Dinge erledigen: TickTick angeschaut

14. Februar 2016 Kategorie: Internet, Software & Co, geschrieben von: caschy

ticktick logoIm Laufe der Jahre habe ich mir viele ToDo-Apps angeschaut. Die spielen alle in verschiedenen Ligen, denn es gibt Apps für Menschen, die es extrem diszipliniert, justierbar und genau wollen – und es gibt die Casual-Apps für den kleineren bis mittleren Anspruch. Diese unterscheiden sich dann auch in der Preisgestaltung, von günstig bis „teuer“ findet man so ziemlich alles – und einige bieten zum Glück ein Freemium-Modell an. Grundfunktionen sind kostenlos, wer mehr will, der zahlt entsprechend. Seit langem fest bei uns im Einsatz: Wunderlist.

Die Wahl fiel nicht schwer, bietet doch Wunderlist auch in der kostenlosen Ausgabe genug Spielraum – selbst für Teams. Wofür man zahlt? Für unbegrenztes Zuweisen von Aufgaben, Dateien jeder Größe, unbegrenzte Teilaufgaben und Hintergrundbilder. Ich sage mal so: Privat und selbst als kleines Blog-Team würden wir mit der kostenlosen Ausgabe von Wunderlist locker klarkommen. Dennoch sind wir Pro-Nutzer, schließlich gab es Wunderlist mal vergünstigt oder in Telekom-Aktionen – ansonsten werden 4,49 Euro im Monat fällig.

wunderlist pro

Aber: Wunderlist wurde von Microsoft gekauft. Wie auch der Sunrise Calendar – letzterer wurde eingestellt. Zwar hat man bislang nichts in die Richtung Wunderlist verlauten lassen, dennoch schaue ich schon gerne aus eigenem Interesse auch auf andere Plattformen. Hier gibt es diverse Anforderungen: ich mache keine riesigen Projekte, relativ einfache Aufgabenverwaltung reicht mir – quasi: Erstellen, Abhaken, Reminder, Fälligkeit, wiederholend, Dringlichkeit, Anhänge, viele Plattformen – und letzten Endes auch die Möglichkeit, mit anderen Nutzern zusammenzuarbeiten.

Hier fallen schon einige Lösungen raus, da manche Apps halt nicht auf allen Plattformen laufen. Neben Wunderlist haben wir hier auch schon Todoist getestet, machte bei wirklich jedem im Team zum Zeitpunkt unseres Testlaufs Probleme (Wunderlist besserte sich wieder) – und Trello, Asana und Basecamp ist nicht wirklich das, was wir suchen.

Prinzipiell ist es so: die Privatperson Carsten Knobloch hätte null Probleme, die passende App zu finden für die kleinen Belange – da würde mir wahrscheinlich was mobiles mit Web-Anbindung reichen – oder eben etwas, was ich auf einer meiner Plattformen nutzen kann – iOS, OS X und Android (seltenst Windows). Da gibt es viele Lösungen, auch kostenlos. Doch wie erwähnt: wer gerne ausprobiert und möglichst alles abdecken möchte, der hat es etwas schwerer.

Mein aktueller Blick fiel nun auf TickTick. Das habe ich aus privaten als auch aus beruflichem Interesse einmal ins Blickfeld genommen. Ich gehe hier in diesem Beitrag erst einmal nur auf die Sachen ein, die die kostenlose Version bietet – sollte irgendwann der Tag X kommen und wir auch als Blogteam von Wunderlist abkehren, dann lassen wir es euch hier wissen, wie sich die Teamfunktionen so schlagen.

ticktick preis

Fangen wir erstmal mit den Dingen an, die grundsätzlich sind. Was kann TickTick eigentlich in der kostenlosen Variante? Einiges, aber doch schon weniger als Wunderlist. Die Pro-Ausgabe von TickTick erlaubt das Abonnieren von Kalendern, eine Revisionsansicht bei Tasks und mehr Listen und Tasks. Die kostenlose Variante kann 19 Listen verwalten mit jeweils 99 Tasks und 10 Subtasks pro Task. Es ist kein Sharing mit mehr als einem Mitglied möglich, man kann nur einen Anhang pro Tag anhängen und pro Task sind zwei Reminder möglich. Stark einschneidend, doch wahrscheinlich für mich ausreichend, wenn ich mich als Privatperson sehen würde.

