Google Chrome: Vollständige URL soll nicht mehr in der Adresszeile auftauchen

Google experimentiert aktuell damit in der Adresszeile von Chrome nicht mehr die vollständige URL einer Website anzuzeigen. Man soll sich als Nutzer aber entscheiden können, ob man die komplette Webadresse sehen möchte oder eben nicht.

Begonnen hat Google mit diesem Experiment in Chrome Dev / Canary 85. Dann wird nur noch die Website-Domain angezeigt, mehr aber nicht – beispielsweise seht ihr dann „stadt-bremerhaven.de“ aber nicht mehr „stadt-bremerhaven.de/google-chrome-vollstaendige-url-soll-nicht-mehr-in-der-adresszeile-auftauchen“, was dem vollständigen Link zu diesem Artikel entspräche. (Das „https:/“ sieht man als Standard bereits jetzt nicht mehr, nur noch beim Markieren / Kopieren.)

Googles Vorgehensweise erntete bereits Kritik, denn offenbar ist es vielen Nutzern wichtig, die vollständige URL zu sehen. Ein Chromium-Entwickler begründet den Schritt damit, dass anhand der vereinfachten URL Phishing für den Laien schneller zu erkennen sei. Das lasse ich mal so dahingestellt. Google hatte dazu mal eine Untersuchung durchgeführt, die ergeben hatte, dass eine klare, einfache URL von den Nutzern besser zugeordnet werden kann.

Wer aber viel im Web unterwegs ist, wird sicherlich bevorzugen die vollständige URL zu sehen. Dazu gehöre ich auch selbst. Es soll aber eben weiterhin die Möglichkeit geben, auszuwählen, dass ihr stets die vollständige Adresse einer Site erspäht. Ein Rechtsklick soll genügen, dann könnt ihr jene Option auswählen. Diese Opt-Out-Möglichkeit soll auch dauerhaft bestehen bleiben. Nun bin ich gespannt, ob und wann Google dann dauerhaft auf die verkürzte URL-Ansicht als Standard umstellt – offenbar ist das ja der Plan.

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André Westphal

Hauptberuflich hilfsbereiter Technik-, Games- und Serien-Geek. Nebenbei Doc in Medienpädagogik und Möchtegern-Schriftsteller. Hofft heimlich eines Tages als Ghostbuster sein Geld zu verdienen oder zumindest das erste Proton Pack der Welt zu testen. Mit geheimniskrämerischem Konto auch bei Facebook zu finden. PayPal-Kaffeespende an den Autor.

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31 Kommentare

  1. Ich bin da kein Fan von.
    Wenn es ums erkennen von Phishing geht: die Laien in meinem Bekanntenkreis schauen so oder so idR nicht drauf. Ob da jetzt noch das Protokoll dabeisteht oder nicht, ist egal…
    Google hätte ja auch die Möglichkeit potenzielles Phishing zu erkennen und dann einen Warnhinweis einzublenden.
    Wenn es eine Seite gibt, die irgendwelche legitimen Domains von PayPal, Amazon und Co. imitiert, dann kann man davon ausgehen, dass es sich um Phishing handelt usw.

  2. Also für Laien ist das sicherlich super.
    Sehe es im eigenem Umfeld auch, das viele Leute die passende Webseite bei Google eintippen mit www und passenden Unterseiten.
    Ich werde es auch sofort deaktivieren.
    Sollte es dadurch auch nur 1 phishing Opfer weniger geben hat es sich doch gelohnt.

  3. Bin kein Fan von dieser Massnahme, aber das Argument dass dadurch Fishing einfacher zu erkennen ist, finde ich nachvollziehbar. Meine Erfahrung mit Menschen, die ihr Leben nicht vor dem Computer verbringen, ist, dass die Begriffe URL, Adresszeile, Domäne uswusf. eher nicht verstanden werden. Deswegen ist jede Vereinfachung in der Darstellung hier eine Hilfe.

    • Ich hab bei den Laien in meinem Umfeld die Erfahrung gemacht, dass nicht mal bekannt ist, dass es einen Unterschied macht, ob ich .de oder .com verwende: „Facebook geht doch so oder so, egal ob .de oder .com, wo ist der Unterschied?“
      Da hilft sowas auch nicht wirklich… Das Verständnis, was eine Domain ist, fehlt einfach komplett…

      • Jonas Wagner says:

        Verstehe ich jetzt nicht ganz. Bei sehr vielen großen Websites ist es doch tatsächlich egal, welche TLD man verwendet.
        Oder verstehe ich etwas falsch? Danke

        • Genau, aber für den Laien ist die Schlussfolgerung nicht „Es ist egal, welche TLD ich eingebe“ sondern „solange da facebook steht, bin ich richtig“. Vorausgesetzt der Nutzer schaut überhaupt rein, fällt er dann halt auch auf „facebook.secure-data-site.to/givemeyourpassword“ rein…

          • Jonas Wagner says:

            Ah. Du meinst wenn sich dann irgendwelche Gangster facebook.cc registrieren um damit was anzurichten.
            Darum ist es für solche Plattformen wichtig, alle Domains zu kaufen.

            • Wenn du so willst, ja. Aber meistens sind es halt doch irgendwelche Subdomains.
              Wie gesagt, ich bin für eine Art Warnung, wenn Phishing vermutet wird, denn die meisten Laien schauen gar nicht auf die URL, wenn sie eine Mail bekommen, sich für PayPal zu verifizieren, weil ihr Konto in Gefahr ist.
              Da wird geklickt und eingegeben, auch wenn die User vorher sensibilisiert wurden.

