Sonos Move: Erster portabler Lautsprecher der Audio-Schmiede angehört

Sonos hat es nicht leicht dieser Tage, denn mittlerweile gibt es viele Möglichkeiten ein Multiroom-System aufzubauen. Da muss man nicht unbedingt zu den nicht ganz so preiswerten Sonos-Lautsprechern greifen. Am einfachsten wird wahrscheinlich das Setup mit mehreren Echo-Lautsprechern sein, Google und Apple mit AirPlay 2 bieten aber auch Varianten an. Kurzum: Die Konkurrenz schläft nicht und Sonos muss sich etwas einfallen lassen, um im Gespräch zu bleiben und die Nutzer bei Laune zu halten. Viele Produkte sind etwas betagter und warteten auf einen Refresh – die Playbar zum Beispiel – doch Sonos stellte Sound zum Mitnehmen auf der IFA vor. Der Sonos Move ist der erste portable Lautsprecher der Sound-Schmiede und hat es für einen Test in mein Zuhause geschafft.

Wie sieht er aus?

Als ich das Gerät zum ersten Mal auspackte, fühlte ich mich etwas an den Sonos One erinnert. Sonos hat auch hier nicht viel geändert und präsentiert sein gewohntes Design. Mit dem Lautsprecher findet ihr etwas bedrucktes Papier, eine Ladestation inkl. Netzteil und einen Tragesack aus flauschigem Stoff in der Packung.

Der Sonos Move kommt in einem schwarzen, laut Sonos extrem robusten, strapazierfähigen und stoßfesten Gehäuse daher. Fällt euch das Teil also mal vom Tisch (maximal 76 Zentimeter), müsst ihr nicht gleich in komplette Panik verfallen. Der Move ist meiner Meinung nach sehr gut verarbeitet. Alles sitzt wie aus einem Guss, es gibt keine verschobenen oder knarzenden Teile, die Nähte zwischen den Teilen sind kaum spürbar oder zu sehen und die verwendeten Materialien fühlen sich auch hochwertig an. Man merkt schon, dass das kein Teil für 50 Euro ist. Die Front wird von dem großen Lautsprecher-Gitter inklusive aufrechtem Sonos-Logo geprägt hinter dem sich ein größerer Mitteltöner und ein nach unten gerichteter Hochtöner versteckt. Zwei Verstärker der Klasse D sollen die Treiber so befeuern, dass der Sound immer gut und abgestimmt ist.

Am Deckel des Move sitzen dieselben Elemente, die auch schon beim One heimisch sind. Vier Fernfeld-Mikrofone sollen euren Ruf nach Hilfe durch Alexa oder dem Google Assistant hören. Der Button in der Mitte inklusive kleiner LED schaltet die Mikrofone ab, falls ihr nicht belauscht werden möchtet. Die Steuerelemente für Laut, Leiser, Play, Pause und die LED sitzen nun nicht wie beim One in der Mitte, sondern am vorderen Rand des Deckels. Finde ich persönlich angenehmer so, als in der Mitte des Lautsprechers herumzufingern.

Schaut man sich die Rückseite an, gibt es dort den stabilen Eingriff zum Herumtragen, einen An/Aus-Schalter, einen Button zum Wählen, ob der Move im WLAN oder per Bluetooth betrieben werden soll und den Pairing-Button. Zum Thema herumtragen: Ich hätte einen klappbaren Griff besser gefunden. Die Haltung, wenn ihr mit den Fingern in den Eingriff greift und den 3 Kilogramm schweren, 240 x 160 x 126 Millimeter großen Move tragt, ist irgendwie unbequem und man hat das Gefühl, dass der Lautsprecher von den Fingerspitzen rutscht.

 

Im unteren Bereich finden sich die zwei Lademöglichkeiten: Der Move kann per USB-C-Kabel oder über die mitgelieferte Dockingstation per Ladekontakt geladen werden. Der Fuß des Lautsprechers ist gummiert, was dafür sorgt, dass der Sonos Move auch auf glatten Oberflächen keinen Zentimeter vor- oder zurückrutscht.

