Apple App Store: Tim Cook verteidigt die Strategie des Unternehmens

Apple musste in letzter Zeit erneut viel Kritik wegen seines App Stores einstecken: Microsoft wollte wohl den Blick der US-Behörden gerne auf Apple lenken und auch die EU schaut aktuell genauer hin. Stein des Anstoßes: Apples Macht über Entwickler, die Möglichkeit eigene Apps im hauseigenen Store hervorzuheben und die Provisionen, welche der Hersteller sich genehmigt.

So ist ja etwa in der EU ein Gesetzespaket geplant, welches Plattformen wie den Apple App Store betreffen soll. Tim Cook sprach nun in den USA mit zuständigen Wettbewerbswächtern, wie es aktuell auch andere Unternehmen wie Amazon, Facebook und Microsoft tun. Dabei hob der Apple-CEO hervor, dass Apple aus seiner Sicht keine dominierende Stellung am Markt habe – weder im Bereich Smartphones noch in anderen Segmenten.

Apple habe mit seinem App Store vielmehr für Entwickler neue Möglichkeiten geschaffen und die Türen weit geöffnet. Im App Store fänden sich mehr als 1,7 Mio. Apps und nur 60 würden von Apple stammen. Im Bezug auf die Provisionen von 15 bis 30 % erklärt Cook, dass Apple da konkurrenzfähig sei und nicht aus dem Rahmen falle. Zumal Apple den Entwicklern auch nicht bei der Preisgestaltung für ihre Apps hereinrede.

Des Weiteren stelle man den Entwicklern Tools und APIs zur Verfügung und fördere Entwickler. Für alle gelten im App Store dieselben Regeln. Apple habe außerdem seit Bestehen des App Stores seine Provisionen nicht angehoben, im Gegenteil, man habe Ausnahmen für bestimmte Arten von Apps geschaffen und die Provisionen für Abonnements reduziert.

Etwas gewagt finde ich Cooks Aussage, dass angeblich die meisten Entwickler laut dem Apple-CEO ohnehin 100 % der Einnahmen behalten könnten, die sie erwirtschaften. Cook wendet da ein, dass Apple ja nur eine Provision erhalte, wenn der jeweilige Entwickler seinen Kunden direkt über den Apple App Store gewonnen habe. Sei ein Abonnement etwa anderswo abgeschlossen worden, erhalte Apple auch keine Anteile – selbst wenn die dazu passende App, beispielsweise Spotify, dann über den App Store heruntergeladen werde.

Ob man das so stehenlassen kann, finde ich fraglich. Denn Apple entmutigt Entwickler in ihren Apps auf andere oder gar günstigere Wege Abonnements abzuschließen zu verweisen. Dass Apple aber die Vorwürfe bestreiten würde, war wiederum zu erwarten. Wie seht ihr die Angelegenheit?

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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27 Kommentare

  1. Immer öfter erinnert mich die arrogante/ignorante Art von Tim Cook an Donald Trump.

    • Ist halt null Leidenschaft oder echtes Verständnis für irgendwas zu sehen, finde ich immer wieder. Reiner Business-Typ, der aus allem mehr rauspressen will und, wie typisch für Aktienunternehmen, eben für Quartalsberichte und Co arbeitet, statt für die Firma oder den Kunden.

    • Wobei – und das ganz ehrlich – die Gebühr die Apple erhebt nicht das Problem sind. Sie bieten Entwicklern ihren Spielplatz an und das ja tatsächlich mit vielen API‘s und co. Jeder Plattformanbieter will seine Provision. Das ist okay. Aber wie zeitweise mit den Entwicklern umgegangen wird, ist das wirkliche Problem.

  2. Interessant finde ich, dass alle derzeit meckern. Die Entwickler bei Steam ja auch, weshalb der Epic Store so gut ankommt bei den Entwicklern jedenfalls.

    Die Frage ist eher, ob es damals nicht durchaus gerechtfertigt war, 30 Prozent Share zu nehmen, es heute aber vielleicht doch eher 15 Prozent sein sollten. Die Margen haben sich verkleinert, der Markt ist zu groß geworden, Server etc. sind hingegen immer günstiger und einfacher geworden, als es damals noch der Fall war.

    Ich erinnere mich noch an Steam damals… da hatte nicht einmal jeder Internet und Steam kam mit Online-Service und entsprechenden DRM um die Ecke. Das war schon neu und ein großer Schritt und das haben sie sich bezahlen lassen. Heute ist das alles normal, die Technik nicht mehr weltbewegend, die Infrastruktur skalierbar… warum also 30 Prozent nur für die Plattform nehmen. Was nehmen die Konsolenhersteller eigentlich bei Spielen oder der Zertifizierung? Nur mal als Vergleich.

