Motorola Moto X Force ausprobiert: Wenn Superman ein Smartphone bräuchte…

18. Januar 2016 Kategorie: Android, Hardware, geschrieben von: Pascal Wuttke

Moto X Force LautsprecherMotorola hat im vergangenen Jahr so vieles richtig gemacht. Nebst der bekannten und sehr beliebten Moto G-Serie, welche das Unternehmen dank des erschwinglichen Preises wieder auf Erfolgskurs gebracht, entschied sich das zu Lenovo gehörende Unternehmen dazu, die Flaggschiff-Reihe Moto X in mehrere Geräte aufzusplitten. Viele haben hier sicherlich ein Samsung-Syndrom vor Augen gehabt, doch Motorola hat von Anfang an klare Linien gezogen. Das Moto X Play (unser Testbericht) soll der robuste Alltagsbegleiter sein, der ordentliche Specs vorweisen und mit einer verbesserten Kamera sowie einem starken Akku überzeugen kann.

Das Moto X Style (unser Testbericht) ist dabei das Premium-Modell, das mit größerem und noch schärferem Display (5,7 Zoll 4K Display vs. 5,5 Zoll Full HD beim Play) aufwartet und hochwertige Materialien für die Rückseite (Leder oder Holz bspw.) über den Moto Maker zur Auswahl stellt.

Auf dem US-amerikanischen Markt hatte Motorola 2014 ein weiteres High-End-Gerät auf den Markt geworfen – das Motorola Droid Turbo. Dieses Smartphone war ein feuchter Traum eines jeden Spec-Geeks und hierzulande hatte man gehofft, dass auch wir früher oder später unsere Hände an den Smartphone-Boliden legen können. Doch leider sollte dieser Wunsch unerfüllt bleiben – bis jetzt. Denn Motorola bringt den Nachfolger, das Droid Turbo 2, unter abgeänderten Namen auch nach Europa. Das robuste Smartphone wird nämlich einfach in die Moto X-Familie eingereiht und trägt fortan den Namen “Moto X Force”.

Das Moto X Force besitzt, wie man es sich denken kann, eben jene Innereien, die einem echten Flaggschiff-Gerät würdig sind. Doch das ist kein Alleinstellungsmerkmal. Das liegt beim Moto X Force eindeutig bei der angepriesenen Unkaputtbarkeit. Das Force ist nämlich das erste Smartphone mit Shatterproof Display. Heißt: Fällt Euch das Ding auf den knallharten Betonboden, bleibt es ganz. So zumindest die Theorie.

Die Moto Shattershield-Technologie soll garantieren, dass das Smartphone weder splittert, noch Risse bekommt. Das Handy hat eine spezielle Mehrfachschicht unter und über dem Display-Panel. Unter dem Panel liegt ein robustes Aluminium Chassis, welches die Erschütterung beim Aufprall abfangen soll, über dem Panel befinden sich zusätzlich ein Dual Touch Layer, eine Schutzlinse und eine externe Schutzschicht. Und falls dem Smartphone doch mal was passiert, gibt Motorola eine 4-Jahres-Garantie bei Displayschäden – zumindest in den USA (kann in Deutschland abweichen).

Das ist schon mal eine Ansage von Motorola. Auch die weiteren Specs überzeugen auf dem Blatt. Werfen wir mal einen genaueren Blick auf die Details:

Moto X Force Homescreen

DAS STECKT DRIN IM MOTO X FORCE

  • Display: 5,4 Zoll Quad-HD AMOLED (2560 x 1440, 520 ppi)
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 810 (Quad-Core 1,5 GHz Cortex-A53, Quad-Core 2 GHz Cortex A57) 64-Bit, 3 GB RAM
  • Grafikchip: Adreno 430
  • Speicher: 32 / 64 GB (via MicroSD-Karte auf bis zu 200 GB erweiterbar)
  • Kamera: Rückseite 21 MP mit Dual Tone LED-Blitz / Front 5,0 MP mit LED-Blitz
  • Betriebssystem: Android 5.1.1
  • Akku: 3.760 mAh (nicht austauschbar)
  • Abmessungen: 149,8 x 78 x 9,2 mm, 169 Gramm
  • Netzwerkunterstützung: 4G / LTE / HSPA
  • Verbindungstechnologien: WLAN 802.11 a/b/g/n/ac (Dual Band), Bluetooth 4.1, NFC, A-GPS/GLONASS
  • Farben: Schwarz, Weiß, ab Werk mit Moto Maker anpassbar
  • Sonstiges: Moto Sprache (Spracherkennung bei ausgeschaltetem Display), Moto Action (Reaktion auf bestimmte Bewegungen), Moto Infos (spezieller Benachrichtigungsbildschirm bei ausgeschaltetem Display), Stereo Lautsprecher, Schnellladefunktion (entsprechendes Ladegerät im Lieferumfang enthalten), Smart Display (Tracking der Augenbewegung, um Display bei Nichtbetrachten auszuschalten)

