Apple missbrauche laut russischen Wettbewerbshütern seine Marktposition

Wie die russische News-Agentur Interfax mitgeteilt hat, haben die russischen Wettbewerbshüter eine womöglich weitreichende Entscheidung getroffen: Apple missbrauche demnach aktuell mit seinem App Store seine Marktmacht. Stein des Anstoßes war in Russland eine Beschwerde des Entwicklers Kaspersky Lab.

Letztere wollten im App Store ihre App „Safe Kids“ veröffentlichen. Apple lehnte die App ab. Da es keine anderen Vertriebsmöglichkeiten unter iOS für Apps gibt, das ist ein wichtiger Unterschied zu Android und dem Google Play Store, schaltete man die russischen Wettbewerbshüter von der FAS ein. Letztere haben nun zugunsten von Kaspersky Lab entschieden. Apple missbrauche seine dominante Marktposition und verstoße gegen die Wettbewerbsgesetze. Das Unternehmen müsse nun nachbessern.

Apple selbst hat bereits angekündigt Widerspruch gegen die Entscheidung einlegen zu wollen. Aktuell ist der App Store ein stetiger Punkt, um den es Streit gibt. Mal ist es die Provision von 30 %, welche Entwicklern sauer aufstößt, mal sind es Sonderregelungen. Auch Microsoft soll schon mit dem Finger auf Apple gezeigt haben. Letztere sind sich natürlich keiner Schuld bewusst und verteidigen die eigene Vorgehensweise vehement.

Laut FAS sei das Problem, dass Apple einerseits erzwinge, dass Apps unter iOS nur durch den eigenen App Store zu beziehen seien und andererseits dann das Recht beanspruche, Apps von Entwicklern nach eigenem Gutdünken auszusperren. Im Falle von Kasperky Lab gab Apple an, dass die strittige App „Safe Kids“ die Privatsphäre und Sicherheit der Nutzer gefährdet hätte. Kaspersky Lab selbst unterstellt, Apple habe schlichtweg seiner eigenen App „Screen Time“ den Vorzug geben wollen.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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26 Kommentare

  1. Ich werde wohl nie begreifen, wieso ich als Anbieter nicht bestimmen darf, welche Produkte in meinem Store angeboten werden dürfen und welche nicht. Ich weiß gar nicht, was ist da zu diskutieren oder gar zu klagen gibt. Noch weniger nachvollziehbar finde ich, dass Wettbewerbshüter immer wieder auf diesen Zug aufspringen und das von Gerichten auch noch unterstützt wird.

    • Weil Monopole/Oligopole schlecht fuer den Verbraucher sind. Wenn Apple nun anfaengt Netflix, Prime Video und Disney+ aus dem AppStore zu werfen, um Apple TV+ zu pushen, dann ist das fuer dich auch ok?

      • Ich würde das nicht begrüßen, aber letztlich ist es doch ein ganz normales Vorgehen von jedem Unternehmen, seine eigenen Produkte in den Vordergrund zu stellen und die Konkurrenz möglichst fernzuhalten. Also ja, das wäre für mich okay, auch wenn ich persönlich es nicht gut finden würde.

      • Naja, bei solchen Branchenriesen würden die Anwender wohl auf die Barrikaden gehen, die App von Kaspersky hat halt niemand vermisst.

        • Wie auch? Sie haben bis heute nichts davon gehört.
          Aber wenn man z.B. seine Blockliste am PC über Kaspersky verwaltet, wäre doch ein Import auf die Handys sehr praktisch, weshalb es sicherlich potentielle Kunden gibt.

