Google wegen Android auch in den USA im Visier der Kartellbehörden

artikel_android3 Jahre ist es nun her, dass Google in den USA vor einem kartellrechtlichen Problem stand, vor zwei Jahren wurde der Fall zu den Akten gelegt. Damals ging es um die Bevorzugung von Suchergebnissen aus den eigenen Diensten. Der neue Fall beschäftigt sich hingegen mit den unter Android vorinstallierten Google-Apps. Kommt Euch sicher bekannt vor, denn auch in Europa muss Google eine solche Untersuchung über sich ergehen lassen. Unklar ist, inwiefern die Untersuchenden in Europa und den USA zusammenarbeiten, wie Bloomberg berichtet.

Es geht um die vorinstallierten Apps, die von Google bestimmt werden und von Herstellern, die offiziell auf Android setzen wollen, auch in spezieller Weise (nach einer bestimmten Anzahl Klicks ausführbar, sichtbare Anordnung) integriert werden müssen. Hier gilt es nun zu klären, ob Android eine Monopol-Stellung innehat oder Nutzer auch zu Alternativen greifen können, die ohne die Google-Apps kommen.

An dieser Stelle sind auch die Marktanteile von Android interessant. In den USA kommt Android laut IDC auf 59,3 Prozent Marktanteil (Q2/15). Apple erreicht mit dem iPhone allerdings auch 38 Prozent. Und hier stehen die Chancen für Google recht gut, wie Harry First, Rechtsprofessor an der New York University, vermutet. Nutzer können durch Kauf eines alternativen Gerätes die Google-Apps umgehen, somit läge keine Monopolstellung vor. Klingt nach einer einfachen, aber durchaus logischen Begründung.

Was man auch nicht vergessen sollte: Neben den Android-Geräten, die von Google lizenziert werden, gibt es auch solche, die das Android Open Source Project als Basis nutzen und ihr eigenes Süppchen kochen. Diese Geräte kommen dann ebenfalls ohne Google-Apps. Zwar dürfte der Anteil solcher Geräte sowohl in den USA als auch in Europa relativ gering ausfallen, allerdings hat man so selbst innerhalb des Android-Systems die Wahl, ob man Google-Apps möchte oder nicht.

Da die Untersuchungen in den USA noch am Anfang stehen, gibt es auch noch keine möglichen Konsequenzen. Vorerst muss festgestellt werden, ob Google überhaupt die passenden Marktanteile hat, um kartellrechtlich belangt zu werden. Und danach sieht es nun einmal nicht aus.

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Sascha Ostermaier

Technik-Freund und App-Fan. In den späten 70ern des letzten Jahrtausends geboren und somit viele technische Fortschritte live miterlebt. Vater der weltbesten Tochter (wie wohl jeder Vater) und Immer-Noch-Nicht-Ehemann der besten Frau der Welt. Außerdem zu finden bei Twitter (privater Account mit nicht immer sinnbehafteten Inhalten) und Instagram. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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6 Kommentare

  1. Erinnert etwas an Microsoft und ihrem Internet Explorer. Vielleicht kommen die ja noch auf die geniale Idee, sowas die die Browserauswahl unter Windows dann künftig für Apps bei Android anzubieten… Nur: Was gäbe es schon für Alternativen? Amazon? Klar, hat einen App Store, aber ja sonst kaum Apps, welche die Standardapps von Google ersetzen könnten.

    Da stelle ich mir jedoch die Frage, warum sich zu Zeiten, bei denen der Apple-Anteil deutlich größer war, keine Behörde eingeschaltet hat. Bei Google hat man jedenfalls noch die freie Wahl; soweit ich weiß lassen sich ohne Tricks bei iOS doch nicht mal Apps installieren, die außerhalb des App Stores angeboten sind (vielleicht auch besser so). Ganz fair ist das vielleicht nicht unbedingt.

  2. Wenn man für so einen Artikel auch nur ein bisschen recherchieren würde, würde man da nicht das in diesem Monat in Russland gefällte Urteil erwähnen?