Moto X Force Lautsprecher

HAPTIK, OPTIK UND DAS DISPLAY

Man merkt schnell, dass man ein Motorola-Gerät in der Hand hält. Die ergonomisch gewölbte Rückseite verrät ein Motorola-Smartphone immer. Motorola ist auch bekannt dafür, durch die Form nicht unbedingt die dünnsten Smartphones herzustellen. Beim Moto X Force ist das alles ein wenig anders. Das Gerät ist eindeutig dünner und leichter als seine Geschwister Moto X Play und Moto X Style. Die Rundung auf der Rückseite ist auch nicht mehr wirklich vorhanden, denn man hat lediglich die Kanten für ein besseres Handgefühl abgerundet. Somit ist das Moto X Force das erste Smartphone seit langem von Motorola, das man flach und eben auf den Tisch legen kann, ohne dass es wackelt.

Wie auch andere Motorola-Geräte, lässt sich das Moto X Force durch den Moto Maker anpassen in Farbe und Materialien. Die Rückseite des Moto X Force kommt wahlweise aus einem ballistischen Nylon-Material, genarbtem Leder oder einer Soft Grip-Oberfläche daher.

Die Front des Geräts unterscheidet sich kaum von der des Moto X Style. Die einzige, sichtbare Neuerung ist die Aufteilung des Lautsprechers und der Sprechmulde in zwei Schlitze auf der Unterseite. Sieht meiner Meinung nach echt unschön aus und ist, genauso wie der Lautsprecher oben, der reinste Staubmagnet. Wer sich hier, ähnlich wie beim Moto X Style, zwei Frontlautsprecher für Stereo-Sound erhofft hat, wird leider enttäuscht. Lediglich einer der beiden Schlitze an der Unterseite auf der Front ist ein Lautsprecher – und noch nicht mal ein besonders guter, doch dazu später mehr.

Alles in allem liegt das Moto X Force aber sehr gut in der Hand und die Wahl eines “kleineren” 5,4 Zoll Display war meiner Meinung nach eine gute. Das Gerät ist immer noch ein wenig klobig, aber solide verbaut. Wem die Verarbeitung der anderen Moto X-Geräte seit 2014 gefallen hat, wird hier sicherlich ebenso angetan sein.

Das Display lässt ebenfalls nicht zu verachten. Verwunderlich ist hier für mich lediglich der Griff zum AMOLED-Display. Nicht, dass es schlecht wäre, nur hatte Motorola doch in diesem Jahr sämtliche Geräte – und sogar erstmals die Moto X-Serie, mit LC-Displays ausgestattet. Nun kehrt man beim Moto X Force also wieder zum AMOLED-Display zurück und dieses überzeugt mit knackigen, satten, aber nicht zu überzeichneten Farben, starken Kontrasten und sehr guten Blickwinkeln. Wie auch beim Moto X Style verbaut Motorola beim Moto X Force ein Quad HD-Display, welches auf 5,4 Zoll Displaydiagonale eine stolze Pixeldichte von 540 ppi aufweist. Das Display ist einfach scharf, satt und macht Spaß.

Moto X Force Rückeite

DER AKKU

Motorola hat mich bislang in puncto Akkulaufzeit nie wirklich enttäuscht. Schon das allererste Moto X war für mich ein unterschätztes Akkumonster. Das Moto X Force bildet hier keine Ausnahme – zumindest im Alltagstest. Konstante Bluetooth-Verbindung, GPS stets auf hohe Genauigkeit eingestellt, NFC aktiv und trotzdem hatte ich im Testzeitraum abends noch locker 20-30 Prozent oder mehr auf der Uhr. Das kann man von einem 3.760 mAh-Akkumonster eigentlich auch erwarten.

Doch wir wollen es natürlich mal wieder genauer wissen und haben de Akku-Benchmark “PCMark” hinzugezogen. Dieser durchläuft eine Reihe an Alltags-Tests wie Webbrowsing, Abspielen von Videos, Anzeige von Grafiken und so weiter. Der Benchmark wird bei 50 Prozent manueller Helligkeitsstufe, entfernter SIM-Karte und aktiviertem WLAN/Notifications durchgeführt. Der Benchmark läuft dann so lange, bis man auf 20 Prozent Akkuleistung runter ist. Im Anschluss schwingt man den Taschenrechner, um die restlichen 20 Akkuprozent auszurechnen.

