Gmail mit eigener Domain nutzen – ohne Google Apps

5. Februar 2017 Kategorie: Google, Internet, geschrieben von: caschy

Vielleicht erinnert ihr euch noch an die tolle Zeit als man die Google Apps mit der eigenen Domain nutzen konnte. Das war schon klasse. Ich selber habe das auch benutzt und entsprechend hier im Blog Anleitungen geschrieben. Es war halt für Google-Nutzer mit Gmail-Affinität eine feine Sache. So konnte sich zum Beispiel auch eine kleine Firma flott eine vernünftige Mail-Adresse unter gewohnter Gmail-Haube fertig machen, ohne dass man auf dem Auto einen Aufkleber „ihr_fliesenleger_musterstadt@gmail.com“ haben musste.

Nicht lachen, diese GMX und Co-nutzenden Firmen fahren immer noch rum. Die Nutzung einer solchen Mail muss nichts mit der Professionalität der Firma als solches zu tun haben – doch wird man ihr vielleicht diese aufgrund der genutzten Mail-Adresse absprechen.

Lange Geschichte kurzer Sinn: Kostenlos Google Apps für die eigene Domain ist Geschichte. Eine reine Domain mit Mail-Anschluss und ohne Webseite ist für Peanuts mittlerweile zu haben.

Wer dennoch nackte Domains hat und vielleicht mal wieder ein bisschen rumspielen möchte, der kann sich ja das anschauen, was ich mir in den letzten Tagen angeschaut habe. Ich habe ein paar ungenutzte Domains ohne Speicher und Mail-Gelumpe und würde das wohl auch nie nutzen, da ich Gmail-Nutzer bin.

Ich mag die Apps, die Oberfläche und die Verwaltung. Gibt für mich nichts besseres. Hilft mir aber nichts bei meinen Domains. MeinName@caschys.blog (die Domain habe ich) ist nicht möglich mit Gmail, so wie es das damals bei Google Apps für die eigene Domain gab. Oder doch?

Ich will hier keine Monster-Anleitung schreiben oder die absolute Nützlichkeit unterstellen, aber vielleicht ist es für den einen oder anderen hilfreich, der mehrere Mail-Adressen seiner Domain braucht, sofern diese kein Mail-Paket beim Hoster oder Anbieter (Schlund etc.).

Was ihr braucht: Eine Domain. Einen Gmail-Account. Etwas Zeit und wirklich nur ein bisschen Ahnung.

Was ihr danach habt: Beliebige @DeineDomain-Adressen, die auf Gmail, Outlook und Co genutzt werden können.

Vorbereitende Schritte: Ihr benötigt einen Account bei Mailgun. Dieses eigentlich für Entwickler konzipierte Angebot gehört zu Rackspace, einem US-Anbieter. Zu den Kunden zählen beispielsweise GitHub, Vodafone und Mazda. Machen Cloud und Server.

Legt euch da einen Account mit der Gmail-Adresse an, die ihr für eure Domain nutzen wollt, wo die Mails quasi landen. Ihr müsst zur Account-Verifizierung eure Telefonnummer hinterlegen, aber keine Zahlungsdaten. Sollte auf eurer Nummer kein Verifizierungscode ankommen, so mailt den Support an, dann wird von Hand freigeschaltet. War bei mir der Fall, ging ratz fatz.

Sobald euer Account roger ist, habt ihr im Dashboard die Option, eine Domain zu hinterlegen. Logo, da muss eure Domain hinterlegt werden, die ihr nutzen wollt. In meinem Fall caschys.blog. Nun kommt das Spannende, denn ihr müsst dort, wo eure Domain registriert ist, ein paar Daten ändern.

Hier kann ich euch schlecht Screenshots liefern, denn das sieht bei jedem anders aus. Wer bei 1&1 eine nackte Domain hat, der sieht was anderes als der, der bei Schlund ist. Fakt dürfte sein: Wer so Domains registriert, sollte nun wissen, wo was einzustellen ist. Nach dem Hinzufügen einer Domain zeigt euch Mailgun etwas an.

Nämlich die Hostnamen und Werte in Sachen DNS für das Senden von E-Mails. Hierbei handelt es sich um die TXT / MX Records nebst Priority. Einfach das eingeben, was bei Mailgun zu sehen ist – und wenn a Ende alles stimmt, gibt es das grüne Häkchen bei Mailgun.

