Honor 8 ausprobiert: So viel Smartphone gibt es für 399 Euro

21. September 2016 Kategorie: Android, Hardware, geschrieben von: Sascha Ostermaier

artikel_honor8Seit ein paar Wochen gibt es von Huaweis Lifestyle-Marke Honor ein neues Smartphone in Deutschland. Als Flaggschiff-Smartphone angepriesen, kommt es zum Mittelklassepreis für 400 Euro. Eine hart umkämpfte Preisklasse, hier sollte man schon durch Besonderheiten punkten, um den Kunden zu kriegen. Honor versucht es mit einer Dual-Kamera, Dual-SIM, einem Fingerabdruckscanner – und mit Design. Ähnlichkeiten mit Huaweis P9 sind nicht von der Hand zu weisen, das erkennt man spätestens beim Blick auf die Rückseite mit ihren beiden Kameras. Wie sich das Honor 8 so schlägt, habe ich mir einmal genauer angeschaut.

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Optik und Haptik

Optik und Haptik, in Zeiten technisch immer ähnlicher werdender Smartphones durchaus ein Kriterium, welches die Kaufentscheidung beeinflussen kann. Eva Wimmers, President Europe Honor, nannte das Honor 8 auf der Europavorstellung in Paris einfach einen Handschmeichler. Was nach PR-Gelaber klingt ist in diesem Fall eine äußerst treffende Zusammenfassung der Haptik des Smartphones. Die Verarbeitung ist erstklassig, auf Augenhöhe mit Samsung, HTC und Apple.

Der abgerundete Rahmen hat zwar scharf geschliffene Kanten, allerdings ist der Rahmen so mit dem Glas auf Vorder- und Rückseite zusammengeführt, dass es sich fast „wie aus einem Guss“ anfühlt. Zusammen mit der kompakten Größe ergibt sich ein Smartphone, das man gerne in der Hand hat. Dank der verfügbaren Farboptionen, die unter anderem auch Saphire Blue beinhalten, ist das Smartphone auch ein Hingucker.

Wie viel Wert auf Design gelegt wurde, erkennt man auch auf der Rückseite. Mehrere Schichten Glas sorgen für einen strukturierten Schimmer-Effekt. Damit man sich das Design nicht mit einer Hülle verschandeln muss, gibt es eine transparente Schutzhülle, die zwar kaum vor Sturzschäden schützen wird (nicht ausprobiert, sorry), dafür aber die Rückseite kratzerfrei hält, während das Design weiterhin voll zur Geltung kommt.

Die Front des Honor 8 ist sehr clean, unten mag sich der ein oder andere am „Honor“-Schriftzug stören, mir fiel er erst bewusst auf als ich die ersten Klagen darüber las. So empfindet eben jeder anders. Oben – wir befinden uns immer noch auf der Vorderseite – gibt es den Telefon-Speaker (mit integrierter Benachrichtigungs-LED), Umgebungslichtsensor und die Frontkamera.

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Beim blauen Gerät stört mich allerdings die harte Spiegelung ober- und unterhalb des Displays. Das ist an sich nicht schlimm, sorgt aber durch die relativ helle Hintergrundfarbe für „Ablenkungen“. Im Gegensatz zum Honor-Schriftzug fiel mir das wiederum sofort auf.

Auf der linken Seite gibt es den Slot für zwei SIM-Karten (oder eine SIM-Karte und eine microSD), oben befindet sich ein Infrarot-Sensor und ein Mikrofon zur Geräuschunterdrückung. Auf der rechten Seite findet man die Lautstärkewippe und den Power-Button, beide weisen einen guten Druckpunkt auf. Unten dann noch der 3,5 mm Klinkenanschluss, die USB-C-Buchse und der Lautsprecher.

Auf der Rückseite ist einiges los. Auffällig sind natürlich die beiden Kameras, die noch von einem Laser-Fokus und Dual-LED-Blitz begleitet werden. Darunter dann der Fingerabrduckscanner, für mich diesmal wieder an einer perfekten Position. Dieser lässt sich auch drücken, dazu später noch einmal mehr – Stichwort: Smart Key.

