RedMagic 6 im Test: Gaming-Smartphone mit merklichen Verbesserungen

Im letzten Jahr hatte ich bereits nubias RedMagic 5G getestet. Das Gaming-Smartphone konnte in Sachen Design und Performance Punkte sammeln, schwächelte aber bei Kamera und allgemeiner Software-Qualität. Nun ist das Nachfolgemodell RedMagic 6 auch in Europa verfügbar. Der Hersteller möchte die Vorzüge des Vorgängermodells beibehalten, beim Sequel aber an vielen Punkten nachgebessert haben. Ich habe mir das mobile Endgerät einmal im Test angeschaut.

Wie sollte es anders sein, so soll das RedMagic 6 mit seiner Leistung überzeugen: Im Inneren stecken der Qualcomm Snapdragon 888 sowie 12 GByte RAM plus 128 GByte Speicherplatz. Das ist aber nicht alles, denn schließlich bieten derlei Eckdaten ja auch viele andere Smartphone-Flaggschiffe. Abheben will man sich aber von herkömmlichen Premium-Smartphones durch eine aktive Kühlung sowie kapazitive Schultertasten. Auch das Design soll Gaming-DNS enthalten.

Technische Daten des RedMagic 6

  • Display 6,8 Zoll, AMOLED, 2.500 x 1.080 Pixel, Gorilla Glass, 165 Hz, 360 Hz Touch-Abtastrate,
  • Betriebssystem: Android 11 mit der Oberfläche RedMagic 4.0
  • Prozessor: Qualcomm Snapdragon 888 (1x 2,84 GHz Kryo 680 + 3x 2,42 GHz Kryo 680 + 4x 1,80 GHz Kryo 680)
  • GPU: Adreno 660
  • RAM: 12 GByte LPDDR5
  • Speicherplatz: 128 GByte UFS 3.1
  • Triple-Kamera: 64 (Weitwinkel, f/1.8) + 8 (Ultra-Weitwinkel f/2.0) + 2 (Makro, f/2.4) Megapixel
  • Videoaufnahme: 4K mit 60 fps, 8K mit 30 fps
  • Frontkamera: 8 Megapixel (f/2.0)
  • Akku: 5.050 mAh (Fast-Charging mit bis zu 66 Watt)
  • Maße / Gewicht: 169,9 x 77,2 x 9,7 mm / 220 Gramm
  • Schnittstellen: Dual-SIM, 4G LTE (mit Band 20), 5G, 3,5-mm-Audio, USB Typ-C (3.0), Bluetooth 5.1, GPS, Wi-Fi 6, NFC
  • Besonderheiten: Stereo-Lautsprecher, Fingerabdruckcanner im Bildschirm, beleuchtetes Logo an der Rückseite, manuell regelbare, aktive Kühlung, Hi-Res Audio, kapazitive Schultertasten mit 400 Hz Abtastrate
  • Preis: 599 Euro

Wie ihr erkennt, gibt es an anderen Punkten auf den ersten Blick weniger Verbesserungen: Etwa ist der Kamera-Aufbau zum Vorgängermodell identisch geblieben. Allerdings hat es bei den Sensoren Veränderungen gegeben: Der Sony Exmor IMX686 RS ist dem Samsung GW3 gewichen. Die Ultra-Weitwinkel- und Makro-Kameras sind hingegen identisch. Aber zur Fotoqualität kommen wir etwas später.

Ausstattung und Verarbeitung

Das RedMagic 6 ist ein optisch und haptisch sehr hochwertiges Smartphone mit einigen speziellen Design-Akzenten. Der Rahmen aus Metall ist ab Ober- und Unterseite leicht nach innen geschwungen. Außerdem findet ihr an der Rückseite LED-Beleuchtungen für das RedMagic-Logo sowie zwei kleine Streifen an den Rändern vor. Und dann ist da natürlich die besagte aktive Kühlung, für die Lüftungsschlitze integriert sind. Heißt aber auch: Resistenz gegen Staub und Wasser könnt ihr knicken.

nubia verzichtet auf einen Notch oder ein Punch Hole. Die Frontkamera ist in einen kleinen Rand an der Oberseite integriert. Auch gebogene Ränder fehlen, es handelt sich um ein planes Display. Beide Entscheidungen sind eher konventionell, dürften aber auch auf Zuspruch bei einigen Lesern stoßen. Selbiges gilt auch für das Design der rückseitigen Kamera, die kaum aus dem Gehäuse heraussticht. Das finde ich z. B. klasse in den aktuellen Zeiten, in denen übergroße Kamerahügel leider zur Norm gehören.

