Ubuntu Edge: zu wenig Nerds für einen Erfolg?

Das Ubuntu Edge Smartphone sorgte für einen ordentlichen Buzz, als es über die Crowdfunding Plattform Indiegogo angepriesen wurde. Zum Preis eines aktuellen Flaggschiff-Smartphones, sollte der Käufer bei erfolgreicher Finanzierung einen Computer im Hosentaschen-Format erhalten. Der feuchte Traum aller Geeks und Nerds, Dual-Boot mit Android und Ubuntu, 4 GB RAM, 128 GB Speicher, ein Design, das direkt aus einem Tech-Porno stammen könnte.

edge-1

[werbung] Aber es hat sich wohl ausgeträumt. 14 Tage bleiben dem Ubuntu Edge noch. Die zu finanzierende Restsumme beläuft sich auf knapp 23,5 Millionen Dollar. Das Ubuntu Edge konnte gerade einmal ein Drittel der benötigten Summe zusammensammeln. Das Ziel von 32 Millionen Dollar war hoch angesetzt, aber das musste es auch, sollte alles reibungslos laufen und es nicht zu großen Verzögerungen kommen.

Und irgendwie bestätigt das Scheitern des Ubuntu Edge, das was wir als Tech-Blogger und Ihr als Tech-Blog-Leser oftmals übersehen. Der Markt braucht keinen Tech-Porn. Wir sind eine Nische, die ständig nach dem besseren, schnelleren, und leistungsfähigerem Tech-Gadget lechzt. Der Markt braucht das nicht. Hier lässt sich auch wieder die Brücke zu einem Moto X schlagen. Massenmarkttaugliche Technik ist das, was von Käufern verlangt wird. Da hilft kein Saphirglas und da hilft auch kein Triple-Octa-Core-Prozessor.

Bitte nicht falsch verstehen, das Konzept des Ubuntu Edge ist großartig. Ein Device für alles. Unterwegs Smartphone, zu Hause Desktop-PC. Vielleicht kam das Ubuntu Edge auch zu früh? In ein paar Jahren werden wir nur noch mit solchen Multi-Use-Geräten herumlaufen. Die kommen dann eben von großen Herstellern, werden im Geschäft gekauft und sind das Normalste der Welt. Der Unterschied: Der Kunde hat dann keine Wahl mehr. Er muss nicht 800 Dollar in Vorkasse gehen, um irgendwann in ferner Zukunft vielleicht das für sich passende Gerät zu haben.

Das Projekt Ubuntu Edge zeigt den Tech-Fetischisten, dass sie in der Minderheit sind, ein viel geringerer Teil als man annimmt, wenn man sich in Tech-kreisen bewegt. Aber es zeigt auch, wo die Zukunft hingeht. 32 Millionen Dollar, um ein Produkt zu bauen, das in 2 – 3 Jahren Standard ist. Das ist nicht viel, wenn es von einem großen Hersteller kommt, auch wenn die Summe für ein Crowdfunding-Projekt immens erscheint.

Die Masse macht den Markt und wenn die Masse noch nicht genug auf etwas Neues vorbereitet ist, ist es zum Scheitern verurteilt.

Gefällt dir der Artikel? Dann teile ihn mit deinen Freunden.

Sascha Ostermaier

*Mitglied der Redaktion 2013 bis 2019* Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

Neueste Beiträge

Mit dem Absenden eines Kommentars stimmst du unserer Datenschutzerklärung und der Speicherung von dir angegebener, personenbezogener Daten zu.

35 Kommentare

  1. Guter Kommentar! Und: so wahr! Die Idee ist nett, aber noch nicht ausgereift.

  2. Sehr Schade. Ich habe mir eine halbe Stunde nach Bekanntgabe eins bestellt und ich bin immernoch von der Idee dieses Smartphones begeistert.
    Vielleicht fällt Canonical doch noch irgendein Marketing Gag ein, mit dem sie noch mehr Unternehmen herlocken. Ich wette irgendjemand lässt sich noch dafür begeistern.
    Schade dass Mark Shuttleworth nicht den Rest dazugibt, wenn es scheitert.
    Mit Sicherheit würde das Smartphone Ubuntu einen Gewissen Auftrieb verleihen.

