Tolino Shine: erster Eindruck

10. April 2013 Kategorie: Android, Hardware, Internet, Mobile, geschrieben von:

Seit fast zwei Wochen bin ich im Besitz eines Tolino Shine, der mir zu Testzwecken zur Verfügung gestellt wurde. Ein 99,99 Euro teurer e-Book-Reader der deutschen Buchhändler in Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom. Gesehen hatte ich das Gerät natürlich schon in der Werbung, in Sachen Marketing hatte man sich Mühe gegeben – aber auch in Sachen Aussagekraft?

Tolino Shine

Die Werbung suggerierte mir, dass ich nicht nur Weltbild als Buch-Verkäufer wählen könnte, sondern auch Thalia oder Club Bertelsmann. Die Annahme ist schon einmal falsch. Wer seinen Tolino Shine bei Weltbild kauft, der hat ein Weltbild-Konto anzulegen, eine andere Möglichkeit gibt es anscheinend nicht. Und die Deutsche Telekom? Die bietet großzügig Cloud-Speicher an, damit man seine Bücher synchronisieren kann. Kann man einen bestehenden Telekom-Account nutzen? Nein.

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Ist der Cloud-Account bei der Telekom mit dem Login des jeweiligen Stores verbunden? Ja. Kann man gekaufte Books auch auf anderen Geräten lesen? Ja, zum Beispiel auf Android, die Bewertung im App Store spricht Bände. Sind das bereits jetzt Voraussetzungen, um den Tolino Shine dem Gerät eines anderen Onlinehändlers vorzuziehen?

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Ich war enttäuscht, denn ich hatte mich gefreut, mal etwas aus deutschen Landen zu sehen, welches dem großen Amazon ordentlich Paroli bietet. Gut gedacht, schlecht gemacht – zumindest das Accounting und das dazugehörige Handling. Wer allerdings bereits Kunde der genannten Anbieter ist, der findet mit dem Tolino Shine einen netten e-Book-Reader vor. Fangen wir erst einmal mit den technischen Details an. 6 Zoll, 183 Gramm mit einer Laufzeit von bis zu 7 Wochen.

WLAN (802.11 b/g/n); gratis HotSpot Zugang an über 12.000 HotSpots der Deutschen Telekom in Deutschland, dazu einen Schnelllademodus (250 Minuten) 2 GB internen Speicher und einen Slot für eine Micro-SD-Speicherkarte. Unterstützte Formate des Readers, der auf einer angepassten Version Android basiert? ePub, PDF und TXT. Das Display hat eine  E Ink Pearl-Technologie  mit integrierter Beleuchtung, 1024 x 758 Pixel bei 16 Graustufen.

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Die neuen Bücher kommen also per Kauf im Store, Micro-SD-Karte oder per USB-Übertragung auf das Gerät. Das funktioniert sehr gut. Selbst am Mac wird die USB-Freigabe sofort erkannt. Drag & Drop auf das Gerät und schon sind sie in der Bibliothek. Getestet habe ich erst einmal eine Textdatei. Schade, hier lassen sich keine Lesezeichen setzen. Sollten die PDFs schlecht dargestellt werden, da diese nicht an die Bildschirmgröße angepasst werden, so kann man den Text extrahieren, was in meinen Tests eher suboptimal funktionierte.

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Korrekt konvertierte epubs machten natürlich lesetechnisch den meisten Spaß. e-Books mit DRM-Kopierschutz lassen sich lesen, sofern die passende Adobe-ID in den Einstellungen hinterlegt wurde – hier werden viele Normalos schon scheitern. Ja, auf den 6 Zoll kann man tatsächlich gut lesen. Die Helligkeit und die Schriftgröße nebst Schriftart ist anpassbar. Manchmal hatte ich allerdings das Gefühl, als wolle man ein echtes Buch nachbilden, vereinzelt wirkten Buchstaben an einzelnen Punkten blasser – dies stört aber den Lesefluss nicht. Umblättern, Lesezeichen – alles ohne Probleme möglich. Was die Frau als Leseratte dazu sagt?

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Die ist begeistert, gerade, was die Lesefähigkeiten draußen in der Sonne betrifft. Ist natürlich kein Vergleich mit einem iPad oder so, kein ernsthafter Leser wird ein normales Tablet mit Glossy-Display einem E-INK vorziehen. Der Text wird im Vollbildmodus abgebildet, ein Tippen bringt die Menüleiste zum Einstellen der Schriftart und der Schftgröße hervor, auch findet man Facebook und die Helligkeits-Optionen hier vor. Wörterbuch- oder Markierungsfunktionen? Nicht vorhanden. Dafür aber ein Browser, über den man im Notfall auch diesen neumodischen Kram lesen kann -Webseiten und so.

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Performance? Ich persönlich hatte das Gefühl, dass das gerne mal einen Ticken schneller in den Menüs gehen könnte. Aber wann nutzt man auf einem Reader die Menüs? Das Umblättern als solches war erträglich – bei einem Buch bräuchte ich wahrscheinlich länger. Ist halt ein Infrarot-Bildschirm und kein kapazitiver, der im Tablet werkelt. Akkulaufzeit? Schwer zu sagen. Die angekündigten sieben Wochen konnte ich nicht testen.

Mobilität mit dem Akku? Sicher! Und zudem noch kostenlos an den knapp 12.000 Hotspots der Dt. Telekom ab ins Netz und sich Bücher besorgt.

Und, was sage ich euch nun? Der Tolino Shine ist ein gutes Gerät, der dank Micro-USB oder Micro-SD mit Inhalten befüllt werden kann. Dafür muss das Gerät allerdings mit vergleichsweise wenigen Funktionen auskommen. Das Display mit integrierter Beleuchtung weiss mir zu gefallen – obwohl am unteren Rand Schatten wie beim Kindle auftreten – diese stören nicht im Lesefluss.

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Verarbeitung? Für das Geld wirklich gut, nur die Abdeckung des Micro-SD-Slots kann Bauchschmerzen bereiten, die Verbindungen wirken schlabberig. Ebenfalls musste der Schalter für die integrierte Beleuchtung ein paar Mal gedrückt werden, bevor er seine Funktion erledigte. Als Reader taugt das Gerät definitiv, nur sollte man sich vorher die Stores anschauen, was diese so anbieten. Bertelsmann soll da gerüchteweise weiter hinten liegen, als Weltbild, was die aktuelle Titelverfügbarkeit angeht. Trotz der von mir angesprochenen Schwächen: ein guter Einstand für das gemeinsame Projekt der deutschen Buchhändler, der Tolino Shine hat einen fairen Preis und wird Leseratten erfreuen, die ihre Bücher auch gerne mal per Micro-SD-Karte oder USB auf das Gerät über tragen wollen. Hier auch noch einmal eine Übersicht über die einzelnen Reader.


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