Insgesamt ein nahezu perfekt verarbeitetes Smartphone, das in Sachen Optik und Haptik keinerlei Grund zur Beanstandung gibt. Da war ich wirklich überrascht.

Spezifikationen Honor 8
5,2 Zoll FHD (1920 x 1080 Pixel ,1080P)
12 MP Dual-Kamera / 8 MP Frontkamera (1,25um Pixelgröße)
Bluetooth 4.2, NFC
3000mAh (Fix), 2900mAh (Nennleistung) Akku
Prozessor HiSilicon Kirin 950 (4 x Cortex A72 2.3GHz + 4 x Cortex A53 1.8GHz)
Android 6.0 (EMUI 4.1)
4 GB RAM/ 32 GB ROM
Wi-Fi 802.11ac/a/b/g/n, 2.4G/5G
USB 2.0 mit USB Typ C
145.5 x71.0 x7.45 mm
153 g Gewicht
Fingerabdruckleser
microSD-Kartenslot
Infarot-Fernbedienung
2 SIM Slots

Das Display

Honor setzt beim Honor 8 auf ein 5,2 Zoll FullHD-IPS-Display. Das Unternehmen bietet zwar kein OLED-Display, die Farben werden dennoch sehr knackig dargestellt, vor allem das Schwarz gefällt. Kommt aber auch sehr auf die eingestellte Helligkeit an. Je niedriger, desto blasser, logisch, allerdings bedeutet niedriger hier, dass alles unter halber Displayhelligkeit für mich nicht ausreicht. Die automatische Helligkeitsregelung bestätigt dies in gewisser Weise, sie regelte bei mir meistens im Bereich zwischen 75 Prozent und 95 Prozent. Die Größe ist toll, mir scheint fast, als wären 5,2 Zoll mein „Sweet Spot“.

Eingaben auf dem Touchscreen werden sofort verarbeitet, eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber auch heute findet man immer wieder Smartphones, bei denen das nicht so ist. Hier alles paletti, alles andere wäre eines selbsternannten „Flagship-Smartphones“ auch nicht würdig.

Displayspiegelung, vor allem bei gutem Wetter oftmals ein Problem. So auch beim Honor 8. Man kann das Display selbst im eingeschalteten Zustand problemlos als Spiegel verwenden (vielleicht auch ein Feature für die Damenwelt?), allerdings kann man es auch genauso gut problemlos ablesen. Klingt etwas paradox und konnte ich so auch auf keinem der Geräte nachvollziehen, die ich hier habe. Letztendlich ist es so, dass das Display zwar schon recht krass spiegelt, dies aber kaum Auswirkungen auf die Ablesbarkeit hat. Also insgesamt doch eher wieder positiv.

Hier einmal der Versuch, die Spiegelung einzufangen:

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System und Leistung

Honor setzt beim Honor 8 einen Hisilicon Kirin 950 ein (Octa-Core bis 2,3 GHz), diesem stehen 4 GB RAM zur Seite. Das ist mehr als ausreichend für die tägliche Nutzung, allerdings kommt man irgendwann auch an Grenzen, das macht sich vor allem bei aufwändigeren Games bemerkbar. Es ist nicht so, dass sie unspielbar werden, aber es ist eben auch nicht die Performance, die man eventuell erwartet. Interessant ist an dieser Stelle vor allem, dass dies auch bei Games von Gameloft auftritt, die bereits auf dem Honor 8 vorinstalliert sind.

Im System selbst gibt es trotz der umfangreichen Anpassungen durch die EMUI-Oberfläche jedoch keinerlei Klagen, alles läuft flott und man hat auch nicht mit vereinzelten Hängern zu kämpfen. Android 6.0 und EMUI 4.1 spielen hier recht gut zusammen, wer sich mit der Oberfläche anfreunden kann, wird hier nicht viel zu meckern haben.

