Testbericht: Mit dem E-Bike ADO A20F XE unterwegs

Nachdem ich neulich schon ein E-Bike von ADO unter die Lupe nehmen konnte, bin ich in den letzten Wochen mit dem Modell A20F XE unterwegs gewesen. Grundsätzlich hätte ich fast auf meinen Test des ADO A20F+ verweisen können, denn auf den ersten Blick sind beide Geräte fast identisch. Beim ADO A20F XE handelt es sich um ein Pedelec, das in Deutschland zugelassen ist. Früher sah das bei E-Bikes von ADO und vielen anderen Herstellern ja noch anders aus. Mittlerweile erfüllt man auch hier alle Regularien.

Bedeutet für den Fahrer hierzulande: Es wird keine Versicherung fällig, man benötigt auch keinen Führerschein – und man darf es eben auf den Straßen fahren. Das Rad fährt dabei nicht allein, sondern bietet eine Unterstützung des Tretens über einen Elektromotor an.

Das sind die technischen Daten des ADO A20F XE:

250-Watt-Motor (Hinterradnabenmotor, Unterstützung bis 25 km pro Stunde), Akku mit 36 Volt / 10,4 Ah (herausnehmbare Lithium-Batterie), Shimano 7-Gang-Getriebe. Der Blick auf das Datenblatt verrät: Es handelt sich um ein faltbares Elektrofahrrad, aber um ein wirklich schweres. 30 Kilo bringt das Modell auf die Waage. Falten wird man da sicherlich nur, um das Rad etwas platzsparender transportieren oder verstauen zu können. Grund für das hohe Gewicht sind sicherlich die fetten Reifen. Denn wie ihr auf den Fotos sicherlich schon richtig erkannt habt, handelt es sich um ein Rad mit sogenannten „Fat Tires“, 20 x 4 Zoll sind aufgezogen.

Das Rad kommt vormontiert in einer großen Kiste daher, da muss man nur Pedale anbauen und ein paar Dinge zusammenstecken. Easy gemacht, wobei auf meinen Bildern noch der Gepäckträger fehlt, da ich diesen bisher nicht anbaute. Bei diesem Modell sind Schutzbleche dabei, das ist beim A20F+ nicht der Fall. Beim ADO A20F XE hat man also nachgearbeitet.

Nachgearbeitet hat man auch bei der Klingel, die ist kein elektrisches Horn mehr, sondern eine Standardklingel. Beim A20F XE setzt man auch auf verbesserte mechanische Scheibenbremsen (beidseitig) und man hat den Lenker etwas angepasst, der kommt nun auf 58 cm. Die Bremsen sollte man bei Bedarf nachjustieren. Meine waren voreingestellt etwas zu lose.

Zu guter Letzt hat man sich die E-Mark-Zertifizierung für die Reflektoren geholt und auch das Vorder- und Rücklicht hat man mit Reflektoren und der Zertifizierung ausgestattet. Plot Twist: Eigentlich muss man noch einen zweiten ins Rad hängen, verbaut ist jeweils nur einer.

Das E-Bike ADO A20F XE unterstützt seinen Besitzer durch seinen nicht fest verbauten Akku auf Strecken von 70 bis 80 Kilometern. Eine unterstützte Geschwindigkeit von bis zu 25 km/h ist drin. Ich sagte es aber schon einige Male in Testberichten zu E-Fahrrädern: Die 70+ Kilometer sind aber schöngerechnet und wohl nur für wenige Menschen realistisch. Du wiegst 70 Kilo, hast null Gegenwind und die absolut ebene Strecke? DANN könnte das hinkommen. Wiegst du allerdings, so wie ich, um 95 Kilo und fährst auch bei Gegenwind beschwerliche Strecken, dann ist weniger unterstütztes Fahren drin. Rechnet mal gut und gerne im Schnitt mindestens 30 % ab.

Kleine Merkhilfe zum Thema:

  • Gewicht: Das Gesamtgewicht des Fahrrads, des Fahrers und der Ladung beeinflusst die Reichweite.
  • Schaltverhalten: Aktives Schalten vergrößert die Reichweite. Genau wie beim Auto sollten Fahrer zum Anfahren den kleinsten Gang wählen. Fahrt nie mit dem schwersten Gang an, das geht auf Kosten der Reichweite.
  • Sensortyp: E-Bikes sind mit einem Tretkraftsensor oder Rotationssensor ausgestattet. Ein Tretkraftsensor vergrößert eure eigene Kraft, während ein Rotationssensor nur dann Unterstützung bietet, wenn getreten wird. Mit anderen Worten: Bei einem Rotationssensor bekommt der Fahrer immer maximale Unterstützung, was die Reichweite verringert.
  • Straßenbelag: Auch der Untergrund, auf dem ihr fahrt, hat großen Einfluss auf die Reichweite. So reduziert sich beim Fahren auf unbefestigten Wegen die Reichweite.
  • Wind und Wetter: Rückenwind oder Gegenwind sorgt für eine größere oder kleinere Reichweite. Auch die Temperatur wirkt sich aus. So kann der Akku bei extrem niedrigen Temperaturen (unter 0 °C) weniger Energie speichern, sodass Fahrer weniger Kilometer hinter sich bringen.
  • Hügelige Landschaft: Auf flacher Strecke kommen Fahrer weiter als in hügeligem Gelände. Wie stark sich dies auswirkt, hängt auch vom elektrischen System ab. So eignet sich ein Mittelmotor wegen seiner besseren thermischen Stabilität eher für hügeliges Gelände.
  • Reifendruck

