Fotograf zeigt, wie stark (und aufwändig) wirklich gute Fotos in nahezu absoluter Dunkelheit mit dem Smartphone aussehen und entstehen

26. April 2017 Kategorie: Android, geschrieben von: Benjamin Mamerow

Dass eine Smartphone-Kamera auch 2017 nicht an die Professionalität einer DSLR-Kamera heranreichen kann, muss man wohl kaum diskutieren. Doch die einzelnen Sensoren sind mittlerweile deutlich besser geworden als noch vor einigen Jahren und können für allerlei kunstvolle Aufnahmen verwendet werden. Der Hobby-Fotograf (und Google-Mitarbeiter) Florian Kainz hat jetzt aber in einem eigenen Blogbeitrag beschrieben, wie er es geschafft hat, selbst bei nahezu absoluter Dunkelheit noch wirklich vorzeigbare Aufnahmen der Landschaften um ihn herum hinzubekommen. Angefangen hat alles auf einem Hügel im Norden von San Francisco, als er mit seiner DSLR die Golden Gate Bridge inklusive dahinter schimmernden Stadtlichtern fotografierte.

Stolz auf sein Motiv, zeigte er das Foto unter anderem auch einigen Freunden, die für das Google Gcam Research Team arbeiten. Einer der Jungs forderte ihn daraufhin auf, doch einmal das selbe Motiv mit einer Smartphone-Kamera nachzustellen.

Kainz war sich bewusst, dass die wohl sinnigste Technologie hierfür derzeit auf den Namen HDR+ hört, eine Technologie wie sie in der Kamera-App vom Nexus 6P und dem Google Pixel Verwendung findet:

„HDR+ allows you to take photos at low-light levels by rapidly shooting a burst of up to ten short exposures and averaging them them into a single image, reducing blur due to camera shake while collecting enough total light to yield surprisingly good pictures. Of course there are limits to what HDR+ can do. Once it gets dark enough the camera just cannot gather enough light and challenging shots like nighttime landscapes are still beyond reach.“ Florian Kainz

Er befasste sich ausgiebig mit der Erstellung von Smartphone-Fotos bei enorm schlechten Lichtbedingungen. Dazu testete er unter anderem auch die App SeeInTheDark von Marc Levoy aus, die jener auf dem sogenannten ICCV 2015 Extreme Imaging Workshop vorgestellt hat. Mit ihr ist es möglich, unter Ausnutzung des reinen Mondlichts in sonst purer Dunkelheit Aufnahmen von Objekten zu machen, die zwar ein gewisses Rauschen aufweisen, jedoch sonst alles recht gut erkennen lassen. Was SeeInTheDark so kann, demonstriert folgendes Video:

Das finale Foto lässt durchaus sehr gut erkennen, was auf der Seite Papier geschrieben steht:

Florian Kainz kombinierte nun die Technologien von HDR+ und der App SeeInTheDark in einer eigenen kleinen Kamera-App, welche sich lediglich mit Einstellungen für ISO, Belichtungszeiten und Fokus-Entfernung begnügt. Dies sollte dafür sorgen, dass so wenig Bewegungsunschärfe wie irgend möglich und so viel Bildinformation wie man mit schwachem Licht einfangen kann in einem Foto festgehalten werden kann.

Die App wartet nach dem Drücken des Auslöseknopfs für einige Sekunden und nimmt dann ganze 64 Bilder mit den gesetzten Einstellungen auf. Die einzelnen Frames werden als *.DNG-File gesichert und können zur weiteren Bearbeitung an einen PC übertragen werden.

Im Folgenden wurde die App getestet. Dazu knippste er an diversen Orten jeweils 32 Frames mit unterschiedlichen ISO-Werten und Belichtungszeiten und anschließend mit abgedeckter Linse (undurchsichtiges Klebeband) noch einmal 32 dunkle Frames. Am heimischen Rechner wurden die Bilder anschließend via Photoshop von Körnung und Störungen bereinigt und übereinander gelegt. Ihr seht schon – das perfekte Foto kann nun einmal nicht simpel aus der Hüfte geschossen werden. Zumindest nicht unter den Bedingungen wie hier.

Die Ergebnisse hingegen sind gelinde gesagt der Knaller! Sicher, man muss schon mit Photoshop zu hantieren wissen, um an ähnliche Bilder zu kommen. Aber es ist stark zu sehen, was man selbst mit einer Smartphone-Kamera alles erstellen kann. Florian experimentierte immer wieder mit immer weniger Licht, bis er am Ende sogar das vermutlich einzige Smartphone-Foto mit einer derart geringen Menge an Lichtinformationen produziert hat:

Der Sternenhimmel fotografiert mit dem Google Pixel (Lichtinformationen kamen ausschließlich vom Licht der Sterne)

Am Ende zeigt uns der Hobby-Fotograf auch noch das finale Foto der Golden Gate Bridge, welches er mit dem Nexus 6P aufgenommen und anschließend nachbearbeitet hat:

Warum ich euch das alles zeige? Nun, zum einen bin ich enorm beeindruckt von dem Effort, den Florian Kainz hier an den Tag gelegt hat, um das „perfekte“ Foto zu erzeugen. Zum anderen jedoch gibt es sicher auch unter euch ein paar Personen, die hier vielleicht genau den Anreiz gefunden haben, um sich selbst mal wieder an ein paar professionellen Bilder mit dem Smartphone zu versuchen. Mehr Einblick in die Techniken von Florian findet ihr in der Quelle. Ein Album mit seinen besten Kreationen aus dem Projekt findet ihr hier. Und nein, hier soll nun keine Diskussion entstehen, wer die geileren Fotos knippsen kann – DSLR oder Smartphone. Manchmal ist es auch einfach mal schön zu sehen, was zumindest so alles möglich wäre…


Über den Autor: Benjamin Mamerow

Blogger, stolzer Ehemann und passionierter Dad aus dem Geestland. Quasi-Nachbar vom Caschy (ob er mag oder nicht ;D ), mit iOS und Android gleichermaßen glücklich und außerdem zu finden auf Twitter und Google+. PayPal-Kaffeespende an den Autor. Mail: benjamin@caschys.blog

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