„Coin Master“ muss Lippenbekenntnis ablegen: Anpassungen an den deutschen Jugendschutz

Wer sich einmal die App „Coin Master“ ansieht, kommt wohl unweigerlich zu zwei Schlussfolgerungen: 1. Die App ist im Grunde eine Glücksspiel-Simulation mit ein wenig anspruchsloser Aufbau-Strategie im Anhang. 2. Die Zielgruppe der kunterbunten Cartoon-Ästhetik dürften sehr junge Nutzer sein. Die Betreiber Moon Active negierten das stets, was unter anderem Jan Böhmermann nur wenig glaubhaft fand. Jetzt muss die App zumindest minimal angepasst werden.

Auch wenn die Landesanstalt für Medien NRW das als großen Erfolg feiert, ist das natürlich in Wahrheit bestenfalls ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn „Coin Master“ bleibt weiterhin im App Store verfügbar. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) hatte das Mobile Game übrigens im März als harmlos eingestuft. Zu größerer Aufmerksamkeit war „Coin Master“ gelangt, nachdem Jan Böhmermann die App auf satirische Weise enorm kritisiert hatte.

Die Landesanstalt für Medien NRW spricht nun von umfangreichen Anpassungen, tatsächlich handelt es sich aber mehr um kleine Maßnahmen. Ein rechtskräftiges Urteil hatte am 3. April 2020 untersagt, dass „Coin Master“ in der bisherigen Form weiter verbreitet werden dürfte. Laut der Landesanstalt für Medien habe sich der israelische Entwickler Moon Active sehr kooperativ gezeigt. So gibt es nun eine doppelte Altersbestätigung, die App ist zudem ab sofort als „ab 16 Jahren freigegeben“ im Play Store gelistet. Das ist aber etwas irreführend, denn nach dem Start folgt der Hinweis, dass der Nutzer mindestens 18 Jahre alt sein müsse

Tja, und wir alle wissen ja, dass solche Altersfreigaben / Abfragen Wunder wirken und natürlich kein einziges Kind es wagen würde in seiner Lieblings-App womöglich ein falsches Alter anzugeben, nicht wahr? Die App zeigt nun zudem einen Hinweis darauf, wie die In-App-Käufe deaktiviert werden können. Als einzig wirklichen Erfolg bewerte ich da, dass die bisherige Marketing-Strategie, die Unsympathen Influencer wie Daniela Katzenberger, Bibi von Bibis Beatuy Palace und Dieter Bohlen als Werbefiguren einspannte in Deutschland ebenfalls abgebrochen wird.

Nun ja, ich denke, dass es ein wenig schwach von der Landesanstalt für Medien in NRW ist, sich für dieses Ergebnis so auf die Schultern zu klopfen. Die kleinen Anpassungen der App sind besser als nichts, simuliertes Glücksspiel bleibt aber ein Problem, vor dem man besonders jüngere Nutzer allerdings meiner Ansicht nach besser schützen sollte.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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29 Kommentare

  1. Marcus Bischoff says:

    Ich finde es viel schlimmer, dass mit Spielmechaniken geworben wird, die es nicht gibt. Warum geht da keiner gegen vor? Das ist doch arglistige Täuschung.

    • Mehr als Das, dies ist Betrug in schlimmster Form die sich an Kinder reichtet und die Werbeträger sich auch der Unterste Boden der Sozialen Gesellschaft. Welche ernstzunehmende Erwachsene würde seinen Ruf für solch eine niederträchtige Abzocke hergeben?
      Browserspiele sind meist auch Abzocke, ebenso alle Pay2Win Spiele. Hände Weg, egal welche Titel, man hat dabei mehr Geld raus als mit jedem Abo-Game. Vor allem bei Kinder zu untersagen denn die können die Folgen absolut nicht einschätzen. Schlimm sind die Ausreden mit denen sie sich dabei rausreden, alles was Hintertüren nutzt ist Arglist.

    • Ich sehe dabei vor allem die Eltern in der Pflicht: Die sollen ihren Kindern eine Überwachungsapp installieren, damit sie wissen, was auf dem Handy installiert und gespielt wird. Zudem sollte man den Inhalt so einstellen können, dass man dem Handy quasi sagt: „Das Kind ist unter 16“ und dann kann man eben auch nichts mehr installieren, was dem Alter nicht entsprechernd ist.

      Nach Vater Staat zu rufen ist immer schön einfach, aber bei sowas dürfen sich die Eltern nicht aus der Verantwortung ziehen.

      • Jugendschutz ist ebenso Aufgabe des Staates und jedes Erwachsenen wie der Erziehungsberechtigten. Eigentlich ist das auch der gesunde Instinkt eines jeden Menschen Kinder zu schützen.
        Zum Geschäftsmodell solcher Spiele die auf Kinder abzielen muss ich nichts weiter sagen.

  2. Die Altershinweise sind natürlich ein absoluter Witz und werden gar nichts bringen. Der Verzicht auf Werbung in dieser Form an die Zielgruppe ist immerhin ein Teilerfolg wobei es hier natürlich davon abhängt wie künftige Werbung aussieht.

