Verkehrsminister fordert Ende des „Durchwurstelns“ bei der Deutschen Bahn

Der deutsche Verkehrsminister Volker Wissing hat im Interview mit RND gefordert, dass das „Durchwursteln“ bei der Deutschen Bahn ein Ende habe. Vielmehr müsse das Unternehmen Probleme in Zukunft konsequent lösen. So müsse die Instandhaltung der Strecken verbessert werden, denn da sei bisher ein Baustellenchaos entstanden.

Seit der Privatisierung in den 1990er-Jahren hat die Bahn zudem viele Strecken stillgelegt – aus wirtschaftlichen Gründen. Jetzt stehe die Deutsche Bahn vor enormen Herausforderungen. Sie befördere so viele Fahrgäste und Güter wie nie zuvor, habe aber ihr Netz nie ausreichend modernisiert. Davon kann ich selbst ein Liedchen singen: Die Strecke zwischen Kiel und Hamburg gilt als notorisch problematisch, weil sie grundlegend saniert werden müsste. Ausfälle und Verspätungen sind da eher die Regel als die Ausnahme. Ein verlässliches Pendeln zwischen den beiden Städten ist meines Erachtens nicht möglich.

Verkehrsminister Volker Wissing erklärt, man habe nun eine Steuerungs­gruppe eingerichtet, um die Bahn bei ihrer Modernisierung zu begleiten. Zu lange sei versucht worden, unterm rollenden Rad zu modernisieren, was nichts gebracht habe. Jetzt sei der Zeitpunkt gekommen, um sich zu einem Hochleistungsnetz zu entwickeln. Dabei gebe es aber auch für die Politik viel zu klären, etwa wie man generell die Finanzierung des ÖPNV zwischen Bund und Ländern aufteile. Da brauche es Konkretisierungen, um in Zukunft Konflikte und Verzögerungen zu vermeiden. Daran arbeite man derzeit.

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23 Kommentare

  1. Das ist eher was für die nächste(n) Generation(en), so lange wie deren Sanierungen dauern wird das 20 Jahre und mehr dauern.
    Wenn die denn mal anfangen.

    Wenn ich hier an das Chaos bei uns vor der Tür denke. Betreiberwechsel (S-Bahn Hannover), statt 33 Minuten Fahrt jetzt über 40 Minuten. Und das auch nur laut Fahrplan, in der Realität noch mit Verzögerung.

  2. Dazu gehört auch endlich diese Leuchtturmprojekte wie Stuttgart 21 zu begraben. Sinnlos Milliarden verbuddeln mit fragwürdigem Nutzen.

    • Wenn man da mal bei Wikipedia liest, wie lange die an der Idee schon stricken…. das sind schon 50 Jahre!
      Wahnsinn.
      Wahnsinn auch was das kostet.

    • Genau, jetzt wo man zu 90% fertig ist das ganze abbrechen. Sehr clever

  3. Am besten ist Schleswig-Holstein. Da wurde damals die Strecke Ost-SH nach West-SH bzw umgekehrt einfach eingestellt. Pendler hatten alle die A-Karte. Was vorher 2 Stunden dauerte, wurden 6-8 Stunden, da man komplett bis nach Hamburg runterfahren muss, um von dort aus z. B. nach Husum zu kommen oder man nimmt einen Bus. Busse in SH sind aber so ne Sache, entweder kommen sie gar nicht oder sind so verspätet, dass es keinen Anschluss gibt.

  4. Jo, erst privatisieren, dann runterwirtschaften für Profite und zum Schluss, wenn nichts mehr geht, kommt der Steuerzahler wieder dafür auf.

    Die Bahn gehört wieder in öffentlich Hand, wie vieles andere auch, was in den letzten Jahren/Jahrzehnten vergoldet wurde. Entweder zahlen wir Bürger die Preistreiber von riesen Unternehmen, wie zb. beim Strom oder können als Steuerzahler marode Betriebe stützen, wie es jetzt bei der Bahn passieren wird. Vorteile haben wir dadurch so gut wie nie erhalten. Ausnahmen dabei sind Politiker und Firmenbesitzer/Anteilseigner. Für die war es immer lukrativ.