Mir gefällt auch, dass nubia es mit der Gaming-Ästhetik nicht übertrieben hat. Ja, man setzt da einige optische und haptische Akzente. Das RedMagic 6 sieht aber nicht protzig aus, sondern könnte auch als Design-Smartphone durchgehen. An der linken Seite des Rahmens sitzt dabei ein roter Schieberegler, der im Übrigen jederzeit zum Game Space umschalten kann. Das ist ein spezielles UI, das nur auf das Starten und Konfigurieren von Spielen ausgelegt ist. An jener Seite sitzt auch der Lautstärkeregler. Den Power-Button findet ihr an der rechten Gehäuseseite.

Leistung und Spiele

Die Systemperformance des RedMagic 6 braucht man im Grunde nicht zu diskutieren: Sie ist exzellent. Das sollte man auch von einem Smartphone mit dem Qualcomm Snapdragon 888, 12 GByte LPDDR5-RAM und einem 165-Hz-Display erwarten. Wer nun ein wenig mit den Zahlen spielen und vergleichen möchte, der kann diese Benchmarkergebnisse studieren.

Blicke ich da auf die letzten Geräte mit dem Qualcomm Snapdragon 888, die ich so getestet habe, etwa das Xiaomi Mi 11, dann fallen die obigen Ergebnisse weder signifikant besser noch schlechter aus. Das sollte nicht verwundern, denn so ein Gaming-Smartphone kitzelt ja nicht magisch aus seiner Hardware mehr Leistung heraus. Einzige Auffälligkeit: PCMark verweigerte den Dienst. Diese Benchmark-App ist allerdings alt und wird nicht mehr gepflegt, sodass man nubia daraus keinen Stick drehen kann. Was das RedMagic 6 wiederum beherrschen sollte, ist eine stabilere Performance bzw. weniger aggressive Heruntertaktung beim längeren Zocken. Und da kommt eben die Kühlung ins Spiel.

Oben seht ihr, dass das RedMagic 6 zur Abfuhr von warmer bzw. zum Ansaugen von kalter Luft links und rechts über Lüftungsschlitze verfügt. Ihr könnt dabei auch einrichten, dass die aktive Kühlung automatisch aktiviert wird, wenn ihr in den Game Space, wechselt. Selbst könnt ihr die Lüfter entweder auf „Intelligente Anpassung“ setzen, sodass sie je nach Belastung schneller / langsamer rotieren oder auf „Schnell abkühlen“, was dann eben direkt auf Maximum setzt.

Für den Alltagsbetrieb sind die Lüfter nicht gedacht, denn sie erzeugen ein deutlich wahrnehmbares, hochfrequentes Geräusch, das mich an meine PlayStation 3 in den Sommermonaten erinnert hat – nicht ganz so laut, aber störend genug, dass es nerven würde. Selbst in Games hört man es gut heraus, sodass ich den Einsatz der Lüfter nur empfehle, wenn ihr ohnehin mit Kopfhörern zockt. Vielleicht fragt ihr euch aber nicht nur nach der Lautstärke der Kühlung, sondern auch danach, ob sie einen Unterschied für das Gameplay bzw. die Framerates und das Heruntertakten des SoCs macht?

Generell wird das RedMagic 6 bei rein passiver Kühlung durchaus an der Rückseite recht warm, scheint den als hitziges Gemüt bekannten Qualcomm Snapdragon 888 jedoch gut in Schach zu halten. Schaltet ihr nun die aktive Kühlung hinzu, dann wird es eben laut, wer auf Nummer sichergehen möchte, kann etwaigem Drosseln so aber noch weiter entgegenwirken. Ich habe dafür beispielsweise zwei Stunden am Stück „PUBG Mobile“ gezockt und auch wenn ich euch da keine Graphen oder ähnliches vorlegen kann, ist das Smartphne durch die aktive Kühlung merklich kühler geblieben.

Es gibt dabei für euch sogar die Möglichkeit, über den Game Space Einsicht in die aktuellen Taktraten zu erhalten – siehe der Screenshot oben. Diese Oberfläche wird, wie bereits erwähnt, über den roten Hardware-Regler an der linken Gehäuseseite aktiviert. Hier werden störende Benachrichtigungen beim Zocken ausgeblendet, ihr könnt leicht eine Screen-Aufzeichnung aktivieren und sogar einsehen wie viel Zeit ihr wann mit welchem Spiel verbracht habt. Ihr könnt für ausgewählte Spiele, wie eben „PUBG Mobile“, sogar eine automatische Videoaufzeichnung für eure Kills aktivieren.

