Mehr Jugendschutz im Internet: Gut gemeint aber noch zu diffus

Das deutsche Bundeskabinett beschließt ein angepasstes Jugendschutzgesetz für mehr Kinderschutz im Netz. Wie so oft, so ist die Idee dahinter durchaus gut. Doch schon jetzt wird die Umsetzung kritisiert, denn es entstehen zahlreiche Stolpersteine durch eine unklare Rechtslage. Branchenverbände waren also rasch mit Kritik zur Stelle.

Was ist das Ziel? Anbieter von Spielen und Filmen im Internet sollen Kinder vor Mobbing und sexueller Belästigung schützen. Ein Entwurf für die Änderungen am Jugendschutzgesetz liegt bereits vor. Das Gesetz soll auch ausländische Anbieter betreffen. Man zielt unter anderem auf Spiele ab, die In-App-Käufe und „glücksspielähnliche Elemente“ integrieren – etwa Surprise Mechanics Lootboxen.

Die Anbieter sollen zudem klare Melde- und Beschwerdemöglichkeiten integrieren. Einheitliche Alterskennzeichen für Inhalte im Netz sind ebenfalls geplant. Wäre also ähnlich wie die USK-Logos auf PC- und Konsolenspielen. Man will da nicht mehr nur den Gewaltgrad als Maßstab nehmen, sondern auch „Interaktionsrisiken“. Also eben, ob die Möglichkeit besteht, dass etwa in In-Game-Chats Gefahr drohen könnte. Die Kontrolle und Durchsetzung soll eine neue Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz übernehmen. Kostet den Steuerzahler also wieder jede Menge Geld bei vermutlich geringen Effekten, sage ich mal.

Das Gesetz muss derzeit noch von Bundestag und Bundesrat durchgewunken werden. Kritik äußeren nun die Interessenvertretungen Bitkom sowie der Verband der deutschen Games-Branche (Game) und der Verband Privater Medien (Vaunet). So sei der Entwurf viel zu diffus. Etwa werde offen gelassen, ob Landes- oder Bundesrecht anzuwenden sei. Auch bleibe offen, welche Aufsichtsbehörde in spezifischen Fällen zuständig sein werde. Im Wesentlichen lautet die Kritik, der Entwurf schwinge große Worte, erhöhe die Verwirrung aber eher, als praktisch etwas zu bewirken.

Kritik kommt aber nicht nur aus der Branche, sondern auch von Kinder- und Jugendmedizinern. Denen gehen die neuen Regelungen wiederum nicht weit genug. Gefordert wird da eine Art Punktzahl, die bei Onlinespielen nicht nur Gewalt und Erotik berücksichtige, sondern auch das Suchtpotenzial eines Spiels. Aktuell scheint also irgendwie keiner so recht mit dem aktuellen Entwurf glücklich zu sein.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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10 Kommentare

  1. Ich musste auch erst wieder runterkommen, nachdem ich gestern die Meldung in den Nachrichten gelesen habe. Am meisten stört mich, dass die Politik es sich mal wieder verdammt einfach macht. Im Prinzip wird den Betreibern gesagt: wie wollen XY, schaut zu, dass ihr das technisch irgendwie hinbekommt und wir schauen danach, ob ihr es zu unserer Zufriedenheit erledigt habt. Das ist nicht nur nicht sachgerecht, das ist einfach faul und opportunistisch. Denn als Politiker kann man dann immer sagen, dass man ja alles politische gemacht habe, nur die Betreiber sind mal wieder schuld, dass es nicht klappt. Zudem sehe ich wieder ein Baustein im überheblichen Gehabe Deutschlands. Da wird reguliert, bis die Schwarte kracht und vornehmlich sollen die Regelungen natürlich für alle gelten. Aber mal ehrlich, so langsam sollten wir genügend Erfahrungswerte haben um zu wissen, dass die großen internationalen Anbieter sich ins Fäustchen lachen und die deutschen Anbieter so viel Auflagen umsetzen müssen, dass sich kleine Startups kaum finanzieren lassen.

    Ich sag nur: nur für Personen mit ständigen Haushalt in Schleswig-Holstein.