Für Zahlenfreunde hier noch das Benchmark-Ergebnis von PC Mark:

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Kamera

Ein 400 Euro-Smartphone mit Dual-Kamera, das sieht man aktuell noch nicht so häufig. Honor kann zwar kein Leica-Branding vorweisen und auch die Funktionsweise unterscheidet sich von der Cam des Huawei P9. Die zweite Linse kommt hier „nur“ für Tiefenschärfe zum Einsatz, beim P9 handelt es sich ja um eine zweite Linse für Schwarz-Weiß-Fotografie.

12 Megapixel, Laser Autofokus und ein manueller Aufnahmemodus lassen die Herzen der Smartphonefotografen höher schlagen. Ich selbst bin mit der Aufnahmequalität im Automatikmodus zufrieden, lediglich bei Dunkelheit könnte es sich schon einmal lohnen, manuelle Einstellungen vorzunehmen – oder wenn man eben spezielle Aufnahmen anfertigen möchte.

Die Kamerasoftware bietet zahlreiche Optionen, vom Schwarz-Weiß-Modus bis manuelle Belichtung über Light Painting, die Möglichkeiten sind vielfältig. Finde ich in einem Gerät dieser Preisklasse beeindruckend. Noch beeindruckender ist allerdings, dass die Kamera nicht aus dem Gehäuse heraussteht.

Automatikknipser kommen mit der Dual-Kamera ebenso auf ihre Kosten wie Nutzer, die lieber selbst Hand an die Einstellungen legen. Wer sich gerne selbst aufnimmt, wird sich über die 8 Megapixel Frontkamera – und je nach Selbstbewusstsein durchaus auch über den Beauty-Modus freuen. Ich kann mit diesem künstlichen Verschönerungsmodus nichts anfangen. Mal als Gag, ja, aber das war es dann auch schon.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Beispielbilder der Kamera findet Ihr in voller Auflösung in diesem Google Drive-Ordner, die hier in der Galerie zu sehenden sind komprimiert.

Fingerabdruckscanner

Der Fingerabdruckscanner ist mein heimlicher Liebling des Honor 8. Nicht nur, dass er das Smartphone super schnell und zuverlässig entsperrt, man kann diesen auch drücken. Drücken, Drücken und Halten sowie langes Drücken sind die drei Aktionen, die man durchführen kann. Das Beste an der Sache ist jedoch, dass man diese Aktionen selbst festlegen kann. Doppeltes Drücken öffnet bei mir zum Beispiel die Kamera, einfaches Drücken fertigt einen Screenshot an – perfekt für Geräte, die alle Tasten auf einer Seite haben.

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Großartiges Zusatzfeature für den Fingerabdruckscanner, das man gerne auch in anderen Smartphones sehen würde. Die Positionierung des Scanners auf der Rückseite ist gut, wobei hier jeder anders empfindet. Ich habe öfter Smartphones hier, bei denen ich nicht so toll an den Button auf der Rückseite komme, beziehungsweise diesen mit dem Finger erst „suchen“ muss, das Honor 8 zählt nicht dazu.

Die Geschwindigkeit des Scanners ist toll, Wartezeiten beim Entsperrvorgang sind nicht vorhanden. Auch die Erkennung ist super. Um die Meldung für einen nicht erkannten Finger zu erhalten, musste ich auch tatsächlich einen anderen als den gescannten nehmen, egal wie „schlecht“ ich den gescannten Finger auflegte.

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Sound

Den Sound des Honor 8 genießt man am besten über den vorhandenen Klinkenanschluss und Kopfhörer. Viel kann der Lautsprecher nämlich nicht. Lautstärke bis zur Hälfte ist noch in Ordnung, aber nicht sonderlich laut, dreht man weiter auf, wirkt das alles sehr dünn, verzerrt und blechern. Vielleicht für manche Situationen ausreichend, einen billigen Bluetooth-Lautsprecher anschließen sorgt aber bereits für einen enormen Qualitätszugewinn. Beim Freisprechen wiederum ist die Soundausgabe ausreichend.

