So will Facebook ab sofort mit euren Daten und Datensammel-Apps umgehen

Es ist in aller Munde und wurde natürlich auch bei uns ausgiebig diskutiert: In Verbindung mit Persönlichkeitstest-Apps konnten die Herrschaften von Cambridge Analytics Daten von weit über 50 Millionen Facebook-Nutzern ergattern und diese für ihre Zwecke weiter verwenden. Selbstverständlich war und ist der Aufschrei diesbezüglich derzeit groß, in sämtlichen Netzwerken wird derzeit (sogar vom WhatsApp-Gründer Brian Acton) dazu aufgerufen, Facebook zu boykottieren und seinen Account dort zu löschen.

Mark Zuckerberg bezieht aber natürlich auch Stellung zu den Vorwürfen und informiert nun in einem umfangreichen Post darüber, wie er und sein Unternehmen fortan gegen solche Datensammel-Apps vorgehen wollen und was die Nutzer, die dem Netzwerk treu bleiben wollen, in Zukunft zu erwarten haben. Zuallererst jedoch erinnert er daran, dass Facebook selbst bereits seit Jahren gezielt gegen die unerlaubte Verwendung von Nutzerdaten seiner User vorgehe und daher im Jahr 2014 die Rechte für Apps, auf solche Informationen zuzugreifen, ordentlich eingeschränkt habe.

In erster Instanz werde das Unternehmen nun alle Apps einer Prüfung unterziehen, die noch vor der Umstellung 2014 Zugriff auf große Datenmengen solcher Nutzerdaten hatten. Apps und deren Entwickler, die sich gegen eine solche Prüfung wehren, würden laut Zuckerberg umgehend vom Netzwerk verbannt. Sollte sich herausstellen, dass es tatsächlich weitere so informationshungrige Apps gegeben hat, so werde man außerdem alle davon betroffenen Nutzer nachträglich darüber informieren.

Des Weiteren werde Facebook den Zugriff auf Nutzerdaten von nun an noch weiter einschränken. Dafür würde den entsprechenden Entwicklern automatisch der Zugriff auf die Daten eines Nutzers entzogen werden, wenn der jeweilige Nutzer diese App für drei Monate nicht mehr genutzt hat. Für den Login bei Apps sollen in Zukunft maximal nur noch euer Name, das Profilfoto und eure Mailadresse zur Verfügung stehen. Entwickler würden ab sofort außerdem von Facebook gezwungen, einen Vertrag zu unterzeichnen, dass sie jeden einzelnen Nutzer, auf dessen Beiträge oder Daten sie Zugriff wünschen, um dessen explizite Erlaubnis gebeten haben. Angeblich müssen die Entwickler hier auch einen entsprechenden Beweis erbringen.

Im kommenden Monat soll es laut Zuckerberg auch so sein, dass ihr über eurem Newsfeed ein Tool angeboten bekommt (dasselbe, was sich derzeit bereits in euren Privatsphäre-Einstellungen befindet), über das ihr nicht nur erfahren könnt, welchen Apps ihr zuletzt Zugriff auf eure Daten gewährt habt, sondern dort jene Erlaubnis auch direkt wieder entziehen könnt.

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Benjamin Mamerow

Nordlicht, Ehemann und Vater, hauptberuflich mit der Marine verbündet. Außerdem zu finden auf Twitter und Google+. PayPal-Kaffeespende an den Autor. Mail: benjamin@caschys.blog

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12 Kommentare

  1. Die Aufregung darüber ist ein Witz. Facebook kann ja nur über die Daten verfügen, die ihr selber da eingegeben habt. Also erst anmelden und alles von sich da reinschreiben, weil man sich und sein Leben der Öffentlichkeit preisgeben will und dann darüber beschweren, dass man nicht mehr „privat“ ist und die Daten genutzt werden. Lächerlich.

    Vorher nachdenken und solche Plattformen meiden. Dann kann auch keiner was damit anstellen.

    • Du redest dummes Zeug! Egal wem ich aktiv welche Informationen anvertraue oder welche Daten über mich gesammelt werden, sei es bei den Krankenkassen, meinem Arzt, der Schufa oder das Einwohnermeldeamt: Die Regeln des Datenschutzes sind einzuhalten.
      Facebooks Fehler war, nicht zu verhindern dass eine Anwendung riesen Mengen an Daten abgreift. Verhindern nicht nur durch die AGB sondern durch technische Schranken. Es darf technisch nicht möglich sein sowas zu machen.

