Google Pixel Buds im Test

13. Dezember 2017 Kategorie: Google, Hardware, Streaming, geschrieben von:

Zu seinen beiden neuen Flaggschiffen, dem Pixel 2 und Pixel 2 XL, stellte Google dieses Jahr auch passende Kopfhörer, die Pixel Buds vor. Neben der einfachen Kopfhörer-Funktionalität wurden als Highlights die Touch-Bedienung und der Google Assistant mit Live-Sprachübersetzung angekündigt. Geliefert werden die Pixel Buds in einem schicken weißen Karton, in dem ein USB-Type-A-zu-USB-C-Anschluss-Kabel, eine Kurzanleitung, ein Sicherheitshinweisbuch und natürlich das hübsche Ladeetui mit den Pixel Buds drin.

Nach dem Öffnen des Kartons

Das Etui erinnert äußerlich ein wenig an die Google-Home-Mini-Geräte und ist mit schönem Stoff überzogen. Wie lange dieser Stoff bei täglicher Benutzung durchhält, wird sich zeigen – die Stoff-Cases für das Pixel 2 XL halten ca. 1-2 Tage, bis man erste Gebrauchsspuren sieht.

Meine Neugier zwang mich dazu, das Etui direkt zu öffnen, die Pixel Buds rauszunehmen und zu gucken, wie ich sie anschließe. Scheinbar ist das Aufklappen für das Etui allerdings das Zeichen, die Kopfhörer zu verbinden. Egal. Nach einem Blick in die Anleitung stellte sich raus, dass ich die Folie von den einzelnen Kopfhörern abziehen muss, um sie erstmal für 10 Minuten aufzuladen. Wenn man dann das Etui aufklappt, geht er in den Connect-Modus. Durch das erste Aufklappen war der Connect-Modus allerdings nicht mehr aktiv und ich musste den Knopf im Etui erst 3 Sekunden drücken. Und dann erscheint, wie durch ein Wunder, ein Dialog auf dem Telefon zur Einrichtung der Buds. Schwarze Magie!

Einmal verbunden, wird man noch gefragt, ob Google Assistant und die Pixel Buds miteinander kommunizieren dürfen und schon geht’s los und man kann die Schlaufen für die Buds an seine Ohrmuscheln anpassen. Ich empfand die Ohrstecker als sehr lose, egal wie ich die Schlaufen angepasst habe. Man hat immer das Gefühl, dass einem die Stecker beim Laufen aus den Ohren fallen, ich konnte dies allerdings selbst durch starkes Kopfschütteln nicht hervorrufen. Die Stecker sind schön leicht und durch das Kordelband, welches kein Kabel ist, merkt man den Kopfhörer eigentlich gar nicht. Die Schlaufen muss man meist bei jedem Herausnehmen aus dem Etui neu einstellen, da man durch das Einsetzen in das Kästchen und herumziehen der Kordel die Schlaufe verstellt.

Ich bin sonst eher Träger von Over-Ear-Kopfhörern oder wasserfesten Kopfhörern, deren Pfropfen im Gehörgang stecken, sodass man auch, wenn man neben mir steht und ich laut Musik höre, außen nichts hören kann. Dies kann ich mit den Pixel Buds vergessen – durch den lockeren Sitz hört man auch in einem Meter Abstand noch, dass ich Musik höre. Man kann zwar nicht hören, was genau, aber dass es laut aus dem Gerät schallt, ist hörbar.

Telefonieren ist mit den Buds schon ein Genuss. Der Telefonpartner kann einen gut verstehen, wenn man ganz normal spricht und die Tonqualität in den Buds ist sehr gut. Da das Mikrofon am rechten Lautsprecher ist, muss man aufpassen, ob man nebenbei das Touchbedienfeld benutzen möchte, da man, wenn man daneben greift, ein sehr lautes Kratzen beim Gegenüber erzeugt. Außerdem muss das Mikrofon sehr weiträumig aufnehmen, sodass ein nebenbei laufender Fernseher recht deutlich hörbar ist. Wenn man im Winter eine Mütze trägt, könnte das Telefonieren mit den Buds auch ein sehr spannendes Unterfangen werden.

Die Touchbedienung ist anfangs sehr gewöhnungsbedürftig. Eigentlich gibt es nur Wischbewegung nach vorne und hinten zum lauter sowie leiser machen und kurze Touches auf das Feld zum Anruf annehmen, auflegen, Play bzw. Pause oder gedrückt halten zum Aufrufen des Assistant. Es war nicht wirklich intuitiv, aber man gewöhnt sich dran. Es gibt keine Möglichkeit, über die Gestensteuerung das nächste oder vorherige Lied anzusteuern. Dies kann man im Zweifel über den Assistant machen, allerdings fühlt es sich in der Bahn doch eher doof an, ständig “nächstes Lied” zu sagen.

Der Klang der Kopfhörer selbst ist ungewohnt gut. Die Bässe kommen gut rüber, die unteren Höhen sind stellenweise etwas dumpf und tendieren wie der obere Bass manchmal ganz leicht zum Schnarren, die anderen Tonlagen gehen ganz gut.

Jetzt das Killer-Feature: Der Babelfisch – also die Liveübersetzung. Leider hatte ich grad keinen Native-Speaker für Spanisch oder Portugiesisch im Haus, aber Englisch konnte ich grad ganz gut testen, andere Sprachen gehen gut mit Youtube-Sprachlernvideos. Mein eigenes Fazit dazu: Es ist der Hammer, wie gut die Übersetzer im Zusammenspiel mit den Buds so sind. Klar ist es keine wirkliche Live-Übersetzung, aber für eine Bestellung im Restaurant oder der Nachfrage, wie man zum Bahnhof kommt, sind die Pixel Buds mit dem Google Translator wirklich praktisch. Wie das Zusammenspiel mit asiatischen Sprachen funktioniert, habe ich auf die Schnelle nicht getestet, kann mir aber vorstellen, dass der nächste Talk über Quantenphysik da doch noch ein wenig warten muss.

Was mich noch ein bisschen stört ist, dass man die Kopfhörer scheinbar nicht abschalten kann, bzw. sie nur abschaltbar sind, indem man sie in das Etui packt. Die Buds also mal eben in die Tasche zu werfen, funktioniert so nicht. Außerdem werde ich sie nicht zum Sport tragen können, da sie wahrscheinlich schon bei geringem Schweiß absaufen und das Kordelband entsprechend leiden wird, sodass es recht schnell unschön aussieht.

Außerdem sind die Kontakte zum Aufladen an der zum Ohr geneigten Seite und bei wärmeren Temperaturen und der entsprechenden Schweißbildung kann es gut sein, dass das Gold der Kontakte schnell korrodiert. Das hat mir schon bei Android-Wear-Uhren Probleme beim Aufladen gemacht.

Letztendlich merkt man, dass Google inzwischen Geräte für den gehobenen Markt verkaufen und damit Apple angreifen möchte. Käufer der Pixel Buds werden wahrscheinlich etwas ernüchtert sein, dass sie für 180 Euro ein paar Kopfhörer an einem Kordelband kredenzt bekommen, die eine recht empfindliche Steuerung haben, dafür aber einen guten Sound ausspucken.


Über den Autor:

Programmierer und Admin aus Leidenschaft und Google-Fanboy seit 1998, probiert jeden Quatsch mal aus, um ihn im Zweifel doof zu finden, verteidigt aber alles, was er gut findet. Er ist auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook und Instagram.

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