Schiffe versenken 2.0: Hacker könnten Schiffe manipulieren

16. Oktober 2013 Kategorie: Backup & Security, geschrieben von:

Aus Sicherheitsgründen müssen Passagier- und Frachtschiffe ab einer Masse von 300 metrischen Tonnen ihre Position und Identität per GPS-Ortungssystem melden und überwachen lassen. Ungefähr 400.000 Schiffe weltweit sind bereits mit einem entsprechenden Gerät ausgerüstet.

Bildschirmfoto 2013-10-16 um 19.08.06AIS oder „Automatic Identification System“ heißt das automatische Überwachungssystem, das seit Ende 2000 verpflichtend ist und Gefahren wie Schiffskollisionen oder Havarien vermeiden, Küstenstaaten über die vorbeifahrenden Schiffe und deren Ladung informieren sowie den stark wachsenden Schiffsverkehr steuern helfen soll.

Das System ist allerdings nicht geschlossen, sondern funktioniert wunderbar via Internet. Und über jenes Internet ist es unter Umständen möglich, Informationen zu manipulieren. Die Systeme der Provider, die AIS-Daten veröffentlichen, sowie das AIS-Übertragungsprotokoll weisen nach Aussagen von Sicherheitsforschern Sicherheitslücken auf, die es Angreifern ermöglichen, die Informationen zu manipulieren.

Hier malen die Forscher ein ganz düsteres Bild: „Durch die Manipulierbarkeit von AIS wäre es zum Beispiel Piraten vor der somalischen Küste möglich, die Positionsdaten eines Schiffes so zu verändern, dass internationale Seestreitkräfte bei einem Notruf in die Irre geleitet würden und dadurch nicht mehr rechtzeitig das Kapern des Schiffes verhindern könnten“, skizziert Martin Rösler, Director Threat Research bei Trend Micro, ein mögliches Szenario.

„Schiffe mit Bauteilen für nukleare Waffenprogramme könnten ihre Identität und ihre Fahrroute verschleiern, so dass die Fracht ihren Zielort erreichen könnte, ohne dass die internationale Gemeinschaft reagieren kann.“

Die eben geschilderte Problematik steht im Zentrum eines Vortrags, der auf der Konferenz „Hack In The Box“ in Kuala Lumpur stattgefunden hat. Gehalten wurde der Vortrag von zwei Bedrohungsforschern des IT-Sicherheitsanbieters Trend Micro. Die Angriffsszenarien wurden in einer eigenen Versuchsanordnung im Testlabor Trend Micros durchgeführt, wo eine spezielle Software-gesteuerte Funkausrüstung zum Einsatz kam. Die Forscher konnten nachweisen, dass ein Angreifer diese Attacken mit einem modifizierten und leicht erhältlichen VHF-Standardfunkgerät zum Preis von rund 150 Euro ausführen kann. Für Interessierte: die Folien des Vortrags „Herr Kapitän, wo ist Ihr Schiff? – Wie sich Schiffsüberwachungssysteme kompromittieren lassen“ sind hier abrufbar.


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