Ausprobiert: Windows 10 IoT Core Insider Preview auf dem Raspberry Pi 2 – Teil 1

2. Juni 2015 Kategorie: Hardware, Windows, geschrieben von:

Das „Internet der Dinge“ ist aktuell ja der Fachbegriff für alles, was man aus einzelnen Geräten, Sensoren, der Cloud und der Vorstellungskraft eines jeden Einzelnen kreieren kann. Microsoft greift hier im Rahmen der Build 2015, die ja schon ein paar Wochen auf dem Buckel hat und der englischen Terminologie „Internet of Things“ (IoT) in Verbindung mit dem anstehenden Windows 10-Release einmal mehr in das Geschehen ein.

Windows 10

Um die Ecke kommt parallel auch die neue Generation eines alten Bekannten – der Raspberry Pi 2 – der mittlerweile auch leistungsfähig genug ist, um die Windows 10 IoT Core zu unterstützen. Grund genug eigentlich, die beiden Plattformen im Rahmen dieses kleinen Workshops einmal bekanntzumachen und uns einmal anzuschauen, wie das IoT auf dem aktuellen Raspberry Pi 2 aussieht, was es ist – und was es schlussendlich nicht ist.

Um es vorwegzunehmen – am Ende dieses Artikels befindet sich kein vollwertiges Windows 10 auf Eurem Raspberry Pi 2, es gibt keine Maus und keinen Desktop, auf dem diese herumgeschubst werden kann. Wer also die bisherigen Linux-Distributionen für die Raspberries wie Raspbian etc. kennt, könnte von dem Ergebnis dieser Anleitung vielleicht ein wenig enttäuscht sein, aber der Ansatz ist hier einfach ein anderer (wenngleich der Installationsweg über ein Zweitsystem identisch ist), stellt Windows 10 IoT auf dem Raspberry 2 (Version 1 wird übrigens nicht unterstützt) eine Schnittstelle für Eure Ideen dar, die per PowerShell oder Visual Studio auf das Gerät gebannt werden: Leser, die die Core-Versionen der Windows Server nutzen, werden die spartanische Optik direkt erkennen. Was benötigen wir also, um startklar zu sein?

* Den Raspberry Pi 2

* Die Windows 10 Insider Preview ab Build 10069

* Eine 5V-Stromversorgung mit mindestens 1.0A Stromstärke – das Originalnetzteil des Pi zum Beispiel (bei mehr angeschlossenen USB-Geräten sollen es mehr als 2.0A sein)

* Eine Micro-SD-Karte mit mindestens 8 GB Speicherkapazität (diese reicht aber aus) sowie

* Eine Netzwerkverbindung und den Anschluss an eine HDMI-Ausgabequelle, um ein wenig zu sehen, was man da auf die Reise gebracht hat

Laut Microsoft sollte die Windows 10 Insider Preview, über die die Micro SD-Karte befüllt wird, nicht in einer virtuellen Umgebung laufen, sondern ein physisches System sein. Warum das so sein soll, erschließt sich mir an dieser Stelle nicht, ich kann aber versichern: Das Ganze klappt auch mit einem Windows 10 in einer virtuellen Maschine. Um loszulegen, benötigen wir natürlich eine Microsoft Live ID und einen Zugang zum Connect-Programm, welches die Softwarereleaseplattform von Microsoft darstellt. Seid Ihr für dieses Programm noch nicht registriert, könnt Ihr das an dieser Stelle bequem erledigen:

image1

Anschliessend könnt Ihr auf der Startseite des „Windows Embedded Pre-Release“-Programms im Bereich „Downloads“ das gewünschte Image für Euren Raspberry Pi 2 nach dem obligatorischen Abnicken des Endbenutzer-Lizenzvertrages und dem Beantworten von ein, zwei Umfragen herunterladen – die letzte, hier genutzte Build ist mit dem Datum 12. Mai 2015 versehen und bringt ein wenig mehr Bequemlichkeit als das Initialrelease mit sich – doch dazu später mehr.

