbunden, das wird auch beim Film gerade bei schnell wechselnden Szenen
    der Fall sein.

    • 99,99% der TVs können auf absehbare Zeit nur 60Hz, somit sind 60FPS mehr als sinnvoll.
      Außerdem sind die derzeit verbreiteten Formate auch alle auf 60FPS limitiert.
      Nicht das ich mich über mehr FPS beschweren würde 🙂

      Zusätzlich ist die Verbesserund von 60 -> 120 nicht mehr so gravierend wie von 24 -> 60.

  9. NanoPolymer says:

    Abschaffung? Wollen die alle alten Medien verbrennen oder kostenlos neue Versionen zur Verfügung stellen?

    Mit den alten Formaten werden wir weiter leben müssen. Dennoch begrüße ich es wenn 30 oder gar 60 FPS generell Standard wären.

  10. Bitte nicht. Ein Film muss 23,97 haben, alles andere wäre wie Frauentausch. Wer das falsche Gerät daheim hat – Pech gehabt.

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