    Ich wette Google wäre auch ein Kandidat für die Edges wenn sie nicht selbst ihre Geräte haben. Soweit ich weiß wird intern bei Google z.T auch Ubuntu eingesetzt.

  3. ich glaube auch viele Nerds hatten nicht wirklich Interesse daran.

  4. Sehr gut geschrieben und spiegelt meine Gedanken wieder als ich die Vorstellung gesehen habe. Wen würde es wundern, wenn Samsung / Google, Microsoft mit Nokia und Apple schon längst an solchen Geräten tüfteln? Wohl niemanden. Nur dass diesen Firmen die Benötigten Summen, um so etwas zu entwickeln, nicht mal bemerken, das ist für die als würden wir ein Eis kaufen gehen. Ich hätte zumindest nichts dagegen, wenn ich ein Windows Smartphone hätte, dass ich via Dockingstation an meinen Monitor anschließen könnte mit echter Tastatur und Maus und vollwertigen Windows 8 (oder wie das dann heißt)

  5. Ich finde nur weil jetzt ein Hersteller veraltete Hardware überteuert verkaufen will, kann man nicht gleich sagen der Markt will keine „besseren, schnelleren, und leistungsfähigerem Tech-Gadgets“. Wartet doch erstmal ab, es funktionieren wird und sich das Moto X so reißend verkauft. Meiner Meinung nach wird es das nicht.
    Grade die nicht Freaks werden wohl nicht sagen „gut die HW des Moto X reicht ja auch“, wer sich nicht so gut auskennt, kann das nicht beurteilen.
    Ein anderes Beispiel: Ich bin auch kein Autofreak, aber wenn man mir einen Golf mit 70PS und einen mit 150PS zum gleichen Preis hinstellt, nehm ich den mit 150PS. Auch wenn der mit 70PS vielleicht ausreicht und in der Stadt weniger verbraucht…
    Egal, es sollte hier ja eigentlich um Ubuntu Edge gehen. Schade, aber 32 Millionen ist für Crowdfunding schon ne ganze Ecke.

  6. Das Problem ist einfach, dass das Projekt im Mai 2014 fertig sein soll. Bis dahin sind Smartphones mit dieser Hardware von Samsung und co für gerade mal 500 USD zu haben. Meiner Meinung nach sind die Specs zu niedrig gesetzt, als dass sich so ein Projekt finanzieren ließe. Würde das Telefon schon in ein paar Monaten auf der Matte stehen, hätte ich eins für 800 USD finanziert.

  7. Abwarten!

    Heute wurde das erste Enterprise Bundle von Bloomberg gekauft. Möglicherweise hat das Signalwirkung.
    Außerdem geht gegen ende einer solchen Aktion die Kurve meist steil nach oben.
    Vielleicht (hoffentlich) zaubert Canonical noch ein Ass aus dem Ärmel.

    Klar sieht es momentan nicht rosig aus.
    Der Pessimismus, der verbreitet hilft jedenfalls nicht!

  8. PillePalle says:

    ich galub ich krieg nen… Spass beiseite. 8,5 mio innerhalb von 3 Wochen sind schon ne Hausnummer.

  9. Tja mich freut das wenn ich ehrlich bin. Denn Ubuntu schafft es ja bisher nicht mal vernünftig auf Notebooks zu laufen, ich kenne aus dem Bekanntenkreis viele Beispiele wo die Hardware nicht 100% unterstützt wird. Dann soviel Power in ein Smartphone-Projekt zu investieren halte ich für Unfug.

  10. @Torti_78
    „Ein anderes Beispiel: Ich bin auch kein Autofreak, aber wenn man mir einen Golf mit 70PS und einen mit 150PS zum gleichen Preis hinstellt, nehm ich den mit 150PS. Auch wenn der mit 70PS vielleicht ausreicht und in der Stadt weniger verbraucht…“

    Falsche Sichtweise. Warum kaufen sich Leute einen 70PS Golf wenn sie dafür auch einen 150PS Dacia Logan kriegen? Richtig, da sie prestige und co gegen Leistung rechnen, und manche sagen sich halt „mehr power*grunz grunz*“ und andere „ähm ne ich hätte gerne das schöne“

    Natürlich kann nicht hellsehen und sagen ob es aufgeht, aber das würde ich als Konzept hinter Moto X sehen.