    • Die Bahn war privat?

      Ist der Bund nicht alleiniger Anteilseigner?

    • Die Deutsche Bahn ist zwar eine AG, befindet sich jedoch vollständig im Eigentum der Bundesrepublik Deutschland und ist somit nach wie vor „in öffentlicher Hand“, wie von Dir gefordert.

      • Aber als AG war sie „dazu gezwungen“ gewinnorientiert zu wirtschaften. Und genau das ist das Problem. Woher soll der Gewinn kommen, wenn man nicht an irgendwo spart???? Also war es ein hausgemachtes Problem durch dieses Konstrukt „AG“.

    • „Seit der Privatisierung in den 1990er-Jahren hat die Bahn zudem viele Strecken stillgelegt – aus wirtschaftlichen Gründen.“
      Dieser Satz im Artikel lässt vermuten die Bahn sei in den 1990er-Jahren privatisiert worden. Vielleicht findet sich ja ein Experte, der sich berufen fühlt dem gemeinen Volk zu vermitteln was damals mit der Bahn gemacht wurde?

      • https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnprivatisierung

        Ich bin alles andere als ein Experte, aber kurz gesagt: Die Bahn ist eine AG, die sich allerdings zu 100 Prozent in Besitz des Bundes befindet. Ein geplanter Börsengang in den 00er-Jahren wurde letztlich nie umgesetzt. Die Bahn agiert allerdings oftmals vergleichsweise privatwirtschaftlich. Sie konzentriert sich nicht nur auf ihre Kernaufgaben der Personenbeförderung in Deutschland, sondern kauft etwa im Ausland Logistikunternehmen auf oder beteiligt sich im Ausland an Ausschreibungen für den Personentransport, übernimmt also auch da Transportdienstleistungen. Viele Kritiker sagen, dass es nicht Aufgabe der Bahn ist ihre Gewinne durch Investitionen im Ausland zu mehren, die ja auch durch deutsche Ticketgelder finanziert werden. Sie sollte hauptsächlich günstig und gut Menschen in Deutschland von A nach B bringen. Die Bahn agiert aber stark gewinnorientiert.

        Dass Wissing jetzt etwas „fordert“ ist natürlich etwas albern, das er Verkehrsminister ist und der Bund eben 100 Prozent der Anteile hält. Er hat eigentlich nichts zu fordern, sondern selbst die macht Dinge zu verändern, wenn er das will.

        • na schaun ma mal. 82-98 + 09-21 in schwarzer Hand hinterließen Spuren.
          Im Zweifel bekommt Wissing aber vielleicht noch einen Posten ab wie Wissmann.
          Eine Win-Lose Situation die zur FDP passen würde

    • Hallo Ede, hundertprozentige Zustimmung – und bei so lebenswichtigen Dingen wie Alten- und Pflegeheimen , Krankenhäusern , einrichtungen der Behindertenhilfe und so weiter ist es meiner Meinung nach sogar unmoralisch daß der Staat sich hier aus seiner Verantwortung zurückgezogen hat und zum allergrößten teil diese Einrichtungen in Privathand gegeben hat. Da geht es um Leben und Lebensqualität für die schwächsten der Gesellschaft. Wenn man sieht wie private Pflegekonzerne mit den alten Menschen umgehen (und mit dem Personal übrigens auch) und das alles wegen der Gewinnmaximierung für Aktionäre aka Heuschrecken , dann gehören die PolitikerInnen die das zu verantworten hatten eigentlich in den Knast. Und diese Betriebe enteignet und wieder in öffentliche und/oder gemeinnützige Trägerschaft überführt. Gleiches für Betriebe die Grundbedürfnisse wie (preiswertes) Wohnen , ÖPNV und SPNV , Energieversorgung, Wasserversorgung und Telekommunikation bedienen. Dafür kann man meinetwegen Gefängnisse privatisieren, wenn es da den Insassen schlecht geht ist mir das recht.

