Studie zu E-Scooter-Unfällen: Gründe sind vor allem Alkoholfahrten, Folgen überwiegend Kopfverletzungen

Wir berichteten bereits zum Jahresbeginn von knapp 1600 E-Scooter-Unfällen im vergangenen Jahr innerhalb Deutschlands. Kein Wunder, denn im Vorjahr starteten einige E-Scooter-Verleih-Anbieter hierzulande durch und der Scooter-Trend nahm an Fahrt auf. In einer Studie des Universitätsklinikums Hamburg hat man nun einen detaillierten Blick auf Unfallmechanismen und Verletzungen geworfen. Vergleichend zog man in der Studie außerdem Fahrradunfälle heran.

Insgesamt konnte man 89 Fälle von E-Scooter-Unfällen näher untersuchen, wobei es sich beim Großteil (93 Prozent) um die Fahrer des Scooters selbst handelte. In 4 von 5 Fällen zogen sich die Fahrer ihre Verletzungen bei einem Sturz ohne nähere Angabe des Hergangs zu. Im Vergleich zu den Fahrradfahrern traten mit 2 Prozent gegenüber 18 Prozent deutlich weniger Kollisionen auf. Auch Wegeunfälle fielen bei Fahrradfahrern häufiger aus.

Viele der betrachteten E-Scooter-Verletzungen waren hierbei auf Alkoholfahrten zurückzuführen – knapp jede dritte in der Studie betrachtete Fahrt mit Unfallfolgen. Auch bei den Unfallzeitpunkten liegt man mit vorwiegend am Wochenende und oftmals in der Nacht. Lediglich jeder dritte E-Scooter-Unfall wird per Rettungsdienst in die Notaufnahme eingeliefert. Bemisst man die Unfälle nach dem Manchester-Triage-System, so fallen Verletzungen von Fahrradfahrern tendenziell schwerer aus, als jene der Scooter Fahrer.

Rund 12 Prozent der E-Scooter-Fahrer haben ein Schädel-Hirn-Trauma davongetragen. In jedem dritten Fall lagen Weichteilverletzungen vor, Frakturen des Hirnschädels nur in etwa 16 Prozent der Fälle. Die Studie konnte vermehrt Frakturen von Weichteilen feststellen, bei den Fahrradfahrern wurden häufiger Kopfverletzungen beobachtet. Knapp die Hälfte der E-Scooter-Fahrer benötigte eine Wundversorgung. Bei Fahrradfahrern war das nur bei knapp jedem dritten der Fall. Auch in circa einem Drittel der Fälle – sowohl auf der Scooter- als auch auf der Fahrrad-Seite – waren Gipse oder Orthesen notwendig. Ein Großteil der Patienten konnte jedoch direkt wieder aus der ambulanten Behandlung entlassen werden.

Auffallend: Knapp jeder zweite im Krankenhaus behandelte E-Scooter-Unfall wies Kopf- und Gesichtsverletzungen auf. Damit lägen die Zahlen vergleichbar zu anderen, ähnlich angelegten Studien. Das Tragen von Helmen? Fehlanzeige. Was man darauf zurückführt, dass jene von den Verleihern nicht gestellt werden. Hier legt man daher eine Helmpflicht nahe.

Besonders gravierende Verletzungen vom Kopf- oder Gesicht konnte man Fahrern unter Alkoholeinfluss nachweisen: Hier lag die Rate bei 92 Prozent. Auch der Anteil an alkoholisierten E-Scooter-Fahrern in den Notaufnahmen ist mit knapp 30 Prozent ziemlich hoch. Wie auch bei den Radfahrern, so appelliert man auch für die Scooter-Fahrer an eine Forcierung der geltenden Promillegrenzen. Ebenso weist man auf ein hohes Verletzungsrisiko einer Sehne am Schienbein (Musculus tibialis posterior) hin. Jenes führt man vor allem auf die scharfkantigen Bauteile der Scooter zurück.

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Felix Frank

Baujahr 1995. Technophiler Schwabe & Studienreferendar. Unterwegs vor allem im Bereich Smart Home und ständig auf der Suche nach neuen Gadgets & Technik-Trends aus Fernost. Twitter. PayPal-Kaffeespende an den Autor. Mail: felix@caschys.blog

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21 Kommentare

  1. Ich habe über die Medien erfahren in München haben sehr viele Personen ihre Fahrerlaubnis verloren, weil sie besoffen e-Scooter gefahren ist. Für mich ist das alles nichts, auch Motorrad nicht. Ich hab gleich richtig gespart für ein anständiges Auto.

  2. [quote]Insgesamt konnte man 89 Fälle von E-Scooter-Unfällen näher untersuchen,…[/quote]

    Sehr repräsentativ…

  3. Nun, um ein Auto fahren zu dürfen,
    muss man erst einmal eine Führerscheinprüfung
    bestehen und eine Fahrerlaubnis haben.

    e-Scooter fahren darf bei uns aber offenbar jeder,
    der die ersten 14 Jahre seines Lebens überstanden hat.

    @Peter:
    „in München haben sehr viele Personen ihre Fahrerlaubnis verloren,
    weil sie besoffen e-Scooter gefahren“

    „sehr viele Personen“ in München … wieviele Menschen sind das?