oberflaeche ticktick

Nun stehe ich also vor TickTick und kann einen Account einrichten. Das geht klassisch oder aber via Twitter-, Facebook- oder Google-Account. Manche mögen es klassisch, doch die Social Network-Unterstützung mit OAuth lässt zumindest bei mir schneller die Lust aufkommen, etwas zu testen. Kein Jonglieren mit Mails oder Passwörtern, das ist praktisch. Dann befindet man sich schon einmal im Backend. Menschen, die die deutsche Sprache bei so einem Dienst voraussetzen, können gleich wieder einpacken. Momentan spricht TickTick nicht deutsch, doch auch mit rudimentären Kenntnissen in der englischen Sprache findet man sich zurecht. Hier einmal ein paar Screenshots, die die reine Weboberfläche zeigen.

Ihr seht, dass man eine Aufgabe beschreiben kann. Ebenfalls kann man sie kommentieren.

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Das Datum kann variabel eingegeben werden, einmal über die etwas loseren Möglichkeiten wie „heute, morgen, nächste Woche oder nächster Monat“.

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Aber natürlich lassen sich auch richtige Daten setzen, logischerweise auch wiederholend und mit Reminder nebst Alarm.

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Die Aufgabenbeschreibung lässt sich nicht nur für Blabla nutzen, sondern auch für einen Subtask-Ansicht, die über eine entsprechende Schaltfläche aktiviert wird.

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Selbstverständlich kann man Aufgaben priorisieren (Hey, Wunderlist, mach mal was!), sodass man schnell sieht, was gemacht werden sollte – denn natürlich lassen sich Aufgaben auch nach deren Priorisierung filtern. Bei Wunderlist arbeite ich da gelegentlich notgedrungen mit Hashtags, sodass eine Aufgabe beginnend mit #1 dringlicher ist als #2 – und die Hashtags in Wunderlist sind ja anklickbar.

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Auch dabei: Die Möglichkeiten, eine Datei an eine Aufgabe zu hängen, das Duplizieren und ja, auch ausdrucken kann man Aufgaben.

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Aufgaben lassen sich in der Web-Ansicht schnell von einer in die andere Liste verschieben.

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Listen lassen sich in der linken Navigation anlegen und auch farblich markieren. Eine erstellte Liste lässt sich auch ausblenden. Wer dies macht, der sieht in der Liste enthaltene Aufgaben nicht in der Standardübersicht und in Smart-Listen, man wird aber dennoch an Inhalte erinnert. Wer TickTick nutzt, um sich daran erinnern zu lassen, dass der Müll raus muss, der kann das so praktisch machen. Man wird daran erinnert, hat aber nicht dauerhaft den unerledigten Task im Nacken.

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Dass man Listen nach Termin oder Priorität sortieren kann, erwähnte ich ja bereits.

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Dass eine ToDo-App auch eine Suchfunktion hat, ist klar. Hier schlägt eines der Pro-Features zu, es wird grundsätzlich in allen Listen gesucht, ein Filtern ist nicht mit der kostenlosen Grundversion machbar. Negativ: die Suche findet nicht Wortteile, sondern nur komplette Informationen. So wird ein Task namens „Borussia Dortmund“ mit der Suche nach „Borussi“ nicht gefunden und auch Teile aus Dortmund finden nichts – nur die explizite Suche nach Borussia oder Dortmund findet was – das ist schade und sollte verbessert werden.

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Interessantes Feature: man kann Tags in den Einstellungen aktivieren, Schlagwörter mit Hashtag in Aufgaben und Beschreibungen (nicht aber in Kommentaren) lassen sich so leicht über die Sidebar finden. Kommt in mehreren Listen irgendwo ein Schlagwort vor, so kann man es so einfach finden.