Natürlich müsst ihr mit einem solchen Bike nicht unterstützt fahren! Ihr hab drei Schaltstufen, müsst aber keine davon wählen. Ich selbst fand die erste Stufe immer ganz angenehm, wenn ich flott über den siebten Gang unterwegs war. Aber das müsst ihr für euch herausfinden, wenn ihr mit so einem Rad fahrt. Den Sattel fand ich ganz passend, auch auf etwas längeren Touren. Angenehm empfand ich die Stoßdämpfer an der vorderen Gabel und am Sattelrohr. Mein klassisches Rad ist weniger gut gedämpft unterwegs, da sind manche Strecken bei uns in der Ecke schon tricky und nervig.

Schade, dass ADO mittlerweile so eine unübersichtliche Ansammlung dieser Rad-Typen hat, die Homepage macht es da auch nicht besser, wenn man oben davon spricht, dass das Rad bis zu 70 Kilometer unterstützt, während es weiter unten gar 80 Kilometer sind. Letzten Endes ist es so, dass der Akku immer unterstütztes Fahren angibt, aber vermutlich werdet ihr kaum 50+ Kilometer am Stück fahren und den Akku die ganze Arbeit machen lassen.

Über die Optik kann man natürlich streiten, das Rad wirkt schon recht kantig – aber das ist in der Serie ja nichts Neues. Auf Touren machte das ADO A20F XE eine gute Figur, es ist in meinen Augen aber nicht das typische City-Bike für Menschen wie mich. Der Spaß-Faktor ist aber durchaus hoch, auch in der City. Wie auch beim Vorgänger gilt: Man sollte anfangs ein Gefühl dafür bekommen, wie viel das E-Bike unterstützt. Anfahren in Kurven oder hinter anderen Verkehrsteilnehmern sollte mit Sorgfalt geschehen, da das Rad mit seiner Unterstützung schon „abgehen“ kann.

Das Aufladen? Nach 6 Stunden ist der Akku – den kann man im Rad laden oder allein – voll. War er aber bei mir teilweise auch schon nach rund 5 Stunden. Um unterstützt zu fahren oder um den Akku aus dem Mittelrohr zu entnehmen, muss ein Schlüssel eingesteckt und in Position gebracht werden. Da klaut euch also keiner so flott den Akku.

Der Bordcomputer ist ein klassisches Modell, welches oft verbaut wird. Bei mir ist es der S866 LCD Instruments V1.0. Der ist eigentlich schnell „erlernbar“, allerdings gibt’s nicht ganz so viele Infos. Nervig finde ich bei diesem Modell, dass der Ladezustand des Akkus lediglich in 5 Balken angegeben ist. Klar, eine Prozentzahl sagt nichts aus, da so ein Rad ja nicht weiß, ob ich gleich in der höchsten Unterstützungsstufe fahre, aber etwas genauer hätte ich mir das gewünscht.

Des Weiteren zeigt der Akkustand nicht den reellen an, das Ganze schwankt nach Unterstützungsstufe. Fährt man viel in der höchsten, dann wird ein niedriger Stand visualisiert – in der niedrigsten wurde mir mehr Akku angezeigt. Klar, nette Art der Voraussage, ich mag es da aber lieber in klassischen Zahlen und hätte es mir lieber prozentual gewünscht. Ansonsten: Ihr seht die gesamten Kilometer des Rades, der Tour und den Volt-Zustand des Akkus, die Geschwindigkeit und die Unterstützungsstufe.

Das Rad eignet sich auch für Fahrer, die größer als ich (1,75 m) sind. ADO nennt gar bis zu 1,90 m Größe. Die Lenkstange lässt sich bis auf rund 1,30 m ausfahren, der Sattel bis rund 1,20 m. Das maximale Gewicht darf bis 120 Kilo betragen. Das ADO A20F XE ist also auch für People of Kilo geeignet. Weil in einem meiner letzten Tests gefragt wurde: Die 120 Kilo sind tatsächlich die Zuladung eurer Person, die Gesamtnutzlast beträgt 150 Kilo – 30 davon wiegt das Rad selbst. Müsst ihr natürlich schauen: Wer 120 Kilo wiegt, der sollte vielleicht nicht noch einen 20-Kilo-Rucksack mit sich führen.