  3. „Denn Apple entmutigt Entwickler in ihren Apps auf andere oder gar günstigere Wege Abonnements abzuschließen zu verweisen.“

    War es nicht sogar so, dass Apple Apps aus dem Store schmeißt, wenn diese die Möglichkeit bieten ein Abo anderweitig als über den App Store abzuwickeln? Da finde ich „entmutigt“ ist ein viel zu schwaches Verb.

    • der echte Florian says:

      Nein, dass ist nicht so.

    • Black Mac says:

      Nein, das ist nicht ganz richtig. Du darfst innerhalb der App zwar nicht darauf hinweisen, dass du das Abo auf der Website des Herstellers ebenfalls abonnieren kannst.

      Aber du kannst sehr wohl eigene Abos anbieten, wenn du innerhalb der App nicht darauf verweist. Das bieten heute Spotify, Netflix und andere.

      Du kannst auch keine eBooks in der Kindle-App kaufen und siehst auch keinen Hinweis darauf. Aber du kannst die Bücher auf der Amazon-Website kaufen und mit der Kindle-App automatisch synchronisieren, ohne dass Apple einen Cent davon sieht.

      • Dass das so erlaubt ist, ist mir bewusst. Aber Apple würde Spotify aus ihrem Store kicken, wenn die nen Link auf die Website zum abonnieren in die App einbauen würden. Das ist für mich nicht „entmutigen“, sondern aktives Verhindern anderer Abo-Optionen.

        • Black Mac says:

          Für mich ist das absolut nachvollziehbar. Soll die Metzgerei gezwungen werden, Plakate mit den Fleischangeboten des Supermarktes aufzuhängen?

          • Der Vergleich ist so nicht richtig.
            Der Supermarkt würde den Metzger daran hindern, Hinweise bei seinen Fleischwaren im Supermarkt anzubringen, dass man seine Waren auch direkt in seiner Metzgerei kaufen kann.

          • Wenn der Supermarkt 30% der Einnahmen auf meine Fleischflatrate einbehält und der Metzger dadurch im Supermarkt teurer anbieten muss, wohingegen der Supermarkt selbst bei seinem Fleisch (Apple Music) genau das nicht tun muss, dann ja.

  4. der echte Florian says:

    Ich hätte mir gewünscht, dass in diesem Beitrag auch mal der Blick auf andere Stores gerichtet wird. Da das leider nicht der Fall war, habe ich das für Google mal nachgeholt: „Für Apps und In-App-Produkte, die bei Google Play angeboten werden, beträgt die Servicegebühr 30 % des Preises“ (O-Ton Google). Die Aussage von Cook ist also korrekt.

    • Bei Android besteht aber die Möglichkeit die App über einen anderen Store zu installieren wie z.B. F-Droid.
      Diese Möglichkeit gibt es bei Apple nicht, sodass Apple bei iOS eine dominierende Marktstellung in dem Sinne besitzt, dass nur Apps durch den Apple App Store erworben werden können.

      Aktuell droht Airbnb der Rauswurf weil diese nicht die 30% Umsatzbeteiligung an Apple gezahlt haben. Es bestände danach keine offizielle Möglichkeit die Airbnb App zu installieren.

      https://www.heise.de/news/Apple-will-bei-Airbnb-mitverdienen-4857069.html

      • Krümelmonster says:

        Ja und wenn man sich den Artikel durchliest, ist er vollkommen nachvollziehbar. Die genannten Anbieter haben ihr Geschäftsmodell erweitert und digitale Dienstleistungen direkt über die App neu angeboten, wollen dafür jedoch nicht zahlen. Alle „alten“ Anbieter, die schon immer digitale Dienstleistungen anboten, müssen zahlen. Natürlich ist das ungerecht und Apple fordert hier die entsprechende Provision ein. Sonst gehen nämlich die anderen Entwickler auf die Barrikaden, völlig zu Recht übrigens.

    • der Unterschied ist, dass man auf Android und jeder anderen Plattform Apps auch aus anderen Quellen installieren kann. Man ist nicht auf den PlayStore angewiesen.
      Zum Thema API und Bereitstellung der Plattform, man bezahlt bereits, um überhaupt Apps im Store veröffentlichen zu können. Aber das reicht Apple nicht, sie wollen 30% vom Umsatz, der mit Inhalten der Apps generiert wird.

  5. andycisme says:

    Die 15% auf Abos gewährt Apple aber auch nicht aus Nächstenliebe. Vielmehr drängen sie doch die Anbieter dazu, Abomodelle anzubieten, um langfristig kontinuierliche und höhere Einnahmen zu erzielen.

    Dabei sind wir mittlerweile an einem Punkt angelangt, an dem für Apps wie z.B. Kalender, Podcast Player oder Bildbearbeitung zweistellige Jahresbeträge verlangt werden. Vor allem bei Apps, die dem Konsum von Inhalten dienen, an diesen aber weder Rechte besitzen, noch sie auf eigenen Servern speichern, finde ich Abos verwerflich.
    Das Gleiche trifft auf die 15% für Abos zu, an denen die Infrastruktur von Apple – bis auf die Bereitstellung der App – nicht beteiligt ist. So bei Büchern und Hörbücher, sowie Musik-und Video-Streaming. Hier stehen die Kosten bei Abschluss über den Store in keinem Verhältnis zu Apples Leistungen. Zudem werden Apple eigene Dienste dadurch stark gefördert.

