Google musste E-Mails von Wikileaks-Mitarbeitern aushändigen, informiert diese 2 Jahre später

Google als Wikileaks-Verräter? Schenkt man manche Überschriften in der Medienlandschaft heute Glauben, liest es sich zumindest so. Es geht darum, dass Google entsprechenden Behörden die E-Mails von drei Wikileaks-Mitarbeitern gegeben hat, ohne die Betroffenen zu informieren. Die übergebenen Daten beinhalten gesendete, empfangene und gelöschte E-Mails, sowie die Kontaktinformationen der Konversationsbeteiligten.

Gmail

Google musste allerdings so reagieren, das geht aus dem vom 22. März 2012 stammenden Durchsuchungsbeschluss hervor, der bis spätestens 5. April 2012 Auskunft forderte. Google wurde mit Erhalt des Durchsuchungsbeschlusses auch jegliche Kommunikation darüber untersagt. Dies änderte sich erst 23.12.2014 mit einem zweiten Gerichtsbeschluss, zu diesem Zeitpunkt wurden die Wikileaks-Mitarbeiter auch über die Aushändigung von Daten informiert.

An zwei Punkten stört sich Wikileaks bei dieser Nummer. Zum einen, dass Google offenbar nichts gegen die Schweigepflicht unternommen hat, zum anderen ist der Umfang der übergebenen Daten unklar. Es sei nicht geklärt, ob nur Daten weitergegeben wurden, die von vor dem Zeitpunkt des Durchsuchungsbeschlusses stammen, oder ob den Behörden ein dauerhafter Zugang zu den E-Mail-Konten eingerichtet hat.

Von einer Kooperation zwischen Google und den US-Behörden zu sprechen, ist gewagt. Immerhin gab es eine richterliche Anordnung, es ist nicht so, dass Google hier ohne Grund Daten weitergegeben hat. Auch kann man es Google wohl nicht vorwerfen, dass man sich an die Schweigepflicht hält. Schließlich unterliegt auch Google Gesetzen, egal wie sinnig diese sind.

Vielleicht sollten sich die Wikileaks-Mitarbeiter auch einfach einmal überlegen, ob Gmail in ihrer Position die beste E-Mail-Lösung ist. Wer täglich mit sensiblen Daten arbeitet, sollte dies vielleicht nicht bei einem der größten Mail-Provider machen und Mails ohne weitere verschlüsselte Absicherung verschicken. Hier Google an den Pranger zu stellen, ist zwar ein einfacher, aber nicht gerade fairer Weg. Just my two cents.

(Quelle: NDR)

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17 Kommentare

  1. „Vielleicht sollten sich die Wikileaks-Mitarbeiter auch einfach einmal überlegen, ob Gmail in ihrer Position die beste E-Mail-Lösung ist“
    Mann weiss doch gar nicht, was das für Mails waren. Vielleicht haben sie diese Adressen nur für private Kommunikation mit der Familie und Freunden genutzt.
    Ich glaube kaum, dass Wikileaks Mitarbeiter so dumm sind und brisantes Material über eine solche Adresse unverschlüsselt zu übertragen.

  2. Manche Leute sind dümmer als man denkt….. daher sag niemals nie ^^

  3. Die amerikanischen Firmen sind in der Lage, sich in Sachen Steuerrecht elegant, unter Ausnutzung lokaler Gegebenheiten ( Firmensitze in anderen Ländern ), aus der Affäre zu ziehen.
    Aber bei solchen „Geschichten“ wird brav auf den Gesetzgeber gehört.
    Das gibt mir eher zu denken.

    @Sascha
    „die beste Emaillösung“ gibt es nicht. Und solange nicht klar gestellt wurde, welche Daten herausgegeben wurden, solange ist es eigtl auch irrelevant. Privaten und belanglosen Kram kann ich auch über Google an die Menschheit verteilen 🙂

  4. michael_cgn says:

    Schon öfters gesagt:
    Wer sich der Illusion hingibt, die großen US-Konzerne – aber auch viele kleinere Unternehmen – könnten sich einer Mitarbeit mit der US-Stasi entziehen (denke, dass die Meisten eher sogar es „ganz US-Patriotisch“ gerne tun), der kann seinen Wohnsitz direkt nach China verlegen.

    Interessiert aber eh kaum einen, solange wir in „Freiheit“ leben und uns die Wahl zwischen „iPhone“ und „Galaxy“ erlaubt ist.
    Und uns mit den Demonstrationen für die Rettung des „Abendlandes“ von den wirklich wichtigen Themen ablenken lassen.

    Ansonsten braucht es halt immer mehr Zivilcourage.

