Standort Deutschland: Wettbewerbsfähigkeit im Bereich Gaming bleibt eher niedrig

Der Branchenverband game moniert, dass Deutschland als Industriestandort im Bereich der Computer- und Videospiele im internationalen Vergleich nur eine relativ niedrige Wettbewerbsfähigkeit aufweise. Die Games-Förderung und die Ausbildung von Nachwuchsfachkräften bewertet man zwar als eher gut, doch die Politik der Bundesregierung sei weiterhin durchwachsen.

Man befragte dabei Unternehmen direkt aus der Industrie. Dabei sagen 56 Prozent der Unternehmen, dass die internationale Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland „eher schlecht“ sei. Rund 14 Prozent bewerten diese sogar als „schlecht“. Nur 31 Prozent vergaben ein „eher gut“. Ein „sehr gut“ wurde von gar keinem Unternehmen geäußert. Befragt wurden dafür im Rahmen eines Branchenbarometers Mitglieder von game.

 

Am positivsten wurde die aktuelle Situation bei der Games-Förderung bewertet. Am schlechtesten kam die in Deutschland hohe Steuerbelastung für Unternehmen weg, aber pikanterweise seien auch die Internetanbindungen eher schlecht. Auch Themen wie „Digitale Bildung“ und das Image von Deutschland als Games-Standort sind noch nicht so das Wahre.

Der game-Geschäftsführer Felix Falk erinnert daran, dass Spiele das international erfolgreichste Medium unserer Zeit seien. Für Deutschland sei daher unerlässlich, dieses Medium in Zukunft mitgestalten zu können. Man habe zwar schon Fortschritte erreicht, es gebe aber noch viel zu tun. Vor allem müsse sich in dem Punkt „Flächendeckend schnelles Internet“ noch viel bewegen. „Digitale Bildung“ werde wiederum von der Politik gerne als Schlagwort beschworen, aber am Ende selten wirklich in Handeln überführt.

Auch im Bereich E-Sports könnte mehr getan werden, denn es bleibt unmöglich für Vereine, gemeinnützigen Status zu erlangen. In Sachen Jugendschutz wiederum brauche es immer noch eine Reform, die derzeit durch  Zuständigkeitskonflikte zwischen Bund und Ländern verhindert werde. game fordert daher nun als Branchenverband natürlich, dass sich die Politik da ans Werk mache – die Forderungen könnt ihr auch hier nachlesen.

Dass ein Branchenverband sich für seine Mitglieder bessere Voraussetzungen wünscht, ist nun natürlich nichts Überraschendes. Dass deutsche Spieleentwickler es aktuell international schwer haben und andere Länder uns voraus sind, ist aber auch nichts Neues. Da gibt es sicherlich ungenutztes Potenzial.

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Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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8 Kommentare

  1. Hat das jemand gewundert ? Digital ist Deutschland höchstens Entwicklungsland.

    • „Digital ist Deutschland höchstens Entwicklungsland.“
      Was kommt den unterhalb von Entwicklungsland?
      Sind sie noch in D oder haben Sie schon erfolgreich ein Startup in CA gegründet?
      Ich bin kein Insider der Szene. Bitte erklären Sie mir doch die Vorteile der Gaming-Branche.
      Im Zusammenhang mit der Veröffentlichung von Cyberpunk las man, dass die Mitarbeiter extrem unter Druck gesetzt wurden und 70h-Woche erwartet wurden.
      Bei anderen Spielepublisher wurden auch Ausbeutungsvorwürfe, verachtender Führungsstil und Sexismus bekannt. Liebe sie es unter solchen Bedingungen zu arbeiten?

      • Naja, die Corona Pandemie hat es ja gezeigt. An den Schulen ein einziges Chaos und auch sonst kommt der Breitbandausbau nur schleppend voran. Der Kommentar von mir bezieht sich auf die technische Seite nicht auf die Arbeitsbedingungen.

  2. Diese Feststellung ist jetzt nicht überraschend, nachdem man jahrzehntelang Gaming als Zuchtstätte für Amokläufer, Verrohung der Jugend und sozialer Vereinsamung verteufelte.
    Spiele aus Deutschland mussten ja am besten einen Bildungsauftrag erfüllen, lehrreich sein und auf Gewalt lieber verzichten.
    Vom Internetzugang mal ganz abgesehen.

    Wenn ein Land sich 30 Jahre abhängen lässt muss man sich nicht wundern.
    Aber die Politik stellt sich dann hin, reibt sich die Augen und beklagt die Folgen die sie selbst zu verantworten haben.
    „Wer hätte damit rechnen können, Huch.“

    • Ich halt die Spieleindustrie für nicht kriegsentscheidend. Wesentlich wichtiger in meinen Augen sind Cloudtechn., Suchmaschinen-Knowhow, AI/KI, Herstellungsknowhow von komplexen Chipstrukturen.

      • Täusche dich mal nicht. Eines der Dinge die der Mensch am meisten liebt sind Brot und Spiele. Dementsprechend ist Gaming auch eines der einflussreichsten und umsatzstärksten Industriezweige.

        „ Cloudtechn., Suchmaschinen-Knowhow, AI/KI, Herstellungsknowhow von komplexen Chipstrukturen.“ sind alles Bereiche die hauptsächlich aus den USA kommen.
        Auch hier hat Deutschland leichtfertig alles weitergereicht und ignoriert.
        Das Internet, Computer und dergleichen galt lange als etwas dass man höchstens im Büro zur Verwaltung und Steuerung braucht. Oder der pickelige Nerd im Keller bei Mama.
        Was in DE am meisten galt, war das Auto.

        Der Startschuss zum Umdenken kam erst mit dem Siegeszug des iPhone 2007 auf.
        Und das ist noch nicht lange her.

  3. Das Hauptproblem aus Sicht der Spielefirmen ist vermutlich, dass Arbeit zu viel kostet. Ein Entwickler hat es in Deutschland vermutlich nicht nötig, in der Spielindustrie zu arbeiten, weil es wesentlich lukrativere Angebote gibt. Weiß auch nicht, wie man das Problem lösen kann. Immer nur Fördermittel hinterherschmeißen kann ja nicht Sinn der Sache sein, wenn man ohnehin nicht mit anderen Standorten konkurrieren kann und/oder möchte.

  4. Das ist Klagen auf hohem Niveau. Sie machen halt als Lobbyisten ihren Job.

    Das heißt natürlich nicht, dass es nicht auch durchaus relevante Kritikpunkte gibt (Internetausbau). Auf der einen Seite die staatliche Förderung zu loben und auf der anderen Seite eine vermeintlich hohe Steuerlast anzuprangern – damit schießen sie sich allerdings selbst ins Knie. Zumal die Mär der hohen Netto-Unternehmenssteuer in Deutschland ja mittlerweile eh diskreditiert ist.

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