    • Weil ab einem bestimmten Marktanteil nun mal andere Spielregeln gelten. Apple hat zwar kein Monopol, spielt aber so eine große Rolle in dem App Geschäft, dass hier langsam genau geschaut wird ob Apple entweder weniger Geld bzw für bestimmte Dinge gar kein Geld mehr verlangen darf oder bestimmte Einschränkungen nicht mehr vornehmen darf.
      Ich finde es ok, dass Apple beim Verkauf der App eine Provision von 30% bekommt. Es ist aber nicht ok, dass ich Anbieter auch immer 30% für ihre Dienste abgeben müssen, auch wenn die nicht über die Apple Server laufen.. Beispiel Netflix, Spotify.
      Und dann gibt es die Thematik mit der Hardware, die man als fremdhersteller nicht so gut in iOS anbinden kann, wie Apple mit seinen eigenen Produkten.
      Apple Pay ist ein weitere Punkt, hier kann Apple aber ganz gut argumentieren, weil sonst die Sicherheit nicht gewährleistet werden kann, wenn Fremdanbieter auf das Secure Element und nfc zugreifen können.

      • Das mit den anderen Spielregeln ist mir schon klar, trotzdem aber erschließt sich mir der tiefere Sinn dahinter einfach nicht.

        • Spotify könnte niemals Geld verdienen wenn Apple 30% verlangt, würde dadurch theoretisch pleite gehen. Bedeutet dass Apple Music dadurch zum Marktführer wird, weil Apple Music nix abgeben muss. Netflix hat ebenso wie Spotify eine kleine Spanne, daher würden die auch pleite gehen, Apple TV könnte die Lücke füllen und den Markt von hinten aufrollen.
          Das Problem ist also generell dass Apple gleichzeitig die Platform anbietet und jeweils auch ein eigenes Produkt für Inhalte bietet. Und ab einem bestimmten Marktanteil muss Platform von den Inhalten getrennt werden bzw Schutzmaßnahmen für Wettbewerber geschaffen werden.

          • Auf der einen Seite spielt Apple nur eine untergeordnete Rolle auf dem Smartphone-Markt, auf der anderen Seite ist der Anteil aber doch so hoch, dass es für ein Unternehmen von existenzieller Bedeutung ist, auf dieser Plattform vertreten zu sein? Ok, ich bin kein Fachmann, aber für mich hört sich das eher so an, als würde man sich die Zahlen so zurecht legen, wie es einem gerade am besten passt.

            • Der große Teil des App-Umsatzes wird im Apple-AppStore generiert. Apple Kunden sind weniger sparsam, deshalb möchte man sie als Kunden haben.

          • > Spotify könnte niemals Geld verdienen wenn Apple 30% verlangt, würde dadurch theoretisch pleite gehen.

            So funktioniert das nicht. In den app stores profitiert man erheblich von Skaleneffekten. Außerdem hat man nach jedem dritten Posten die Gebühr wieder rein.

          • Ich habe Netflix auf dem AppleTV und iPad laufen und Apple hat niemals einen Cent dafür gesehen, geschweige denn 30%.
            Es ist nur so, das wenn man ein neues Abo DIREKT über den AppStore abschließt und mit Apple bzw, über den AppStore bezahlt, will Apple die Gebühr. Was ich verstehe, in dem Moment sind sie ja auch Vermittler einer Leistung.

            Und ja, Netflix & Co. müssen diese Option des Abos über den AppStore anbieten, sonst wird die App nicht aufgenommen.

            ABER kein Kunde wird gezwungen, das Abo über Apple abzuschließen und man kann ganz locker im Web das Abo machen und dann die Accountdaten in der App hinterlegen.
            Alles andere ist nur Convenience.

            Daher finde ich die Beschwerden wegen Machtmissbrauch auch übertrieben,

      • Doch, Apple hat ein Monopol! Oder von welchem anderen Anbieter kannst du iOS-Apps kaufen?

    • Vor allem: warum sollte mit einem „Alternativen-Appstore“ die Freigabe der Apps durch Apple wegfallen? Apple würde dann vielleicht andere Wege zulassen müssen, wo du deine Apps kaufst, aber die Apps würden immer noch signiert werden müssen – und damit wäre Kaspersky wieder raus…
      Zudem: schaffst du es als andere App-Store, irgendwelche Schadsoftware auf das iPhone zu bringen wärst du in Nullkommanix wieder raus – das Risiko der Freigabe werden die weiter schön bei Apple lassen wollen.

      • Wieso muss die App aus einem alternativen Store signiert werden? Dieses kann auch für 3. Anbieter deaktiviert werden.