Der Sonos Move ist für draußen gedacht und muss natürlich auch entsprechend gut gegen äußere Einflüsse geschützt sein. Der Hersteller gibt die Schutzklasse IP56 an, Staub und selbst stärkere Wassermengen machen dem Move also nichts aus. Das trifft auch auf Hitze und Kälte zu, Sonos gibt Temperaturen von maximal 55 °C und -10 °C an.

Die Einrichtung des Sonos Move

Der Move kann in zwei verschiedenen Modi betrieben werden, entweder als Bluetooth-Lautsprecher oder als Sonos-Lautsprecher im heimischen System. Eine Bespielung per AirPlay 2 ist ebenfalls möglich.

Der Bluetooth-Betrieb (BT 4.2) ist schnell erklärt. Ihr betätigt den Button für Bluetooth oder WLAN am Rücken des Lautsprechers, um in den BT-Modus zu schalten. Ab diesem Zeitpunkt ist das Gerät in den Bluetooth-Einstellungen eures Tablets, Smartphones und Co. verfügbar und kann dann per App angesprochen werden. Wie jeder andere herkömmliche Bluetooth-Lautsprecher eben. Wichtig: Die Sprachassistenten, die mit dem Move genutzt werden können, funktionieren nur im WLAN und nicht im Bluetooth-Modus, da der Lautsprecher eine eigene Internetverbindung benötigt.

Die Einrichtung des Move im Sonos-System geht ebenso leicht von der Hand, wie die eines jeden anderen Sonos-Lautsprechers. Sonos-App öffnen, Lautsprecher hinzufügen und der Move wird direkt erkannt. Nun muss der Pairing-Button am Rücken betätigt werden und auf Wunsch noch Alexa oder Google Assistant einrichten.

Im Gegensatz zu bisherigen Lautsprechern bringt der Move nun einen automatischen TruePlay-Modus mit. Ihr müsst also nicht mehr wild wedelnd durch den Raum taumeln, um den Lautsprecher zu tunen. Das System macht das nun von selbst.

Ist der Lautsprecher eingerichtet, kann er wie gewohnt über die App angesprochen werden. Ein Equalizer gibt euch die Möglichkeit den Sound etwas nach euren eigenen Wünschen in der App anzupassen.

Der Move in der Praxis

Steht der Sonos Move in der Dockingstation und ist im WLAN-Modus, kann er wie jeder andere Sonos-Lautsprecher betrieben werden. Vollkommen unaufgeregt könnt ihr also per App oder AirPlay 2 Inhalte eurer liebsten Musikstreaming-Dienste, Radiostationen oder auch von Medien-Servern in eurem Zuhause auf den Lautsprecher schieben. Solltet ihr zwei der portablen Speaker besitzen, können diese im WLAN auch als Stereo-Paar gekoppelt werden. Move verbindet sich jedoch nicht mit einem Sub oder der Beam, kann also nicht als Lautsprecher in einem Surround-Setup genutzt werden. Warum? Weil der Lautsprecher dafür designt wurde, ständig von einem Platz zum nächsten zu wandern. Als Satelliten im 5.1 eigenen sich dann eher One, One SL oder ein paar ältere Play:1.

Apple hat mit dem HomePod einen Lautsprecher entwickelt, der in Echtzeit seinen Ton den Räumlichkeiten entsprechend anpassen kann. Auch Sonos hat in dem Move nun ein solches Feature eingebaut – automatisches TruePlay. Die Technik gab es vorher schon, musste aber manuell eingerichtet werden, indem Testtöne vom Lautsprecher ausgegeben werden und ihr mit dem Smartphone wedelnd durch den Raum marschiert.

Das passiert nun vollautomatisch und auch recht gut. Wenn man den Lautsprecher selbst im Raum um positioniert – der Move registriert das über ein Gyroskop. Die Änderungen hört man selbst nicht immer, doch im Raum befindliche Personen konnten einen Unterschied im Klang bestätigen. Die Anpassungen erfolgen nach ein paar Sekunden und sind nicht besonders aggressiv. Der Equalizer wird nur leicht justiert, um ungewollte Resonanzen zu vermeiden und die Klarheit zu behalten. Automatisches TruePlay funktioniert übrigens nur, wenn die Mikrofone angeschaltet sind und ihr euch im WLAN befindet.

