Der Hype-Train: Twitter könnte Timelines kuratieren, um neue Nutzer bei der Stange zu halten

2. September 2014 Kategorie: Social Network, geschrieben von:

Twitter testet, Nutzer flippen aus„, so war der Titel eines Beitrags von vor zwei Wochen. Die gleiche Überschrift könnte man heute auch wieder wählen, denn Twitter experimentiert weiter und mischt sich direkt in die Timelines der Nutzer ein. Über Algorithmen soll die Timeline besser gestaltet werden, sodass Menschen mehr für sie relevante Inhalte gezeigt werden. Hierzu muss man das Prinzip von Twitter erst einmal verstehen.

Twitter_logo

Aktuell ist es so, dass man sich die Leute aussucht, denen man dann folgt und die Tweets chronologisch angezeigt bekommt. So kann man Menschen folgen, die einen interessieren. Als „Bonus“ bekommt man die Tweets von anderen angezeigt, wenn diese von einem Gefolgten geretweetet werden. Die eingangs erwähnte Änderung zeigt auch Favoriten von Gefolgten an, verschmilzt also quasi Retweets mit Favs. An der chronologischen Anzeige ändert sich dadurch nichts. Insofern kann das Netzwerk nur so gut sein, wie man es sich selbst zusammenstellt. Und genau da liegt das Problem für Twitter.

Neue Nutzer, die für sich keine relevanten Menschen finden, die das Netzwerk mit Leben füllen, springen schnell wieder ab. Davon hat Twitter nichts und greift entsprechend ein, schließlich muss auch Twitter wachsen. Nun experimentiert Twitter erneut. Ein Algorithmus soll die Timeline der Nutzer verbessern. Praktisch relevante Tweets anzeigen, die aufgrund der Interaktionen in dem Netzwerk ermittelt werden. Den Nutzern die Notwendigkeit abnehmen, selbst ihre Timeline zusammenstellen zu müssen, was in der Regel nicht sofort bei Beitritt zum Netzwerk geschieht, sondern sich erst im Laufe der Nutzung ergibt.

Ohne Änderungen kann ein Netzwerk wie Twitter nicht wachsen. Dass nicht immer alle Änderungen von allen Nutzern gleichermaßen wahrgenommen werden, liegt in der Natur der Sache. Power-Nutzer sind oft die ersten, die laut aufschreien, wenn sich etwas ändert, logisch, kein Mensch mag Veränderungen. Für die Masse – und diese wird von der Minderheit allzu oft außer Acht gelassen – ergeben solche Änderungen aber durchaus Sinn. Und wenn da nun ein Algorithmus kommt, der mir fremde Tweets in die Timeline spült? Nun, dann finde ich mich damit ab oder nutze Twitter nicht mehr.

Wie wenig Änderungen tatsächlich schaden, obwohl diese einmal quer durch unsere Tech-Filter-Bubble getrieben werden, sieht man immer wieder an Facebook. Es gibt kaum Änderungen, die nicht den Unmut von lauten Nutzern mit sich bringen. Oder denkt einmal an WhatsApp. Man hört immer wieder, nein, nutze ich nicht mehr, bei der relevanten Masse kommt davon aber nichts an. WhatsApp ist kräftig am wachsen, Facebook auch weit davon entfernt, das nächste MySpace zu werden.

In diesem Sinne, vielleicht sollte man solche Änderungen, die sich zudem in einer experimentellen Phase befinden, nicht immer direkt verteufeln, sondern erst einmal abwarten, was daraus wird. Und wenn sie dann da sind, kann man immer noch entscheiden, ob man mit ihnen leben kann oder eben nicht.

Außerdem: ein Experiment heißt nicht, dass eine Funktion auch jemals final für alle verfügbar sein wird. Aber wenn der Twitter-führt-schreckliche-Änderungen-durch-Hype-Train erst einmal rollt, dann wird gemosert und auch nicht mehr richtig gelesen.


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Über den Autor:

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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