  2. Ich finde das gerade in dem bereich Porno Konsum viel stärker auf die minderjährigen geachtet werden muss. Ich kann leider aus eigener Erfahrung sagen das minderjährige viel zu einfachen Zugriff auf Pornoseiten haben und Selbstbefriedigung als völlig normal angesehen ist. Ich (jetzt 18) habe damit schon leider im frühen alter mit angefangen und bereue es jetzt noch, da es sich zu einer sucht entwickelt hat, die schwer zu entkommen ist und mein Leben weiter beeinträchtigt.

    • Früher gab es dafür den Neckermann-Katalog. 😉

      Im Ernst: die Politik tut ja gerade so, als sei jede Form der elterlichen Erziehung bereits eine völlig abwegige Annahme. Jugend schützen, ja. Aber überall Schlösser dranmachen, damit die Eltern sich gar nicht mehr vom Sofa wegbewegen müssen, nein.

  3. Naja, auf der einen Seite verlangt die Politik Upload Filter gegen Urheberrechtsverletzungen, dann soll das Internet „für die Kinder“ gefiltert werden. Was soll es im Endeffekt werden? Wird als nächstes die Great Wall von China lizensiert, was aber in Ordnung geht da „Wir“ die Guten sind?
    Mir macht es schon Sorgen wie sehr die Politik immer mehr Filter für alles mögliche fordert. Da kommt nichts gutes bei heraus.

    • Naja, von China sind wir noch weit entfernt. Die blockieren ja Inhalte, die ihnen politisch nicht passen.

      Hier hingegen wollen die Politiker, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist und geltende Gesetze (Jugendschutz, Kopierschutz, etc.) umgesetzt werden.
      Wobei die Umsetzung teilweise doch arg zu beanstanden ist.

      • Das Internet war noch nie ein rechtsfreier Raum. Aber es ist International und kennt keine Ländergrenzen.
        Ein sehr großes Problem ist hingegen das der Jugendschutz instrumentalisiert wird um Filter, Identifizierung der User usw. durchzudrücken. Und wenn eine solche Infrastruktur erstmal da ist, wird sie regelmäßig durch die Politik missbraucht. Da können dann mal „Instrumente gegen schwerste Straftaten und Terroristen“ auch mal den Ruhestörer um die Ecke betreffen. Gemäß der alten Weisheit, wo der Trog ist, da sind die Schweine.
        Daher ist es wichtig der Politik derartige Instrumente erst garnicht in die Hände zu geben. Der Nutzen eines derartigen „Jugendschutzes“, welches Sache der Eltern ist, steht in keinem Verhältnis zu den Missbrauchsmöglichkeiten und Gefahren welches derartige Zensurmöglichkeiten bieten.
        Die Politik soll das öffentliche Leben regeln, aber niemals kontrollieren dürfen. Sonst ist der Schritt zu China nur noch sehr sehr klein.

  4. Meine Tochter ist 11. Ich wünsche mir, dass der Staat einfach komplett seine Finger aus dem ganzen Medienbereich zurückzieht. Ich brauche weder für Filme noch für das Netz irgendwelche Kinderschutzregeln, das klärt sich vollkommen in der Erziehung.

    Die schrecklichsten Dinge, die meine Tochter je zu sehen bekommen hat, sind die vom Staat erzwungenen Schockbilder auf Tabakwaren an der Supermarktkasse.

  5. Was waren das noch für Zeiten wo man im Internet alles schreiben und sagne konnte.

    Wenn die Umsetzung wirklich klappt halte ich es ja für Medienit einer jungen Zielgruppe sinnvoll.

    Aber gerade beim streaming oder im voice Chat von Spielen darf man ja fast gar nichts mehr sagen.

    Ich finde es dann immer lustig wenn Leute die ein usk 18 Spiel streamen auf Twitch gebanned werden weil sie ein Fäkalausdruck benutzt haben oder nicht zu 100% politival correct waren.

    Und zum Verlieren gehört nun mal das Fluchen dazu. Und zum Gewinnen das aufziehen des Gegners.

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