        Aber ein Teil stimmt, damit man überhaupt für iOS entwickeln kann und die Werkzeuge erhält muss man die jährliche Entwicklergebühr zahlen.

        • Weil Apple es definitiv nie zulassen wird, dass auf einem iPhone eine nicht signierte App laufen wird. Egal über welchen Kanal – und genau so würdest du auch jede Wettbewerbsbehörde im schlimmsten Fall (für Apple) zur Ruhe bringen: klar lassen wir alternative Stores zu, aber von App-Freigabe ist keine Rede. Was ist dann noch das Kartellproblem? Oder glaubst du wirklich, es wird Stores geben, die á la Cydia mal alles durchwinken? Träum weiter…

          • Was Apple will und was Apple muss ist ein Unterschied. Es ist technisch möglich, also kann es vom Gesetzgeber verlangt werden.
            Wenn Apple es nicht ermöglicht, vielleicht muss Apple den AppStore in Russland dann ganz schließen.

            • Russland ? Gesetzgeber? Was ist eigentlich ein Gesetzgeber , eine kartellbehörde einer diktatur wert ? muß man der gehorchen? nur weil „Gesetz“ drüber steht – über den Nürnberger Gesetzen stand auch „Gesetz“ – aber es kommt eben immer drauf an was das für ein Staat ist der die Gesetze erlässt ob sie auch angewendet werden müssen. Wer seine Mitbürger als Versuchkaninchen mißbraucht nur um als erster einen Impfstoff auf den markt zu bringen hat jedes Recht verwirkt von einem Unternehmen angebliche Rechtmäßigkeit zu verlanden. russland ist eine diktatur . Geben Gesetze die von Diktaturen erlassen werden darf man verstoßen .

              • In den USA werden Bürger auf offener Straße von Regierungs-Söldnern in unmarkierte Vans gezerrt und verschleppt. Manche sind auch erschossen worden. Also US-Gesetze sind dann auch nicht mehr gültig, richtig?
                Wie ist das hier eigentlich? Während G20 in Hamburg waren meine Rechte sowas von eingeschränkt, da habe ich mich glatt wie ein Russe gefühlt. Haben die deutschen Gesetze nur während der Zeit nicht gegolten, oder hält das bis jetzt an?

        • Irrtum. Die Werkzeuge und das Entwicklerkonto sind kostenlos. Die Gebühr muss man bezahlen, wenn man im App Store veröffentlichen will.

    • Ganz genau.
      Die Frage wäre von mir, wie das bei den Konsolen aussieht. Die haben ja auch nur den jeweiligen eigenen Store und bestimmen dort die Bedingungen.

      Oder wie sieht das mit den Infontainment-/OnBoard-Systemen in Autos aus, die lassen ja auch nur bestimmte Apps nach ihren Richtlinien in die jeweiligen Stores.

  2. Apple hat die EU in der Tasche. Wenn überhaupt könnten Länder wie China und Russland Apple einen Strich durch die Rechnung machen.

  3. Wenn Russland Apple zwingt, den App Store zu öffnen, dann ist Russland eben raus aus der Liste der belieferten Länder.

    Das würde Apple vermutlich nicht einmal gross schaden. Ich habe vor zwei Jahren beim iPhone-Launch mit einem Mitarbeiter in einem Apple Store in der Schweiz geplaudert, während wir darauf warteten, dass das Gerät aus dem Lager geholt wird. Seine (sinngemässe) Rede:

    Beim Launch eines neuen iPhones fallen die Russen richtiggehend in Gruppen ein. Sie kaufen so viele Geräte, wie sie dürfen oder von den Kreditkarten gedeckt sind und verkaufen sie gleich darauf in Russland zu einem Mehrfachen (!) des Preises weiter.

    Dann eben so, elegant am russischen Staat vorbei. Es ist nicht so einfach, sich mit Apple anzulegen.

  4. Die erste von hoffentlich weiteren Entscheidungen Apple endlich Mal auf die Finger zu hauen. Mich freut das Urteil sehr!

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