Google droht Einstellung der Websuche in Australien an

Google und die Verlagsbranche stehen schon lange in einem Spannungsverhältnis: Einerseits leitet Google Leser zu den Portalen der Verlage weiter. Andererseits sucht die Branche nach neuen Wegen angesichts sinkender Auflagen gedruckter Erzeugnisse online Geld zu verdienen. Und da stellt man es oft so dar, dass man nicht selbst von Google profitiere, sondern Google von den News und Berichten der Verlage. In Australien droht der Konflikt möglicherweise scharfe Konsquenzen nach sich zu ziehen.

In Deutschland gab es schon einmal ähnliche Streitereien: Die Verlagsbranche, angeführt vom Axel Springer Verlag, setzte massive Lobbyarbeit ein, um das sogenannte „Leistungsschutzrecht für Presseverleger“ durchzuboxen. Ziel war es damals, Google dazu zu zwingen, für in den Google News angeteaserte Beiträge Geld zu berappen. Das Ende vom Lied war, dass Google sich entschied alle Portale dort nicht mehr aufzuführen, die den Rubel rollen sehen wollten. Man bot aber an, die Verlage und ihre Websites weiterhin zu listen, sollten sie auf eine Entlohnung verzichten. Das Ende vom Lied ist wohlbekannt und das „Leistungsschutzrecht für Presseverleger“ wurde zu einer Luftnummer.

Im offiziellen Google Blog für Australien hat Mel Silva, Managing Director für Google in Australien und Neuseeland, sich nun zum Thema geäußert. Die Managerin ergreift dabei recht klare Worte. Demnach sei man an einer konstruktiven Zusammenarbeit für neue Regelungen rund um Online-Nachrichten in Australien interessiert. In der aktuellen Form sei da aber nichts zu machen. Die bisherigen Entwürfe würden nicht nur Google schaden, sondern auch kleinen Verlagen und anderen Geschäften. Am schwerwiegendsten sei die Forderung, dass Google für Textausschnitte und Verlinkungen in der Suche bezahlen solle.

Dieser Vorschlag gehe an den Grundprinzipien des WWWs vorbei, das auf Vernetzungen aufbaue. Sollte dieser Punkt nicht geändert werden, dann gebe es für Google nur eine realistische Möglichkeit: Die komplette Einstellung der Google Suche in Australien. Es sei eine Fehlannahme, dass die Nutzer der Suchmaschine sie nur wegen Nachrichten nutzen würden. Natürlich sei Journalismus wichtig, aber Google verweise nicht nur auf Nachrichten, sondern auf eine wesentlich höhere Bandbreite an Online-Präsenzen. Alle müssten leiden, wenn man den Betrieb der Websuche in Australien einstellen müsse.

Google schlägt stattdessen Vergütungen über News Showcase vor. Das 2020 gestartete Angebot arbeitet mit Verlagen zusammen und packt ausgewählte Inhalte hinter eine Paywall. Hatte Caschy ja auch drüber berichtet. Facebook wägt übrigens auch bereits Schritte ab. Dahinter steckt vor allem in beiden Fällen auch der Hintergedanke, dass weder Google noch Facebook hier einen Präzedenzfall zulassen wollen, der ihr Geschäftsmodell in anderen Ländern in Gefahr brächte.

Zur Erinnerung: In Spanien hat Google aus ähnlichen Gründen z. B. Google News eingestellt. In Australien könnte aber eben die gesamte Suche betroffen sein. Da sind die Meinungen zur ganzen Debatte nun gespalten. Politiker haben erklärt, sie würden sich nicht von einem Unternehmen unter Druck setzen lassen, was Gesetze betreffe. Einige Rechtsexperten sehen wiederum kritisch, dass Google quasi auch noch dafür bezahlen solle, dass das Unternehmen den Verlagen Besucher zuschanze. Eure Meinung?

