„Peeple“: Kontroverse App erlaubt Bewertung von Menschen

8. März 2016 Kategorie: Mobile, Software & Co, geschrieben von: André Westphal

peeple logo„I am not a number, I am a free man!“, schrie Nummer 6 in der gleichnamigen Serie, die im Original „The Prisoner“ betitelt ist. Die Serie ist heute aktueller denn je, enthält sie doch extreme Kritik an staatlicher Überwachung aber auch unreflektierten, gesellschaftlichen Konventionen und Zwängen. Agent Nummer 6 wäre wohl auch über die neue App „Peeple“ entsetzt: Die App versucht in der Tat aus Menschen Nummern zu machen – und zwar durch ein Bewertungssystem. Diese Woche ist die App in den USA offiziell an den Start gegangen. Die Kernfunktion besteht darin, Bekannte, Nachbarn und Exfreunde als Menschen in eine Bewertung zu quetschen.

Als das Konzept der App im Oktober 2015 offen gelegt wurde, hagelte es flugs harsche Kritik. Ironischerweise entzogen sich die Macherinnen dem, indem sie ihr Twitter-Konto vorübergehend auf „privat“ setzten. Wo sie also der Meinung sind, andere Menschen sollten sich öffentlich bewerten lassen, wollten sie sich selbst weniger offen Rückmeldungen stellen. Generell wirkt das Verhalten der Peeple-Gründerinnen Julia Cordray und Nicole McCullough reichlich naiv. Sie beharren darauf, Peeple sei „eine positive App für positive Menschen“. In Blog Posts feierten sie das eigene Projekt als „mutig“ ab. Der Spott war nicht weit und viele Nutzer merkten an, dass man sich vermutlich nicht wundern sollte, dass zwei weiße, nach konventionellen Maßstäben attraktive Frauen aus guten Verhältnissen, das Missbrauchspotentiall der App verkennen.

peeple

In den USA steht Peeple mittlerweile für iOS-Geräte zur Verfügung. Menschen lassen sich in der App in drei Kategorien bewerten: „persönlich“, „beruflich“ und „romantisch“. Laut den Gründerinnen solle Peeple erlauben besser einzuschätzen „welche Person man einstellt, zum Date einlädt oder als Nachbarn, Vermieter oder Mitbewohner haben möchte„. Dass die Idee jede Person in einen Zahlenwert zu quetschen nicht überall auf Gegenliebe stößt, ist logisch. Zwar lassen sich unliebsame Bewertungen über die eigene Person bei Peeple verstecken bzw. gar nicht erst genehmigen, doch es gibt bereits einen fast schon perfiden Weg das zu umgehen. Denn im April erscheint eine „Wahrheits-Lizenz“: Wer sich für jene kostenpflichtig registriert, sieht auch durch die Bewerteten abgelehnte bzw. verborgene Reviews.

Zwar gibt es Sicherheitsmechanismen, die Beleidigungen und unsinnige Bewertungen verhindern sollen, besonders sinnvoll wirken sie aber nicht: Jeder Nutzer soll seinen echten Namen einsetzen. Das hindert aber auch auf Facebook niemanden doch Fantasienamen einzuspannen oder mit Beleidigungen um sich zu werfen. Man muss allerdings bei Peeple die Handy-Nummer der anderen Person kennen, um sie bewerten zu können. Zudem müssen potentielle Nutzer mindestens 21 Jahre alt sein und bereits 6 Monate lang ein Facebook-Konto betreiben. Natürlich dämmt das die Missbrauchsgefahren ein, hindert aber dennoch niemanden ein flüchtiges Date aus Wut über einen ausgebliebenen Rückruf mies zu bewerten.

Umstritten ist auch Peeples Slogan „Dein Charakter ist deine Währung“, der viel Kritik geerntet hat. Trotzdem ist die finale Version von Peeple nun deutlich harmloser als das, was noch ursprünglich im Oktober 2015 angekündigt wurde. Offenbar hatte der Shitstorm in den sozialen Netzwerken den Gründerinnen  Cordray und McCullough dann doch zu denken gegeben. Peeple wird es zunächst nur in den USA geben und dort auch nur für Apple iOS. Eine Version für Android soll folgen.


Über den Autor: André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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