    Wenn wir schon bei Autos sind: ich krieg bei Audi, Ford und Lada nen 100PS Kombi. Die Preise reichen irgendwo von 15.000-80.000€ und für jedes dieser Fahrzeuge findet sich nen Käufer. Warum sollte das nicht auch bei Smartphones funktionieren?

  11. @Matze.B Was meinst du mit vernünftig auf Notebooks laufen?
    Ich habe vor ein paar Wochen nochmal Ubuntu auf mein Notebook aufgespielt, es läuft fehlerfrei und extrem schnell, es für Normale Benutzung mit Windows 8.1 ebenbürtig.
    Es unterstützt viel mehr Hardware als Windows, wenn ich mein Smartphone über USB-Internet Verbindung an Windows anschließe passiert nichts, bei Ubuntu habe ich innerhalb von 3 Sekunden Internet.

    Ich habe vor ein paar Tagen Windows XP auf ein Netbook installieren müssen, weil unter Windows Vista/7/8 viele ältere Spiele nicht liefen. VMs, XP Mode usw gingen Mangels Treiber auch nicht.
    Bei XP musste man die ISO der CD nochmal modifizieren und einen SATA Treiber einfügen, sonst scheitert die Installation mit einem Bluescreen und 4 Verschiedene Methoden zum Booten vom USB Stick haben nicht geklappt, bei SARDU ging es dann zumindest.
    Mit Linux habe ich in der Richtung wesentlich weniger Probleme.

    Das EDGE wird perfekt mit Ubuntu und Android kompatibel sein und sicherlich auch guten Support für ROMs mitbringen. Ich kann mir sogar vorstellen, dass man ein echtes Windows 8.1 darauf installieren kann, zumindest wenn dann, so hoffe ich der Smartphone Ableger von Bay Trail eingesetzt wird.

    Dass Hardware bei Ubuntu manchmal nicht ganz unterstützt wird ist verständlich, aber ich kann im Vergleich sagen, dass die Hardwareunterstützung von Windows im Vergleich zu Linux extrem mikrig ist.

  12. @Matze.B
    Kann ich nicht nachvollziehen. In den letzten Versionen hatte ich auf keinem meiner (älteren oder neueren) Geräte Probleme, Ubuntu zum Laufen zu kriegen und das ganz ohne Eingriffe auf der Programmierebene. Soundkarten, WLan, externer Monitor, alles problemlos. Allerdings ist bei diversen Linux-Derivaten der Akkuverbrauch meiner Erfahrung nach oft deutlich höher als bei Windows, muss man leider sagen.

  13. Edge rocks

  14. Ich finds schade mit dem Ubuntu Edge, finde es sehr interessant, aber noch ist ja nicht aller Tage Abend und das Crwodfunding ist noch nicht zu Ende.

    An dem Artikel ist denke ich trotzdem auch viel Wahres dran. Ich selbst finde das Moto X äusserst Cool und würde es mir auch in Deutschland wünschen, ich denke das ist genau der richtige Ansatz, denn für mich ist die Funktionalität, das Aussehen und die Verarbeitungsqualität 100 mal wichtiger als die puren Leistungsdaten (und die einmalige Möglichkeit der Personalisierung wäre mir sogar den Aufpreis Wert). Ein Galaxy S4 macht mich zum Beispiel überhaupt nicht an weil es hässlich und billig verarbeitet ist und Samsung nicht wirklich klar machen kann wozu man jetzt die ganze Leistung überhaupt benötigt. Die „Zusatzfunktionen“ die Samsung dazu packt sind pure Spielerei ohne jeglichen Mehrwert.

