Facebook Messenger: Standortprofil von anderen lässt sich ganz einfach auf den Meter genau erstellen

Datenschutz und Facebook, zwei moderne Begriffe, die konträrer nicht sein könnten, auch wenn Facebook das gerne anders kommuniziert. Der Facebook Messenger ist ein viel genutztes Kommunikationstool, das es auch ermöglicht, den aktuellen Standort zu senden. Was viele aber nicht wissen: auch normale Nachrichten, die über die mobile Version des Messengers verschickt werden, enthalten Location-Tags, die Standard-Einstellung sorgt dafür. Liest man diese Daten aus, lassen sich sehr genaue Profile erstellen.

Messenger_orte

Wie genau? Sehr genau. Die Koordinaten werden so präzise angegeben, dass eine Genauigkeit von einem Meter erreicht werden kann. Nimmt man nun diese Daten und erstellt eine Karte aus den Ortsinformationen, erhält man eine sehr genaue Vorstellung, wo sich Chat-Partner aufhalten. Aran Khanna, der eine Chrome-Erweiterung zum Auslesen der Daten erstellt hat, konnte so nicht nur sehen, wo sich seine Freunde so bewegen, wo sie zu welchem Zeitpunkt sind, sondern konnte sogar den Raum bestimmen, in dem ein Freund in einem Wohnheim wohnt.

Man kann die Ortsinformationen nicht mitsenden, diese Möglichkeit bietet Facebook, allerdings eben nicht als Standard. Betrachtet man die Masse der Nutzer, kann man sich vorstellen, wie viele Menschen vielleicht auch völlig unwissend, ihre Orte mit einer Nachricht mitschicken. Während es vermutlich weniger schlimm ist, wenn man dies mit einzelnen Chatpartnern macht, immerhin kommuniziert man ja aus einem Grund mit diesen, gibt Khanna noch einen interessanten Ansatz.

So wäre es möglich, wenige Ortsinformationen von einzelnen über eine Person so zusammenzufassen, dass ein komplettes Aufenthaltsprofil entsteht. Ohne dass der Chatpartner dies mitbekommt. Zwei Nachrichten hier, da noch fünf und noch einmal ein paar weitere – und schon ist bekannt, wo man sich wann aufgehalten hat. Denkt man noch einen Schritt weiter, nämlich an das Abfangen der Nachrichten durch böse Buben (die gerne auch einer Regierungsinstitution angehören dürfen), liefert man so hochinteressante Informationen über sich selbst.

Man kann das Senden von Ortsinformationen unterbinden, sowohl unter iOS als auch unter Android. Innerhalb der Facebook Messenger App könnt Ihr schlicht auf das Location-Icon im Textfeld tippen, dann wird für diesen Moment kein Ort mitgesendet. Um das Senden komplett zu deaktivieren, könnt Ihr unter iOS in den Systemeinstellungen zu Werke schreiten und dem Messenger alle Rechte zu Ortungsdiensten entziehen (Allgemein – Datenschutz – Ortungsdienste). Unter Android könnt Ihr dies direkt in der Messenger-App erledigen.

Da sich viele sicher nicht einmal bewusst sind, dass sie bei jeder Nachricht ihre exakte Position mitsenden, macht Eure Chatpartner ruhig einmal darauf aufmerksam. Vielleicht mit einem schicken Ausdruck von Bewegungsprofilen. Facebook kann man hier kaum einen Vorwurf machen, immerhin wird man auf die Nutzung der Ortungsdienste bei der Installation hingewiesen und bestätigt diese. Dass Ortsinformationen auch mitgesendet werden, wenn man seinen Ort gar nicht bewusst teilen will, ist aber wieder eine andere Sache, immerhin könnte man vermuten, dass die Berechtigung für das Senden des Standorts (inklusive Kartenausschnitt) benötigt wird.

Mal sehen, ob Facebook hier etwas ändert und das Senden von Ortsinformationen künftig nicht mehr als Standard aktiviert. Auf der anderen Seite muss man auch bedenken, dass Facebook-Nutzer wohl nicht zu den Personen gehören, die sich groß um so etwas Gedanken machen, sonst wären sie wohl nicht bei Facebook aktiv.

Falls Ihr selbst die Ortsinformationen Eurer Chatpartner auslesen wollt, findet Ihr die Chrome-Erweiterung im Chrome Web Store.

