Internetanbieter wünschen sich Mitfinanzierung des Netzausbaus durch US-Tech-Riesen

Internetanbieter wie die Deutsche Telekom, Vodafone sowie 11 weitere Unternehmen wünschen sich in Europa, dass US-Tech-Anbieter den Netzausbau mitfinanzieren. Als Begründung führt man an, dass jene auch die Infrastruktur am stärksten belasten würden. Man blickt da genau so auf 5G wie Kabel oder auch Glasfaser.

Die Geschäftsführer erklären gemeinsam, dass ein großer Teil des Datenaufkommens durch Big-Tech-Unternehmen wie, explizit nicht genannt, aber deutlich impliziert, Facebook, Netflix oder Amazon verursacht werde und kontinuierliche Investitionen seitens der Netzanbieter erfordere. Während die US-Unternehmen verdienen, würden sie aber nicht in die Infrastruktur investieren. Die digitale Transformation könne aber nur gelingen, wenn auch jene Firmen ihren Teil beitragen würden.

Es haben die gemeinsame Stellungnahme unter anderem auch die Geschäftsführer von Telefónica, Orange, KPN, BT Group, Telekom Austria, Vivacom, Proximus, Telenor, Altice Portugal, Telia Company und Swisscom unterzeichnet. Man teilt da aber auch in Richtung der EU-Mitgliedsstaaten aus: Die Regierungen würden die Frequenzvergaben als Cash Cow für sich missbrauchen und damit die Marktbedingungen verschärfen.

Wie seht ihr die Sache? Ich empfinde die Angelegenheit als komplexer als von den Internetanbietern dargestellt. Denn vermutlich würden die US-Anbieter argumentieren, dass die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und Co. nur so viele Kunden mit umfangreichen Vertragspaketen binden können, gerade weil aus die Tech-Riesen sie ins Netz locken.

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25 Kommentare

  1. Das muss ich mal meinem Arbeitgeber sagen.
    Immerhin nutze ich mein Auto meistens nur für den Arbeitsweg.
    Das hat der mitzufinanzieren!

    *Sarkasmus off*

    • Tut er. Nennt sich Gehalt.

      • Das Gehalt ist doch unabhängig davon, ob man ein Auto hat und wie die Entfernung zum Arbeitsplatz ist. Derjenige, der direkt neben der Firma wohnt bekommt genauso viel wie derjenige, der 30km pendelt. Für die gleiche Stelle wohlgemerkt.

  2. Das heißt im Umkehrschluss auch, dass VW, Mercedes und BMW in der Welt nun Autobahnen finanzieren muss, da ja ihre PKW diese arg frequentieren. Zahlt dann jetzt in Zukunft Helene Fischer und Florian Silbereisen meine Rundfunkgebühren. Egal ob unsere Regierung oder unsere „Global“ Player – es scheinen irgendwie alle noch nicht in dieser Welt angekommen zu sein – der eine verballert Millionen mit einer Autobahnmaut die vor der Auftragerteilung schon ein Rohrkrepierer war, die anderen sollten dankbar sein, dass andere Länder einen ansprechenden Traffic liefern- denn ohne Spotify, Facebook, Netflix, YouTube, Google und wie sie alle heißen hätte man ja kaum was zu bieten, wofür man sich einen solchen Zugang zulegen sollte. Eigentlich könnte der Fleischer auch meine nächste Hose bezahlen, wenn ich aus der alten mal wieder rausgewachsen bin … Deutschland 2021 – es ist zum gruseln

    • Tatsächlich zahlen Trucker, also die mit den schweren Fahrzeugen, Autobahnmaut, da diese die Straßen sehr viel mehr durch ihr Gewicht beschädigen als kleine PKWs….

  3. Naja, nette Idee, aber nicht sachlich begründbar.
    Tatsächlich bestimme ja *ich* als Kunde meines Internetanbieters, wieviele Daten ich erzeuge und von wem diese geliefert werden.
    Wie das dann umgelegt wird, bestimmt mein Provider und die am Peering beteiligten Netzanbieter.

  4. Hab ich die Stelle überlesen wo Telekom und Co. sagt, dass dadurch der Anschluss für mich gratis wird? Die Dienstleistung des Datenweiterleitens ist ja dann schon durch die US Firmen bezahlt. Oder wollen die am Ende doppelt kassieren? Kann ich mir bei solch seriösen Firmen fast nicht vorstellen 🙂

  5. Die Telekom macht jetzt schon paid peering mit kleineren Anbietern wo möglich. Da wird beim Endkunden kassiert und auf der Anbieterseite auch. Mit den großen Anbietern klappt das wahrscheinlich nicht, die verlassen sich darauf, dass die Endkunden dem Provider auf’s Dach steigen, wenn das public peering z.B. zu Amazon nicht klappt.