  5. Zivilcourage in einer Zeit wo alle nur an Ihr eigenes Wohl denken…. der war gut ^^

  6. Guter Artikel, muss nicht allem zustimmen aber schön mal nicht nur von caschy Meinungsbeiträge zu kriegen.

    Zum einen, dass Google offenbar nichts gegen die Schweigepflicht unternommen hat…

    Grundsätzlich macht so eine Schweigepflicht aus Sicht der Ermittlungsbehörden natürlich Sinn, trotzdem ist es schade wie freimütig Google anscheinend alle Türen geöffnet hat, ohne die Daten der eigenen Kunden auch nur mit dem kleinsten Aufwand zu verteidigen.

  7. Ebenso nahezu vollkommene Zustimmung.

    Es grenzt an Vorsatz, wenn man Google für soetwas verwendet.

    Leider ist man aber nicht automatisch sicher, nur weil man Google nicht verwendet. Und selbst wer PGP oben drauf setzt, unbefugte bekommen immer noch heraus, wer mit wem wann kommuniziert, auch wenn die Nachrichteninhalte eventuell verborgen bleiben, und nicht verfälscht werden könnten.

  8. Erinnert hoffentlich noch mehr Nutzer daran, daß Google ein Unternehmen ist, das wie alle anderen Unternehmen Nutzerinteressen hintenanstellt.
    Den Grundtenor „selber schuld“ finde ich übrigens zum Kotzen.

  9. Reiner Reibach says:

    Danke Janina. Meine Gmail – Nutzung ist seit Snowden sowas von reduziert. Und ich hoffe, dass das viel genauso gemacht haben. Geht nicht um die Inhalte. Nur um das Prinzip.

  10. Was hier gleich wieder über die Wikileaks-Mitarbeiter und deren angebliche Dummheit diesen Dienst für vertrauliche Inhalte zu nutzen abgelassen wird.
    Woher wisst ihr denn dass sie das getan haben? Die entsprechenden Staatsorgane werden mit Sicherheit möglichst viele Quellen anzapfen um Informationen zu bekommen. Und somit sicherlich auch private Accounts bei z.B. Gmail, über die auch vielleicht wirklich nur private Kommunikation gelaufen ist.
    Macht das ganze Thema nicht besser, aber diskreditiert auch nicht gleich die Wikileaks-Mitarbeiter.

  11. Was meckern hier alle? Unternehmt etwas gegen die Gesetze, wenn euch das stört Punkt und aus.
    Google hat sich an geltendes Recht gehalten und wenn ein Gerichtsbeschluss vorlag, lag ein Gerichtsbeschluss vor. Da gibt es weiter nicht zu diskutieren.
    Wenn ihr nicht möchtet, dass euer Staat per Gerichts Beschluss Daten bekommen kann, dann müsst ihr eben dem entsprechend eure Wahl treffen etc.
    Was da nun Google für kann ist nicht ersichtlich. Den geltende Gesetze sind geltende Gesetze.
    In Deutschland gibt es auch Hausdurchsuchungen wegen ein Paar Gramm Gras und ähnliches von daher gibt es hier auch nicht wirklich was zu diskutieren.

    Sollen die Wikileaks Leute eben ihre eigenen Server betreiben, dann kommt der Gerichtsbeschluss direkt zu ihnen.
    Wenn sie damit ein Problem sind, müssen sie eben wieder zurück zum Brief oder Anbieter suchen die das Ganze irgendwo im Kongo (hier kann jedes beliebige Land eingesetzt werden) oder so hosten, wo Gesetze niemanden interessieren ^^

  12. @Hans seh ich ganz genauso.
    Hab meine gmail Nutzung seit Snowden nicht geändert, warum auch? Ganz ehrlich, bisher wurde aus den Dokumenten nix veröffentlicht, was man doch nich eh vermutet hat, oder?
    Schaut euch mal bitte „ältere“ US-Krimiserien an und achtet mal drauf, wie oft Behörde XY über die NSA an Daten von Tätern, Überwachungskameras usw. ran kommt 😉

  13. datenschutz ole ole says:

    zum glück hab ich den rotz noch nie benutzt!

  14. Buddyspencer says:

    Sondern? Eigene Domain, gmx.de, oder was?

  15. Hallo Carsten. So sehr ich Dich und Dein Blog schätze – was Du da schreibst ist Quatsch. Google ist nicht der passive Player, den Du hier beschreibst, sondern hat gewaltiges Gewicht bei der Gesetzgebung in Washington. Google gibt jährlich mehr Geld für Lobbyarbeit aus als Apple, Facebook und Microsoft zusammen. Mehr Geld als Lockheed Martin. Ich will Dir nicht Deine ganze Kommentarleiste volltexten – wenn Dich meine Meinung interessiert – hier lang: http://www.gutjahr.biz/2015/01/je-suis-wiki/ (Damit habe ich nach langer Zeit endlich auch mal wieder einen Link bei Dir platziert. 🙂 Lass uns mal über einem Bier das Thema diskutieren. Würde mich freuen. Cheers!

  16. wieder ein Skandal..

  17. „…Schließlich unterliegt auch Google Gesetzen, egal wie sinnig diese sind…“ das ist wohl die Kernaussage des Kommentars.