Phil Spencer: Microsoft plant keine Streaming-Konsole

Microsoft plant mit Project xCloud einen eigenen Dienst speziell für das Game-Streaming. Trotzdem hatten die Redmonder in der Vergangenheit bereits betont, dass sie weiterhin von einem großen Markt für traditionelle Konsolen ausgehen. In einem neuen Interview bleibt Phil Spencer, Microsofts Kopf der Xbox-Sparte, dann auch bei dieser Ansicht.

Verwunderlich ist diese Einstellung nicht, denn immerhin will Microsoft Ende 2020 mit Project Scarlett ja auch eine Next-Generation-Konsole veröffentlichen. Laut Spencer sei aber das Beste, was Microsoft machen könne, den Spielern möglichst viele Möglichkeiten anzubieten. Denn dann können die Gamer selbst entscheiden, was sie bevorzugen. Es sei der falsche Weg für ein Unternehmen, der Community vorzuschreiben wie sie Zocken sollte.

Für Cloud-Gaming sieht Spencer eine große Zukunft, doch die Betonung liege auf dem Wort „Zukunft“. Aktuell lebe man einfach noch nicht in einer Welt, in welcher Cloud-Gaming ein gleichwertiger Ersatz für lokale Hardware sei. Deswegen arbeite man bei Microsoft auch nicht an einer Streaming-Konsole, wie die Gerüchteküche lange unterstellt hatte. Für Game-Streaming seien Smartphones eine interessante Plattform, doch die Konsole im Wohnzimmer sei besser dafür geeignet wie jeher lokal Berechnungen durchzuführen, um die beste Qualität zu bieten.

Dabei verteilt Spencer auch einen kleinen Seitenhieb an Google Stadia, denn er bestätigt, dass Cloud-Gaming noch mit Lags zu tun habe und niemand etwas anderes vorgeben sollte. Man biete Bequemlichkeit und Mobilität auf Kosten der Qualität – das sei aktuell die nackte Wahrheit – und das gelte nicht nur für Project xCloud, sondern auch für die Konkurrenz. Microsofts Game-Streaming-Plattform soll dabei im Oktober 2019 als öffentliche Beta starten – in ausgewählten Märkten.

Spencer redet aber weiter Klartext zum Cloud-Gaming: „Ich denke, wir sind Jahre davon entfernt, dass dies eine Mainstream-Option für Gamer wird. Und dabei meine ich Jahre und Jahre und Jahre.“ Spencer sagt, er denke da eher an 20 Jahre als an 2 Jahre. Die Entwicklung werde in Richtung Game-Streaming gehen, aber nicht rasant, sondern schleichend. Auch Netflix habe etwa 20 Jahre gebraucht, um zu dem Streaming-Anbieter zu werden, welcher das Unternehmen heute ist. Das würden viele Leute zu schnell vergessen und als gegeben hinnehmen.

Man plane aber da bei Microsoft langfristig und habe deswegen etwa schon Server in der Nähe wichtiger Third-Party-Entwickler platziert, damit jene ihre Spiele gut für xCloud testen und optimieren können. Es sei also für die Redmonder wichtig für die Zukunft vielseitig aufgestellt zu sein. Und da ist eben neben Project Scarlett auch Project xCloud weiterhin ein wichtiger Baustein.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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7 Kommentare

  1. Benjamin Wagener says:

    Schade, hätte mir gerne eine leichtgewichtige Streaming-Konsole mit Support für Windows-Apps gerne an den TV gehängt. Weniger zum Zocken, sondern als Ersatz für FireTV-Stick und Chromecast.

  2. Das wäre auch mein Einsatzzweck gewesen. Eine kleine Streaming-Xbox mit Apps wie Netflix, Kodi etc. fürs Schlafzimmer. Ich hoffe mal sie ändern ihre Meinung in naher Zukunft.

  3. Es wird ihnen nichts anderes übrig bleiben. Die Konsole ist ebenso tot, wie der Desktop PC und physische Medien.

  4. Die Arbeiten zu 100% an einer Streaming Konsole. Die wird nicht nächstes Jahr rauskommen, aber es wäre Quatsch erst dann mit den Arbeiten zu beginnen, wenn die Infrastruktur/der Markt dafür bereit ist. Denn dann bist du schon zu spät.

    • Wieso sollten sie. Eine Streaming-Console zu bauen ist heutzutage so einfach, dass sie es wann zusammenhaben; in 2 wochen? Sorry, aber im Zeitalter wo man für streaming einen TV-Stick nutzen kann, was braucht es da schon für spezielle hardware. Ev ne kleine box, anschlüsse, ne cpu die schnell genug ist und nicht hardwareseitig schon verzögerungen verursacht und das wars auch schon. Der rest muss ja auf den Servern erledigt werden.

      Das problem ist aber immer noch dass internet: braucht nur freitag abend sein, server sind voll, internet geht nicht, ist zu langsam oder man hat mobil wo alle reinwollen, aber dank zu langsamen 4g oder sogar 3g hängst fest. Nein, Streaming ist ne nette zukunftsmusik, und ja, ich denke auf google stadia wird es ev nen run geben, aber wenn sie dann merken, wie schlecht es im endeffekt funktioniert, dann gute nacht.

      Aber dass google ein geschäft machen wird, ist klar. Ist wie 4k-tv: braucht keiner, muss aber jeder haben. Die meisten Leute haben einen zu kleinen fernseher dafür, sitzen in der falschen reichweite usw., aber hauptsache mit 4k video die internetleitung verstopfen.

      • Benjamin Wagener says:

        Weil Streaming im Rahmen von Software as a Service, Gaming as a Service und Video on Demand halt die Zukunft ist. Und nicht für ungut, aber in meinen Augen ist der FireTV-Stick absolut nicht gut. Die Apps die darauf laufen hängen sehr häufig den Versionen im Google Play Store meilenweit hinterher und alles ist auf Amazon fixiert. Großartig spezielle Hardware braucht es eigentlich nicht, aber eine gute Software-Basis die leicht zu konfigurieren und an die eigenen Bedürfnisse anzupassen ist und auf der einfach mal alles läuft. Und das leistet ein FireTV-Stick einfach nicht, sondern lediglich ein Windows-Rechner, wenn man zuverlässig wirklich alles nutzen können möchte.
        Und Streaming mag für Dich vielleicht nicht funktionieren, ist aber bereits jetzt schon für Millionen von Stadt-Bewohnern Alltag. Zumal es ja auch nicht nur Deutschland als Markt für sowas gibt…

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