    • Oder das plötzlich alles zwangsweise online gespeichert wird, um damit dann ein Abo zu rechtfertigen. Gerade bei den von dir angesprochenen Anwendungen, wäre das oft gar nicht möglich oder bei Apple via iCloud-Sync praktischer. Stattdessen bieten jetzt viele eigene Accounts und Abos an. Super nervig! Da würde ich mir eher wünschen, dass Apple da ein Riegel vorschiebt.

  6. Ich finde die letzte besprochene Aussage passt auch.
    Wenn ich Spotify über den App Store entdecke, ist es fair, dass ich dort das Abo abschließe und Apple mitverdient. Wenn ich es vorher schon kannte und bspw. im Browser abschließe, ist es fair, dass Spotify kostenneutral die App über iOS anbieten kann.

    Zwangsläufig geht damit der Fall einher, dass womöglich jemand Spotify durch Werbung o.Ä. kennenlernt und dann als erstes die App runterlädt und nicht Browser oÄ. nutzt… da fehlt es imho aber auch an einer besseren Lösung. Wenn da mal jemand was sinnvolles vorschlagen würde, könnte man mal weiter diskutieren.

  7. „Cook wendet da ein, dass Apple ja nur eine Provision erhalte, wenn der jeweilige Entwickler seinen Kunden direkt über den Apple App Store gewonnen habe.“

    – Daher immer schön schauen, ob man In-App-Käufe von Abos bzw. irgendwelche Credits nicht günstiger über die offiziellen Anbieter-Webseiten bekommt .

  8. Als kleiner Apple Entwickler muss man schon sehr leidensfähig sein.
    XCode geht nur auf einem Mac-Gerät, fixe Kosten, Apple-Gesetze im Store. Viel Konkurrenz.

  9. Der Markt: über 1,000,000,000 registrierte Nutzer, alle mit funktionieren Kreditkarten. Dazu gibt’s unbegrenzt Hosting und Traffic, Zahlungsabwicklung, Support, usw. Man muss sich um nichts kümmern.

    Die Alternative: Kosten für Hosting/Traffic und Payment Provider selber ablatzen. Dazu kann man sich mit nicht gedeckten Zahlungen selbst rumärgern. Und Zugang zum Markt hat man auch nicht. Also bietet man sein Produkt als PWA an und hofft auf nennenswerte Umsätze. Oder man geht nur über den Play Store, in dem EXAKT die gleichen Kosten anfallen.

    Witzig wird es, wenn man die Kostenstruktur mal mit anderen Stores vergleicht. Zum Beispiel dem Kindle Store. Amazon schreibt den Mindest- und Höchstpreis vor. Das Buch muss 20% billiger als das physische Exemplar sein. Die Umsatzsteuer teilt man sich mit Amazon. Und man zahlt noch für Traffic, 15 Cent pro MB (ja, Megabyte).

    https://www.analysisgroup.com/globalassets/insights/publishing/apples_app_store_and_other_digital_marketplaces_a_comparison_of_commission_rates.pdf

    Es gibt zur Zeit ein bisschen Aktivismus die sich alle auf Apple’s 30% stürzen, die in den anderen Läden auch anfallen. Gut zusammengefasst wird das Grosse und Ganze (wie immer) von Neil Cybart:
    https://www.aboveavalon.com/notes/2020/7/1/apple-is-pulling-away-from-the-competition

  10. Das Apple eine xy% Provision auf inApp Käufe verlangt finde ich ansich gerechtfertigt, immerhin wird den App Entwicklung die Plattform zur Verfügung gestellt. Das betreiben genau dieser Plattform kostet ja auch Geld.
    Die einzige berechtigte Kritik sehe ich jedoch darin, das Apple den Entwickeln verbietet, speziell bei Abos, in ihren Apps auf eigene Vertriebswege hinzuweisen (zb ein Link zur eigenen Homepage). Gerade bei Abos finde ich das etwas dreist, da Apple laufend beteiligt werden will, auch wenn sie mit der Dienstleistung nach Abschluss des Abos nix mehr am Hut hat.
    Betrachtet man nun auch speziell Apples eigene Dienste (zb Apple Music), dann muss man schon zugeben, da schafft sich Apple ein unfairen Vorteil gegenüber direkten Konkurrenten, durch das verbieten des Verweisens auf eigene Vertriebswege.

    Zusammenfassend, das eigentliche Problem liegt im Umgang mit Abos und der Verbot auf Verweis auf eigene Vertriebswege.

  11. Ich denke in dem Artikel meintest du Google und nicht Microsoft. In dieser Runde ist Microsoft tatsächlich nicht eingeladen.

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