Honor 6X im Kurztest: Ein gelungener Start in das Smartphone-Jahr

22. Januar 2017 Kategorie: Android, Hardware, geschrieben von: Sascha Ostermaier

Honor hat es gleich zum Jahresauftakt krachen lassen, bringt das Honor 6X für 249 Euro in den Handel. Ein Smartphone, das auf dem Papier viel verspricht, ob das auch so eingehalten wird, habe ich mir die letzten Tage einmal genauer angeschaut. Kinderkrankheiten sollte das Honor 6X ja nicht mehr haben, seit Oktober wird es schon in China verkauft. Das Honor 8 hat mir letztes Jahr sehr gut gefallen, allerdings spielt das auch schon wieder in einer anderen Preisklasse, zumindest zum Zeitpunkt der Markteinführung.

Seit kurz vor Weihnachten habe ich das Honor 6X als „Zweit-Smartphone“ genutzt, die Version mit 32 GB Speicher und 3 GB RAM. Um quasi eine Art Fazit vorwegzunehmen, in dieser Zeit fiel mir nichts auf, was bei einem Smartphone zu diesem Preis nicht hinnehmbar wäre. Klar wäre beispielsweise USB-C angenehmer als microUSB gewesen und natürlich könnte die Kamera noch einen Ticken besser sein, allerdings erwarte ich das zu diesem Preis nicht, man muss ja auch ein bisschen realistisch sein.

Optik und Haptik

Das Honor 6X ist solide verarbeitet. Nicht ganz so toll wie ein Honor 8, aber schon sehr nah an „High-End“, also besser als ich erwartet hätte. Positiv fällt auf, dass die Buttons für Lautstärke und Standby kein Spiel haben, sie klappern nicht und weisen einen guten Druckpunkt auf. Die Vorderseite wird vom Display eingenommen, die Ränder sind vergleichsweise schmal, wenn auch deutlich vorhanden. Einen Home-Button oder ähnliches findet man auf der Vorderseite nicht.

Auf der Rückseite erblickt das geschulte Auge eine Kamera. Oder zwei, denn Honor verbaut im 6X bekanntlich eine 12 Megapixel- und eine 2 Megapixel-Kamera auf der Rückseite, die dann auch in Kombination Aufnahmen anfertigen. Unter der Kamera befindet sich der Fingerabdruckscanner, daneben der Dual-LED-Blitz.

Die obere Kante beherbergt den 3,5 mm Klinkenanschluss, unten gibt es microUSB, Mikrofon und Lautsprecher. Insgesamt ein eher cleanes Gerät, dadurch aber auch wenig spektakulär. Nimmt man das Honor 6X in die Hand, wird man sich wundern, es wirkt um einiges schlanker als es die Maße vermuten lassen. Die leicht gerundete Rückseite und der „weiche“ Übergang zum Display sorgen für ein gutes Anfassgefühl. Bedenkt man, dass das Smartphone die gleiche Displaygrößé bietet wie ein iPhone 7 Plus, fragt man sich schon, warum Honor es schafft, das in einem kleineren Gerät unterzubringen.

Technik

Das 5,5 Zoll-Display kommt mit FullHD-Auflösung, einzelne Pixel erkennt man bei dieser Größe nicht. Für mich völlig akzeptabel, ich brauche keine 2K- oder 4K-Displays im Smartphone, wobei man wohl selten etwas wirklich braucht. Die Farben hätte ich mir ein bisschen knackiger gewünscht, dafür ist das Display sehr stabil, was die Betrachtbarkeit aus verschiedenen Winkeln angeht. Mit aktivierter Auto-Helligkeit war mir persönlich das Display zu blass und auch zu dunkel, manuell auf ca. 75 Prozent geregelt passte es aber auch in hellen Umgebungen.

Der Kirin 655 und die 3 GB RAM machten im alltäglichen Gebrauch keinerlei Sperenzchen, innerhalb des Systems nahm ich keine Lags wahr und Apps lassen sich ebenso problemlos nutzen. Bei Games muss man eventuell längere Ladezeiten in Kauf nehmen, aber an sich hat das Honor 6X auch damit keine Probleme. Im Großen und Ganzen – wieder gemessen am Preis – geht die Leistung völlig in Ordnung.

Der integrierte Lautsprecher ist so einer der Punkte, an denen man merkt, dass man tatsächlich kein High-End-Gerät in den Händen hält. Bis ca. 50 Prozent Lautstärke ist der Sound okay, aber weder besonders satt, noch besonders laut. Geht man lauter, wird es blechern, Abhilfe schafft hier ein Headset oder ein verbundener Bluetooth-Speaker.

