realme 6i: Smartphone der unteren Mittelklasse ausprobiert

Wer die Smartphone-Branche regelmäßig verfolgt, ist mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit auch schon über realme gestolpert, einen Hersteller, der sich vor allem im unteren und mittleren Preissegment einnisten möchte. Vor gar nicht langer Zeit hatte Felix das realme 6 testen können. Ich konnte einen Blick auf das realme 6i werfen, das noch etwas unter dem 6er rangiert, aber auch ein paar Vorteile mit sich bringt.

Wenn ihr das Gerät aus der Box nehmt, werdet ihr noch eine transparente Silikon-Hülle, ein Netzteil und ein USB-C-Kabel vorfinden.

Wer das Gerät von der Rückseite betrachtet, wird als Erstes mit der mittlerweile bekannten und vor allem auch bei den nahe verwandten Oppo üblichen Designsprache begrüßt. Das Kamera-Modul mit den vier Kameras sitz am äußersten Rand oben links, der LED-Blitz hat einen separaten Platz außerhalb bekommen. In der oberen Mitte befindet sich der Fingerabdrucksensor, der beim Halten des Gerätes ziemlich gut mit dem Zeigefinger zu erreichen ist. Er ist tief genug, um gut erfühlbar zu sein, aber auch nicht zu tief. Ansonsten ziert die Rückseite nur ein auf der Seite liegendes realme-Logo.

Während das schimmernde Linien-Design der Rückseite wirklich nett anzuschauen ist und das Grün einen gedeckten und nicht zu grellen Farbton besitzt, fasst sich die Rückseite alles andere als angenehm an. Wenn ihr mit den Fingern über den Kunststoff fahrt, hört man regelrecht, dass es sich hierbei nicht um das wertigste Material handelt. Positiv zu erwähnen, gilt es jedoch, dass man auf diesem leicht angerauten Material keine Fingerabdrücke sieht.

Am Rahmen, der ebenfalls aus Kunststoff besteht, sich aber nicht so billig anfühlt, findet der Benutzer rechts den Power-Button und unten einen Lautsprecher, einen USB-C-Port und einen Kopfhörer-Anschluss. Links sitzen die Tasten für die Lautstärke und der SIM-Einschub, der übrigens zwei SIM-Karten und eine microSD frisst. Die Vorderseite ist komplett clean und nur die Kamera in der Teardrop-Notch ist sichtbar. Von Haus aus trägt auch realme eine dünne Displayschutz-Folie auf. Die ist leider nicht komplett deckend, was dafür sorgt, dass sich an den Rändern Staub sammelt.

Bis auf das eigenwillige Material des Rückens kann ich an dem Gerät von der Verarbeitung und vom Design her nichts aussetzen. Die verschiedenen Komponenten sind sauber zusammengesetzt, es ist verwindungssteif und macht generell einen guten Eindruck. Es liegt – obwohl mir persönlich etwas zu groß – gut in der Hand und ist auch nicht zu schwer. Die Knöpfe wurden ergonomisch klug platziert und haben einen guten Druckpunkt – fühlen sich also nicht matschig an.

Kommen wir zu den inneren Werten und bevor ich in Geschwafel irgendwelche technischen Details aufzähle, hier die Innereien in der Übersicht:

Technische Details des realme 6i:

  • Display: 6,5 Zoll HD+ LCD, 1600 x 720 Pixel
  • SoC: MediaTek Helio G80 (bis zu 2 GHz)
  • GPU: ARM Mali 52
  • Speicher: 64 GB bzw. 128 GB (UFS 2.1) erweiterbar: microSD
  • Arbeitsspeicher: 3 GB bzw.  4 GB RAM (LPDDR4X)
  • Maße: 164,4 x 75,4 x 9 mm (199 g)
  • Kamera: 48 MP (Hauptkamera F1.8), 8 MP (119 Grad Ultraweitwinkel F2.3), 2 MP (Tiefensensor F2.4), 2 MP (Makro F2.4)
    Videos bis zu 1080p und 30 fps
  • Frontkamera: 16 MP (f/2.0); Videos bis zu 1080p und 30 fps
  • Verbindungen: 4G: Band 1/2/3/4/5/7/8/20/28/38/40/41 3G: B1/2/4/5/8 GSM: 850/900/1800/1900
  • SIM: Dual-SIM (Nano-SIM)
  • GPS: Built-in GPS, A-GPS, Beidou, Glonass
  • Konnektivität: Bluetooth 5, Wi-Fi 2.4 GHz 802.11 a/b/g/n
  • Batteriekapazität: 5000 mAh (18 Watt Quick Charge)
  • Betriebssystem: realme UI v1 basierend auf Android 10
  • Farben: White Mile, Green Tea
  • Sicherheit: Fingerabdrucksensor am Rücken
  • Sonstiges: NFC, USB-C, 3,5-mm-Klinkenanschluss vorhanden, keine IP-Zertifizierung

Wie „performt“ denn das gute Stück so? Das Display hat, wie ihr sehen könnt, nur eine HD-Ready-Auflösung. Das allein stört während der täglichen Benutzung nicht, lediglich wenn man wirklich nah an das Display herangeht, sieht man natürlich Treppchenbildung etc. Was mich persönlich viel mehr stört, ist das Tearing, das man gerade bei schnellen Bewegungen ab und an sieht. Ich meine: Es ist kein 90-Hz-Display, dennoch fällt es mir bei diesem Gerät wirklich sehr oft auf. Ansonsten macht das LC-Display einen guten Eindruck, überzeugt mit einer guten Blickwinkelstabilität, ordentlichen Farben und die Helligkeit ist auch nicht zu gering. Bei Sonnenlicht ist das Panel immer noch gut lesbar.