    Ich selbst bin übrigens mit Erscheinen des Iphone 5 erstmals von Android zu iOS umgestiegen und nach wie vor begeistert, gerade weil alles an iOS irgendwie Sinn macht, alles ohne Probleme sofort funktioniert ohne das man sich im Internet einlesen muss zu bestimmten Funktionen und (durch das fehlende „echte“ Multitasking“) das Handy auch nach Wochen ohne Reboot und ohne das man Anwendungen schließt immer noch schnell läuft. (und mal ehrlich, wer braucht schon wirklich die Möglichkeit sich z.B. eine andere SMS App oder eine andere Telefon App zu installieren wenn die vorinstallierte ohnehin funktioniert)

    Ich denke aber wenn der Android Smartphone Markt etwas mehr in die Richtung von Motorola (nach Apple Vorbild) geht könnte das durchaus sehr interessant werden, die Möglichkeiten sind auf jeden Fall da, gerade auch weil „Android“ nicht so stur und festgefahren ist wie es bei Apple manchmal der Fall ist.

  15. ich würde eher behaupten das ubuntu selbst bei vielen „Nerds“ nicht grade beliebt ist

  16. Ubuntu ist und bleibt ein Nischenprodukt; und gerade diese Kunden wollen keine 800,- für ein Smartphone ausgeben. Nicht die Meinung eines Einzelnen sondern Schwarz auf Weiß durch das wahrscheinliche Scheitern der Aktion…

  17. @M @LinHead

    Es geht u.a. um diverse Stromsparfunktionen. Windows unterstützt diese alle und sie funktionieren auch problemlos. Ubuntu hingegen kennt diese teilweise nicht und saugt z.B. den Akku in der Hälfte der Zeit leer. Das Notebook wird dabei kochend heiß, da die Lüftersteuerung nacht Lust und Laune funktioniert. Die CPU wird nicht runtergetaktet und läuft ständig auf Anschlag. Helligkeitssteuerung des Displays funktioniert nicht. Systeme mit umschaltbarer Grafik werden nicht unterstützt. (Onboardgrafik + zusätzliche Grafikeinheit/karte) Es läuft immer die zusätzliche Grafik, auch das tut dem Akku nicht besonders gut ..

  18. O si tacuisses, philosophus mansisses! says:

    Linux ist und wird es auch leider bleiben ein Nischenprodukt mit einem Marktanteil von unter 5%. Und Ubuntu ist nun mal mit der größte Schmarn den Linux hervorgebracht hat.
    Hardware Kompa von Ubuntu ist besser als die von Windows? Netter Witz. Habe in den letzten 2 Jahren versucht gut 120 Notebooks und Desktops mit einem Linux zu versehen. Auf weniger als 10% konnte Ubuntu problemlos installiert werden. Mit Debian laufen jetzt fast 85%. Der Rest ist nicht mit Linux kompatibel, zumindest nicht ohne einen großen Aufwand, den die Nutzer nicht mitmachen wollen.
    Und sowas da auf einem Smartphone für 800$, dessen hauptargument die Nutzung als DESKTOPSYSTEM???? sein soll, ist einfach Krank.
    But just MY 2 Cents

  19. Wieso sollte die Nutzung als Desktopsystem „krank“ sein? Ist doch absoluter Blödsinn! Canonical wird ja wohl keine inkompatible Hardware verbauen.

    Ich habe übrigens Ubuntu bisher auf 8 Desktop/Notebooks installiert. Alle liefen. Lediglich mit der Grafikkarte gab es gelegentlich Anlaufprobleme.
    Kann es sein, daß es bei dir 120 Notebooks vom Typ Lenovo S205 waren?

    Anderes Beispiel. Ich versuchte vor kurzem ein Sony Laptop von Vista auf XP downzugraden. Absolute Katastrophe! Die meisten Treiber, die man sich oftmals zusammensuchen muß (!), standen überhaupt nicht zur Verfügung…

  20. Übrigens wurde der Preis soeben gesenkt – permanent!
    695$

    Auf!

Bevor du deinen Kommentar abschickst:
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen. Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte - gerne auch mit Humor.

Du willst nichts verpassen?
Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den Hauptfeed abonnieren. Alternativ könnt ihr euch via E-Mail über alle neuen Beiträge hier im Blog informieren lassen. Einfach eure E-Mail-Adresse hier eingeben, dann bekommt ihr 1x täglich morgens eine Zusammenstellung. Mit dem Absenden willigst du unserer Datenschutzerklärung und der Speicherung von dir angegebener, personenbezogener Daten zu.