Akku

3000 mAh packt Honor in den Akku des Honor 8. Als „Alles-Nutzer“ (Bluetooth aktiv, GPS aktiv, alles aktiv) komme ich damit gut über den Tag, aber auch nicht viel weiter. Da Akkuleistung brutal nutzungsabhängig ist, an dieser Stelle wie immer unser Benchmark-Ergebnis mit 50 Prozent Displayhelligkeit (was beim Honor 8 bereits gut hell ist). Der PC Mark Akku-Benchmark stellt diverse Nutzungsszenarien nach, die einer durchschnittliche Nutzung entsprechen sollen.

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Während der Nutzung hatte ich nicht das Gefühl, dass der Akku zu schnell leer wird, allerdings auch nicht das Gefühl eines Dauerläufers. Die meisten Nutzer werden wohl keine Probleme mit der Akkulaufzeit haben. Dank Schnellladefunktion lässt sich der Akku auch flott wieder aufladen, das funktioniert zum Beispiel mit dem mitgelieferten Ladegerät. Das Honor 8 wird über USB Typ C geladen.

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Sonstiges

Das Honor 8 verfügt auch über eine Infrarotschnittstelle. Diese kann zusammen mit der entsprechenden App (vorinstalliert) als Fernbedienung genutzt werden. Überrascht war ich, wie gut das funktioniert. Findet man ein Gerät nicht in der Liste, kann man das Honor 8 auch zusammen mit der Original-Fernbedienung anlernen. Das funktioniert super, lediglich die Reichweite ist nicht so berauschend. Ist man zu weit vom Empfänger entfernt, kann man Buttons drücken wie man möchte, es passiert einfach nichts.

Passt der Abstand aber, kann man sich so wunderbar individuelle Fernbedienungen basteln. Völlig unkompliziert und auch tatsächlich ganz nützlich. Nicht das erste Gerät das mit einer solchen Funktion kommt, hier lässt sie sich aber super nutzen.

Sonst noch an Bord: NFC, Bluetooth 4.2 und GPS. Und bei frei verkäuflichen Geräten Dual-SIM. Bei Interesse an einem Dual-SIM-Gerät sollte man das Honor 8 im freien Handel kaufen, bei der Netzbetreiber-Version kann nur eine SIM genutzt werden. Auch handelt es sich um einen sogenannten Hybrid-Slot, man muss also wählen, ob man eine zweite SIM oder doch lieber eine microSD-Karte einsetzt.

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Fazit

Das Honor 8 ist nicht nur ein sehr schönes (jaja, meine subjektive Meinung) Smartphone, sondern bietet zum aufgerufenen Preis von 399 Euro auch technisch allerhand. In der Tat so viel, dass ich mir erstmals die Frage stellte, warum ich eigentlich alle paar Jahre Unsummen in ein iPhone stecke. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals ein Android-Gerät zum Test hatte, das mir als Gesamtpaket so gut gefallen hat. Das HTC A9 kam damals nah ran, aber das Honor 8 legt noch einmal eine Schippe drauf.

Das Honor 8 macht auch nie den Eindruck eines „billigen“ Smartphones und ich kann Euch auch keinen großartigen Kritikpunkt nennen. Das Spiegeln der Front erwähnte ich eingangs, aber das ist echt schon nach „Fehlern suchen“. Gleichzeitig macht das Honor 8 auch keinen fragilen Eindruck, trotz Glas auf Vorder- und Rückseite. Fallen lassen sollte man es freilich nicht, das dürfte ohne Schutz genauso böse enden wie bei anderen Smartphones auch.

Um das Honor 8 mal in ein spezielles Licht zu rücken: Letztes Jahr empfahl ich im Bekanntenkreis das Huawei P8 als günstiges und gutes Gerät (für die weniger anspruchsvollen die Lite-Variante). Fragt mich nun jemand nach einem günstigen Android-Gerät, gibt es Honor 8 zu hören. Wirklich ein tolles Smartphone, das nicht nur preislich attraktiv ist. Zu haben ist das Honor 8 unter anderem direkt über vmall.eu.



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Über den Autor: Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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