Was bleibt am Ende? Das Rad kostet 1.469 Euro, weil man hier ein paar hochwertigere Komponenten als beim A20 F+ verbaut. Letzteres kostet 400 (!) Euro weniger und ich sage mal so, dass aus meiner Sicht da nicht wirklich so viel in Verbesserungen gesteckt wurde. Da sollte man schauen, ob man auf die fetten Reifen verzichten kann und zu einem anderen Modell mit ähnlichen Leistungseckdaten (z. B. auch ADO A20 XE) greifen kann.

Unterm Strich bleibt aber: Das Rad ist relativ „bullig“, aber gut verarbeitet. Klappen und in die Bahn tragen möchte ich es eigentlich aber nur ungern. Verbesserungswünsche bei Rädern dieser Art? Manche bieten mehr Gänge oder auch mehr Unterstützungsstufen. Mir selbst hat aber tatsächlich auf meinen Touren das Gebotene gereicht.

Abschließend – und das erwähne ich jedes Mal: Was sagt der örtliche Radladen, wenn mal was ist? Könnt ihr selbst mal Hand anlegen oder kennt jemanden, der an Fahrrädern bastelt? Wichtige Sache. ADO hat schon größere Erfahrung bei E-Bikes, mittlerweile hat man auch Support und Service in Bruchsal angesiedelt. Das hilft euch aber nichts, wenn ihr mal „eben“ eine Kleinigkeit reparieren lassen müsst. Ich habe in meinem näheren Umfeld zwei Radläden und bei denen mal angeklingelt. Nichts machen die. Die packen Fremdräder nicht einmal an. Das ist nicht nur bei E-Bikes so, sondern auch bei E-Scootern. Mittlerweile gibt’s auch bei uns in der Ecke einen kleinen Laden, der Räder und Scooter aller Arten unter die Lupe nimmt.

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Hallo, ich bin Carsten! Ich bin gelernter IT-Systemelektroniker und habe das Blog 2005 gegründet. Seit 2008 ist es Beruf(ung). Baujahr 1977, Dortmunder im Norden, BVB-Fan und Vater eines Sohnes. Auch zu finden bei Twitter, Facebook, Instagram und YouTube. PayPal-Kaffeespende. Mail: carsten@caschys.blog

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5 Kommentare

  1. Meine 3 örtlichen Fahrradhändler rollen immer mit den Augen, wenn die Kunden mit den vermeintlichen Online und China Schnäppchen ankomme und etwas zu reparieren haben.

    Meist gibt es keine oder nur schwer Ersatzteile oder die Fahrräder sind Schrott, da Lager schon nach kurzer Zeit defekt oder Akkus nicht mehr funktionieren..

    Im übrigen können sich die Journalisten und Blogger mit dem Skandal auseinander setzen, dass trotz Sanktionen 80 Prozent der Rahmen deutscher Fahrräder aus Myanmar (Burma) und Kambodscha kommen. 2 Länder mit Militärdiktaturen die weltweiten und europäischen Sanktionen unterliegen.

    • Auf dem Papier kommen sie da her aber in wirklichkeit sind alle aus China und werden nur über Südostasien verschickt. Der Händler muss sie nur endmontieren. Damit werden legal Strafzölle umgangen un der Händler darf legal „Made in Germany“ drauf schreiben.

  2. Das Thema mit dem Fahrradladen und der verweigerten Reparatur -in dem Fall eines Fischer Fahrrades (2020), kann ich bestätigen. Begründung: „Die Rahmen brechen“ das dies natürlich absolut Schwachsinn ist war mir klar. Scheinbar können sich die Händler und ihre Kundschaft (noch) aussuchen. In Zeit einer Rezenssion bin ich gespannt ob sich das ändern wird.

    • Fahrradhändler haben einfach gerne zufriedene Kunden, mit solch billigen Komponenten kann das einfach nicht sichergestellt werden! Teilweise sind die Teile so schlecht verarbeitet und die Toleranzen so gross das man sie weder richtig justieren kann noch eine Garantie abgeben kann das es auch so funktioniert wie es soll. Im Moment ist es auch noch so das man selbst seine eigenen Kunden nur mit wochenlanger Wartezeit bedienen kann weil es kaum Personal gibt. Das finanzielle Thema wollen wir mal garnicht anfangen, wer so ein Rad kauft, gibt meistens auch nicht gern viel Geld aus für eine fachmännische Reparatur.

  3. Ganz ehrlich, beim Smartphone muss es immer Apple, Samsung oder Google sein, aber sein Leben soll man dieser China Bastelei anvertrauen? War grade mal auf der Homepage, das wichtigste scheint die vierfach Lackierung zu sein. Aber kein Wort über die verbauten Komponenten. Welche Scheibenbremse, mechanisch oder hydraulisch, bekomme ich dafür Ersatzteile? Welche Shimano Schaltung? Aber Nein, stattdessen wird auf der Website nur auf die Wichtigkeit der vierfachen Lackierung hingewiesen. Ein Tipp für alle die sich so ein Fahrrad kaufen, gebt wenigsten genug Geld für einen guten Helm aus.

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