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Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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17 Kommentare

  1. Ergebnis?
    Denen denen das nicht egal ist nutzen Facebook eh nicht, für den Rest sind das nur belastende Informationen in ihrer heilen einfachen, wenn möglich kostenlosen Welt!
    Das darin mit Daten bezahlt wird ist doch egal!

  2. Wer Facebook nutzt, ist selber schuld.

  3. @Andi: du beklagst den Wunsch der Menschen nach Vereinfachung und malst dir im gleichen Atemzug deine Welt gerade genauso simpel schwarz und weiß.

  4. Warum überhaupt GPS aktivieren?
    Gibt da keinen Grund.

    Nur kurz aktivieren, wenn man es mal braucht.
    Dann hat man die ganzen Probleme nicht.

  5. @Rainer:

    Um deinen Standort zu ermitteln reicht schon dass du dich in einer Funkzelle deines Providers eingeloggt hast oder dein WLAN aktiviert ist. GPS benötigt man schon lange nicht mehr.

  6. Ich mache Standortdienste höchstens mal für ‚Öffi‘ an und dann später wieder aus. Eigentlich zu 60-70 Prozent zuerst wg. dem Akku. Facebook nutze ich inzwischen nur noch am Desktop für Supportseiten diverser Firmen weil es so oft recht fix geht.

  7. @Checkit53

    Viel schlimmer – es gibt viele Geräte die müssen nicht mal (aus deiner Sichtweise) an sein. Was viele nicht wissen – wenn das Device Off ist dann ist es nicht ganz Off.
    Schon mal ein gebrauchtes Handy z.B. bei ebay erstanden. Ist witzig wenn das Teil eigentlich aus ist und du ständig an Termine erinnert wirst weil der Kalender voll ist damit …

  8. @Checkit53: Deswegen sendet Facebook die aber nicht gleich an all deine Freunde. Rainer hat schon Recht. Wenn man die Standort-Funktion global aktiviert, ist man selbst doof. Man kann Facebook finde ich nicht die Schuld geben, nur weil sie das Feature anbieten. Sicher, man sollte es per Default ausschalten, aber es ist nicht so, als würde Facebook das im Geheimen machen.

  9. Wenn mir jemand Standortdaten schickt, kann ich also seinen Standort sehen. Weltklasse Neuigkeit!

  10. Verstehe die Problematik nicht ganz.
    Das ist schon relativ lange implementiert und auch ohne groß in den Einstellungen suchen zu müssen, deaktivierbar. Wer also seinen Standort sendet, obwohl er das nicht möchte, ist meiner Ansicht nach selbst schuld. Heute weiß jeder, dass man sowas in den Einstellungen finden kann. Und lesen kann ein Nutzer des Facebookmessengers ja wohl.

  11. „… böse Buben (die gerne auch einer Regierungsinstitution angehören dürfen), liefert man so hochinteressante Informationen über sich selbst“
    Aha. Nicht das diese die Information direkt von den Netzanbietern bekommen, und dazu von jeder Funkzelle. Nein, das böse Facebook brauchen die Herren um zu wissen wo man sich befindet. Was würde die Regierung bloß ohne Facebook machen…
    Sorry, aber der Artikel ist für die Füß!

  12. @Bart: selbst für die Regierung dürfte es einen Unterschied machen, ob man erst einen Netzanbieter befragen muss oder wirklich jeder Dödel das mit einem Chromeplugin machen kann.

  13. Gut das ich den Messenger nicht mehr benutze…

  14. das ist aber auch nicht erst seit gestern so. das dürfte jetzt schon gute 2 jahre standardmäßig so sein, und wird von mir immer als erstes ausgeschalten, wenn ich den messenger auf einem device neu installiere

  15. Ein interessanter Post, das Problem war mir gar nicht bewußt. Ich nutze den Messenger aber auch nicht.

    Leider wird es nur wenig helfen, das Senden der Positionsdaten abzuschalten. Sicherlich, gegen einen „normalen“ Stalker oder neugierige, technikaffine Freunde reicht das. Gegen die „bösen Buben“, die sich auch in einer Regierung befinden, ist das aber nutzlos. Diese haben sicherlich auch die Möglichkeit den Standort des eingebuchten Handys über das Handynetz zu triangulieren und sonstige Backdoors oder technische Möglichkeiten, auf die wir gar nicht kommen. Gegen so einen übermächtigen Gegner kann man nicht anstinken, da hilft nur noch Akku raus…

  16. Unnötige Panikmache.

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