Blink: Googles neue Browser-Engine für Chrome – und was das überhaupt bedeutet

Interessante Nachrichten aus dem Hause Google: in Zukunft wird man seine eigene Browser-Engine namens Blink realisieren. Doch wie war es bisher und was wird in Zukunft sein? Bislang arbeitete Chrome mit WebKit, welches eine Open Source-Engine ist. Die Entwicklung von WebKit wurde maßgeblich von Apple beeinflusst, nachdem man es als eigenständiges Projekt aus der HTML-Engine KHTML und der JavaScript-EngineKJS erschuf. Mitglieder wie Apple und Google, die an WebKit schrauben, arbeiteten in der Vergangenheit gemeinsam an den Standards.

Chromium

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Die gestrige Nachricht ist natürlich überraschend, doch was bedeutet es eigentlich? Das Chromium-Team teilte mit, dass Blink ein Fork von WebKit werde. Ein Fork beschreibt in der Softwareentwicklung eine Abspaltung. Dabei trennt sich ein Produkt irgendwann in ein anderes oder mehrere Projekte auf. Beispiel? LibreOffice ist ein Fork von OpenOffice. OpenOffice wiederum spaltete sich aus StarOffice ab. Und nun wird Blink also etwas eigenes, auf Basis der Open Source-Engine WebKit.

In der Vergangenheit setzt Chrome schon nicht auf alle Teile von WebKit, sondern bediente sich nur an einzelnen Komponenten. So nutzt Chrome zwar WebCore für HTML und CSS, aber nicht JavaScriptCore, sondern die eigene V8-Engine.

Warum Google nun einen eigenen Fork mit Blink startet? Laut Google wird es auf Basis von WebKit immer komplexer und schwieriger, alle Architekturen zu unterstützen. Dies würde das Innovationstempo ausbremsen, sodass man sich zu diesem Schritt entschlossen habe. Keine leichte Entscheidung, wie man mitteilte. Eine eigene Rendering-Engine wird sicherlich Einfluss auf das gesamte Internet haben, gerade, wenn Google so etwas in der Hand hat. Eine Firma, die für ihre eigenen Ziele sicherlich über Leichen gehen wird.

Wenn man sich alles düster ausmalt, dann sehen wir später etwas, was in den 90ern als Browserkrieg bekannt war. Mitte der 90er bekämpften sich Netscape und Microsoft. Beide Hersteller wollten den Markt für sich haben und erfanden eigene, neue Standards. Aber wir werden es ja sehen, keine Vorverurteilung – Google will ja das eigene Motto „Don’t be evil“ sicherlich weiter vor sich her tragen, außerdem dürfen ja auch andere Gruppen an Blink mitarbeiten, ist ja ebenfalls Open Source.

Der normale Benutzer, der bekommt erst einmal nichts mit, da sich die Engine unter dem befindet, was wir so sehen. Macher des Chromium-Projektes gaben an, dass sich auf kurze Sicht auch nichts für Entwickler ändert, erst einmal wird der Code ausgedünnt, entschlackt – sodass die Engine schlanker, stabiler und weniger anfällig für Bugs ist. Während einer Übergangsphase wolle man mit anderen Anbietern von Browsern an der Erhaltung der Kompatibilität arbeiten. Geschwindigkeit in der Entwicklung ist das Ziel. Um die Plattform schneller zu machen, müssen Entscheidungen und Entwicklungen schneller einfließen – und hier soll es bei WebKit hakeln, wie Alex Russel, Entwickler von Chrome bei Google, mitteilt.

Interessant wird es für Apple. Alle Browser auf iOS müssen WebKit nutzen. Alle Browser, die auf iOS derzeit zu haben sind, sind nichts anderes, als ein grafischer Aufsatz für die enthaltene WebKit-Engine. Und laut Apple wird auch nichts anderes als WebKit auf iOS laufen. Dies könnte bedeuten, dass Chrome in Zukunft weiterhin nur mit der alten Engine auf iOS läuft. Und Apple? Die verlieren mit Google einen großen Mitstreiter am WebKit-Projekt. Pikant: während Apple auf das schnelle Nitro für Safari setzen kann, dürfen andere Browser diese schnellere JavaScript-Engine nicht nutzen.

Was gibt es dazu noch zu sagen? Der Anwender wird optisch nichts sehen. Andere Anbieter haben sich auch schon auf Blink eingeschossen. Erinnert ihr euch noch an den Wechsel von Opera auf die Engine WebKit? Opera wird nicht das ursprüngliche WebKit nutzen, sondern ebenfalls an Blink mitarbeiten.

Der mobile Markt ist unfassbar groß, täglich wird der Traffic auf die Seiten größer. Safari nutzt WebKit, Chrome und Opera machen gemeinsame Sache und die Firma Samsung schraubt mit Mozilla an der Engine Servo – spannende Zeiten.

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caschy

Hallo, ich bin Carsten! Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Getaufter und Gründer dieses Blogs. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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18 Kommentare

  1. Gespannt was da am Ende für uns arme Webentwickler passiert, aber man gewöhnt sich ja an fast alles 🙂

  2. Erst dachte ich, es geht um den Desktop, in den letzten Absätzen klingt es allerdings so, als würde sich das nur auf den mobilen Chrome beziehen

  3. Wenn sie konsequent wären, müsste Google jetzt formal Chrome den Zugriff auf Google Maps verweigern. Der mobile IE darf ja auch nicht drauf, weil er kein WebKit-Browser ist.