    Was ich hier allerdings enorm wichtig fände wäre das die Anbieter der App-Stores solche fragwürdigen Apps aus den Charts ausschließen würden. Denn egal wann man den Play Store öffnet wird einem die App ja immer ganze vorne angezeigt und ist so natürlich die beste Form der Werbung. Hinzu würde es glaube ich sehr helfen wenn man bei der Einzahlung die Akzeptanz von Guthaben(skarten) verweigern würde. Die wenigsten Jugendlichen dürften PayPal oder eine Kreditkarte hinterlegt haben und somit würde die Hürde dort unkontrolliert Geld versenken zu können wesentlich steigen.

    Generell hoffe ich aber das dieses Thema endlich von der Politik aufgenommen wird und dieses „simulierte Glücksspiel“ ganz verboten wird oder solche Apps nur nach Altersverifikation genutzt werden können.

  3. Was mich mal interessieren würde ist, wie die Definition von simuliertem Glücksspiel im Gegensatz zu echtem Glücksspiel lautet. Geld verlieren kann man ja augenscheinlich mit beidem.

    • Schau Dir das verlinkten youtube-Video an; dort wird der Unterschied erklärt.

    • Mit echtem Glückspiel hat eine vielleicht nur kleine, dennech Reale Chance doch etwas zu gewinnen. Bei Simuliertem Gewinnst du NIX!!! Nur virtueller schnick schnack das in einem Spiel mit Abo oder einmalzahlung x-fach mehr bekommst als mit solchen Geldabzocksimulationen.
      Es heißt nicht umsonst, willst du Geld machen spiele nicht in einem Kasino sondern eröffne eines.

  4. Dieses „Spiel“ ist so unfassbar langweilig. Weiß gar nicht, warum das überhaupt jemand spielt?

    • Die Sucht.

    • Was die Welt aus Idioten besteht, sie sind in der Mehrheit. Aber bei Kindern hört der Spaß auf. Wer alt genug ist und sein Geld sinnlos verschläudern will ok, aber bei Kindern gehört vom Gesetzgeber ein Riegel vorgeschoben. Keine Pay2Win oder Spiele ohne feste Abo, keine Lootboxen die man kauft oder auch nur ansatzweise ähnliches. Diese Firmen gehören mit 200% ihres Jahresumsatzes bestraft + für jeden Mitarbeiter mindestes 10 Jahre Knast.

  5. Ich frage mich, wo die Kinder und Jugendlichen denn da das Geld hernehmen. Haben die alle einen eigenen Account und eigene Zahlungsmittel hinterlegt? Ist das heutzutage so üblich? Ich hätte gedacht, dass gerade bei jüngeren der Account der Eltern hinterlegt ist. Und dann ob liegt es doch denen, dafür zu sorgen, dass die Kinder nicht beliebig Geld ausgeben können. Das betrifft ja dann nicht nur diese App, sondern jeden anderen Kauf im jeweiligen App Store auch. Ich räume gerne ein, dass ich vielleicht irgendwas nicht verstanden habe oder irgendetwas nicht sehe, aber auf dem ersten und auch auf dem zweiten Blick sieht es für mich so aus, dass hier wieder nur den Eltern ein Stück mehr Verantwortung abgenommen wird.

    • Thomas Massing says:

      Das ganze Spiel ,sollte mal genau Untersucht werden . Bei so vielen Fehlern und ein völlig überforderter Support sollte man das Spiel vom Markt nehmen..
      Die sogenannten Kontomanger die es angeblich Ehremamtlich machen sind nichts weiteres als Verkäufer ..
      Wer noch nie was gekauft hat wird mit Angeboten gelockt …
      Und jeder 14 Jährige ist in der Lage sich ein passendes FB Profil zu erstellen um CM zu spielen ..
      CM ist eine Geldmachmaschine die schon etliche in eine Sucht geführt haben.

    • Nein, den Eltern wird hier ein weiteres Stück mehr Verantwortung aufgebürdet! Denn die ganze Aufmachung des Spiels richtet sich tatsächlich an Kinder und das Spiel ist designed um Sucht hervorzubringen. Und das ist Ansatzweise schon passiert, bevor es um das erste mal Geld ausgeben geht. in der Situation müssen dann die arglistig getäuscht in Eltern entgegensteuern. Daher frage ich: als du klein warst, hat da etwa jemand versucht dich arglistig täuschend in ein Spielcasino zu locken, das von außen wie ein Spielplatz aussah? Da wäre die Polizei gekommen und das Ding wäre ratzfatz dicht gemacht worden. Und du behauptest hier bei den Eltern die Verantwortung abgenommen…?

      • Nein, ich wurde als Kind nicht in so einer Art arglistig getäuscht, sehe aber auch einen erheblichen Unterschied zwischen einem realen als Spielplatz getarnten Casino und einer App. Als Elternteil sollte ich schon mal ein Auge darauf haben, was meine Kinder auf dem Smartphone so anstellen, so wie es zu meiner Zeit mit dem Computer der Fall war. Sicherlich haben sich die Zeiten etwas geändert und die Möglichkeiten, aber du bist heute in der Lage es zu unterbinden, dass deine Kinder mit dem Smartphone Einkäufe tätigen. Und insofern stehe ich zu meiner Aussage, dass hier den Eltern wieder mal ein Stück Verantwortung abgenommen wird.