Moto X Force Akkulaufzeit

Nach durchlaufen des Benchmarks standen 7 Stunden und 18 Minuten auf der Uhr für 80 Prozent. Nach Adam Riese macht der Akku des Moto X Force also nach 9 Stunden 8 Minuten schlapp. Stramme Leistung, die sich in die oberen Tabellenränge der von uns getesteten Geräte einreiht. Hier ist natürlich IMMER zu bedenken, dass die Akkulaufzeit bei jedem anders ist und dieser Akkulaufzeiten-Test nicht repräsentativ für die Eure Laufzeit ist. Je nach Anwendungsart und -dauer sowie installierten Apps kann die Zeit immer nach oben oder unten hin abweichen.

Moto X Akkulaufzeit insgesamt

Lobenswert ist ebenfalls, dass Motorola auch beim Moto X Force die QuickCharge-Technologie verbaut, sodass Ihr Euer Smartphone innerhalb kürzester Zeit wieder aufladen könnt.

DIE PERFORMANCE

Auch in puncto Performance lässt das Moto X Force keine Wünsche offen. Klar, der Snapdragon 810 hat bezüglich Wärmeentwicklung keinen besonderen Ruf und auch ich habe gelegentlich einen angenehmen Handwärmer dabei gehabt. Aber alles lief butterweich, von der Benutzeroberfläche bis hin zur Performance in Spielen. Auch die 3 GB Arbeitsspeicher sind eine optimale Unterstützung und sorgen für eine ruckelfreie Bedienung.

Moto X Force AnTuTu Benchmark

So viel zum persönlichen Empfinden. Da ich auch hier einen genaueren Blick auf die Leistungsfähigkeit des Moto X Force werfen wollte, habe ich den AnTuTu Benchmark hinzugezogen und auch den AnTuTu HTML5-Test. Hier kommt das Moto X Force auf 56.422 Punkte im regulären Performance-Benchmark , was eher einem Mittelfeldplatz entspricht – relativ dicht platziert hinter dem LG G4. Beim HTML5-Test konnte das Moto X Force jedoch besser abschneiden mit 20.722 Punkten. Dies ist für mich wieder mal ein Beweis dafür, dass reine Specs auf dem Blatt nicht zwingend das tatsächliche Benutzererlebnis widerspiegeln. Motorola macht sich seit zwei Jahren Mühe, ein nahezu unberührtes Android-Betriebssystem zu liefern, das unter der Haube auf die Hardware angepasst wird. Und auch das Moto X Force ist hier keine Ausnahme, sodass ich in der Bedienung weder Probleme noch ansatzweise Grund zum Meckern hätte.

DIE KAMERA

Es ist für mich etwas schwierig den gleichen Brei mehrmals aufzuwärmen. Motorola hat bei der aktuellen Moto X-Generation auf eine 21 Megapixel-Kamera aufgerüstet und diese kommt eben sowohl beim Moto X Play, dem Moto X Style als auch nun beim Moto X Force zum Einsatz. Daher gilt auch an dieser Stelle als Kurzfassung zu sagen: Bei ausreichenden Lichtverhältnissen kann man gute Bilder schießen, die jedoch gelegentlich etwas dunkel und trist daherkommen können. Das kann natürlich auch an den aktuellen Winterwetter-Verhältnissen liegen, doch alles in allem sind die geschossenen Fotos sehr dicht an der Realität.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Ist man Indoor unterwegs, sieht die Nummer wieder anders aus. Ändern sich die Lichtverhältnisse auch nur gering hin zum schlechteren, neigt die Kamera zu starkem Farbverlust. Zudem braucht man schon Chirurgenhände, um keine verwackelten Bilder “aus der Hüfte” zu schießen. Positiv anzumerken ist jedoch, dass der Autofokus recht zuverlässig arbeitet, auch unter schwierigeren Lichtverhältnissen.

Dank der “Twist”-Geste, bei der man das Smartphone kurz wie einen Schraubendreher schüttelt, ist die Kamera auch sehr schnell einsatzbereit. Von Null auf Auslöser vergehen also keine zwei Sekunden und schon hat man ein Foto geschossen. Videos nimmt das Moto X Force übrigens in bis zu 4K-Qualität bei 30fps auf. Slow-Motion Aufnahmen gibt’s bei einer Auflösung von 720p bei 120fps.

Motorola spendiert dem Moto X Force vorne eine 5 Megapixel starke Selfie-Kamera, die über einen ausreichenden Weitwinkel verfügt. Auch hier muss man bei leicht schlechteren Lichtverhältnissen eine sehr ruhige Hand beweisen. Doch für ganz übel ausgelichtete Situationen hält das Moto X Force einen Selfie-Blitz auf der Frontseite bereit. Es ist zwar kein Dual Tone Blitz, doch das Bild wird hinterher selten zu kühl ausgeworfen.