Sieht im Falle einer 1&1 gehosteten Domain so aus:

Denkt auch an die Subdomain email.DeineDomain, diese solltet ihr auch anlegen und als CNAME den Alias mailgun.org hinterlegen. Ist alles richtig eingetragen, die Häkchen grün und der Status aktiv, so kann es weitergehen.

Nun müssen wir eine Route anlegen. Eine Route ist ein Mailweg. Ihr könnt sagen, dass jegliche Mail an *@eureDomain.de bei euch aufläuft – oder eben der Match Recipient. Der Match Recipient ist eine genaue Mailadresse, die ihr nutzen wollt. Hier könnt ihr kreativ sein. Bei mir ist es testweise kontakt@caschys.blog. Da habe ich dann die Action forward, also weiterleiten, an meine normale Adresse. Ihr könnt da Mailadressen an eure Gmail-Adresse weiterleiten lassen, wie ihr lustig seid.

Wichtig zu wissen an dieser Stelle: Das funktioniert bis hier hin erst einmal nur der Empfang. Sendet euch selbst eine Mail an eure neue Adresse, wenn ihr die Route angelegt habt. Wichtig: Sendet NICHT von eurem Gmail-Account, auf dem die Mail später ankommt. Das klappt nicht. Muss eine andere Adresse sein. Die Mail kommt an? Herzlichen Glückwunsch.

Du willst anderen aus der Familie oder Firma eine Weiterleitung ermöglichen? Die kannst du nicht einfach eintragen. In den Account-Einstellungen bei Mailgun findest du Authorized Recipients. Hier die Mail des gewünschten Mitglieds eingeben. Dieses bekommt eine Abfrage, welche bestätigt werden muss. Erst dann funktioniert die Route auch.

So. Empfangen geht also.

Was mit Senden ist? Geht auch. Auch über Gmail. Sodass Mails beim Empfänger nicht mit eurem Absender @gmail.com ankommen – sondern @eureDomain.tld. Hierfür muss man in die Einstellungen von Gmail, Punkt Konten und Import, Abteilung „senden als“.

Hier richtet man ein neues Konto ein. SMTP ist smtp.mailgun.org, alle anderen Einstellungen können so bleiben. Ihr braucht nur die Mail-Adresse (die eurer Domain) eingeben und das SMTP-Passwort. Das bekommt ihr bei Mailgun unter: Domains > Eure Domain > Manage SMTP credentials.

Hinter diesem Punkt lässt sich für jede Mail-Adresse ein SMTP-Password vergeben. Dieses gibt man dann bei Google ein. Zum Abschließen der Aktion schickt Google einen Code an euch (Domain-Mail), die aufgrund der Weiterleitung bei euch in Gmail landet. Diesen Code in das Abfragefeld bei der Google´schen Einrichtung eingeben, fertig.

So. Und so kannst du Mail über deine eigene Domain via Gmail senden und empfangen. Ob es einen Haken gibt? Ja. Mailgun erlaubt in der kostenlosen Version 10.000 E-Mails im Monat nebst Logs für 2 Tage. Des Weiteren testet mal ein bisschen mit Freunden rum, nicht dass über Gmail gesendete Mails bei denen im Spam landen – das kann unter Umständen leider passieren, wenn Accounts delegiert sind oder irgendwo Mailgun auf der Blacklist steht. Seht das Ganze vielleicht erst einmal als nette Sache zum Spielen und probiert das für euch aus.

Hinweis: Ich würde niemandem empfehlen, dieses Konstrukt produktiv zu nutzen, stattdessen sollte man vielleicht günstig die Mail-Angebote des Anbieters nutzen – oder eben doch Google Apps. Kostet nicht die Welt, ist einfacher zu konfigurieren und man hat keine Zwischeninstanz dazwischen, die Fehler verursachen kann.

Falls euch das hier Geschriebene nicht reicht:

Using Gmail With a Custom Domain

Forwarding mail to your Gmail account with Mailgun

Hacking Gmail to use custom domains for free


 

Anzeige: Der neue Karriereservice von Caschys Blog in Kooperation mit Instaffo. Lass dich von Unternehmen finden. Jetzt kostenfrei anmelden!

Über den Autor: caschy

Hallo, ich bin Carsten! Daddy von Max, Dortmunder im Norden, BVB-Getaufter, Gerne-Griller und Gründer dieses Blogs. Auch zu finden bei Twitter, Google+, Facebook, XING, Linkedin, Instagram und YouTube. Persönliches Blog. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

Carsten hat bereits 23565 Artikel geschrieben.