Im Wohnzimmer des Hollywood-Kameramannes und 8K-Verfechters Phil Holland

Vor meinem diesjährigen Besuch der CES 2020 hatte ich in Los Angeles die Chance mit ein paar Experten aus der Filmbranche über den aktuellen Stand der Dinge in Hollywood zu sprechen. Dabei ging es primär um 8K, HDR und die Richtung in welche es den Content zieht. Ein eher ungewöhnliches „Meeting“ gab es dabei mit Phil Holland, einem Regisseur und Kameramann.

Holland kann in seinem IMDB-Profil so einige prestigeträchtige Projekte vorweisen – beispielsweise hat er auch an „Avengers Endgame“ mitgearbeitet, worauf ein kleines Souvenir in seinem Wohnzimmer verweist. Letzteres ist vor allem mit zwei Dingen vollgestopft: Teurer Technik rund um das Filmemachen und Fantasy-Romanen und -Comics. Sympathisch, denn Luxus-Accessoires bleiben komplett aus. Holland ist ein bodenständiger Nerd, dem es in erster Linie um Kreativität und Spaß an Technik geht. Und das merkt man dann auch in jeder Sekunde des Gesprächs.

Mit ein paar deutschen Kollegen ließ ich mir also von Holland erläutern, in welche Richtung sich Technik und Content in den nächsten Jahren entwickeln könnten. Spannend: Hohe Framerates schätzt Holland, wünscht sie sich aber auf keinen Fall für Kinofilme. Auf die Frage hin, ob 24p nicht einfach nur Gewöhnung sei und zum alten Eisen gehöre, schüttelt Holland den Kopf. Denn er hat eine andere Begründung dafür, warum 24p so beliebt ist.

Laut Holland passe 24p sehr gut zur Wahrnehmung des menschlichen Auges und erzeuge bei Bewegungen einen angenehmen Motion Blur, der bei höheren Framerates gänzlich anders ausfalle. Die Framerate sorge nicht nur für eine Ästhetik, welche dem Auge wohlgefalle, sie sei einfach sehr gut für die Art und Weise geeignet, wie Filme visuell ihre Geschichten präsentieren. Er befürworte höhere Framerates wie 60p sehr wohl für einige Inhalte und möglicherweise auch Actionfilme – ganz sicher aber nicht für beispielsweise Dramen, Thriller oder Horror.

Dynamische Framerates? Geht ja bei Games, wäre das auch etwas für Filme und Serien? Schwierig umzusetzen, sagt der Fachmann. Und man werde womöglich aus der Geschichte herausgerissen bzw. erlebe zu drastische Wechsel. Er könnte sich dynamische Framerates vorstellen, wenn etwa ein Film laufe und dann zur Werbung umgeschaltet werde. Denn da erwarte der Zuschauer ohnehin einen harten Bruch. Innerhalb eines zusammenhängenden Werkes werde das aber wohl eher abschreckend wirken.

Höhere Auflösungen? Da leuchten die Augen von Phil Holland, denn es sei sinnvoll bis 16K zu gehen und vielleicht darüber hinaus. Der Filmemacher betont, dass höhere Auflösungen eben auch dann hilfreich seien, wenn am Ende in 4K oder auch nur 2K gemastert werde. Weil man einfach ausreichend „Luft“ habe, wenn man beispielsweise in 8K filme. Das Cropping oder Zoomen sei dann ohne Probleme nachträglich möglich. Aber auch schnelle bzw. viele kleine Bewegungen ließen sich dadurch besser abbilden.

Holland hat im Übrigen in diesem Zusammenhang auch schon mit Apple intensiv zusammengearbeitet und für jene die Aerials für den Apple TV gefilmt – genau, jene Screensaver, die euch wunderschöne Aufnahmen aus aller Welt auf den Screen zaubern, stammen von Holland. Apple sei dabei laut Holland ein aufgeschlossener und zukunftsgerichteter Kooperationspartner, der auch offen für 8K sei. Denn in höheren Auflösungen werde, zumindest für Kreative, die Zukunft liegen.

Schwierigkeiten gebe es da aktuell noch im Bezug auf die Post Production. Viele Studios würden den Mehraufwand scheuen, den höhere Auflösungen für sie mit sich brächten. Laut Holland fände dabei aber oft eine Überschätzung statt. Denn aufgrund der gestiegenen Rechenleistung sei es mittlerweile wesentlich leichter, größere Datenmengen zu verarbeiten und 4K und auch 8K seien eben keine reinen Luftschlösser mehr.

8K-Content und 8K-Displays für Privatkunden? Das sei eine andere Sache als die Produktion. Er könne schwer voraussagen, ab wann der Markt so weit sein werde. Dafür müssten auch seiner Ansicht nach erst die Preise fallen und ein Anbieter nach vorne preschen und entsprechende Inhalte anbieten. Holland spekuliert, das werde wahrscheinlich Netflix sein, denn der Streaming-Anbieter versuche sich besser gegen die wachsende Konkurrenz durch neue Rivalen wie Disney+ und Peacock zu wappnen.

Als kleiner Abschied ein Video von Holland, das bei YouTube viral ging und daher auf fast 5 Mio. Aufrufe kommt. Dabei filmte Holland mit gleich drei 8K-Kameras von RED, um am Ende ein 12K-Bild zusammenzufügen. Das Video soll generell zeigen, wie sehr die hohe Auflösung Mehrwerte generiert – denn erst dadurch sind die detaillierten Aufnahmen von New York City möglich. Etwa sind solche Shots besonders schwer einzufangen, wegen der vielen parallel verlaufenden Bewegungen.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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9 Kommentare

  1. Sieht auf meinem iPhone aus wie HD.

  2. Was für ein cooles „Meeting“ mit Phil Holland – da wäre ich gerne dabei gewesen Danke André für deinen tollen Beitrag

  3. Ich war mal in einem Vortrag von ARRI Technikern. Diese erzählten von dem ARRI eigenen Kino, in dem sie verschiedene Auflösungen getestet haben. Ergebnis: Menschen mit normalen Augen sehen ab der 5. Kinoreihe keinen Unterschied mehr zwischen 4K und HD. Je weiter weg man von der Leinwand sitzt, desto weniger bedeutend wird die Auflösung. Ist ja quasi der Effekt von Werbeplakaten. Sehen auf die Entfernung gut aus, geht man näher ran, sieht man Pixel fast in Größe von Erbsen.
    Bei der Produktion hat der Kameramann sicherlich recht. Die hohen Auflösungen geben mehr Potential für Crops oder Zooms.

  4. Interessantes Video, schön anzusehen, aber entspricht halt nicht der Wahrheit. Da wurde zu sehr an den Reglern gedreht, um diese Farben hinzubekommen.

    Ich habe mittlerweile zig Flüge über NYC hinter mir, sei es privat oder geschäftlich gewesen, nie sah es so aus! Auch in anderen Städten sieht es, von den Farben her, so aus.

    Wenn ich hinterher das gedrehte Material so dermaßen verfremde, sehen auch Videos von Hintertupfingen oder Klein Kleckersdorf sehr interessant aus!

  5. So extrem hoch aufgelöste Videos sehen zwar gut aus, aber eben auch nicht echt. Es ist was dran an dem Satz, mit dem ein Privatsender vor Jahren die Einführung von HD beworben hat: „Schärfer als die Realität.“

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