Angetestet: Amazon Fire TV Stick – viel Entertainment für kleines Geld

2. April 2015 Kategorie: Hardware, geschrieben von:

Am Mittwochabend lud Amazon offiziell zum Presse-Event in Hamburg ein, um einer Handvoll Journalisten und Bloggern den lang erwarteten kleinen Bruder des Amazon Fire TV zu präsentieren: den Fire TV Stick. Auf den ersten Blick unterscheidet sich der Fire TV Stick in den Funktionen nicht sonderlich von der Set-Top-Box. Die Offensichtlichste, die äußere Differenz liegt natürlich in der Größe und dem Preis. Während man aktuell für den Fire TV 99 Euro Euro auf den Tisch legt, ist der Preis für den Fire TV Stick mit 39 Euro wesentlich erschwinglicher. Wer bei den Vorbestellungen schnell genug war und bereits Amazon Mitglied ist, hat gerade mal 19 Euro gezahlt – Nicht-Prime Kunden sogar nur 7 Euro bei Abschluss einer neuen Prime-Mitgliedschaft. Wo also liegen dann die großen Unterschiede zwischen den beiden Streaming-Optionen? Unter der Haube.

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Im Fire TV steckt eine Menge gut durchdachter Technik. So ist hier beispielsweise Bluetooth 4.0 (HID, HFP 1.6, SPP), ein Dual-Antennen WLAN Modul, welches 802.11 a/b/g/n unterstützt, sowie ein Qualcomm Snapdragon 8062 SOC mit einem 1,7 GHz Quadcore Qualcomm Krait 300 Prozessor mit 2GB Arbeitsspeicher. Für die nötige Flüssigkeit der Oberfläche ist also definitiv gesorgt. Zudem befindet sich hinten beim Fire TV ein Ethernet-Anschluss für eine stabilere Internetverbindung, die natürlich im Fire TV Stick aufgrund der kompakten Bauart wegfällt. Und der Multimedia-Junkie findet natürlich gängige Medienkompatibilität zu Dolby Digital Plus, 5.1 Surround Sound oder Zweikanal-Stereoklang wieder.

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Der Fire TV Stick hingegen bietet eine kompaktere Form als simpler HDMI-Stick, was zur Folge hat, dass im Inneren ein wenig abgespeckt werden musste. So findet man hier keinen dedizierten SOC wieder, sondern lediglich einen 2xARM A9 Dualcore Broadcom Capri 28155 Prozessor, der von 1GB RAM flankiert wird. In Sachen Bluetooth setzt Amazon beim Fire TV Stick nur auf Bluetooth 3.0. Zwar unterstützen beide Streaming-Geräte Videomaterial bis zu 1080p bei bis zu 60fps, jedoch unterscheidet sich das Audioformat beim Fire TV Stick dahingehend, dass er Dolby Digital Plus zertifiziert ist und einen Audio pass through bis zu 7.1 unterstützt.

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Eine weitere Differenz besteht im mitgelieferten Zubehör, nämlich bei der Fernbedienung. Beim Amazon Fire TV erhält man eine längliche Fernbedienung dazu, die eine integrierte Spracherkennung besitzt. Man hält einfach die Mikrofontaste gedrückt im Hauptmenü der Fire TV-Oberfläche und spricht in das darüber liegende Mikrofon den gesuchten Film, Schauspieler, Regisseur oder Genre ein und der Fire TV listet sämtlichen Content auf, der mit dem Suchbegriff zu tun hat.

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Diese Taste fehlt auf der Fernbedienung des Fire TV-Sticks gänzlich, wodurch sie auch physisch kürzer ist. Dennoch fehlt die Funkionalität nicht, denn man kann sich für Android oder iOS eine dedizierte Fire TV-Fernbedienungs-App herunterladen, über die man die Sprachsuche dann am Smartphone nutzen kann. Zudem kann man die App auch als Fernbedienung nutzen und durch die Menüs navigieren.

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In Sachen Qualität ist die Fernbedienung des Fire TV ein wenig der des Fire TV-Sticks voraus. Die Oberfläche der Fernbedienung des Fire TV ist matt und fühlt sich leicht gummiert an. Bei der Fire TV-Stick Fernbedienung handelt es sich um glattes Plastik. Die Fernbedienung des Fire TV fühlt sich schlanker, dafür aber leicht höher an. Doch legt man beide direkt nebeneinander, so merkt man, dass dies nur eine optische Täuschung ist, denn beide Fernbedienungen sind in Höhe und Breite identisch.