  6. Die teilstaatliche Deutsche Telekom braucht nur ihr US Geschäft zu verkaufen und hat 100 Milliarden Euro frei, um den Breitbandausbau zu finanzieren. Wozu muss ein deutscher Staatskonzern in den USA investiert sein und dort die Infrastruktur ausbauen?

    • Weil die Telekom eben kein dt. Staatskonzern ist und in der USA noch dazu die meisten Gelder generiert werden! Ginge es nach den Kosten, müsste die Telekom in Deutschland das Geschäft verkaufen!

      • Falsch! Die Telekom ist ein teilstaatlicher Deutscher Konzern und die höchsten Einnahmen werden hier pro Kunde generiert. Das Abenteuer USA kann verkauft werden und das Geld hier investiert werden.

        Die deutsche Bahn hat auch Milliarden im englischen Opnv versenkt und wird das Geschäft nun nicht mehr los.

  7. Werden dann im Gegenzug die monatlichen Gebühren für die Nutzer sinken?

    • Wieso denkst du das damit die Netzwerke, die Wartung und der Weiterausbau bezahlt wären? Sicher nicht in Deutschland und im Rest von Europa eher knapp nicht…

  8. Ziemlich schwachsinnige Argumentation. Der Zustand des deutschen Internetausbaus ist wirklich traurig – obwohl bei uns die Preise höher als in anderen Ländern sind, hinkt der Ausbau hinterher. Und das, obwohl wir eines der dichtbesiedelsten Länder der Welt sind. Es wurde einfach Jahrzehnte verschlafen, das Netz nachhaltig auszubauen. Stattdessen hat man sich an die alte, vorhandene Infrastruktur geklammert und versucht weiterhin da das letzte Quäntchen Leistung rauszuholen – egal, ob das Netz es letzten Endes hergibt (siehe Kabelnetz…).

    Warum läuft das hierzulande so Schief? In meiner Gegend (dichtbesiedeltes Wohngebiet einer 15T Einwohner Stadt) gibt es NUR Vodafone Cable. Kein DSL, kein Glasfaser. Hier gibt es zwar 1GBit im Kabelnetz, aber dafür schwankt die Leistung enorm und man hat regelmäßig Ausfälle. Bei meinen Schwiegereltern gibt es zwar Glasfaser, aber nur bis 100Mbit (davon kommen ca. 85mbit tatsächlich an) und seit 6 Monaten bekommt man dort keinen Internetanschluss, weil keine Ports mehr verfügbar sind (Aussage Netcologne & Telekom). In dem zum Teil vermieteten Haus hat genau eine Person (Vermieter) einen Anschluss, den er jetzt mit zwei Mietern teilen muss, weil es nicht anders geht. Mobilfunk gibt es dort quasi auch kaum, bestenfalls 1 Balken LTE (sowohl VF als auch Telekom). Wenn man dort neu hinziehen würde, wäre man quasi komplett offline.

    Absolutes Trauerspiel.

    • Und was denkst du kostet der Umbau auf bessere Technologien – und bedenke, dass selbst bei Glasfasern diese nach einigen Jahren (rund 10-20!) erneuert werden müssen – wenigstens die gesamte Technik an den Endpunkten muss dann komplett gewechselt werden! Und diese wird immer teurer!

      Anmerkung: entgegen der Meinung so einiger „Experten“ altern Glasfaserleitungen, so dass nach einigen Jahren bereits die Übertragungsfähigkeit zu leiden beginnt. Nach gut 15 Jahren ist derzeit rund 30 bis 45% der Signalstärke futsch. Kommen dann noch Verlegungen wie Ecken dazu, kann es zu Mikrorissen kommen – und die Lichtsignale beginnen zu streuen und damit ist dann die Signalstärke am Ende auf und 30% (wenn überhaupt – oft braucht man dann ein Fehlerkorrektursystem um überhaupt och utzdaten zu bekommen)

      • Deshalb sollten die verdammten Kommunen, Netzbetreiber und auch Hausbesitzer endlich verpflichtet werden, Leerrohre (!) in ausreichender Menge zu verlegen.
        Es ist ja am Ende auch bums, ob man nen Kabelriss hat oder die Glasfaser altert oder ob man in 20 Jahren wasweißich ne Plasma-Hochenergieleitung für sein Internet braucht. Leerrohre würden halt dafür sorgen, das man das leichter austauschen oder nachverlegen kann.
        Unterputz und Trenching ist dagegen absolut blödsinnig, wenn man jedesmal alles aufreißen muss, macht man das natürlich nur im Notfall.