    • Ich glaube da hast du am Anfang noch was vergessen: „Erst runterwirtschaften, dann, wenn alles im Grunde schon verkommen ist, „halb-privatisieren“, merken dass man den Karren dann schon im Dreck festsitzen hat und dann nach dem Staat rufen.

  5. Wasser predigen und Wein trinken. Mittel für den Güterverkehr auf der Schiene werden 2023 gekürzt.

    • Hallo Ich , solange das netz so begrenzt ist in seiner Beförderungskapazität bin ich als Bahnnutzer eigentlich froh um jeden Güterzug der nicht färht – da hoffe ich dann auf etwas mehr freie zeitcheiben für Personenzüge. Dafür dann gern mehr LKW – denn die Bahn liefert nicht bis in die Fußgängerzone da braucht es eh immer den LKW . so spart man sich das mehrfache Umladen und hat einen einheitlichen Verkehrsträger . Dafür dann gern LKW mit mehr als einem Anhänger wie es das im Ausland schon gibt . Das ist dann auch ökonomischer als immer einen Motorwagen und da nur eine Frachtkabine zu kutschieren.

  6. Vielleicht landen irgendwann Aliens und helfen der DB bei der Beseitigung der „Probleme“… Vorher wird da nicht viel passieren. Man muss sich nur einmal den Duisburger HBF angucken, der gefühlt nur mit Panzertape zusammenhält (kein Spaß) und dann weiß wie realistisch die Forderung einer politischen Sprechpuppe ist…

    Sorry aber solang wir das Geld weiterhin in alle Himmelsrichtungen der Welt hinausblasen, wirds nicht besser. Im Gegenteil, mit der aktuellen Politik werden wir noch lernen müssen, was Armut bedeutet. Kuschelkurs allein bringt halt nichts.

  7. Wissing fordert ernsthaft in einem Zeitungsinterview ein höheres Modernisierungstempo bei der Bahn ein und streicht selbst als für die Budgetierung verantwortlicher Verkehrsminister die vom Bund als alleinigem Eigentümer bereitgestellten Mittel für die Sanierung zusammen?

    Das ist nicht bloß frech, das ist hochgradig verlogen und zeigt, dass der FDP im aktuellen Umfragetief kein Mittel zu schade ist. Eine Misere zu kritisieren, die man selbst federführend noch verschärft… unfassbar billig!

  8. Wer braucht die FDP?

  9. Grüsse aus dem Ausland und Deutschland darf schon auch mal stolz sein über das, was aktuell läuft 🙂
    Konsequente Vorwärtsstrategie und mehr Zukunftsglaube wäre angebracht und die Weichen werden/wurden ja gestellt. Gleichzeitig wird der nachhaltige Umstieg auf den ÖPNV mit dem 49€-Ticket gefördert. Man darf schon auch ein wenig positiv sein – gerade im Vergleich zum Jahr 2000 oder 2010?!

    Wenn man sich die aktuellen Projekte im Bau (oder in Planung siehe Deutschlandtakt) anschaut inkl. dem Zielfahrplan 2030+ scheint der Zustand in absehbar 10-15 Jahren nach und nach besser werden. Sobald die Renovierungen der Schnellfahrstrecken und der viergleisige Ausbau von Karlsruhe-Basel (grösstenteils), Mannheim-Frankfurt, Stuttgart-Ulm, Fürth-Bamberg sowie der Ausbau/Elektrifizierung weiterer Bahnstrecken erfolgt (z.B. Berlin-Dresden, Dresden-Leipzig, Berlin-Stettin, Fehmarnbelt Richtung Dänemark etc.) ist, ist schon sehr viel geschafft.
    -> Zusätzlich wird die Digitalisierung voll einschlagen (ETCS, digitale Stellwerke).

    Stay positive! 🙂

    • Tja wenn die Digitalisierung mit ETCS voll eingeschlagen wird dann wär es nett. Wird dabei allerdings weiter auf Signale neben der Strecke gesetzt wird das Netz sogar schlechter bzw. die Kapazität niedriger.

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