Die Performance des Gerätes lässt teilweise leider zu wünschen übrig. Während der täglichen Benutzung merkt man schon, dass der Helio G80 nicht unbedingt das potenteste SoC da draußen ist. Die eigentlich ordentliche, wenn auch gewöhnungsbedürftige realme UI, die auf Android 10 basiert, ruckelt hier und da doch heftig. Ab und an konnte ich auch richtige Stopper ausmachen, was mich persönlich bei viel Multitasking extrem stören würde. Generell ist das Gerät auch kein Multitasking-Wunder. Apps laden sehr oft nach und man muss ab und an selbst beim Wechsel zur vorherigen App auf das System warten.

Wenn das Gerät schon beim System nicht gerade ein Performance-König ist, könnt ihr euch denken, wie es bei Gaming aussieht. Wenig anspruchsvolle Titel laufen ohne Probleme, wenn es jedoch grafisch etwas nach oben geht, ist zeitnah der Ofen aus. Ruckler und Stottern sind an der Tagesordnung – nichts für Gamer also. Wer Zahlen benötigt, dem sei die kleine Tabelle ans Herz gelegt. Was Geekbench betrifft, so liegt das Gerät auf einer Höhe mit dem Honor 8 Pro – einem Gerät von 2017.

Geekbench Single-Core 387
Geekbench Multi-Core 1330
3DMark Sling Shot Extreme OpenGL ES 3.1 1337
3DMark Sling Shot Extreme Vulkan 1316

Vielleicht ist es euch beim Ansehen der technischen Details nicht aufgefallen, aber: Das Gerät funkt nur im 2,4-GHz-WLAN! Solltet ihr keines mehr betreiben, dann lasst die Finger von dem Ding. Auch diejenigen unter euch, die Custom-ROMs auf ihr Smartphone bannen wollen, werden damit nicht glücklich. MediaTek-Chips bekommen in der Community üblicherweise wenig Support. Was mich auch am System gestört hat: Ich hatte eine Menge Bloatware – auch russischen Kram – auf dem Ding. In dem Moment, in dem ich vorinstallierte Apps in russischer Sprache sehe, ist ein Smartphone in der Regel raus für mich. Kann aber auch an meinem Sample hier liegen, wer weiß.

Was gut war, ist die Laufzeit des Gerätes. Das Smartphone verfügt über einen 5.000 mAh großen Akku, mit dem man gut und gerne über zwei Tage kommen kann. Wer das Smartphone nur wenig nutzt, kann da sicher noch mehr herausholen. Doch stellt euch auf eine lange Ladezeit ein: Bis das Ding voll ist, vergehen über 2 Stunden.

Lasst mich noch ein paar Worte zu den Kameras verlieren. Vier Stück verbaut realme doch nur zwei davon sind wirklich nutzbar. Die Tiefenkamera und das Makro-Ding könnt ihr unter Ulk verbuchen. Wird eben gerne genutzt, um „Quad-Kamera“ auf das Marketing-Material schreiben zu können. Die Fotos der Hauptkamera, die mit 48 Megapixel daherkommt, sind bei gutem Licht auch nutzbar. Die Farbdarstellung ist ordentlich und die Bilder sehen nicht leblos aus, beim Dynamikumfang gibt es doch Verbesserungspotenzial, denn die Bilder brennen an hellen Stellen dann doch schnell aus. Der Detailgrad ist aber ordentlich. Bei gutem Licht ist auch die Tele-Linse nutzbar und bringt ordentliche Fotos. An den Rändern ist die Verzerrung jedoch relativ hoch.

Sobald das Gerät bei weniger Licht benutzt wird, ist es jedoch relativ schnell vorbei mit der guten Performance. Details werden relativ schnell verschluckt, Rauschen setzt ein und die Farben leiden deutlich. Ein Album mit Test-Fotos findet ihr bei Google Fotos.

Kommen wir zu einer Art Fazit zu dem Gerät. Auch wenn realme hier ein an und für sich ordentliches Smartphone gebaut hat, fällt es mir schwer, das Gerät jemandem zu empfehlen. Sollte auf den Verkaufsgeräten auch russische Bloatware installiert sein, würde ich das Gerät gar nicht erst in Erwägung ziehen.

Auch sonst legt man zwar nur knapp 190 Euro für das Smartphone hin, doch muss mit einer Menge Abstrichen rechnen. Kein 5-GHz-WLAN, das System ist teilweise laggy und hier und da gibt es weitere kleinere Dinge, die das Gerät für den einen oder anderen nicht wirklich attraktiv machen. Wer wirklich geringe Ansprüche hat, ab und an surft, das Smartphone zum Messaging oder anderen einfacheren Tasks nutzt, könnte hiermit einen potenziellen Kandidaten gefunden haben. Meiner Meinung nach würde ich dann lieber im Gebraucht-Markt nachsehen oder noch etwas sparen, um ein besseres Gerät zu ergattern.

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Oliver Posselt

Hauptberuflich im SAP-Geschäft tätig und treibt gerne Menschen an. Behauptet von sich den Spagat zwischen Familie, Arbeit und dem Interesse für Gadgets und Co. zu meistern. Hat ein Faible für Technik im Allgemeinen. Auch zu finden bei Twitter, Instagram, XING und Linkedin, oder via Mail. PayPal-Kaffeespende an den Autor

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3 Kommentare

  1. Da würde ich ehr zu Redmi greifen da gibts mehr für das Geld.

  2. Christian Kiele says:

    Mit den genannten Punkten ist man doch eher bei Xiaomi/Redmi besser aufgehoben. Schade um die Ressourcen.

  3. Mediatek…noch Fragen?

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