So will Google 80 Prozent des Office-Marktes von Microsoft holen

9. Februar 2015 Kategorie: Google, geschrieben von:

Google bietet seit 10 Jahren Google Apps für Unternehmen an, damals eine Kriegserklärung an Microsoft Office. In Unternehmen sind Office-Produkte nicht wegzudenken, Google möchte allerdings, dass weniger Menschen auf Dienste von Microsoft zurückgreifen und sich mehr Google zuwenden. Der Plan dafür sieht sehr einfach aus, könnte aber durchaus erfolgreich sein, das zeigen auch die Zahlen, die Google Apps vorweisen kann. Anstatt zu versuchen, die Unternehmen zu einem Wechsel zu bewegen, sollen diese Google Apps zusätzlich einsetzen, zu diesem Teil des Plans gibt es gleich noch mehr.

Google Office

Amit Singh klärte Business Insider über die Office-Pläne auf. Diese schienen sehr durchdacht und sind auch logisch nachvollziehbar. Zuerst braucht man ein Produkt, das 85 bis 90 Prozent der Funktionalität von Microsoft Office enthält und schmückt dieses noch mit zusätzlichen Features, die Microsoft Office in dieser Form nicht bietet. Singh nennt in diesem Zusammenhang die gemeinsame Arbeit an Dokumenten, die mit Google wesentlich besser gelöst sei als in den Office-Apps von Microsoft.

Das Weniger an Funktionalität soll nicht schaden, da nur Features eingespart werden, die von den wenigsten Mitarbeitern in einem Unternehmen benötigt werden, wie zum Beispiel das mächtige Excel, an dessen Funktionalität das Google-Pendant nicht herankommt. Nur für 10 Prozent der Mitarbeiter sollen diese Features überhaupt von Interesse sein, wie von Softwatch erhobene Nutzungsstatistiken belegen. Die meisten Nutzer würden nicht einmal Dokumente selbst erstellen, sondern nur geteilte Dokumente bearbeiten.

Wichtig ist auch eine Kompatibilität mit Office-Dokumenten. Google ermöglicht das Öffnen und Bearbeiten von Office-Dokumenten in ihrem nativen Dateiformat direkt aus Google Drive for Work heraus. Nutzer müssen keine zusätzlichen Apps installieren, der Editor passt sich entsprechend des Dateiformats an. Nach der Bearbeitung werden die Dateien wieder im office-Format gespeichert, sodass sie von jedermann genutzt werden können, egal welche Office-Programme zum Einsatz kommen.

Google Apps als Zusatz zu Microsoft Office, anstatt die Unternehmen zu überreden, Microsoft den Rücken zu kehren und auf Google zu setzen. Das ist durchaus ein mutiger Plan, der aber schneller aufgehen kann als man vielleicht meint. Singh ist der Meinung, dass Unternehmen schnell erkennen werden, wie Google Apps in Unternehmen eingesetzt wird und langfristig dann auch auf die Erneuerung der Microsoft office-Lizenzen verzichten. Zwar ist Google Apps for Work teilweise teurer als die Office 365-Angebote von Microsoft, aber wesentlich billiger als eine Ausstattung eines Unternehmens mit „normalen“ Office-Lizenzen. Die Zeit soll es also automatisch für Google richten.

Der nächste Schritt des Plans ist es, die Nutzer zu Power-Usern zu machen. Hier bietet Google nicht nur stetige Produktverbesserungen, um die Nutzer bei Laune zu halten, sondern auch ein Google Apps Lernzentrum, das die Nutzung der einzelnen Produkte gut erklärt. Dies soll dieses Jahr auch noch weiter ausgebaut werden, sodass sich Nutzer gegenseitig helfen können, wenn sie Probleme mit einem Produkt haben.

Ein weiterer Schritt ist die Nutzer mit anderen Produkten als Google Apps in das Google-Universum zu locken. Google sieht sich hier gut mit seinem Portfolio an Enterprise-Angeboten aufgestellt, die letztendlich dann wieder in einer bezahlten Nutzung von Google Apps enden.

Google will Unternehmen zudem zeigen, wie sie Cloud-Produkte für ihre mobilen Mitarbeiter einsetzen können. Die Arbeitswelt ändert sich, der klassische Desktop wird von Smartphones und Laptops abgelöst, alle Daten sollen immer und überall verfügbar sein. Speziell angepasste Apps werden hier zum Einsatz kommen, um diesen Wandel vollziehen zu können. Microsoft schlägt hier in die gleiche Kerbe, „Mobile First, Cloud First“ ist der von Satya Nadella skandierte Leitspruch im neuen Microsoft-Zeitalter.

Google hat also Großes vor, auch wenn man nicht unbedingt aggressiv versucht, Anteile im Enterprise-Markt zu gewinnen. Ein langer Atem und genügend Fortschritte in den eigenen Produkten könnten hier durchaus zum Erfolg führen. Und die am Anfang erwähnten positiven Zahlen zu Google Apps? Bitteschön:

– mehr als 5 Millionen Unternehmen setzen Google Apps ein
– mehr als 600 Unternehmen haben mehr als 10.000 Google Apps-Nutzer
– 50 Prozent der zahlenden Apps for Work-Nutzer sitzen außerhalb der USA
– 240 Millionen Menschen nutzen das Cloudspeicher-Angebot Google Drive und Drive for Work
– Drive for Work verzeichnet wöchentlich mehr als 1.800 Neuanmeldungen
– mehr als 40 Millionen Nutzer gibt es bei Google Apps for Education


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Über den Autor:

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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