  3. @Steebee
    > Da stelle ich mir jedoch die Frage, warum sich zu Zeiten, bei denen der Apple-Anteil deutlich größer war, keine Behörde eingeschaltet hat.

    Wann soll denn das gewesen sein dass Apple in den USA so einen hohen Marktanteil hatte??

  4. Ihr solltet mal eine andere Perspektive einnehmen – Apple spielt hier keine entscheidende Rolle, denn: zwingt Apple einen Hersteller von Smartphones mit iOS, Apps mit zu installieren? Nein, denn Apple gibt das OS gar nicht an andere – sie nutzen es nur für den Verkauf der eigenen Hardware. Apple verkauft das OS nicht. Somit zwingt Apple auch keinen anderen Hersteller, irgendwas zu installieren (ausser sich selbst). Google hingegen zwingt jeden Hersteller, der Android mit Play Store einsetzen will, dazu, bestimmte Software mit zu installieren. Das ist in Kombination mit der Markposition anscheinend ausreichend, um als Kartellamt zumindest mal nachzusehen. Die Frage ist also: habe die Hersteller von Android-Geräten ein Wahl? Und somit geht der Zwang auf den Endverbraucher über. Während bei Apple also ein „Ausweichen“ auf einen anderen Hersteller ausreicht, um eine Alternative zu haben, sieht das bei Android eben anders aus (ausser man weicht zu Apple aus). Es ist rechtlich wesentlich schwerer, einen Hardwarehersteller zu etwas zu verpflichten, da hier schlicht andere Markanteile zählen und Regeln greifen.

  5. @Yann: Entweder kapierst du nicht worum es hier geht, oder du ignorierst es bewusst nur um über Apple zu nölen unter einem Artikel in dem es nicht um Apple geht.

    a) Klar gibt es freie Android-Varianten, aber diese haben dann eben keine Chance z.B. nur den Play Store oder nur Google Maps aufzuspielen. Entweder das ganze Google Play Paket mit allen Apps und dann auch genauso so mit den Vorschriften von Google, oder gar nichts davon. Und gerade den Google Play Store nicht drauf zu haben ist ein nicht zu verachtender Nachteil. Nur warum muss das direkt bedeuten dass auch Google Maps installiert sein muss etc.? Da nutzt Google seine Macht aus, und das wird untersucht.

    b) Apple hat nicht annähernd den momentanen Marktanteil von Android in den USA. Und auch nie gehabt. Nach deiner Argumentation müsste das Kartellamt beim kleinen Lebensmittelgeschäft aktiv werden weil das es wagt mir nur bestimmte Marken zu verkaufen und andere nicht. Solange dieses Lebensmittelgeschäft aber nicht marktbeherrschend ist und dadurch dort nicht verkaufte Marken kein Problem haben anderswo verkauft zu werden und nicht im Gesamtmarkt stark benachteiligt sind, solange ist das völlig in Ordnung, wenn das Lebensmittelgeschäft meine Wahlmöglichkeiten als Käufer dort nach eigenem Ermessen einschränkt. Da kannst du beleidigt sein dass dort deine Lieblingsmarke nicht verkauft wird solange du willst.

  6. @Yann: das ist ja gerade Gegenstand der Untersuchung, wie unabhänging die Hersteller entscheiden können und wenn nein, ob das zu Lasten der Käufer geht – ob das wirklich so ist, da habe auch ich meine Zweifel, aber es gibt auch durchaus Ansatzpunkte, die dafür sprechen – ich bin nicht das Kartellamt Die Existenz anderer Varianten von Android wird wohl eine Rolle spielen – und deren Marktanteil.

    Und es ist vollkommen egal, was Apple macht, da Apple niemandem vorschreibt, was er mit Android zu tun hat. Apple verkauft nur Hardware, und da gibt es keine gesetzliche Grundlage, die dich zwingt, irgendwas (nicht) zu installieren – nicht bei dem Marktanteil. Egal, wie restriktiv Apple die Software darauf behandelt, es betrifft keinen anderen Hersteller.

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