Wer sich also ein paar mehr Fotos anschauen möchte, sollte die Reviews des Moto X Play und des Moto X Style ansehen, da die Kameras identisch sind. Die Testbilder oben könnt Ihr Euch in Originalgröße via WeTransfer herunterladen und ansehen.

Moto X Force Front

DIE SOFTWARE-FEATURES

Wie auch schon bei den anderen Moto X-Geräten der 2015er Generation und davor, kommt das Moto X Force mit einer großen Palette an Software-Features daher, die sich im Alltag als sehr hilfreich entpuppten. Das Moto Display zeigt eingehende Benachrichtigungen dezent bei gesperrtem Gerät an. Beim Moto X Play und Style hatte sich Motorola dazu entschieden, ein LC-Display zu verbauen, was der Moto Display-Funktion nicht sonderlich zugute kam. Das AMOLED-Display, welches im Moto X Force zurückkehrt, ist optimaler, da hier auf dem Display nur die Pixel aufleuchten, die benötigt werden. Daher ist die Moto Display-Funktion einfach auf einem AMOLED-Display besser und sinnvoller.

Zu den anderen Funktionen wie Moto Sprache, bei dem man auch bei ausgeschaltetem Display die Google Suche per Sprachbefehl initiieren kann oder der Kamera-Schnellstartfunktion hatte ich bereits des Öfteren lobende Worte übrig. Diese Funktion kehren auch alle im Moto X Force zurück. Zusätzlich hat Motorola eine neue Funktion im Repertoire, nämlich Smart Display. Diese Funktion kennt man beispielsweise von Samsung-Smartphones und sie bewirkt, dass das Display eingeschaltet bleibt, solange man draufschaut. Nette Zusatzfunktion, zumindest in der Theorie, denn so richtig hat sie bei mir nicht funktionieren wollen. Meist liegt das Problem hier mal wieder bei den Lichtverhältnissen. Da das Gesicht über die Frontkamera gescannt wird, ist es im Dunklen halt nicht mehr so gut erkennbar. Außerdem dürfte die Funktion die Akkulaufzeit gut anknabbern, weshalb ich sie schnell wieder deaktiviert habe.

Moto X Force Oberseite

DAS FAZIT

Ich habe im vergangenen Jahr, bis auf das Moto E, jedes Smartphone aus dem Hause Motorola in den Händen gehalten und getestet. Ich war vorher bereits Fan der Marke und der Geräte und auch das Moto X Force hat mich nicht enttäuscht.

Das Moto X Force ist ab sofort für rund 700 Euro im Fachhandel oder bei Motorola erhältlich und bietet im Kern die gleiche Funktionalität wie das Moto X Style. Beide sind im täglichen Gebrauch fix genug unterwegs, um die üblichen Tasks auszuführen wie Facebook und Mails checken und ab und zu ein paar mobile Games zocken. Das Display ist zwar nicht gleich groß, bietet jedoch dieselbe Auflösung. Ob der Fakt, dass das Moto X Force nahezu unzerstörbar sein soll, für den Kunden reicht, um sich das Smartphone zuzulegen, bleibt abzuwarten. Hier muss man zunächst seine Prioritäten klären, denn preislich befinden sich beide Geräte nicht in der gleichen Klasse. Das Moto X Style ist über den Moto Maker hingegen aktuell bei 499 Euro zu haben – immerhin eine knackige Differenz von 200 Euro.“

Eine stramme Ansage. Doch wie wir in der Vergangenheit immer wieder bei Android-Smartphones beobachten konnten, lässt ein Preisverfall – egal wie hoch dieser auch ausfallen mag – nicht sonderlich lange auf sich warten lässt. Mit etwas Glück dürfte das Moto X Force in wenigen Monaten unter die 600 Euro-Grenze fallen. Ob ich so viel Geld für das Moto X Force ausgeben würde? Nein, sicher nicht. Bin ich dennoch überzeugt von der Leistung des Smartphones? Auf jeden Fall. Doch hier muss halt jeder für sich wissen, ob er bereit ist, so viel Geld auszugeben. Wer nicht ganz so tief in die Tasche greifen möchte, sollte eher zum Moto X Style oder gar zum Moto X Play greifen, da man hier ebenfalls für kleines Geld ein starkes Gerät bekommt. Diese sind nur leider nicht wie das Moto X Force oder Superman – nämlich nahezu unzerstörbar.



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Über den Autor: Pascal Wuttke

Nerdlicht in einer dieser hippen Startup-Städte vor Anker. Macht was mit Medien... Auch bei den üblichen Kandidaten des sozialen Interwebs auffindbar: Google+, Twitter, Xing, LinkedIn und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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