  4. @Julian
    Es geht um beides. Wenn Du mit dem iPad surfst nutzt Du ja auch iOS.
    Bei einem Nexus10 oder ähnlichem kannst Du ja die Ansicht in Chrome oder ähnlichem wählen.

  5. @André: Ja klar, und deswegen geben sie auch eine Hilfe raus für den Fall, dass man mit dem IE Probleme hat Google Maps anzuzeigen, nech? Siehe: http://support.google.com/maps/bin/answer.py?hl=de&answer=21849 Und unter Windows 8 kann ich mit dem IE auch problemlos Google Maps öffnen. Wie kommst du also auf den Unsinn?

  6. Verstehe ich das richtig? Erst schreibst du:

    „Eine Firma, die für ihre eigenen Ziele sicherlich über Leichen gehen wird“

    Dann:

    „Aber wir werden es ja sehen, keine Vorverurteilung“

    Ein bißchen inkonsistent oder? Erstmal böse sticheln um Google negativ zu konnotieren und dann von „keiner Vorverurteilung“ reden?

    Ist das jetzt der allgemeine, weinerliche Blogger Tenor wegen des ach so großen Google Reader Debakels (ja, ist scheisse, Ist aber nicht so das keine Alternativen gibt…)?

    Ich finde das ziemlich arm, besonders weil hier dann schnell einige Leute meinen jetzt müsste man alles zu Microsoft migrieren, die sich aber halt an gar keine offenen Standards halten und offene Plattformen bewusst behindern.

    Klar, bei Google ist nicht alles offen, die Art und Weise von Larry Page Google+ in alles zu integrieren nervt ungemein, aber Menschen auch nur ansatzweise in Richtung Microsoft zu schicken ist einfach kopflos (nicht bezogen auf diesen Post von dir).

    Das Blut was an Microsofts Firmengeschichte klebt (nein, nicht nur die Ältere) steht in keinem Vergleich zu Googles Fehlern. Das ist leider nicht übertrieben.

    Mich wundert auch immer wie wenig die Menschen anscheinend über MS wissen.

    Nenne mir bitte mal eine Firma von der ansatzweisen Größe von Google im kapitalistischen Markt die so stark offene Standards unterstützt?

    Ansonsten ein Dank für die schnellen Blink News.

  7. OpenOffice ist kein Fork. Ein Fork ist eine unabhängige Entwicklung, OpenOffice wurde aber nicht unabhängig von StarOffice weiter entwickelt, sondern stellte dessen Grundlage dar.

  8. Ist es nicht so, dass Google mit Chrome schon bestimmte Features einbaut die es so nur in Chrome gibt? Ich meine dies irgendwo mal gelesen zu haben.

  9. Das ist die Entwicklerhölle. Da freut man sich gerade drüber, Opera nicht mehr explizit unterstützen zu müssen, da Opera auf Webkit wechselt, dann kommt Google und macht schon wieder was Neues 🙁

  10. Google arbeitet schon seit längerem konzentriert daran, sein „Don’t be evil“-Image abzulegen.

  11. 3lektrolurch says:

    @DingDong
    +1

  12. Ich seh dem eigentlich gelassen entgegen. Viel schlimmer kann es ja nicht werden, wenn Chrome ohnehin schon nur noch einzelne Komponenten von Webkit nutzt.

    Also beschwört mal nicht die Apokalypse herauf, sondern wartet ab, was da kommt.

  13. Oh oh, ich als Webdeveloper ahne schlimmes. Hoffen wir mal, dass sich alle an die bestehenden HTML Standarts halten.

  14. In der Praxis liegt mein Problem als Webentwickler nicht bei Speerspitze der Browserentwicklung, sondern bei der immer noch weit verbreiteten Trödel-Nachhut… ja IE8, du bist gemeint.

    Gegen die aktuellen Engines (Webkit, Trident6, Gecko und demnächst meinetwegen auch noch Blink und Servo) kann man gut gemeinsam entwicklen, nur für den IE8 sind immer reichlich Extrawürste und Klimmzüge nötig, weil die Windows-Nutzer nicht von XP wegkommen.

  15. Naja, das ist schlicht die wirtschaftliche Trennung von Apple. Als nächstes wird Mozilla aus dem Google-Portfolio rausgeschmissen, würde ich drauf wetten. Wäre echt schwachsinnig, die jetzt noch weiter zu unterstützen, insbesondere, wenn die mit Samsung auch wieder eine eigene Engine bauen. Dann soll Samsung die doch bezahlen.

  16. Und was soll jetzt bitte ändern? Du hast doch selber geschrieben dass auch aktuell Jeder WebKit-Browser seine eigene WebKit Version entwickelt und sich diese unterscheiden.

  17. @scinaty
    Bisher sind es Erweiterungen. Da ja jeder Browserhersteller die aktuelleren Webkitversionen nutzen will (muss), sind die Erweiterungen nicht so tiefgehend, dass sie die Integration einer neuen Webkitversion dramatisch verzögern. Mit einem Fork kann Google theoretisch machen, was sie wollen, ohne auf so etwas Rücksicht nehmen zu müssen.

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