Ist das alles geschehen und das Archiv „Windows_IoT_Core_RPI2_BUILD“.zip also heruntergeladen, können wir das Archiv schon einmal entpacken, unsere Micro SD-Karte ins System einlegen und die Eingabeaufforderung als Administrator starten – an dieser Stelle sollte man auch direkt in das Verzeichnis der zuvor entpackten Dateien wechseln! Nun nutzen wir das Tool „diskpart“ und darin den Befehl „list disk“, um die Laufwerksnummer unserer Micro SD-Karte im System zu bestimmen. Hat man diese herausgefunden (im vorliegenden Beispiel wäre das Disk 1), kann diskpart durch die Eingabe von „exit“ verlassen werden und es geht nun daran, das zuvor entpackte Windows 10 IoT-Core-Image auf die Micro SD-Karte zu verfrachten – das bekannte „dism“ führt uns auch hier zum Ziel.

image2

Mit dem Befehl

„dism.exe /Apply-Image /ImageFile:flash.ffu /ApplyDrive:\\.\PhysicalDriveN /SkipPlatformCheck“

schieben wir das Image nun auf die Karte, wobei „N“ natürlich der Platzhalter für die Laufwerksnummer der Micro SD-Karte in Eurem System ist – hier müsste es also

„dism.exe /Apply-Image /ImageFile:flash.ffu /ApplyDrive:\\.\PhysicalDrive1 /SkipPlatformCheck“

image3

heißen. Ist der Vorgang abgeschlossen, wird das Ganze mit einer Erfolgsmeldung quittiert und Ihr könnt die Karte über die Windows-Funktion „Hardware sicher entfernen und Medium auswerfen“ sauber de-mounten, um das just geschriebene Laufwerk und das System darauf nicht zu korrumpieren. Weiter geht’s nun erst einmal am Raspberry Pi 2.

Genau der möchte jetzt startklar gemacht werden, also rein mit der Micro SD-Karte, und ran mit dem Netzwerk- und HDMI-Kabel und – last but not least – der Stromquelle.

image4

Los geht’s – sobald der Strom dran ist, fährt der Raspberry Pi 2 hoch und ab jetzt ist ein wenig Geduld gefragt, denn auch wenn es den Anschein hat, das hier was hakt, kann es dauern, bis das Gerät einen automatischen Neustart fabriziert und – nach erneuter und gefühlt zu langer Ladezeit – die DefaultApp des Systems und damit einen rudimentären Übersichtsbildschirm anzeigt:

image6

Geschafft – damit wäre dieser Teil der Geschichte erledigt und wir können uns nach erfolgter Vorarbeit im weiteren Verlauf mit dem Ändern des Administratorkennwortes und der PowerShell-Dokumentation beschäftigen, um das Ganze überhaupt bedienen zu können, denn mit dem folgenden Screen sind die Eingriffsmöglichkeiten am Raspberry Pi 2 direkt erschöpft – und so soll es auch sein.

WindowsonDevices

Stop, halt – weiter oben haben wir im Rahmen der Verwaltungsoptionen über die „Bequemlichkeiten“  des Mai-Builds gesprochen – nutzen wir nun über den Browser unserer Wahl eine http-Verbindung zu der auf dem Bildschirm eingegeben IP-Adresse (hier: 192.168.15.40), so kommen wir auf das Webinterface der Windows 10 IoT Core Insider-Preview, über die wir einige interessante Sachen wie Systemauslastung, Performance, Netzwerkstatistiken oder Debuggingoptionen erreichen können. Auch Apps lassen sich hier ebenso löschen wie hochladen. Login Eurer Wahl sollte übrigens am Anfang „Administrator“ mit dem noch später zu ändernden Kennwort „p@ssw0rd“ sein.


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Über den Autor:

Digital Native, der trotzdem gerne das Mittelalter erlebt hätte und chronischer Device-Switcher. Multimediafreak. England-Fan. Freier Autor & Tech Blogger. Hobbyphilosoph. Musik-Enthusiast. Querdenker. Zyniker. Hoffnungsvoller Idealist. Gladbacher Borusse und hauptberuflicher IT-Consultant.

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