  6. Naja, Alterseinschätzungen sollen ja kein Allheilmittel sein. Vielmehr sollen diese von den Erziehenden genutzt werden, damit diese besser einschätzen können, ob eine App für den Sprössling geeignet ist oder nicht. D.h. eine Altersbeschränkung ersetzt keine aktive, begleitende Medienerziehung.

    Zudem ist doch die Legalisierung von Online-Glücksspielen vor zirka einem Monat durch den Bundesrat durchgewunken worden. Hat sicher nichts damit zu tun, dass in dem Markt viel Geld bzw. Steuern zu holen sind.

    Als man vor einigen Jahrzehnten übrigens mit der Marktforschung in Richtung Kinder und Jugendliche ging, war der Slogan bei der Experten übrigens „Wie kommen wir über die Kinder an noch mehr Geld von den Eltern?“. 😉

  7. Ich hoffe jeder von euch, der hier einen negativen Kommentar geschrieben hat, hat sich auch die Mühe gemacht einen solchen bei den Bewertungen im Play Store zu hinterlassen, oder!? Auf geht’s!

    • Wieso genau? Die App kann ja durchaus gut gemacht sein. Moralisch ethische Bedenken liest man in App-Rezensionen doch eher selten. Zum Glück, denn heute fühlt sich ja jeder durch irgendwas betroffen. So hätten wir bei jeder zweiten App lauter Einträge von Leuten, die entweder für sich selbst oder stellvertretend für andere behaupten, dass das ja nun gar nicht geht.

  8. Ich finde diese Apps nicht gut, aber so lange es überall Sportwetten, Spielotheken und Casinos gibt, muss man sich hier nicht künstlich aufregen. Die finden ihre Opfer so oder so.

    Wenn man sich die trainingsbehoste und lederjäckchenunmantelte Klientel mal anschaut, die aus den Wettbüros kommt, weiß man ohnehin, dass da mit gesundem Menschenverstand nicht mehr viel los ist. Solche Leute sind krank, in vielerlei Hinsicht, die gehören im Grunde sofort entmündigt und unter Fremdbetreuung.

    Aber der Staat verdient gut an denen, und es gab sie zu allen Zeiten. Das gute ist, man kann nicht zum spielsüchtigen werden. Man ist es, oder man ist es nicht.

    Deshalb macht es keinerlei Unterschied, ob legal oder nicht. Man muss es generell verbieten, eigentlich sogar Lotto.

    • Ja, und dann schaut man sich in den staatlichen Galerien die Plaketten neben den Kunstwerken an. Da ist aber so einiges aus Lotto-Geldern finanziert.

    • Aha, wo fängt man an? Man kann den Eingangssatz auch umdrehen:
      Ich finde diese Sortwetten, Spielotheken und Casinos nicht gut, aber so lange es überall Apps gibt, muss man sich hier nicht künstlich aufregen. Die finden ihre Opfer so oder so.
      Irgendwo muß der Anfang gemacht werden.

      • Oder anders herum gefragt: wo hört man auf?

        Wir empfinden die Leute als Opfer, die teilweise unfassbare Summen in diese Apps stecken. Andere ruinieren sich durch Einkäufe im Home Order Television, andere wiederum kaufen sich ständig Upgrades für ihre hoch getunte Karre. Der Staat greift an vielen Stellen in das Leben der Bürger ein, aber wo sollte er dies nicht oder nur gemäßigt tun? Am Beispiel dieser App gibt es auch sicher viele Leute, die Spaß daran haben. Sollte man die App deshalb verbieten, nur weil ein kleiner Teil der Nutzer süchtig werden könnte?

        D.h. ich kann Deine Argumentation gut nachvollziehen und denke z.B., dass man Leute in Deutschland vor dem Erfrieren retten sollte, auch wenn andernorts auch oder sogar noch viel mehr Leute erfrieren. Bezüglich der App lässt sich das aber nicht so einfach deklinieren.

        • Der Staat sollte da eingreifen wo eine Gefahr für sich und andere besteht (z.B. für die Familie durch Schulden & Co). Und ich sehe hier ein hohes Risiko für ein Suchtpotenzial weshalb im gesamten Gewerbe der Sportwetten und (simulierte) Glücksspiele endlich ein Werbeverbot gelten sollte. Und wie auch bereits bei allen Angeboten sollte eine verifizierte Volljährigkeit auch für solche Apps gelten die Glücksspielmechaniken verwenden und Echtgeldeinsätze erlauben.

          • Dann verlagert sich das Geschäft eben ins Ausland. Solche Verbote kann man in der heutigen Zeit nicht mehr effektiv durchsetzen. Zudem hat Böhmermann ja eindrücklich erklärt, warum die App kein Glücksspiel nach deutschen Recht war.

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