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Zudem sind die Knöpfe bei der Fernbedienung des Fire TV Stick etwas starrer und schwerer zu drücken, als bei der des Fire TV. Doch das sind lediglich Äußerlichkeiten, die bei dem schmalen Preis wirklich keinen stören sollten. Auch wenn man keinen direkten Vergleich besitzt, kann man beim mitgelieferten Zubehör des Fire TV Stick nicht klagen. Ein Stromadapter mit zugehörigem Micro-USB-Kabel, besagte Fernbedienung, der Stick selbst und ein kurzer HDMI-Adapter zur Verlängerung des Sticks, wenn wenig Platz auf der Rückseite des Fernsehers ist, liegen in der Verpackung anbei.

Hat man den Stick an den TV angeschlossen, ist das Setup in wenigen Minuten vollzogen. Anmeldedaten für Amazon Prime einfügen, mit dem WLAN Verbinden (hier hat sich die Amazon Fire Fernbedienungs-App dank virtueller Tastatur als Segen erwiesen) und schon ist man fertig. Zur Bedienoberfläche muss man kein Wort an dieser Stelle verlieren, da sie der des Fire TV exakt gleicht. Wer bereits einen Fire TV besitzt wird hier jedoch erstmals den Unterschied zum Fire TV Stick bemerken, denn aufgrund der etwas schwächeren Hardware ist die Menüführung nicht ganz so flüssig wie beim Fire TV.

Hier sollte man mich nicht falsch verstehen, die Bedienung beim Fire TV Stick läuft natürlich reibungslos, zuverlässig und ausreichend flüssig. Nur die Animationen des Menüs scheinen im direkten Vergleich zum Fire TV eine leicht geringere Framerate aufzuweisen und dadurch hat man oft für den Bruchteil einer Sekunde ein Gefühl des Ruckelns. Doch alles in allem ist es – wie gesagt – weit entfernt von nervig oder katastrophal und schon mal gar nicht zu dem gesamten Preis-Leistungsverhältnis. Es ist daher lediglich eine Randnotiz, die man auch nur im direkten Vergleich mit dem Fire TV bemerkt.

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Fakt ist, für rund 60 Euro weniger erhält man mit dem Fire TV Stick eine vollwertige Streaming-Option, die sich als Kunde von Amazon Prime erst richtig bezahlt macht. Doch auch wenn man lediglich hier und da einen Film aus dem Katalog von Amazon Instant Video ausleihen will ist der Stick eine gute Wahl, denn man erhält dank Amazon App Shop Integration Zugriff auf zahlreiche Apps wie Netflix, diverse Mediatheken, Musik-Apps wie Spotify oder die Mediatheken von ARD und ZDF. Auch für die Kids und das Kind im Manne ist sicherlich bei der Auswahl an portierten Android-Games etwas dabei, die ohne Probleme spielbar sind. Ich habe mir zum Testen Badlands installiert und zur Steuerung die Fernbedienung des Fire TV Sticks genutzt und es lief absolut rucke- und verzögerungsfrei. Wer denn möchte, kann sich das separat erhältliche Gamepad zulegen, das für einige Spiele Pflicht ist und bei vielen anderen die Bedienung sicherlich erleichtert.

Vom ersten Eindruck des Fire TV Stick kann ich nur sagen, dass ich sehr angetan bin. Durch seine kleine Form ist der Stick perfekt transportabel und kann dank neuer Software-Features auch sehr gut mit fremden Hotspots umgehen, sodass der Stick ein klasse Reisebegleiter ist. Klar ist hier nicht die oberste Hardware-Klasse im Inneren verbaut, wie sie es vergleichsweise im Fire TV ist. Doch wer auf den Chromecast mangels On Screen-Menü verzichtet hat, wird mit dem Fire TV Stick sicherlich absolut glücklich werden – selbst für den jetzt regulär geltenden Preis von 39 Euro.

Der Amazon Fire TV Stick ist ab sofort vorbestellbar und wird ab dem 15. April ausgeliefert. Falls Ihr noch Fragen zum Stick habt, schreibt sie gerne in die Kommentare.


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