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16 Kommentare

  1. Singing Unicorn says:

    Es ist natürlich ein Unding, daß man einen Suchmaschinenanbieter dafür zur Kasse bitten will, weil er ein paar Schnipsel aus Zeitungsartikeln veröffentlicht, die sich ohnehin meist hinter einer Paywall befinden. Ich habe beruflich Zugriff auf so ziemlich alle Tageszeitungen eines bestimmten Bundeslandes. So gut wie alles – außer irgendwelchen PR-Artikeln – befindet sich mittlerweile hinter einer Paywall. Da gibt es nichts zu sehen. Und schon gar nicht gratis.

    Andererseits sollte sich Google nicht so aufplustern. Wenn die Google-Suche wegfällt, fällt sie eben weg. Es gibt andere Suchmaschinen. Die mögen nicht in allen Fällen so gut aufgestellt sein, aber dann ist das eben so. Auch andere Suchmaschinen werden weiterentwickelt.

    • Vermutlich könnte man in Australien ja trotzdem mit Google.uk oder .com suchen. Denke nicht dass sie diese Wege blocken werden.

    • Wolfgang D. says:

      @Singing Unicorn „Wenn die Google-Suche wegfällt, fällt sie eben weg. Es gibt andere Suchmaschinen“

      So spricht das #Neuland… Hat man ja an Fireball gesehen, deren einzige Weiterentwicklung war, einen nur mit noch mehr Werbung und Popups vollzuballern. Und dann kam die Google Suche, wo man endlich die Inhalte samt zugehörigen Seiten fand.

      Genau deshalb ist dieses australische Gesetz eher grober Unfug, Google handelt hier mal korrekt, und das hätten sie mit dem LSR in DE genauso handhaben müssen, anstelle dieses seltsamen Kompromisses. Wer nicht in den Index will, muss eben seine robots.txt konfigurieren und vertiefte Inhalte hinter eine Paywall stellen. Wie es unsere Lokalzeitung schon länger macht, oder auch Heise.

    • Google ist mit sehr großem Abstand die beste Suchmaschine im Netz, das wäre schon ein herber Verlust für die Nutzer. Mal von dem generellen Schaden fürs Internet und den freien Informationsaustausch ganz abgesehen.

  2. > Dieser Vorschlag gehe an den Grundprinzipien des WWWs vorbei, das auf Vernetzungen aufbaue.

    Aber Nutzer mit News, AMP, etc an sich binden um mehr über sie zu lernen. Wenn ich bei Google News gucke was so los ist verbringe ich natürlich weniger Zeit auf den Seiten der Verlage und sorge so für weniger Ad Impressions. Das ist halt Vor- und Nachteile eines Aggregators. Das gleiche könnte man auch für Reddit, Hacker News und zig andere Angebote behaupten.

    Davon abgesehen ist das nichts weiter als eine leere Drohung. Wenn der Markt vorhanden ist und ein Anbieter aussteigt dann stehen schon eine Hand voll Konkurrenten da um sich den Anteil zu schnappen.

  3. Kann mir jemand erklären, warum google die komplette Suche in Australien einstellen will, und nicht nur die Verlage aus dem Index nehmen? Irgendwie wird mir das aus dem Artikel nicht klar.

    • Die schließen ihre Niederlassung und https://www.google.com.au in Australien.
      Natürlich wird keiner daran gehindert Google.com zu nutzen. Nur sind lokale Suchergebnisse dann halt nicht mehr so genau.
      Oder es gibt halt Geoblocking.
      Wie dem auch sei, Google wird sich sicher nicht beugen und einen Präzedenzfall kreieren.

    • Das ist mir auch in anderen Quellen nicht klar geworden. Eventuell will Google auch ein Exempel statuieren, damit niemand anderes ein solches Gesetz wagt. Australien ist ja kein besonders großer Markt, damit kann man schon mal pokern.

  4. Die Forderungen der Verlage sind einfach nur dreist. Fakt ist die allermeisten News gibt es tausendfach von verschiedenen Quelle im Netz, die Verlage sind längst ersetzbar.