              Und um Fake-Gewinnspiele auf Facebook und Co. loszuwerden, muss endlich die Praxis aufhören, dass seriöse Firmen die Domains irgendwelcher Dienstleister verwenden, um selber Aktionsseiten zu machen. Wenn Ferrero ihr Gewinnspiel auf gewinnspiel.ferrero.de hostet, kann ich Laien verklickern, dass sie auf den Firmennamen achten müssen. Aber wenn Ferrero die Domain ferrero.serioeserpartner.de verwendet, fällt dem Laien nicht auf, dass ferrerogewinnspiel.phishingbetrug.com nicht echt ist.

              Wenn der Schutz vom Browser kommt, ähnlich wie HSTS und Phishing zuverlässig erkannt wird, dann bringt es dem Nutzer mehr.

  4. Ich betreue Webseiten und da ist es schon entscheidend, ob eine Domain von https://domain.de auf https://www.domain.de umleitet oder nicht. Außerdem habe ich Systeme, bei denen das durchaus auch ein Unterschied ist, ob man mit oder ohne www ein Backend aufruft und dann die Lizenz gecheckt wird. Bisher habe ich das Ganze mit dem Plugin „Suspicious Site Reporter“ aktiviert, so dass ich die gesamte URL sehe. Ich hoffe, dass das auch weiterhin funktioniert.

  5. Verstehe ich nicht so recht, denn gerade durch die vollständige URL kann ich doch Phishing Seiten besser entlarven. Ich glaube Vivaldi hatte mir das „Feature“ mit Version 3 eh schon untergejubelt und ich habe es direkt deaktiviert^^ Aber für die junge Generation, die außer Doppelklick auf ein Icon nicht mehr viel von der Technik versteht, sicher vereinfachend.
    @Jörg: Also meine Kollegen tippen standardmäßig erstmal Google in die Google Searchbar ein 🙂

    • Jonas Wagner says:

      Der Gedanke dahinter ist wohl:
      Wenn da steht:

      http://www.banking-now-438.com/deutsche-bank.de/banking/secure/

      könnte eher jemand denken, dass er auf deutsche-bank.de de ist als wenn da steht:

      http://www.banking-now-438.com

      Ich werde es aber trotzdem deaktivieren.

      Übrigens macht Safari das ja schon länger so mit der Abkürzung in der Standardkonfiguration.

    • „die junge Generation, die […] nicht mehr viel von Technik versteht“
      Weil es ja auch keine jungen Leute gibt, die sich damit beschäftigen und jeder über 30 den vollen Durchblick hat 😉
      Ich stimme dir grundsätzlich zu, aber diese Aussage kann ich nicht nachvollziehen.

    • Blödsinn wenn ich gerade schaue was die in der 11 klasse An Java bauen müssen bzw. Architektur und Ci. Durchgehen…dann glaub ich das sie mehr Verständnis haben werden als die alten…der Unterschied ist das sie weniger stur sind und geistig noch flexible für neue Dinge

  6. chris1977ce says:

    Edge Chromium da gehts und man muss nix mehr extra installieren – warum also noch Chrome nutzen wollen?

  7. Eigentlich könnte man in Chrome standardmäßig schon einen Modus starten, wo die Adresszeile gar nicht mehr zu sehen ist. Die meisten benutzen ja eh nur Social-Media-Feeds oder Google, da braucht man auch keine Adresszeile mehr um durchs Web oder besser gesagt die paar Dienste, die man noch benutzt, zu navigieren.

    • Die Idee klingt fast so absurd wie die von Opera, dass man auf Lesezeichen verzichten könnte. War meine ich mit der Umstellung vom „klassischen“ Opera auf Chromium.

  8. Das ist eine experimentelle OPTION, mehr nicht. Insofern ist die Überschrift des Artikels irreführend.

    • Nein, Google hat schon vor einigen Monaten angekündigt, dass es in diese Richtung gehen wird und das Standard werden soll. Damals gabs dann schon extrem viel Kritik.

      • Selbst wenn das die Standardeinstellung werden sollte, heißt das nicht, dass man das nicht optional abschalten kann.

        • André Westphal says:

          Dass es abschaltbar bleiben soll, steht doch glasklar im Post. Genau wie der Plan es als Standard in Chrome zu implementieren. Da habe ich ein wenig den Eindruck, du hast direkt auf die Headline reagiert, aber den Beitrag gar nicht gelesen?

          • Aber die Überschrift bleibt irreführend, und als Blogger solltest du die Wirkung von irreführenden Überschriften kennen (selbst wenn das weiter unten relativiert wird). Schau dir nur mal z.B. den Kommentar von Thomas (über meinem) an, der ist offensichtlich drauf reingefallen oder hat nicht weiter gelesen.

            • Du meinst mich? Soweit ich das sehe, sind alle bisherigen Kommentare von „Thomas“, von mir.
              Ich habe es sehr wohlverstanden und gelesen. Woran machst du fest, dass es anders wäre?

              Mir geht es drum, dass 99% der Otto Normalverbraucher keine einzige Einstellung im Browser ändern. Schon gleich drei mal nicht so eine. Also wird es de facto Standard für den Otto und für den ist es besonders relevant…

              • Das machte ich daran fest, dass du deine Antwort an mich mit dem Wort „Nein“ begonnen hattest.

                Aber falls du das anders gemeint haben sein solltest, dann ist ja nun alles gut. 😉

                • Also wieder nach dem ersten Wort nicht weitergelesen?

                  Das nein Bezog sich auf deine Aussage, die Überschrift sei irreführend. Der Zusammenhang wäre klar geworden, wenn du weitergelesen hättest…

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