Wo wir gerade beim Klang sind, wie macht sich der Move in der Disziplin? Wenn ihr schon einmal einen Sonos-Lautsprecher gehört habt, dann wisst ihr, dass Sonos in der Regel keinen Sound-Matsch in eure Ohren verfrachtet. Auch beim Move haben die Sound-Techniker wieder gute Arbeit geleistet, der Lautsprecher hebt sich gegenüber anderen (meist günstigeren) portablen Lautsprechern deutlich ab. Der große Mitteltöner bringt die Bässe und die Mitten gut zur Geltung und liefert einen klaren, detaillierten Klang. Der Hochtöner leistet ebenfalls ganze Arbeit und legt die Höhen auf das Fundament des Mitteltöners. Auch in den höheren Lautstärken klappert nichts, man bekommt auch nicht das Gefühl einer Unsauberkeit oder der Gefahr der Übersteuerung. Klanglich rangiert der portable Lautsprecher damit irgendwo in den Bereichen eines Play:3, was für einen mobilen Lautsprecher beachtlich ist. Er leistet auf jeden Fall mehr als ein Sonos One.

Ist der Akku voll aufgeladen, könnt ihr mit dem Move mehr als einen Abend gute Musik genießen. 10 Stunden sollen es laut Hersteller sein, an die ich (nicht in Summe) aber in kleineren Etappen auch gut herangekommen bin. Die Laufzeit ist natürlich stark abhängig von der Lautstärke, WLAN und Co. Im Standby-Modus hält der Move übrigens bis zu 5 Tage aus.
Ist der Akku einmal leer, müsst ihr 2,5 Stunden Aufladezeit über die Dockingstation oder USB-C einplanen. Bis zu 900 Ladezyklen soll der Akku aushalten, dann kann er laut Sonos aber leicht ausgetauscht werden. Der Move muss also nicht entsorgt werden, wenn der Akku mal kaputt ist. Zum jetzigen Zeitpunkt steht noch nicht fest, was ein Austausch-Akku kostet.

Mein Fazit zum Sonos Move

Sonos hat mit seinem ersten portablen Lautsprecher meiner Meinung nach viel richtig gemacht. Das Gerät ist super verarbeitet und bringt alles mit, was man draußen oder drinnen benötigt. Man hat hier quasi eine eierlegende Wollmilchsau geschaffen. Ein Allround-Talent, welches sich flexibel einsetzen lässt, ohne dabei den Kompromiss von weniger Sound in Kauf nehmen zu müssen. Bemängeln lässt sich meiner Meinung nach nur das nicht wirklich sichere Tragegefühl bei Benutzung des Eingriffs. Weiterhin ist der große und schwere Lautsprecher auch kein leichtes Gepäck am Rucksack, um mal auf einen Zelt-Trip zu gehen. Aber dafür hat Sonos ihn auch nicht vorgesehen. Nehmt ihn mit raus in den Garten, wo kein WLAN ist. Lasst es bei einem Picknick oder beim Grillen am Strand richtig krachen. Dafür ist er gemacht und widersteht dabei auch einiges.

Das Ganze hat natürlich auch einen Preis. 399 Euro möchte Sonos für das gute Stück haben und hätte meiner Meinung nach wenigstens eine gescheite Tasche dazu packen können. Wir wissen aber, dass gerade im Audio-Segment meist höhere Preise aufgerufen werden, möchte man auch guten Sound dabei haben. Wer über das nötige Kleingeld verfügt, macht mit dem Sonos Move auf keinen Fall etwas falsch.

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Oliver Posselt

Hauptberuflich im SAP-Geschäft tätig und treibt gerne Menschen an. Behauptet von sich den Spagat zwischen Familie, Arbeit und dem Interesse für Gadgets und Co. zu meistern. Hat ein Faible für Technik im Allgemeinen. Auch zu finden bei Twitter, Instagram, XING und Linkedin, oder via Mail. PayPal-Kaffeespende an den Autor

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15 Kommentare

  1. Wie gut dockt sich das Gerät denn in den Ladering? Beim der Ladeplatte von Bose Soundlink Mini II war das immer ein gefunden und hat nie wirklich funktioniert

  2. Danke für den Testbericht. Somit werde ich erst einmal drauf verzichten und bei meinem Baustellen-Radio bleiben. Für den Einsatz auf einem Festival scheint mir der SONOS Move ohnehin nicht gedacht. 😉
    Ggf. später mal im Eigenheim, wo ich dann wahrscheinlich nicht in jedem Raum SONOS stehen haben werde.