    Und nun soll google dafür Gebühren bezahlen, dass sie den Besucher auf die Seite von Verlag A bringen der dort Geld über Werbung verdient an dem Besucher den er ohne google nicht hätte?

    Verrückte Welt, sowas überhaupt ernsthaft in Erwägung zu ziehen.

    • Singing Unicorn says:

      Red‘ doch keinen Unfug. Die allermeisten News gibt es nicht im Netz. Gerade die regionalen und lokalen Zeitungen verstecken aus guten Gründen ihre Inhalt hinter der Paywall. Weil es sie nämlich genau nicht „tausendfach“ gibt. Klar kann man überall nachlesen, wie der neue Präsident der USA heisst. Und weiter? Was nutzt dir das im Alltag? Wichtig ist, was bei dir vor Ort im Parlament entschieden wird. In deiner Stadt. Denn genau das betrifft dich. Und das erfährst du nunmal nicht irgendwo im Internet. Dafür brauchst du ein Zeitungs-Abo.

      • Mit „red doch keinen Unfug“ in so eine Diskussion einzusteigen ist schon mal ganz schlechter Stil.
        Aber da Du oben schon dargelegt hast, dass Du nicht nachvollziehen kannst wo das Problem ist wenn es google nicht mehr gäbe ist Deine Sichtweise auf das Thema wohl eh etwas begrenzt.

        Zu Deiner These: Selbst regionale News gibt es in unzähligen freien Quellen. Selbst Ereignisse aus unserer Kleinstadt kannst Du locker jeweils in 5-10 Quellen nachlesen. Was sich hinter Paywalls versteckt sind meistens detaillierte Hintergrundberichte zu einzelnen Themen, und in so einem Fall zahle ich auch dafür wenn es wirklich exklusive Inhalte sind die das Geld wert sind.

        • Hi, Beispiel für unsinnige Paywall:Die Änderungen im bus- und Schnellbahnverkehr in meiner Stadt sollte ich auch bei einem Anbieter bezahlen – dabei waren sie sowohl beim Verkehrsverbund selber als auch bei einigen Gruppen , die sich hobbymäßig mit Nahverkehr befassen, nachzulesen . Evtl. mußte man dann eben auf zwei Seiten nachlesen , aber dafür ohne dafür löhnen zu müssen. Google verlinkte aber prominent auf die Seite mit der paywall … also sollen die sich nicht beschweren, wäre ich nicht bereit gewesen weiter nach kostenfreien Auskünften zu suchen, hätte ich ja vielleicht gezahlt – so hätte sich dann derVerweis von Google für die anbieter gelohnt. Wer weiss warum deren Angebot so pominent auf Google verlinkt war – ein Schelm wer „payd placement“ dabei denkt …

  5. A) Jede/r kann das gesamte Netz „scannen“ und Verlinkungen herstellen. Das ist das Prinzip von www und http. Google macht dies seit langer Zeit sehr gut und ist daher beliebt.

    B) Jede/r kann seine/ihre Webseite vor so einer Suchmaschinen Verlinkungen „schützen“. Eine einfache Textdatei mit entsprechendem Hinweis in einem oder mehreren Verzeichnissen auf dem Server löst dieses Problem.

    Möchte also eine Zeitung nicht, dass eine Suchmaschine die Artikel verlinkt oder anreißertexte zeigt, kann diese das sehr einfach abstellen.
    Tun sie aber nicht, weil sie ja gefunden werden wollen.
    Man kann aber nicht sagen, dass man verlinkt werden möchte und dann auch noch Geld dafür verlangen – das klingt für mich paradox und dreist, evtl auch vermessen.

    Das würde dann alle Suchmaschinen betreffen und was mit Blogs ist, die News verlinken um darüber zu berichten, dürfte dann auch unklar sein – schon klar, dass man Google zur Kasse bitten möchte. Wird nur nicht klappen. Am Ende sind dann alle gekniffen und Google schaltet den Dienst halt dort ab – was so ziemlich jeden User ärgern dürfte

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