Der Bereich für „Spiel verbessern“ erlaubt es euch in einem aktiven Spiel z. B. die Darstellung anzupassen oder an der Leistungsverteilung zu drehen.  Auch könnt ihr hier, individuell nach Spiel, die kapazitiven Schultertasten belegen. Die Entwickler müssen sie nicht aktiv einbinden. Vielmehr greift ihr selbst einen Bildschirmbereich heraus und legt den Druck des Bereichs dann auf die Schultertasten. So könnt ihr dann etwa in einem Shooter das Abfeuern der Waffe handhaben. Je nach Game gibt es da also durchaus Spielraum, um euer Erlebnis anzupassen. Das bieten reguläre Smartphone-Flaggschiffe eben alles nicht. Und ja, wie sollte es anders sein: So ein Gaming-Smartphone wie das RedMagic 6 bietet auch eine RGB-Beleuchtung – sogar an meheren Stellen.

Zum einen ist das rückseitige Markenlogo optional beleuchtet. Zum anderen sind die beiden Streifen an den Rändern des Rahmens mit LED versehen. Die Beleuchtungselemente können konstant leuchten oder auch pulsieren. Könnt ihr aber auf Wunsch auch komplett abgeschaltet lassen.

Display und Kamera

Das AMOLED-Display des Red Magic 6 kommt mit einer Diagonale von 6,8 Zoll bei einer Auflösung von 2.400 x 1.080 Pixeln (FHD+) daher. Gegenüber dem RedMagic 5G hat man also die Diagonale bei nahezu identischer Auflösung leicht erhöht – das 5G bot 6,65 Zoll bei 2.340 x 1.080 Pixeln. Auch wenn dies nicht klar ausgwiesen wird, passt sich die Bildwiederholrate übrigens je nach App an. Die 165 Hz werden dabei selten voll ausgelastet, denn selbst in den meisten System-Apps wie der Galerie werden nur effektiv 90 Hz angelegt.

Ihr könnt dabei auch die Farbeinstellungen anpassen, wenn ihr es z. B. bevorzugt, alles im Farbraum DCI-P3 oder in sRGB zu sehen. Allerdings ist das AMOLED-Display bei direkter Sonneneinstrahlung schlechter lesbar, als das Pendant meines eigenen Mi 10 Pro oder auch eines Mi 11. Ebenso sind die Farben verwaschener und man sieht hier drastische Unterschiede zu aktuellen High-End-Modellen mit Samsungs E4-Panel, welche eine ganze Klasse über dem RedMagic 6 schweben. Hier kommt sicherlich wieder ein High-Refresh-Rate-Panel von Visionox zum Einsatz, behaupte ich aus dem Bauch heraus.

Die Kamera des RedMagic 6 knipst bessere Bilder als die des Vorgängermodells. Doch das ist dann auch das größte Kompliment, das man hier unterbreiten kann. So kranken die Fotos an einem für ein Flaggschiff geringem Dynanikumfang und stets etwas verwaschenen Farben. Zudem ist die Nachschärfung selbst bei viel Umgebungslicht recht aggressiv. Ihr könnt es in der folgenden Galerie z. B. gut an den Wolken im Hintergrund des ersten Fotos ausmachen.

Bei Porträtaufnahmen schneidet das RedMagic 6 hingegen gut aus und der Detailgrad der Fotos geht auch in Ordnung. Insgesamt kann man hier aber festhalten, dass die Fotos eines Flaggschiffs nicht würdig sind und eher einem durchschnittlichen Mittelklasse-Modell entsprechen. Ganz klar ist das RedMagic 6 also kein Allrounder. In Sachen Fotos seid ihr mit vielen anderen Modellen einfach besser bedient, mehr braucht man kaum dazu sagem.

Nervig ist auch das Umschalten zur Ultra-Weitwinkel-Kamera gelöst: Dafür müsst ihr in den Pro-Modus wechseln. Da sollte sich nubia ein Beispiel an Xiaomi nehmen, die dafür einfach in der Bildvorschau einen kleinen Button implementieren.

Zum Porträt-Modus wechselt ihr wiederum über die untere Menüleiste, die auch noch zu Modi wie Video, dem Nachtmodus, dem soeben erwähnten Pro-Modus und anderen Sonderfunktionen unter dem Punkt „Camera Family“ führt. Insgesamt empfand ich die Bedienung der Kamera-App als sperrig. Zumal einige Funktionen schlecht erklärt sind: Etwa lässt sich eine Funktion namens „Pfiffiges Foto“ zuschalten, deren Bedeutung zunächst unklar bleibt. Gemeint ist damit die Aktivierung einer smarten Bildverbesserung.