      • Du vertraust bei Facebook Deine Daten der ganzen Welt an. Jeder Hans Wurst kann sich das anschauen. Selbst Du solltest da einen Unterschied zur Krankenkasse oder Schufa erkennen.

      • Nur das Facebook ein amerikanisches Unternehmen ist, welches deutsches Recht nur minimal interessieren.

        Facebook ärgert sich hier nur, dass die Analysefirma nicht den offiziellen Weg des Datenkaufs gegangen ist und man deshalb nichts dran verdient hat.

  2. Hallo Zusammen,
    alle diese Daten sind frei im Internet verfügbar. Alles wurde freiwillig angegeben und/oder eingestellt.
    Ich kann diese Aufregung nicht Verstehen, war doch klar das diese Daten Ausgewertet werden.
    Macht doch Facebook selber auch. Und zusätzlich auch mit den WhatsApp Metadaten.

    Ein schöner Talk vom 33c3 der sich mit Metadaten beschäftigt. Als Datengrundlage dient Spiegel.de:
    https://youtu.be/-YpwsdRKt8Q

    Da Überlegt man sich schon wie lange WhatsApp noch auf dem Smart-Phone bleibt.

  3. Alles eine große Heuchelei zur Schadensbegrenzung. Sascha Lobo hat es gerade treffend analysiert:

    Das eigentliche Problem liegt im System Facebook. Durch den aktuellen Skandal wurde lediglich die Funktionsweise von Facebook offengelegt.

    Facebook ist das mächtigste Unternehmen der Welt, was den Einfluss auf Wahrnehmung und Sozialverhalten sowie Reichweite angeht. Und Facebook hat mehrfach bewiesen, dass es bisher nicht in der Lage ist, diese Macht angemessen zu kontrollieren. Deshalb geht es um die tatsächlichen und nicht die gefühlten Verfehlungen.

    Das Getöse, das jetzt um Wählerbeeinflussung zu hören ist, war kein Missbrauch von Facebook – sondern ein Gebrauch. „Facebook wurde missbraucht“, schreiben viele, aber eigentlich wurde Facebook bloß angewendet:

    http://m.spiegel.de/netzwelt/web/cambridge-analytica-der-eigentliche-skandal-liegt-im-system-facebook-kolumne-a-1199122.html

  4. Gutgläubige Version: Das unzureichende Sicherheitssystem Facebooks wurde von einem unseriösen Vertragspartner ausgenutzt. Facebook ist im konkreten Fall unschuldig aber insgesamt unfähig. Das derartiger Datenmissbrauch in Zukunft nicht mehr geschehen kann, kann niemand garantieren.

    Bösgläubige Version: Das Sicherheitssystem Facebooks versagte nicht. Der Vertragspartner bekam das was er bestellte und bezahlte. Facebook wird weiter Datenmissbrauch zulassen.

    So oder so: Selbst leichtgläubige Menschen sollten endlich begreifen, dass es am besten ist, um Facebook einen grossen Bogen zu machen.

  5. Facebook lebt davon, dass Dritte an die Nutzerdaten kommen und unterstützt dies auch durch kleine Tricks:
    https://techcrunch.com/2012/08/25/5-design-tricks-facebook-uses-to-affect-your-privacy-decisions/
    Ich halte es für wenig wahrscheinlich, dass sich dieses sehr einträgliche Geschäftsmodell grundlegend ändert.

    Bemerkenswert, wie lange es in diesem Blog gedauert hat, bis über die Sache berichtet wurde, aber wie schnell dann die Postion von Facebook kritiklos verbreitet wird.

  6. @Jo: Bemerkenswert, wie schnell diesem Blog vorgeworfen wird, dass es in irgendeiner Form Pro-/Contra-Stellung zu Facebook beziehen würde. Hier wird doch nur berichtet, was da von Facebook geäußert wurde, mehr nicht. Persönliche Kritik kann, muss aber nicht eingebracht werden. Die Diskussion ums Thema ist doch eh schon in vollem Gange (wie man ja im von Benjamin verlinkten Artikel gut lesen kann) und muss hier nicht in derselben Form fortgesetzt werden.

  7. RegularReader says:

    #deleteFacebook 😛

    • #DleteFacebook #DeleteInstagram #DeleteWhatsApp …
      #Delete… alle die keine Datenweitergabe an Dritte nicht eindeutig ausschließen!

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