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So erst einmal gefallen die Grundfunktionen. Da tun sich halt viele ToDo-Apps nichts, aber TickTick macht da einen guten und übersichtlichen Eindruck, wenn man alt auch noch Dinge wie die Suche verbessern könnte – oder vielleicht einzelne Erinnerungen zu Subtasks hinzufügen könnte.

einstellungen

Der Blick in die Einstellungen ist schnell erledigt. Es gibt zwei Themes, die Sprach-Optionen und die Möglichkeit, einen Daily Alert per Mail kommen zu lassen. Dann kommt eine Mail, die an die heutigen Aufgaben erinnert, bzw. diese zusammenfasst. Smart Listen gibt es auch, das sind die System-eigenen, beispielsweise „Aufgaben der nächsten 7 Tage“ oder der Papierkorb. Lassen sich ein- oder ausblenden.

Kalender und Mail lassen sich ebenfalls verzahnen – entweder zeigt ihr Aufgaben aus TickTick in eurem Kalender an, oder ihr bindet euren Kalender an TickTick an (Pro). Wie auch bei Wunderlist möglich: das Senden von Mails als Aufgabe, hierfür gibt es einmal eine TickTick-eigene Mail-Adresse, alternativ langt eine Mail an todo@ticktick.com über die Absenderadresse, die für das TickTick-Konto genutzt wird.

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Aufgaben aus anderen ToDo-Apps kann man ebenfalls einspielen, so kann man beispielsweise von Wunderlist zu TickTick umziehen. Hierbei wurden Listen und Tasks auch übernommen, Anhänge und oftmals wichtige Kommentare allerdings nicht.

TickTick verfügt nicht nur über eine Desktop- und zwei Mobile-Apps, sondern auch über Apps für Wearables (Android Wear und Apple Watch). Vielleicht ganz nett zu wissen. Allerdings sollte man auch wissen, dass die Desktop-App momentan nur für den Mac erhältlich ist – und ein schnöder Wrapper ist, der das Netz in ein Fenster holt. Lahm, da kann man es gleich wie bei Windows machen, nämlich die Erweiterung für Chrome oder Firefox nutzen.

vergleich

Übrigens: auch die Web-Variante / die App können von euch manuell synchronisiert werden, alternativ hab ich beobachtet, dass nach 7 bis 8 Minuten die Inhalte von alleine synchronisiert werden. Also nicht wundern, wenn ihr bei zwei offenen Fenstern unterschiedliche Inhalte seht, springt ihr in eine Liste oder macht irgendwas, wird der Inhalt synchronisiert.

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Die mobilen Apps sind schick gelöst, selbst eine Spracheingabe von Aufgaben ist möglich. Hier findet man dann auch in Teilen eine deutsche Lokalisierung vor. Im Falle der Android-App gibt es nette Kleinigkeiten wie die Übersicht, was alles auf die App und die Tasks zugreift, ebenso fehlt ein Pattern Lock nicht, um die App separat noch einmal zu schützen. Erstellt man Aufgaben mobil, dann greift auch das Erstellen von Aufgaben auf Basis des Ortes. Erinnere mich an die Milch, wenn ich mein Haus verlasse – oder ich irgendwo ankomme. Schade: dies ist im Web einsehbar – erstellen kann man solche Aufgaben aber offensichtlich nicht in der Ansicht. Die oben kritisierte Suche funktioniert übrigens prima mobil, hier zeigen sich dann auch Wortausschnitte, man muss nicht komplett suchen.

Was bleibt am Ende? Wahrscheinlich würde ich als Privatperson auch mit TickTick in der kostenlosen Version klarkommen, wenn Microsoft irgendwann das Aus für Wunderlist verkündet. Obwohl ich Freund von Diensten im Web bin – wie bei Mail – ist es schade, dass es keine nativen TickTick-Apps mit Offline-Nutzung gibt. Schade ist ebenfalls, dass man Aufgaben mit Ortszuweisung nicht im Web erstellen oder einsehen kann – das wäre für die nützlich, die nicht nur die mobile App nutzen. Preislich hingegen lässt sich gegen TickTick nichts sagen, 1,50 Euro werden monatlich für die Pro-Variante fällig – oder einmal im Jahr 14,99 Euro. Das ist ein fairer Preis, wenn man eine App braucht, mit der man Dinge erledigen kann. Doch – und das ist der Stand heute – werde ich erst einmal schauen, was mit Wunderlist weiterhin passiert.



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Über den Autor: caschy

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