Facebook Messenger: Standortprofil von anderen lässt sich ganz einfach auf den Meter genau erstellen

27. Mai 2015 Kategorie: Android, iOS, Social Network, geschrieben von: Sascha Ostermaier

Datenschutz und Facebook, zwei moderne Begriffe, die konträrer nicht sein könnten, auch wenn Facebook das gerne anders kommuniziert. Der Facebook Messenger ist ein viel genutztes Kommunikationstool, das es auch ermöglicht, den aktuellen Standort zu senden. Was viele aber nicht wissen: auch normale Nachrichten, die über die mobile Version des Messengers verschickt werden, enthalten Location-Tags, die Standard-Einstellung sorgt dafür. Liest man diese Daten aus, lassen sich sehr genaue Profile erstellen.

Messenger_orte

Wie genau? Sehr genau. Die Koordinaten werden so präzise angegeben, dass eine Genauigkeit von einem Meter erreicht werden kann. Nimmt man nun diese Daten und erstellt eine Karte aus den Ortsinformationen, erhält man eine sehr genaue Vorstellung, wo sich Chat-Partner aufhalten. Aran Khanna, der eine Chrome-Erweiterung zum Auslesen der Daten erstellt hat, konnte so nicht nur sehen, wo sich seine Freunde so bewegen, wo sie zu welchem Zeitpunkt sind, sondern konnte sogar den Raum bestimmen, in dem ein Freund in einem Wohnheim wohnt.

Man kann die Ortsinformationen nicht mitsenden, diese Möglichkeit bietet Facebook, allerdings eben nicht als Standard. Betrachtet man die Masse der Nutzer, kann man sich vorstellen, wie viele Menschen vielleicht auch völlig unwissend, ihre Orte mit einer Nachricht mitschicken. Während es vermutlich weniger schlimm ist, wenn man dies mit einzelnen Chatpartnern macht, immerhin kommuniziert man ja aus einem Grund mit diesen, gibt Khanna noch einen interessanten Ansatz.

So wäre es möglich, wenige Ortsinformationen von einzelnen über eine Person so zusammenzufassen, dass ein komplettes Aufenthaltsprofil entsteht. Ohne dass der Chatpartner dies mitbekommt. Zwei Nachrichten hier, da noch fünf und noch einmal ein paar weitere – und schon ist bekannt, wo man sich wann aufgehalten hat. Denkt man noch einen Schritt weiter, nämlich an das Abfangen der Nachrichten durch böse Buben (die gerne auch einer Regierungsinstitution angehören dürfen), liefert man so hochinteressante Informationen über sich selbst.

Man kann das Senden von Ortsinformationen unterbinden, sowohl unter iOS als auch unter Android. Innerhalb der Facebook Messenger App könnt Ihr schlicht auf das Location-Icon im Textfeld tippen, dann wird für diesen Moment kein Ort mitgesendet. Um das Senden komplett zu deaktivieren, könnt Ihr unter iOS in den Systemeinstellungen zu Werke schreiten und dem Messenger alle Rechte zu Ortungsdiensten entziehen (Allgemein – Datenschutz – Ortungsdienste). Unter Android könnt Ihr dies direkt in der Messenger-App erledigen.

Da sich viele sicher nicht einmal bewusst sind, dass sie bei jeder Nachricht ihre exakte Position mitsenden, macht Eure Chatpartner ruhig einmal darauf aufmerksam. Vielleicht mit einem schicken Ausdruck von Bewegungsprofilen. Facebook kann man hier kaum einen Vorwurf machen, immerhin wird man auf die Nutzung der Ortungsdienste bei der Installation hingewiesen und bestätigt diese. Dass Ortsinformationen auch mitgesendet werden, wenn man seinen Ort gar nicht bewusst teilen will, ist aber wieder eine andere Sache, immerhin könnte man vermuten, dass die Berechtigung für das Senden des Standorts (inklusive Kartenausschnitt) benötigt wird.

Mal sehen, ob Facebook hier etwas ändert und das Senden von Ortsinformationen künftig nicht mehr als Standard aktiviert. Auf der anderen Seite muss man auch bedenken, dass Facebook-Nutzer wohl nicht zu den Personen gehören, die sich groß um so etwas Gedanken machen, sonst wären sie wohl nicht bei Facebook aktiv.

Falls Ihr selbst die Ortsinformationen Eurer Chatpartner auslesen wollt, findet Ihr die Chrome-Erweiterung im Chrome Web Store.



Anzeige: Infos zu neuen Smartphones, Tablets und Wearables sowie zu aktuellen Testberichten, Angeboten und Aktionen im Huawei News Hub.

Über den Autor: Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

Sascha hat bereits 7734 Artikel geschrieben.