Spotify: 50 Millionen Nutzer, Künstler verdienen besser als bei anderen Diensten

11. November 2014 Kategorie: Internet, geschrieben von:

Spotify ist für viele der Musikstreaming-Dienst der Wahl. Für ein paar Euro im Monat kann man aus dem gesamten Portfolio schöpfen und hat mehr Musik zur Verfügung als man jemals hören kann. Oft hört man von Künstlern, dass die Streaming-Dienste nicht genug an die Musiker zahlen, ebenso sollen diese Dienste dafür verantwortlich sein, dass weniger Musik gekauft wird. Spotify CEO Daniel Ek hat nun neue Zahlen zu Spotify bekanntgegeben und räumt mit Mythen auf, die rund um Musikstreaming-Dienste entstanden.

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Spotify hat nun weltweit 50 Millionen aktive Nutzer vorzuweisen, 12,5 Millionen davon sind zahlende Kunden. Seit Spotify 2008 an den Start ging, wurden 2 Milliarden Dollar an die Labels gezahlt, die eine Hälfte davon im Zeitraum 2008 – 2013, die andere Hälfte danach innerhalb eines Jahres. Wenn diese Gelder nicht bei den Künstlern auf einem transparenten Weg zu den Künstlern kommen, ist das ein Problem. Ein Problem, das Spotify beseitigen will.

Mit den drei folgenden Mythen um den Musik-Streaming-Dienst räumt Daniel Ek auf:

1. Kostenlose Musik für Fans bedeutet, dass Künstler nicht bezahlt werden: Nur weil ein Nutzer die Musik kostenlos hört, heißt dies nicht, dass Spotify für das Abspielen eines Songs nicht bezahlt. Spotify setzt hier auf eine Art Freemium-Modell. Nutzer können Musik kostenlos hören, erhalten aber Werbung, die wiederum dafür genutzt wird, um die Künstler zu bezahlen. Durch dieses für den Nutzer kostenlose Angebot hat Spotify bereits einen Fuß in der Tür der Nutzer. Da das kostenlose Angebot diverse Einschränkungen hat, sinkt die Schwelle, auf ein bezahltes Abo umzusteigen. Dass dies funktioniert, sieht man an den 12,5 Millionen zahlenden Nutzern. 80 Prozent von ihnen nutzten zuerst das kostenlose Angebot von Spotify. Aber egal, welche Variante genutzt wird, der Künstler erhält bei Spotify immer Geld, wenn ein Song abgespielt wird.

2. Spotify bezahlt die Künstler zwar, aber so wenig, dass diese nicht davon leben können: Auch wir haben schon darüber berichtet, dass die Zahlungen von Streaming-Diensten gering sind. Ganz so einfach ist es aber nicht. Daniel Ek erklärt dies anhand eines Beispiels. Wird ein Song bei einem Radio-Sender mit 500.000 Hörern abgespielt, entspricht dies 500.000 mal einem Stream. Wird dieser Song einmalig im Radio abgespielt, erhält der Künstler so gut wie nichts, bei Spotify sind die 500.000 Streams aber zwischen 3.000 und 4.000 Dollar. Zahlungen an Top-Artisten, wie zum Beispiel Taylor Swift, die ihren Musikkatalog von Spotify abgezogen hat, werden die 6 Millionen Dollar-Grenze im Jahr überschreiten, beim momentanen Wachstum soll sich diese Summe nächstes Jahr verdoppeln.

3. Spotify ist schlecht für Verkäufe, sowohl auf Datenträgern als auch im Download-Bereich: Die Downloadzahlen für bezahlte Musik gehen stark zurück, ebenso wie die Verkäufe von CDs. Dieser Umstand wird den Streaming-Diensten zugeschrieben. Aber auch das weiß Daniel Ek zu entkräften. Er greift hier zum Beispiel Kanada. In Kanada gingen die Downloadzahlen in der ersten Jahreshälfte ebenso stark zurück wie anderswo auch. Allerdings gab es zu diesem Zeitpunkt noch kein Spotify in diesem Land. So fragt Daniel Ek zurecht: Wenn Spotify die Verkäufe kannibalisiert, wer kannibalisiert dann Kanada? Er gibt auch direkt noch Gegenbeispiele, so von Eminem oder Daft Punk, die sehr erfolgreich bei Spotify sind, gleichzeitig aber auch Nummer 1-Alben in den (Kauf-)Charts hatten, trotz Verfügbarkeit bei Spotify.

Und auch Taylor Swift wird wieder herangezogen. 1,2 Millionen verkaufte Alben in der Startwoche des Albums 1989. Aber die Hörgewohnheiten der Nutzer haben sich geändert. Taylor Swift ist nicht mehr bei Spotify vertreten, die Musik ist aber über YouTube, SoundCloud und andere Quellen weiter verfügbar. Quellen, die weniger bezahlen als Spotify. Gleichzeitig schoss das Album auf Platz 1 der Download-Charts – bei Pirate Bay.

Abschließend versucht Daniel Ek noch, sich den Künstlern gegenüber zu erklären. Sie sollen verstehen, dass Spotify die gleichen Interessen hat wie die Künstler selbst, nämliche für Musik zahlende Nutzer. Dies ist das Ziel, der Weg dorthin kann aber nur bestritten werden, wenn Künstler und Streaming-Dienste an einem Strang ziehen.

Wie immer gibt es zwei Seiten der Medaille. Daniel Ek mag mit dem, was er schreibt, durchaus recht haben. Allerdings bezieht sich dies nur auf die großen Künstler, die in der Regel so oder so Geld mit ihrer Musik verdienen. Kleine Bands, die eben nicht auf 500.000 Streams kommen, werden auch weiterhin wenig verdienen und sind vermutlich besser bedient, wenn sie ein paar CDs verkaufen. Dennoch ist dies ein interessanter Einblick in die Welt des Musik-Streamings. Wie man seine Lieblings-Bands unterstützt, muss jeder selbst wissen, die Nutzung eines legalen Streaming-Dienstes scheint aber auf jeden Fall nicht der schlechteste Weg zu sein.


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Über den Autor:

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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