    10 Menschen?
    20 Menschen?
    100 Menschen?
    200 Menschen?
    1000 Menschen?

    München hat zur Zeit ca. 1,5 Millionen Einwohner …

    • 2019 wurden 1660 E-Scooter-Fahrer wegen Trunkenheit angezeigt. Die 50% Prozent hatte mindestens 1,1 Promille, 6 Monate Entzug der Fahrerlaubnis.

    • 14 ist aber auch nur theoretisch, die meisten Anbieter wollen trotzdem dass man 18 ist laut AGB. Ist natürlich die Frage wer sich wirklich dran hält…

    • Die e-scooter sind langsamer als ein Fahrrad, das darf auch jeder fahren.
      Allerdings gibt es bei uns in Deutschland auch Verkehrserziehung im Kindergarten und Grundschulalter, inkl. Fahrradprüfung.
      Deswegen sind weitere vorgeschriebene Prüfungen auch eigentlich überflüssig.

      Gegen vorsätzlich falsches Verhalten helfen keine Tests, sondern nur Sanktionen.

      Sonst gäbe es ja keine Alkoholverstöße, Tempoüberschreitungen, Vorfahrtsmissachtungen usw. In der Fahrschulen wurde das mit Sicherheit anders gelehrt…

    • Stell dir vor. Man darf auch einfach Fahrrad fahren ab 0 *shocking*

    • Also ich fahre regelmäßig Rad, E-Bike, Roller, Auto, Motorrad und Öffi. Gelegentlich mal nen Lkw. Sollte also alle perspektiven kennen…
      Und was soll ich sagen? Am wenigsten rücksichtsvoll sind Autofahrer. In ihrer abgekapselten Individualverkehrswelt hält sich mancher für den König der Straße oder zumindest für Dauervorfahrtsberechtigt. Und was die Aussage mit der Fahrerlaubnis angeht – entweder haben ziemlich viele eigentlich keine, oder aber das Niveau ist schon bei der Prüfung mau. Vll fehlen aber auch nur Kontrollen und Konsequenzen.

  4. Ich hatte vor einigen Wochen auch einen Unfall inkl. kompliziertem Fingerbruch. Grund war wohl eine glatte Straße, bin schlagartig weggerutscht. Allerdings auf Asphalt, das Kopfsteinpflaster zuvor komischerweise nicht. Da die Reifen ja fast Slicks sind, flutsch es sich natürlich besonders gut. Die Stummel names Lenker könnten auch breiter sein, könnte die Sicherheit auch erhöhen.

  5. Noch ein Beweis dafür, dass Menschen nicht lernfähig sind. Früher war es das Fahrrad, heute zusätzlich noch der Scooter. Und wie bei dem Fahrrad gehen viele Besoffene offenbar davon aus, dass es einen Unterschied macht, mit welchem Gerät man am Straßenverkehr teilnimmt.

    • In einer Großstadt würde ich sowas auch nicht bringen. In kleineren Städten oder gar auf dem Land interessiert sowas nach meiner Erfahrung niemand. Wobei ich persönlich schon aus Eigeninteresse nicht besoffen auf einen E-Scooter steigen würde.

    • Menschen sind problemlos lernfähig, nur halt jeder für sich. Nicht beweisbare Vermutung von mir: wer einmal einen Scooter-Unfall hatte fährt vorsichtiger und hat nicht so schnell einen zweiten.

  6. Das Wichtigste fehlt: Wie viele der Unfälle waren von Leihscootern und wie viele von im eigenen Besitz befindlichen Scootern? Ich wage mal die Prognose, dass es da gravierende Unterschiede gibt.

  7. Frakturen von Weichteilen? Knochen brechen, nicht Weichteile. Das Thema ist spannend, aber die Zahlen und Fakten werden wild durcheinandergeschmissen. Fachlich fehlt hier vieles. Die Originalstudie im Ärzteblatt ist/war schon schlecht. eScooterfahrer unterliegen schon heute den strengen Promillegrenzen von KFZ Fahrern. Das ist dem Autor evtl. nicht bekannt. Höhere Promillegrenzen bei Radfahrern sind nicht sinnvoll, das Bundesanstalt für Straßenwesen hat hier Studien begonnen und die Ergebnisse unterdrückt. Es wäre fatal, wenn betrunktene stattdessen in ein KFZ steigen würden. Eine Helmpflicht zerstört die Leichtigkeit der Mobilität, Fahrradverleih und eScooterverleih, wäre kaum noch möglich. Die meisten Kopfverletzungen passieren im Auto. Helmpflicht für Autofahrer und Fußgänger und Menschen die zu Hause auf Leitern und Stühle steigen.

  8. Man braucht keinen Führerschein für den e-Scooter,
    aber nach der StVO ist der E-Scooter-Kraftfahrzeug.

    E-Scooter müssen auf dem Radweg fahren und
    dürfen nur dann auf die Straße ausweichen,
    wo es keinen Radweg gibt.

    Die e-Scooter-Fahrer werden rechtlich so behandelt,
    als würden sie am Steuer eines Autos sitzen.

    Wer betrunken fährt, begeht eine Straftat.

    Andreas Scheuer hat sich da etwas ziehmlich schwieriges ausgedacht.

    • Nö, das ist ganz einfach: wenn Du am Straßenverkehr teilnimmst, solltest Du nicht betrunken sein, um Dich und die anderen Verkehrsteilnehmer nicht zu gefährden.

      Klingt wahnsinnig einfach und ist es auch.

  9. Ich bin für Helm und Gurtpflicht. Sobald man aufsteht!!!!!!einself!!!!

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