        • Die Leerrohre können sie sich in den A. schieben. Die Rohre die innerhalb der letzten 20 Jahre verlegt wurden sind zum großen Teil unterdimensioniert für heutige Glasfaserleitungen. Heute verlegt man mit Sonden ohne Probleme die Kabel bei bestehender Infrastruktiur. Im Notfall macht es ein Telefonmast. Dazu braucht man keine unsinnigen Leerrohre.

        • Glasfaser werden schon jetzt ausschließlich in Leerrohre eingeblasen (Speedpipes). Sollte wirklich irgendwann Mal ein Austausch notwendig sein, ist das dann nicht mit einer riesigen Baumaßnahme verbunden.

  9. Die ganze Diskussion kennt man ja auch schon von den TV-Kabel-Betreibern, allen voran Kabel Deutschland (heute Vodafone). Die haben schon vor Jahren auf der einen Seite von den Kunden horrende Summen für die HD Sender verlangt, und wollten gleichzeitig auf der anderen Seite von den TV Sendern mehr Geld für die Einspielung von HD Bildern. Wozu einmal für eine Leistung kassieren, wenn es auch zweimal geht.

    • Danke, das Beispiel trifft es gut.
      Nur darum geht es, doppelt abkassieren.

      Ich kann natürlich auch nen Tunnel oder ne Brücke bauen und dafür Maut von den Passanten kassieren (=Endkunde). Und dann kann ich hingehen und zu den größten Arbeitgebern und Vergnügungsstädten (= Contentprovider) der Region gehen und sagen: „Buhu, ihr sorgt dafür, das der Verkehr immer mehr zunimmt und ich meine Brücke/Tunnel ausbauen muss, buhu!!! Ihr müsst dafür bezahlen!!“
      Dabei lasse ich natürlich elegant unter den Tisch fallen, das mir die Passanten über die Maut eh schon alles finanzieren, schließlich bin ich ja nicht dumm und kann das kalkulieren.

  10. Das kannst du dir nicht ausdenken. *facepalm*

  11. Das kling nach ganz großem Mimimi…
    Erst den Markt verpennen, Jetzt schnelles Geld generieren wollen.

  12. Die alte Kupferleitung und auch Kupfer-Koaxkabel sind gar nicht so schlecht wie ihr Ruf: was hier über die Haltbakeit der Glasfaser zu lesen war , bestätigt daß Kupfer nicht überholt ist. Liegt teilweise mehr als 20 jahre in der Erde oder den hauswänden und funktioniert immer noch. 100 mBit pro haushalt sollten eigentlich reichen , mehr braucht sicher eine Firma , ein Unternehmen , aber ein einffacher Privathaushalt nur für medienkonsum – da sollte man dann mal die Verhältnismäßigkeit im auge behalten : 500 mBit oder 1 GBit für nen simplen Familie-Irgenwer-haushalt sind doch totaler Overkill und nichts weiter als Protzerei. ein bißchen Bescheidenheit und 100 mBit pro haushalt sollten wirklich reichen. Das ließe sich sicher in absehbarer zeit mit vertretbaren Kosten umsetzen. Mit dem höher-weiter-schneller-Denken sollte , gerade im privaten Konsumbereich, so langsam mal Schluß sein. Das bringt nicht weiter , sondern das sinnlose hinterheerhecheln hinter immer höheren Zielvorgaben macht nur eins: permanent unzufrieden.

    • Grüsse von Bill Gates!
      „Mehr als 640 Kilobyte Speicher braucht kein Mensch“

      • Hallo RA, ja da hatten Programmierende es noch drauf ressourcensparend zu arbeiten. Auch unter MS-DOS gab es schon Texverarbeitung, Tabellenkalkulation , Mailer , ja komplette Mailboxsysteme für Fido und sonst noch alles . Ja war umständlich einzurichten z. B. für jedes dösige Programm die Kommunikationsschnittstellen einzeln adressieren , aber es funktionierte. Mit qurterdecks Speichermanagern ließ sich da auch noch schön „zaubern“

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