  3. Das Ding sieht echt solide aus. Sonos wird sich bei dem Preis die Entwicklungskosten natürlich gut bezahlen lassen. Für mich klingt es durchdacht und sollte wohl endlich diejenigen zufriedenstellen, die schon lange nach einem tragbaren bluetoothfähigen Sonos schreien. Vermutlich passt ihnen der Preis nur jetzt nicht. 😉

  4. Man sollte den doch mithilfe von Airplay2 mit einen Apple TV verbinden können, sollte doch dann besser klingen als jeglicher TV Lautsprecher oder?

  5. Ich finde Sonos hat da eine Lücke gefunden, die mich auch schon ne Weile nervt.

    Gibt es ähnliches auch von anderen Anbietern? Ein portabler Lautsprecher der sich aber im Eigenheim in das bestehende mutliroom einklingt habe ich bisher noch nicht wirklich gefunden.

    Sonos ist mir zu teuer.

  6. Schade daß Bluetooth und WLAN zwei getrennte Modi sind. wäre schön gewesen den Move als Bluetooth-eingang für ein bestehendes Sonos-WLAN-System zu nutzen, sprich über BT an den Move streamen und das BT -Signal dann übers Sonos-WLAN-netz auf andere Sonosse weiterverteieln .

  7. Also ich bin froh das Bluetooth und WLAN sauber getrennt sind. Bluetooth ist für Unterwegs gut, aber zu Hause ist es (meiner Meinung nach) Müll. Die Produkte von Sonos sind halt nicht nur für Leute die technisch Erfahren sind, sondern auch für normale Menschen. Für die ist die Mischung von verschiedenen Technologien nicht mehr nachvollziehbar. Ein Schalter der sagt „BT Modus“ oder „Normal Modus (WLAN)“ dagegen, ist viel besser nachvollziehbar.

    Ich finde auch die allgemeine Diskussion über „zu teuer“, das kann doch jeder 50€ Eimer auch… Aber es gibt hier ein Gesamtkonzept mit einer festen Zielgruppe. Das gefällt nicht jedem, muss es aber auch nicht. Zum Schluss muss jeder für sich selber entscheiden was einem wichtig ist und was er bereit ist dafür zu bezahlen.

    Ich hatte damals HEOS und MusicCast sehr ausgiebig getestet. Die sind aber beide an der katastrophalen Umsetzung (vor allem in der Software) ausgesondert worden und zum Schluss hat Sonos für mich das rennen gemacht. Auch wenn ich dem Yamaha Receiver „etwas hinter her weine“. Aber manchmal ist Downsizing besser 😀

    Nun nochmal zurück zum Sonos Move: Für mich ist es genau das Produkt worauf ich gewartet habe. Allerdings warte ich noch auf ein Weihnachtsspecial o.ä., da ich den Move erst im Frühjahr/Sommer brauche und 400 € eine Stange Geld finde.

  8. Danke für den ausführlichen Test- bzw. Erfahrungsbericht.
    Ich habe den Sonos Move direkt bei SONOS vorbestellt – kann es kaum erwarten.
    Schade nur, dass der Sommer vorbei ist.

    Der Move wird meinen One im Bad ersetzen, welcher dann in die Küche zieht.
    Hier brauche ich den Klangvorteil des Moves nicht, da im Wohnzimmer (offener Bereich zur Küche) mein 5.1-System von SONOS steht.

    Bin auf jeden Fall auch gespannt, was der Ersatzakku kosten wird.

    399 EUR ist zwar viel Geld, jedoch erfreue ich mich jeden Tag erneut an meinem SONOS-System.

  9. „… und widersteht dabei auch einiges“

    Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod 😉

    Nö, er übersteht vielleicht einiges, aber er widersteht einigem.

  10. Ist es tatsächlich so, dass er sich „nur“ mit dem WIFI und nicht mit Sonos Net verbindet? Das wäre ja auch ein Novum.

  11. kann man denn dann auch per BT die Sonos-App benutzen?

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