Der Akku fällt mit seiner Kapazität von 3340 mAh recht groß aus, inwiefern der einzelne damit auskommt, ist sehr nutzungsabhängig. Während meiner Nutzung war die Laufzeit ausreichend, aber auch nicht sonderlich toll. Ich kam immer über den berühmten Tag, forderte das Smartphone allerdings auch nicht viel. Honor gibt bis zu 8 Stunden Gaming oder 11 Stunden Videoplayback an. Das könnte durchaus hinkommen, wenn man denn nichts anderes mit dem Smartphone macht.

Die Akkulaufzeit kann auch durch externe Apps beeinflusst werden, erst neulich machte wieder der Facebook Messenger deshalb von sich reden. Sollte einem die eigene Akkulaufzeit komisch im Sinne von zu kurz vorkommen, kann es durchaus hilfreich sein, einmal Ursachenforschung zu betreiben, es muss nicht immer die Hardware sein.

Insgesamt gibt es technisch wenig zu meckern. Klar hätte man sich vielleicht ein Snapdragon SoC gewünscht, aber auch das hätte sich auf den Verkaufspreis ausgewirkt.

Kamera

Honor bewirbt das 6X auch wegen seiner Dual-Kamera, günstiger kommt man nicht an eine solche in einem Smartphone. Muss man vielleicht aber auch gar nicht. 12 Megapixel löst die Hauptkamera auf der Rückseite auf, ein zweiter Sensor sorgt für die Effekte, die man direkt über die Cam erreichen kann. Ob das Dual-Setup an dieser Stelle vorteilhaft ist, kann ich nicht beurteilen. Ich finde die Bilder nicht so gut wie mit anderen Dual-Cam-Setups oder auch Single-Cam-Smartphones, aber sie sind auch nicht schlecht.

Etwas Schwierigkeiten bereitete mir das Erstellen der Testfotos. Das Erzgebirge ist hart eingeschneit, natürliche Farben gibt es da aktuell nicht so zu sehen. Einen Schwung an Bildern habe ich bei Google Fotos zusammengesammelt, darunter auch Bilder, die von „normalen“ Nutzern angefertigt wurden. Während ich diese teilweise etwas kritisch (als: hmm, könnte aber besser sein) betrachte, waren die beiden „Fotografen“ zufrieden mit den Aufnahmen – und sie passen perfekt in die Zielgruppe für das Honor 6X.

Die Kamera arbeitet auf jeden Fall schnell, hier macht sich PDAF mit seinen 0,3 Sekunden für die Fokussierung schon bemerkbar. Die Kamera bietet auch einen manuellen Modus für professionellere Aufnahmen, dieser eignet sich aber weniger für Schnappschüsse. Funktionen wie Lichtmalerei sind ebenfalls an Bord, sie können unter Umständen die Kreativität des Nutzers entfesseln.

Die Frontkamera macht Aufnahmen mit 8 Megapixeln, hier bekommt man die typische Huawei-Frontcam, auch mit den entsprechenden Modi. Für die Generation Selfie sind das tatsächlich Pluspunkte, habe ich mir sagen lassen. Also auch hier keine Kritik am Honor 6X.

Über das System (Android 6.0, EMUI 4.1, Update soll bald folgen) kann man streiten. Während sogenannte „Power-User“ immer wieder über Probleme mit Pushbenachrichtigungen klagen (die oftmals den Stromsparfunktionen geschuldet sind), habe ich noch nie derartige Klagen von Nutzern gehört, denen ich persönlich ein Huawei- oder Honor-Smartphone empfohlen habe. Allerdings empfehle ich es auch keinen Menschen, die man in diese Nutzergruppe packen könnte.

Fazit

Bereit für ein Fazit? Das Honor 6X hat mehr auf der Haben- als auf der Soll-Seite. Natürlich bekommt man für 250 Euro kein High-End-Smartphone, das sich mit Galaxy S7 und Co. messen kann. Aber man bekommt ein Smartphone, das sehr viel macht und dies auch gut. Wer nicht unnötig viel für ein Smartphone ausgeben möchte, wird im Honor 6X eines finden, das nicht allzu viele Abstriche macht.

Ob man nun unbedingt eine Dual-Kamera braucht, darf durchaus hinterfragt werden. Fraglich ist nämlich, ob man ähnliche Ergebnisse nicht mit einer „besseren“ Single-Cam erreichen würde. Aber daran kann der potentielle Käufer eh nichts ändern, insofern eine rein hypothetische Frage.

Da Honor selbst auch eine ganze Bandbreite an Geräten bietet, kann man tatsächlich nach seinen persönlichen Vorlieben auswählen, ohne dabei allzu arm zu werden. Ihr sucht ein günstiges 5,5 Zoll Smartphone? Das Honor 6X freut sich bestimmt über einen Platz in der Tasche. Es kommt nicht ganz an die Qualität eines Honor 8 heran, ist dafür aber eben auch ein Stück größer (und neuer). Ich finde das Gesamtpaket (wieder einmal) sehr gut, es ist in sich stimmig, ohne große Ausreißer und es kommt eben zu einem Preis, der sehr verlockend ist.


 

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Über den Autor: Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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