Bei wenig Umgebungslicht knickt das RedMagic 6 rasch ein. Hat es sonst eine Tendenz zur Überbelichtung, schärft es abendlich noch aggressiver nach und lässt die Filter spielen. Die Makro-Kamera kommt ohne einen Autofokus aus, zeigt euch aber über eine verschiebbare Lupe recht gut, was ihr im Fokus habt – sogar mit Fokus-Peaking! Selfies? Die gehen in Ordnung, entsprechen aber ebenfalls nicht ganz der Preisklasse.

Weitere Anmerkungen

Vorbildlich ist, dass nubia das RedMagic 6 ohne Bloatware ausliefert. Auch hat sich der Launcher RedMagic 4.0 positiv entwickelt und wirkt nun deutlich runder bzw. stabiler. Allerdings kommt es im System immer noch an einigen Stellen dazu, dass Teile nicht übersetzt worden sind. Dann erblickt ihr einen Sprachen-Mix aus Deutsch und Englisch – hin und wieder sogar noch mit spanischen Versatzstücken.

Das sind also so kleine Ungereimtheiten, die den Gesamteindruck immer noch etwas trüben. Positiv bewerte ich hingegen die Akkulaufzeit, die gut über 2 Tage bringen kann. Zumal der Akku dank 55-Watt-Schnelladung flott auf Vordermann gebracht ist. Auch der Fingerabdruckscanner des RedMagic 6 tut seinen Dienst tadellos und operiert schneller sowie präziser als beim Vorgängermodell.

Als Multimedia-Gerät eignet sich das RedMagic 6 hingegen aktuell nicht: Es verfügt nur über eine Widevine-L3-Zertifizierung, kann also Streaming-Inhalte von Amazon Prime Video, Netflix und Disney+ nur in SD wiedergeben. Vielleicht wird da ja noch mit einem Update nachgebessert? Die Stereo-Lautsprecher gehen in Ordnung und der Klang ist lustigerweise besser als an den Xiaomi Mi 11 und Mi 11 Ultra, die beide großspurig mit dem Branding von harman/kardon werben.

Wo wir beim Sound sind: Für den Test des RedMagic 6 habe ich auch kurz die RedMagic TWS Gaming Earbuds ausprobieren können. Jene sind zum Zocken gut geeignet, bringen sie doch sogar einen Modus mit, der die Latenz verringert (auf Kosten der Soundqualität). Der Klang ist tatsächlich für die Preisklasse (49,90 Euro) überdurchschnittlich gut, allerdings war der Tragekomfort für mich nicht ganz das Gelbe vom Ei. Sollte euch Look & Feel des RedMagic 6 zusagen, dann sind aber eventuell auch die Earbuds einen Blick wert. Auch sie bringen natürlich eine Beleuchtung mit – sowohl an den Kopfhörern selbst als auch an der Ladeschale.

Fazit

Das RedMagic 6 ist wie sein Vorgänger ein Gaming-Smartphone mit flotter Bedienung, massiver Leistung und ein paar schönen Zusatzoptionen im Gaming Space der Oberfläche. Dieser dedizierte Hub für Spiele und Feineinstellungen lässt sich über einen Hardware-Schieber jederzeit flugs aktivieren. Auch Verarbeitung und Design wissen voll zu überzeugen. Selbiges kann man auch von der Akkulaufzeit sagen. Dass nubia auf Bloatware verzichtet, verdient ebenfalls Lob.

Zu kritisieren ist, dass das RedMagic 6 nur über Widevine L3 verfügt und daher nichts für Multimedia-Freunde ist. Auch die Kamera ist weit unter Flaggschiff-Niveau zu sehen, obwohl es ein paar gute Ansätze gibt – etwa das Fokus-Peaking im Makro-Modus. Immerhin ist die Kamera schon deutlich gebräuchlicher als beim Vorgängermodell. Das Display bleibt ebenfalls in Sachen Bildqualität hinter den Erwartungen zurück und die 165 Hz sind für die meisten wohl eher ein theoretischer Mehrwert, da nur wenige Apps damit kompatibel sind.

Am Ende ist das RedMagic 6 für 599 Euro allerdings ein Smartphone, das zu den günstigsten Modellen mit dem Qualcomm Snapdragon 888 gehört. Wer mit den genannten Abstrichen leben kann, die verhindern, dass es zu einem perfekten Daily Driver wird, kann hier viel Positives finden. Wer aber nach einem Allrounder sucht, gerne Fotos knipst und unterwegs Videos konsumiert, schaut sich lieber nach einer Alternative um. Ich selbst kann das RedMagic 6 zum Zocken nur empfehlen und schätze auch das Design sehr, würde aber aufgrund der Abstriche bei der Kamera zum genaueren Hinsehen raten.

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Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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